Ant-Man

Mit ANT-MAN beendet das Marvel Cinematic Universe die zweite Phase und lässt uns bis Mai 2016 auf glühenden Kohlen zurück, eh Captain America dann mit seinem dritten Einzelabenteuer auftrumpfen darf. Bis dahin liefert uns Paul Rudd in der Rolle des pfiffigen Trickbetrügers Scott Lang eine großartige Performance ab und Regisseur Peyton Reed den wohl bislang lustigsten Film der Marvelfilmhistorie. Mehr dazu in meiner ausführlichen Kritik.

Ant-Man

Der Plot

Trickbetrüger Scott Lang (Paul Rudd) hat das Gefängnis gerade wieder verlassen, als er von seinem liebenswürdigen Kumpel Luis (Michael Peña) von der Möglichkeit eines neuen, noch viel größeren Coups erfährt. Da Scott endlich das nötige Kleingeld braucht, um sich ein bodenständiges Leben aufzubauen und so seine geliebte Tochter Cassie wiederzusehen, sagt er zu. Doch anstatt das große Geld entdeckt er in dem aufgebrochenen Tresor eines halbverfallenen Hauses lediglich eine Art Anzug. Scott glaubt, den Prototyp einer Motorradverkleidung gefunden zu haben, probiert ihn an und schrumpft augenblicklich auf Ameisengröße. Von dem genialen Wissenschaftler Dr. Hank Pym (Michael Dougles) erhält er die Erklärung für diese skurrile Erfindung: Als Ant-Man, einer Art Mini-Soldat, könnte Scott Lang zur Sicherheit der Gesellschaft beitragen und die Welt vor einer gefährlichen Bedrohung beschützen. Gemeinsam mit Pyms ebenso attraktiven wie ehrgeizigen Tochter Hope (Evangeline Lilly) nimmt es Scott mit dem zwielichtigen Darren Cross (Corey Stoll) auf, der an einer Armee aus Mini-Soldaten tüftelt, dabei jedoch die Gefahr für die Menschheit übersieht, die ein solches Experiment bergen könnte.

Kritik

Nach nunmehr elf Filmen innerhalb der ersten beiden Phasen des Marvel Cinematic Universe hat sich das unter der Dachmarke Disney befindliche Comic-Universum bereits in sämtliche Richtungen entwickelt. Die von der nordischen Mythologie inspirierten „Thor“-Geschichten haben ebenso ihren festen Platz innerhalb der „Avengers“-Odysseen wie die an die Spy-Thriller des Kalten Krieges angelegten „Captain America“-Eskapaden oder die schrillen Exzesse der „Guardians of the Galaxy“. Eines blieb den Marvel-Filmen jedoch bislang verwehrt: Ein waschechtes Heist-Movie gab es ebenso wenig wie die Konzentration auf einen reinen Komödienplot. Damit hat „Ant-Man“, das erste Abenteuer des gleichnamigen Underground-Helden, seinen Vorfilmen schon mal etwas voraus. Denn nicht nur visuell mengt Regisseur Peyton Reed („Der Ja-Sager“) dem Marvel-Universum neue Akzente bei, auch inhaltlich gelingt dem Filmemacher ein kleines Kunststück. Wenngleich man gerade auf internationaler Ebene noch lange nicht von einer Comicadaption-Überdrüssigkeit des Publikums sprechen kann, so steht außer Frage, dass sich die kinematografischen Abenteuer diverser Superhelden vor allem deshalb so lange auf den vordersten Plätzen der Kinocharts halten, weil sich gerade innerhalb der Marvel-Schmiede die Filme der einzelnen Protagonisten essentiell voneinander unterscheiden. Mit dem zweiten „Avengers“-Stelldichein „Age of Ultron“ geriet dieses eigentlich selbstverständliche Vorhaben ins Wanken; aller ausgefallenen Plotideen zum Trotz machten sich erste, winzige Alterungserscheinungen breit und der bewährte Storyaufbau, an dessen Ende (zwangsläufig) eine bewährte Weltenrettungs-Schlacht steht, raubte dem Geschehen im Ansatz die Originalität. Originalität: Ein Zauberwort, das sich Reed und sein Team nun aber auf die Fahnen schreiben dürfen, denn „Ant-Man“ reicht vielleicht nicht an die inhaltliche Komplexität von „Age of Ultron“ heran, macht sich dafür aber das Motto „Die Letzten werden die Ersten sein!“ zunutze, indem die Macher es geschickt abwandeln: „Die Kleinsten werden die Größten sein!“ heißt es nun; „Ant-Man“ ist Marvels erste, reine Komödie und sorgt auf der Zielgeraden der Phase zwei nochmal für frischen Wind im Marvel Cinematic Universe.

Ant-Man

Die Produktionshistorie von „Ant-Man“ ersetzt die teils fehlende Storysubstanz des Films selbst, denn selten wurden die Belange hinter den Kulissen eines Kinoprojekts kritischer von Fans beäugt, als im Falle des ameisengroßen Superhelden. Ursprünglich wurde der vornehmlich durch seine Arbeit an Komödien bekannte Edgar Wright („Blood-and-Icecream-Trilogie“) mit der Konzeption an „Ant-Man“ betraut, bis kreative Differenzen im Mai 2014 dazu führten, dass sich der Disney-Konzern noch vor der ersten Klappe von Wright trennte. Mit Peyton Reed griff man schließlich auf einen Regisseur ohne eigene Handschrift zurück; einen sogenannten „Yes-Man“, einen Auftragsregisseur ohne allzu große, künstlerische Eigenansprüche. Schnell geriet die Arbeit an „Ant-Man“ ins Visier der kritischen Marvel-Fanbase, die sich vor allem eines fragte: Wie sehr wird der Einfluss von Edgar Wrights Arbeit im fertigen Projekt noch spürbar sein? Jene Frage sei schnell beantwortet, denn besonders in der Charakterzeichnung, an der Wright als Drehbuchautor mitwirkte, finden sich die Vorzüge des Filmemachers, dem es gelingt, die Eigenheiten und Spleens der Haupt- und Nebenfiguren herauszuarbeiten, ohne sie der Lächerlichkeit preiszugeben. Insbesondere das ebenso zwielichtige wie liebenswürdige Trio aus Luis (Michael Peña), Kurt (David Dastmalchian) und Dave (T.I.) wäre in anderen Händen vermutlich zu einem anstrengenden Sidekick geworden; unter der Aufsicht von Edgar Wright entwickeln jedoch alle drei ein ganz eigenständiges, interessantes Charakterprofil.

Anders als sämtliche anderen Filme des Marvel Cinematic Universe – „Guardians of the Galaxy vielleicht einmal ausgenommen – konzentriert sich Peyton Reed auf einen äußerst beschwingten Grundton und macht keinen Hehl daraus, dass sein „Ant-Man“ bevorzugt dem Komödiengenre angehören soll. Wurden in „Captain America“, „The Avengers“ und Co. noch die Taten der Bösewichte in den Fokus gerückt und zum Dreh- und Angelpunkt der jeweiligen Geschichte auserkoren, so findet die Bedrohung durch den sich selbst genießenden Schurken Darren Cross (Corey Stoll) eher am Rande statt. „Ant-Man“ legt viel Wert auf die Person Scott Lang sowie deren innere Zerrissenheit. Der wunderbar natürlich aufspielende Judd-Apatow-Liebling Paul Rudd („Immer Ärger mit 40“) kombiniert die Verspieltheit eines großen Jungen hervorragend mit dem Wissen um die eigene Vorbildfunktion und macht aus Lang einen spannenden Charakter, dessen Unentschlossenheit, gepaart mit absoluter Herzensgüte, viel Spielraum für kommende „Ant-Man“-Abenteuer lässt. Im Aufeinandertreffen mit „House of Cards“-Star Corey Stoll prallen schließlich nicht bloß unterschiedliche Wertvorstellungen aufeinander, sondern auch die Grundlagen eigener Selbstwahrnehmung: Scott Lang als zurückhaltender Wäre-gern-Saubermann wächst am übermäßigen Ego des manischen Forschers über sich hinaus – und schlägt ihn schließlich mit seinen eigenen Waffen. Das ist in seiner Simplizität kein bahnbrechendes Plotspielzeug, wohl aber das beste Mittel, um den Zuschauer entgegen allzu weit hergeholter Storytwists und -Erklärungen dennoch bei Laune zu halten.

Auf Knopfdruck schrumpf Scott Lang auf Ameisengröße und wird damit zu Ant-Man!

Auf Knopfdruck schrumpf Scott Lang auf Ameisengröße und wird damit zu Ant-Man!

Wie kein anderer Marvel-Film hat es sich „Ant-Man“ zur Hauptaufgabe gemacht, dem Publikum pures Entertainment zu bereiten. Das führt schlussendlich zwar dazu, dass Peyton Reeds 3D-Blockbuster (noch) keine allzu großen Einflüsse auf das bisherige Marvel-Geschehen zu haben scheint (wenngleich es bereits einen anderen Helden für einen Kurzauftritt in den Film verschlägt), allerdings könnte die Figur des Ant-Man als adäquate Ergänzung für jene Superheldencombo dienen, die in der dritten Phase gegen den Untergang der Welt beziehungsweise gegen den voraussichtlichen Endgegner Thanos zu kämpfen hat. Scott Langs Nahbarkeit wird die philanthropische Attitüde eines Tony Starck ebenso wenig ersetzen können, wie die Unberechenbarkeit eines Hulk, doch Paul Rudds Agieren könnte den kommenden Marvel-Abenteuern eine erfrischende, neue Richtung weisen. Die Einflüsse von Edgar Wright, aber auch das genaue Auge von Peyton Reed sowie seinem Kameramann Russell Carpenter („Das gibt Ärger“) betonen einmal mehr, dass Marvel seine Filme trotz der immensen, inhaltlichen Auswüchse immer noch zum Segment der Unterhaltung zählt; der größte Konkurrent DC löste sich schließlich erst vor Kurzem von dieser Idee und kündigte gar an, mit dem Schaffen der Justice League so etwas wie eine „Ernsthaftigkeits-Offensive“ starten zu wollen. „Ant-Man“ darf da gern als Gegenbeispiel herhalten, denn mit dem konsequenten Verweigern einzelner One-Liner, die in den letzten Filmen zwar die bemühte Coolness betonten, jedoch weniger Auswirkungen auf den eigentlichen Tonfall hatten, setzt Peyton Reed ein klares, humoristisches Statement. Das lässt einen schließlich auch darüber hinwegsehen, dass es in der Story durchaus den einen oder anderen Moment gibt, an dem die Dramaturgie für einen Moment ins Stocken gerät.

Corey Stoll

Als ein einziges solches ließe sich vermutlich auch die letzte halbe Stunde von „Ant-Man“ bezeichnen, denn diesmal findet der finale Showdown nicht etwa in einer sukzessive zerstörten US-Metropole statt, sondern im Kinderzimmer von Scotts geliebter Tochter Cassie. Lediglich eine Styropor-Stadt darf Ant-Man in „Schutt und Asche“ legen – augenzwinkernder könnte man kaum betonen, dass Wright seinen Film insgesamt eine Nummer kleiner, dafür aber wesentlich spitzfindiger angelegt hat, um sich bewusst vom populären „Schneller, höher, weiter“-Prinzip Hollywoods loszulösen. Mit dem Kniff, visuell zwischen zwei Größenverhältnissen hin- und herzuspringen und die Geschehnisse mal in Ultra-Großaufnahme, dann wieder realistisch darzubieten, gestalten sich selbst die Actionchoreographien weitaus spannender als die zwar stets perfekten, jedoch mit der Zeit auch ein wenig eintönig daherkommenden CGI-Eskapaden der anderen Marvel-Filme, geschweige denn die Materialschlachten eines Michael Bay. Lediglich einen Makel muss man auch „Ant-Man“ attestieren: Die Marvel-Filme werden akustisch wohl nie die Maßstäbe setzen, wie es die auf DC Comics basierende Produktionen zu tun vermochten. Christophe Becks („Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“) Score ist trotz beschwingter Latino-Einschübe nicht mehr als durchschnittliche Blockbuster-Klangkulisse, deren Unentschlossenheit der unausgegorenen 3D-Animation die Hand reichen kann. Auf beiden Ebenen haben die kommenden Produktionen des Marvel Cinematic Universe noch akuten Nachholbedarf.

Fazit: Kleiner Mann ganz groß: „Ant-Man“ ist der Blockbuster des Sommers und trotz einer simpel gestrickten Geschichte einer der besten Marvel-Filme aller Zeiten!

„Ant-Man“ ist ab dem 23. Juli bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in 3D!

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