Dumm und dümmehr

In den frühen Neunzigerjahren waren sie Kult. Nun kehren Jim Carrey und Jeff Daniels in ihren Paraderollen aus „Dumm und dümmer“ zurück auf die große Leinwand. Ganze zwei Jahrzehnte ließ das Sequel DUMM UND DÜMMEHR auf sich warten. Zu lang? Zu kurz? Ich verrate es in meiner Kritik zur Farrelly-Brachialcomedy.

Dumm und dümmehr

Der Plot

Lloyd Christmas (Jim Carrey) und Harry Dune (Jeff Daniels) sind seit vielen Jahren die aller besten Freunde. Auch wenn jeder für sich niemals allein überleben könnte, so sind beide zusammen doch auf eine gewisse Weise unschlagbar. Als Harry davon erfährt, dass er eine mittlerweile erwachsene Tochter hat, macht sich das Duo Infernale auf einen Roadtrip quer durch die Staaten. Natürlich nicht, ohne dabei eine Spur der Verwüstung hinter sich zu lassen…

Kritik

Sie sind wieder da! Nie stimmte diese obligatorische Sequel-Bekundung so sehr mit dem überein, was der Kinostart von „Dumm und dümmehr“ im November dieses Jahres wohl bei vielen Kinofans auslöst. Bei den einen, und – seien wir ehrlich – vermutlich bei den meisten, klingt an dieser Stelle sicherlich eine ordentliche Portion Wehmut in der Erkenntnis mit, dass Golden-Globe-Gewinner Jim Carrey („Die Truman Show“) und Emmy-Preisträger Jeff Daniels („The Newsroom“) nach nunmehr einem Jahrzehnt ein weiteres Mal in ihre Paraderollen der beiden Vorzeige-Vollidioten Lloyd und Harry schlüpfen. Die anderen – die Fans der 1994er Farrelly-Kultkomödie, von denen es weit mehr als nur eine Handvoll gibt – frohlocken bereits, seitdem vor rund drei Jahren die Pläne einer Fortsetzung die Runde machten. Nach einem ewigen Hin und Her mit den verantwortlichen Studios, kurzzeitigen Verwürfen diverser Drehbuchpläne und einer Absage von Jim Carrey, der nach den vielen Umstrukturierungen zeitweise überhaupt keine Lust mehr auf eine Fortsetzung der Brachialcomedy hatte, begannen die Dreharbeiten zu „Dumm und dümmehr“ – im Original „Dumb and Dumber to“ – im Sommer 2013 in der Stammbesetzung. Heute, über ein Jahr nach dem Fallen der ersten Klappe, kommt das Publikum nun in den zweifelhaften Genuss eines Films, den man kontroverser kaum auffassen könnte. Den Liebhabern des Originals liefern die Farrelly-Brüder einmal mehr eine politisch unkorrekte Ansammlung diverser Kalauer, die tatsächlich direkt dort anknüpft, wo das Original vor über zehn Jahren aufhörte. Wer jedoch nur ansatzweise die Nase rümpft, wenn das Dummschwätzer-Duo Lacher zu generieren versucht, indem es im Unterleib einer alten Frau herumwühlt, einen Wiedersacher mit Flatulenzen einnebelt und zu blöd ist, in Senf getauchte Würstchen zu essen, der durchlebt hier die zwei schlimmsten Kinostunden seines Lebens.

Dumm und dümmehr

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht!“ – Vermutlich lässt sich die 15. Langfilmarbeit der Farrelly-Brüder nur auf diese Weise für viele Kinozuschauer ertragen. Sofern diese denn in Gänze ohne Vorwissen an die Sache herangehen. „Dumm und Dümmehr“ richtet sich überdeutlich an ebenjene Zuschauer, denen für wenige Stunden der Sinn danach steht, Brachialcomedy aller erster Güte zu verfolgen. Verwerflich ist das nicht – ganz im Gegenteil. Über nichts lässt sich besser streiten, als über das Humorverständnis des deutschen Kinopublikums. Dabei bedienen die Regisseure überdeutlich eine Nische. Bobby und Peter Farrelly blicken in der Inszenierung ihrer „Dumm und dümmer“-Fortsetzung weder nach rechts noch links, sondern legen den Fokus zu jeder Sekunde auf die oberflächlichen, lauten Gags der beiden Hauptfiguren. Da auf den Schultern dieser beiden auch der ganze Film lastet, erweist sich das Zurückgreifen auf die Originalbesetzung als echter Bonuspunkt der Komödie. Die Chemie zwischen Jim Carrey und Jeff Daniels ist einmal mehr hervorragend und gerade weil die Aktionen der von ihnen dargestellten Figuren nie auch nur ansatzweise von irgendeiner Logik, geschweige denn von intelligentem Verständnis durchzogen sind, sind Carrey und Daniels in ihrem Zusammenspiel unfassbar passioniert. So kann man „Dumm und dümmehr“ so geschmacklos finden, wie man es für richtig hält: Dynamik innerhalb des Casts bleibt auch dem per se abgeschreckten Publikum nicht verborgen.

Für die Fans der Reihe ist diese Tatsache ein Geschenk. Nach der auch in Liebhaber-Augen miserablen Fortsetzung „Dumm und dümmerer“, die 2003 ohne den Ursprungscast daherkam und ein Prequel zum Original darstellen sollte, kommt das erste „richtige“ Sequel nun mit einem 35 Millionen US-Dollar hohen Budget daher, das zu großen Teilen in die visuelle Gestaltung geflossen ist. Wie es auch schon die lange Entstehungszeit von rund einem Jahrzehnt andeutet, macht „Dumm und dümmehr“ nicht den Eindruck einer lieblos fabrizierten Direct-to-DVD-Produktion. Hinter der Komödie steckt neben allerhand Fanservice allen voran das Vorhaben der Macher, die Comedy-Helden einer Generation erneut auf die Leinwand zu bringen. Für ebenjene ist das Farrelly-Projekt gemacht – alle anderen haben in einer Kinovorstellung des Films schlicht nichts zu suchen. Doch eine Frage bleibt: Wie überholt ist der Humor heutzutage, der in den frühen Neunzigerjahren aufgrund seiner nie dagewesenen Anarchie Maßstäbe setzte? Eine Antwort hierauf zu finden, ist nicht leicht. So sei an dieser Stelle zwar positiv anzumerken, dass die Farrelly-Brüder nach den doch sehr braven Comedy-Beiträgen „Verrückt nach Mary“, „Schwer verliebt“ oder auch „Nach 7 Tagen ausgeflittert“ zum humoristischen Exzess zurückgefunden haben. Gleichzeitig wirkt „Dumm und dümmehr“ im Vergleich zur modernen Hau-Drauf-Komödie zu wenig innovativ, um zwanzig Jahre später noch einmal für solch ein Aufsehen zu sorgen, wie man es damals tat.

Zwischen Harrys und Lloyds erstem Abenteuer und Heute ist viel Zeit vergangen.

Zwischen Harrys und Lloyds erstem Abenteuer und Heute ist viel Zeit vergangen.

„Dumm und dümmehr“ strotzt nur so vor Political Incorrecteness – feuchte Träume mit dem Haustier inklusive. Auch diverse Minderheiten bekommen wieder einmal ihr obligatorisches Fett weg. Den wenigen Nebenfiguren wird erwartungsgemäß wenig Beachtung geschenkt. Einzig die beiden Protagonisten liefern neben einer zweistündigen Blödeltour auch echtes Schauspiel ab – um sich so doof zu präsentieren, wie es Jeff Daniels und Jim Carrey in „Dumm und dümmehr“ tun, bedarf es schon einer ordentlichen Portion Mut zur Selbstdemontage, um sich nicht selbst an der Idiotie des Drehbuchs zu stören. Letzteres ist selbstverständlich kaum der Rede wert. Zwar gibt es einen erkennbaren, roten Faden. Gleichwohl dient dieser einzig und allein dazu, der Sketchparade so etwas wie eine Chronologie zu verleihen. Im Grunde ist „Dumm und dümmehr“ nicht mehr als eine simple Nummernrevue. So ist auch das Fazit an dieser Stelle nicht bloß irgendein Herunterbrechen darauf, ob dieses Filmprojekt mehr positive, oder mehr negative Argumente zum Kauf einer Kinokarte hervorbringen kann. Gerade Produktionen wie die der Farrelly-Brüder sind wie dafür gemacht, nicht alle zufriedenzustellen. Fans der Filmreihe können sich auf einen weiteren, anarchischen Spaß mit Jeff Daniels und Jim Carrey freuen, die alles geben, um den Zuschauer nicht nur zum Kopfschütteln, sondern auch zum Schmunzeln zu animieren. All jene, die nicht lachen können, wenn ein Mann am Katheter über das Krankenhausgelände gezogen wird, machen bitte (!) einen großen Bogen um die Idee, für „Dumm und dümmehr“

 „Dumm und dümmehr“ ist ab dem 13. November bundesweit in den Kinos zu sehen.

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