Das Kanu des Manitu

24 Jahre nach dem Original kehren Michael Bully Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian noch einmal in ihre Paraderollen aus der Westernparodie „Der Schuh des Manitu“ zurück. Doch kein ein Film wie DAS KANU DES MANITU heute noch so funktionieren wie damals? Die Antwort lautet überraschenderweise: Ja!

OT: Das Kanu des Manitu (DE 2025)

Darum geht’s

Abahachi (Michael Bully Herbig) und sein Blutsbruder Ranger (Christian Tramitz) sind noch immer gemeinsam im Wilden Westen unterwegs. Doch als ein paar böse Jungs in ihrem Namen Verbrechen begehen, stehen sie plötzlich im Zentrum eines fiesen Plans. Angeführt von der resoluten Boss (Jessica Schwarz) ist eine (noch) namenlose Schurkenbande auf der Suche nach dem sagenumwobenen Kanu des Manitu, das Unsterblichkeit verspricht und auf das es vor allem der listige Ölbaron Santa Maria (Sky du Mont) abgesehen hat. Nachdem sie gefangen genommen werden, müssen Abahachi und Ranger ihre eigene Haut retten – wofür sich ihnen ihr alter Kumpel Dimitri (Rick Kavanian) und Rangers Tochter Mary (Jasmin Schwiers) anschließen…

Kritik

Wenn zu Beginn von „Das Kanu des Manitu“ das Logo von Michael Bully Herbigs 1999 gegründeter Produktionsfirma herbX Film eingeblendet wird, muss man schon kurz schlucken: „25 Jahre“ steht da winzig klein daneben. Das ist gleich in doppelter Hinsicht beachtlich: Zum einen führt es einem vor Augen, wie lange es doch mittlerweile her ist, dass „Der Schuh des Manitu“ vor einem knappen viertel Jahrhundert in die Kinos kam. Zum anderen fällt einem aber auch auf: Allzu viele Produktionen sind dem bis heute gar nicht gefolgt. Und das, wo Bully doch mit „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“ zwei der bis heute erfolgreichsten deutschen Filme der Geschichte gedreht hat. Die Rückbesinnung auf die Ursprünge, auch bekannt als „Bullyparade – Der Film“, lockte 2017 dann nicht mehr annähernd so viele Fans in die Kinos wie die beiden zusammen über 20 Millionen Besucher:innen schweren Filme zuvor (nämlich „nur“ 1,9 Millionen, für eine sich sehr stark an eine bestimmte Zielgruppe richtende Sketch-Produktion aber immer noch beachtlich). Trotzdem haben Bully und seine beiden Weggefährten Christian Tramitz („Die Geschichte der Menschheit – leicht gekürzt“) und Rick Kavanian („Liebesdings“) nun doch noch einmal nachgelegt. Das Ergebnis ist – für eingefleischte Fans sicherlich eine Erleichterung – wirklich sehr solide geraten.

Abahachi (Michael Bully Herbig), Ranger (Christian Tramitz) und Rangers Tochter Mary (Jasmin Schwiers) haben das Kanu gefunden.

Im Vorfeld von „Das Kanu des Manitu“ hat Michael Bully Herbig immer wieder in Interviews betont, dass er einen Film wie „Der Schuh des Manitu“ heute nicht mehr so drehen würde wie damals. Und das ist ja auch kein Wunder. Schließlich haben sich gewisse Humorbefindlichkeiten und -Sensibilitäten über die Jahrzehnte geändert. Manches davon „macht man heute einfach nicht mehr“ – und das aus gutem Grund. Doch wer Bully bei all diesen Interviews der letzten Wochen genau zugehört hat, der durfte schon einen Eindruck bekommen, dass das Dreier-Autorengespann noch immer ziemlich genau weiß, was es da tut. Unter anderem schilderte Bully darin, wie er sich für die Skriptentwicklung Eindrücke von Native Americans und Mitgliedern der queeren Community einholte, um sicher sein zu können, mit seinem Humor niemanden ernsthaft zu verletzen. So gibt es in „Das Kanu des Manitu“ auch tatsächlich nur eine einzige Szene, in der man mit dem Gedanken „Darf man das heute noch?“ im Kopf kurz schlucken muss, Stichwort: Lieferservice. Sogar der Umgang mit der heute aufgrund seiner karikaturesken Darstellung durchaus umstrittenen Winnetouch-Figur ist geglückt; Winnetouch darf sich in außergewöhnlicher Kampfmontur sogar gen Ende als Retter in der Not erweisen und bleibt damit weiterhin eine unverzichtbare Figur des „Schuh des Manitu“-Kosmos.

„Wie so vieles weitere läuft auch dieses gezielte Eingehen auf zeitgeistbedingte Sensibilitäten am Ende auf etwas hinaus, was so gar nichts mit einem erhobenen Zeigefinger zu tun hat.“

Gleichzeitig müssen Fans der ersten Stunde keineswegs Sorge haben, Bully und seine Crew würden sich ins andere Extrem flüchten. „Das Kanu des Manitu“ ist kein Film, den der wütende Internetmob vermutlich als bemüht woke bezeichnen würde. Es ist zwar ein Running Gag, dass Abahachi sich die Bezeichnung als „Indianer“ verbietet. Doch wie so vieles weitere läuft auch dieses gezielte Eingehen auf zeitgeistbedingte Sensibilitäten am Ende auf etwas hinaus, was so gar nichts mit einem erhobenen Zeigefinger zu tun hat. Und dass sich dem Traumduo aus Abahachi, Ranger und Dimitri diesmal noch eine Frau anschließt, ist auch gar nicht so viel anders als im Original. Mit einem pfeilschnellen Monolog in einer skurrilen Fantasiesprache geht außerdem einer der besten Gags des Films auf das Konto von Jasmin Schwiers („Schatz, nimm du sie!“), die die Fußstapfen ihrer Quasi-Vorgängerin Marie Bäumer wunderbar ausfüllt. Auch weitere Neuzugänge wie unter anderem Friedrich Mücke („Gut gegen Nordwind“) und Jessica Schwarz („Das perfekte Geheimnis“) fügen sich sehr gut in das bekannte Ensemble ein. Und der letzte Leinwandauftritt von Sky du Mont („Eyes Wide Shut“) als Santa Maria wird genau so ikonisch in Szene gesetzt, wie man es von der zum Kult gewordenen Figur erwarten durfte (Achtung: Unbedingt bis nach dem Abspann sitzen bleiben!).

Rick Kavanian ist als griechischer Tavernenbesitzer Dimitri natürlich auch wieder mit an Bord.

In Sachen Humor bleibt „Das Kanu des Manitu“ ziemlich klar der Farbe seines Vorgängers treu. Die ganz großen Schenkelklopfer von einst findet man hier zwar nicht mehr. Stattdessen verzieht sich der Mund während des gesamten Films zu einem stetigen Grinsen. Bully, Tramitz und Kavanian zelebrieren einmal mehr ihre aufrichtige Begeisterung für Blödelei und legen sich mächtig ins Zeug dafür, die Rollen von damals noch einmal mit genau demselben Elan auszufüllen. Natürlich dürfen da auch Anspielungen auf das eigene Alter (eines von vielen hübschen Details: Rangers Pferd ist mittlerweile ganz grau geworden), vor allem aber auch auf Bullys bisheriges Schaffen nicht fehlen. Die sind mitunter gar nicht so offensichtlich erkennbar. Eine aus „(T)Raumschiff Surprise“ nur allzu bekannte Tasse, in einst Captain Kork hineinpinkelte, wird beispielsweise so beiläufig im Hintergrund platziert, dass man schon ein großer Fan sein muss, um diesen Querverweis zu entdecken. Gleichzeitig schließt es ein nichtsahnendes Publikum nicht automatisch aus – wobei sich die Frage stellt, wie viele Leute „Das Kanu des Manitu“ überhaupt im Kino ansehen werden, die nicht mit mindestens „Der Schuh des Manitu“ aufgewachsen sind. Doch dass die Fortsetzung nun kein reiner Fanservice geworden ist, ist angenehm; Erst recht in einer Zeit, in der das internationale Kinos von nostalgiegeschwängerten Legacyquels überrannt wird.

„‚Das Kanu des Manitu‘ bleibt technisch weitgehend auf einer Höhe mit Teil eins. An diesem Punkt hätte man von dem ‚Ballon‘-Regisseur vielleicht etwas mehr erwartet.“

Das Vierfache des „Der Schuh des Manitu“-Budgets stand Michael Bully Herbig für das Sequel zur Verfügung. Dieses hat er genutzt, um sich einmal mehr als hervorragender Inszenator zu beweisen. Auch wenn man dem Film das viele Geld nicht wirklich ansieht. „Das Kanu des Manitu“ bleibt technisch weitgehend auf einer Höhe mit Teil eins. An diesem Punkt hätte man von dem „Ballon“-Regisseur vielleicht etwas mehr erwartet. Immerhin fallen die vereinzelten Computereffekte hier nicht mehr so negativ auf wie einst vor 24 Jahren. Dato machten die aufwändigen Kulissen, die groß gedachte Kameraarbeit und der authentische Score das Gesamtpaket einer Westernparodie komplett. All diese Qualitäten finden sich nun auch in „Das Kanu des Manitu“ wieder. Das Überraschungsmoment mag nicht mehr ganz da sein. Aber gerade für Fans des Originals ist das hier eine wirklich ordentlich gewordene Fortsetzung, die punktgenau das liefert, was man von ihr erwartet.

Friedrich Mücke mimt den Sheriff, Rick Kavanian in einer weiteren Rolle seinen Handlanger.

Fazit: „Das Kanu des Manitu“ ist eine sehr solide, in den besten Momenten sogar verdammt witzige Fortsetzung des Komödienhits von vor 24 Jahren, die sich so anfühlt, als hätten alle Beteiligten das Set seit „Der Schuh des Manitu“ nicht mehr verlassen. Der ganz große Lachanfall bleibt diesmal zwar aus, aber für das (Retro-)Feeling und ein durchgängiges Schmunzeln im Gesicht lohnt sich ein Kinobesuch allemal – vor allem für Fans!

„Das Kanu des Manitu“ ist ab dem 14. August 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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