Karate Kid: Legends

Jackie Chan verhinderte einst, dass das „Karate Kid“-Remake von 2010 eine Fortsetzung erfuhr. Skript und Idee hinter KARATE KID: LEGENDS scheinen ihn dagegen sehr wohl zu einer Rückkehr ins Hollywoodgeschehen bewogen zu haben. Und das ist bei einem solch herzlichen Film auch überhaupt kein Wunder!

OT: Karate Kid: Legends (USA/CAN 2025)

Darum geht’s

Der talentierte Kung-Fu-Kämpfer Li Fong (Ben Wang) verlässt nach dem tragischen Verlust seines Bruders gemeinsam mit seiner Mutter (Ming-Na Wen) seine Heimatstadt Peking und zieht nach New York. In einer benachbarten Pizzeria findet er schnell Anschluss. Doch als er sich mit Mia (Sadie Stanley), der Tochter des Restaurantbesitzers (Joshua Jackson) anfreundet, gerät er in Streit mit ihrem eifersüchtigen Ex-Freund Connor Day (Aramis Knight). Eine heftige Konfrontation bringt Li dazu, sich mit seiner schmerzhaften Vergangenheit auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken, ob er seine Kampfkünste wieder einsetzen will. Er findet schließlich Unterstützung bei seinem früheren Kung-Fu-Meister Mr. Han (Jackie Chan) und dem legendären Daniel LaRusso (Ralph Macchio). Gemeinsam trainieren sie ihn in einer Kombination aus Kung-Fu und Karate, um ihn auf ein bedeutendes Turnier in luftiger Höhe auf einem Hochhausdach in New York vorzubereiten…

Kritik

Manchmal genügt ein gewisses Renommee und man hat unendliche Möglichkeiten. Das Standing von Martial-Arts- und Hollywoodstar Jackie Chan („Rush Hour“) ist dafür das perfekte Beispiel. Chan ganz allein war schließlich dafür verantwortlich, dass es zu dem durchaus erfolgreichen „Karate Kid“-Remake von 2010 keine direkte Fortsetzung gab. Immer wieder lehnte er Drehbuchentwürfe ab, bis das Projekt fallengelassen wurde. Eine Seltenheit im Big-Budget-Filmbusiness. Hätte man – im Anbetracht der Einnahmen von 360 Millionen US-Dollar bei einem Budget von 40 Millionen – doch auch einfach ohne Chan weitermachen können. Dass dieser nun für „Karate Kid: Legends“ zurückkehrt und damit quasi sein Hollywood-Comeback gibt, stimmt hoffnungsvoll. Und überraschenderweise ist nicht ausschließlich Jackie Chans Spielfreude dafür verantwortlich, dass man an dem den 2010er-„Karate Kid“ unberücksichtigt lassenden Sequel einen diebischen Spaß entwickeln kann. Zwar kommt „Legends“ ohne jedwede Form von Cleverness oder gar neue Impulse aus, aber wie schon Joseph Kosinski die Erfolgsformel von „Top Gun“ kongenial wiederaufzukochen wusste, gelingt ebendieses Kunststück nun auch Serien-Regisseur Jonathan Entwistle („It’s the End of the F***ing World“).

Li (Ben Wang) wird unverhofft zum Mentor des ehemaligen Profiboxers Victor (Joshua Jackson).

Wer nach 2010 auf „Karate Kid“-Entzug war, dem blieb immer noch die zum Kanon gehörende Netflix-Serie „Cobra Kai“. Diese kam insbesondere bei Fans des Originals gut an, führt sie die Trilogie aus den Achtzigerjahren doch mit sehr viel Liebe zum Detail fort. Da fragt man sich doch, ob man einen neuen „Karate Kid“-Film überhaupt benötigt. Schließlich erfolgte die Veröffentlichung der jüngsten Staffel doch gerade erst im Februar dieses Jahres. Doch im Falle von „Karate Kid: Legends“ stellt sich die Frage nach dem „Brauch ich das wirklich?“ nie. Das Skript von Rob Lieber („Peter Hase“) stellt von Beginn an klar, dass es gar nicht darum geht, der bekannten Geschichte Neues hinzuzufügen. „Karate Kid: Legends“ folgt von Anfang bis Ende den gängigen Sportfilm-Motiven. Eine dramaturgische Fallhöhe existiert nicht. Was anderswo ein beklagenswerter Mangel wäre, wissen die Beteiligten allerdings mit allem Drumherum auszugleichen. Bis es schlichtweg egal wird, dass der Ausgang der Story von Sekunde eins klar ist. Die wichtigste Basis für den Film ist die Figurenkonstellation. Im Zentrum steht der kürzlich von China nach New York (was hier eigentlich Montreal ist) gezogene Li, der mit seiner Leidenschaft Kung-Fu nach einem Unglücksfall in seiner Familie abgeschlossen hat. Dass sich Li natürlich nicht daran halten wird, ist klar. Doch ausgerechnet mit dem Weg zurück in die Haut eines Kung-Fu-Fighters untergräbt die Geschichte erstmals Erwartungen.

„Eine dramaturgische Fallhöhe existiert nicht. Was anderswo ein beklagenswerter Mangel wäre, wissen die Beteiligten allerdings mit allem Drumherum auszugleichen. Bis es schlichtweg egal wird, dass der Ausgang der Story von Sekunde eins klar ist.“

Das zuckersüße Figurenarsenal umfasst neben Li und der charmanten Mia auch ihren Vater Victor, einen ehemaligen Profiboxer. Um sich bei einem Kampf die Gewinnsumme zu sichern, mit der er seine Schulden bei einer zwielichtigen Gangstertruppe abbezahlen könnte, bittet dieser Li, ihn zu trainieren – und prompt entwirft „Karate Kid: Legends“ ein Szenario, das man so nicht erwartet hätte. In der ersten von zahlreichen Trainingsmontagen wird aus dem vermeintlichen Zögling plötzlich der Mentor. Und dank der enormen Fähigkeiten von Newcomer Ben Wang („Mean Girls – Der Girls Club“) und der augenzwinkernden Inszenierung wirkt das alles überhaupt nicht verkrampft oder albern, sondern ganz und gar erfrischend. Der ehemalige „Dawson’s Creek“-Star Joshua Jackson hat merklich Spaß daran, sich von seinem kleinen Kollegen ordentlich schinden zu lassen. So ergibt sich nicht nur aus Victor und Li ein Leinwandduo mit perfekter Chemie, Lis Love Interest und Victors Tochter Mia komplettiert das familienähnliche Trio.

Im Training für das bevorstehende Martial-Arts-Turnier kann sich Li auf die Hilfe von Mr. Han (Jackie Chan) und Daniel LaRusso (Ralph Macchio) verlassen.

Der starke Fokus auf diese Dreieckskonstellation mit ihren grundsympathischen Dynamiken rückt die Kung-Fu-Thematik gar bisweilen in den Hintergrund. Man möchte fast davon ausgehen, dass „Karate Kid: Legends“ auch als reine Teenie- und Familienkomödie funktionieren würde. Zumindest interessiert man sich für die aufkeimende Liebe zwischen Li und Mia mindestens genauso sehr wie für Lis weitere Entwicklung als Kampfsportchampion. Für diesen Handlungsstrang benötigt es natürlich eine angemessene Schurkenfigur. Mit Mias Ex-Flirt Connor ist die auch schnell gefunden. Vielmehr als ein eifersüchtiges Klischee, das seine Aggressionen nicht unter Kontrolle hat, kann Schauspieler Aramis Knight („Ender’s Game“) aus dieser zwar nicht herausholen. Doch seine einnehmende Physis, eine hasserfüllte Mimik und einige kurze Abstecher zu seinen ultrabrutalen Trainingseinheiten genügen, um selbstverständlich voll und ganz auf Lis Seite zu sein. Dass man sich am Ende – natürlich – bei einem Karate-Wettbewerb wiedertrifft, dessen Sieger nicht nur ein hoher Geldgewinn winkt, sondern auch Ruhm und Ehre, ist der erwartbare Genrestandard. Aber es funktioniert. Dafür hat Jonathan Entwistle einfach voll und ganz verinnerlicht, was es außer sympathischen Figuren und einem eindeutigen Feindbild noch benötigt, um bei einer solch altbekannten Geschichte mitzufiebern.

„Ohne jedweden erzählerischen Ballast konzentriert sich der Regisseur ausschließlich auf das Wesentliche. Das hat zur Folge, dass die rund 90 Filmminuten regelrecht an einem vorbeirauschen, man sich hin und wieder sogar wünscht, die Macher:innen hätten sich doch noch mal die ein oder andere Minute extra Zeit genommen, um manche Szenen angemessen auszuerzählen.“

Ohne jedweden erzählerischen Ballast konzentriert sich der Regisseur ausschließlich auf das Wesentliche. Das hat zur Folge, dass die rund 90 Filmminuten regelrecht an einem vorbeirauschen, man sich hin und wieder sogar wünscht, die Macher:innen hätten sich doch noch mal die ein oder andere Minute extra Zeit genommen, um manche Szenen angemessen auszuerzählen. Kaum ist die eine vorbei, springt „Karate Kid: Legends“ zur nächsten – und lässt auch hier wieder jede Menge passieren. Es gibt kaum einen Moment, der das Leinwandgeschehen oder die Charakterentwicklung nicht entscheidend vorantreibt. Da ist es nur konsequent, dass auch die zweite Hälfte, in der dann endlich die Fans von Jackie Chan und Ralph Macchio („Hitchcock“) auf ihre Kosten kommen, im Grunde genommen eine einzige große Trainingsmontage ist. Aus Li, dem Mentor, wird natürlich doch noch Li, der Schüler. In diesem Fall von zwei Lehrern gleichzeitig, die im gewitzten Trainerduell enorm viel Spaß machen. Nicht nur sportlich ergänzen sich die beiden hervorragend. Die angedeuteten Hahnenkämpfe zwischen Chan und Macchio sind gespickt mit One-Linern und großartigen Beobachtungen ihrer Bewegung und Mimik. „Karate Kid: Legends“ fließt in diesen Momenten regelrecht dahin.

Über den Dächern von New York wird hohe Kampfkunst geprobt.

Das letzte wichtige Kernelement sind die Action- und Kampfsequenzen. Hier steht der vollen Entfaltung hier und da der übermotivierte Schnitt im Weg. Gleichzeitig gibt es genügend Momente im Film, in denen die Arbeit der Choreographen voll zur Geltung kommt. Vor allem dann, wenn die Akteure ihre Umgebung voll ausnutzen – wie zum Beispiel einen alten, schäbigen Hinterhof oder eine Küche – punktet die Action in „Karate Kid: Legends“ mit ihrer Kreativität. Dass ausgerechnet das im Finale über den Dächern von New York ausgetragene, mehrere Tage umspannende Martial-Arts-Turnier nur in einer Art „Best of“ zu sehen ist, ist da schade. Es zahlt aber auch wieder auf etwas ganz Entscheidendes ein: Die Macher wissen genau, dass man all das hier schon dutzendfach gesehen hat. Doch anstatt sich den Mühen zu ergeben, auf Krampf irgendwas Außergewöhnliches bieten zu müssen, macht jeder hier einfach nur seine Arbeit richtig gut. Das Ergebnis ist ein heißer Anwärter auf den Titel „Feelgood-Film des Jahres“.

Fazit: Spaß, Tempo, Action – „Karate Kid: Legends“ überzeugt als eine der Überraschungen des Kinojahres 2025 mit all diesen Zutaten und legt noch eine große Schippe Herz obendrauf.

„Karate Kid: Legends“ ist ab dem 29. Mai 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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