Death of a Unicorn

Ein Einhorn wird zu einer blutrünstigen Killermaschine: Die Idee hinter DEATH OF A UNICORN verspricht eigentlich ein herrlich absurdes Trash-Fest mit überraschend hochkarätiger Besetzung. Doch so bissig wie die Fabelwesen im Film, so dröge und zäh gerät der Film, der gerne eine Satire wäre, aber nichts zu sagen hat.

OT: Death of a Unicorn (USA/HUN 2025)

Darum geht’s

Gemeinsam mit seiner Tochter Ridley (Jenna Ortega) reist Elliot (Paul Rudd) in die kanadische Wildnis, um hier einen Geschäftspartner zu treffen. Doch es passiert ein Unglück: Ausgerechnet ein Einhorn läuft den beiden vor’s Auto. Zum Ausweichen ist es zu spät und prompt liegt das leblose Fabelwesen auf der Straße und hinterlässt zwei ratlose Gesichter. Kurzerhand verfrachtet Elliot das Tier in sein Auto und erreicht mit leichter Verspätung die Familie Leopold, angeführt vom resoluten Patriarch Odell (Richard E. Grant). Zunächst können Ridley und Elliot den merkwürdigen Vorfall geheim halten. Doch plötzlich macht sich das offenbar doch nicht tote Einhorn akustisch bemerkbar. Da sich zudem herumgesprochen hat, dass Einhörner magische Kräfte haben, beginnt eine hitzige Debatte: Was tun mit dieser Kreatur, die eventuell Leben retten und Krankheiten heilen könnte? Was keiner ahnt: Einhörner sind längst nicht so friedliebende Geschöpfe wie vermutet, sondern können zu wahrlich blutrünstigen Bestien mutieren…

Kritik

Irgendwann müsste doch eigentlich alles auserzählt sein. Erst recht in einem solch simplen Horror-Subgenre wie dem Creature Feature. Jedwede nur erdenkliche Kreatur wurde bereits zur blutrünstigen Bestie gemacht. Je größer die Diskrepanz zwischen Niedlichkeitsgrad und der von ihr ausgehenden Bedrohung, desto besser. Das perfekte Beispiel: Die Horrorkomödie „Zombiber“, in der die kuscheligen Nager zu waschechten Killern mutieren. Auch das Einhorn existiert im Kino nicht nur als sagenumwobenes Fabelwesen mit Reinheitssymbolik. In „The Cabin in the Woods“ etwa gab es bereits eine Horrorgestalt in diesem Gewand. Und das macht natürlich erst einmal Eindruck, denn eigentlich kennt man Einhörner natürlich als sehr sanfte, wunderschöne Kreaturen, die nicht umsonst pinkfarbene Schulhefte, glitzernde Ranzen und so ziemlich jedes andere Schulutensil zieren. Nicht nur für kleine Mädchen hat das Einhorn häufig eine große emotionale Bedeutung. Und genau diese galt es, Regisseur Alex Scharfman nach, in seinem Regiedebüt „Death of a Unicorn“ zu respektieren. Vielleicht ist das ja auch das größte Problem an diesem in seinen besten Momenten maximal durchwachsenen Film, dessen Prämisse deutlich unterhaltsamer klingt, als sie es am Ende einzulösen vermag. Denn so richtig in die Vollen geht er nie.

Die Familie Leopold steht gemeinsam mit Elliot (Paul Rudd) und Riley (Jenna Ortega) vor der Frage: Was machen wir mit dem toten Einhorn?

Alex Scharfman betonte in einem Interview die enge Verbindung von Creature Features und ihrem häufig antikapitalistischen Subtext. Das Einhorn in „Death of a Unicorn“ ist für ihn ein Symbol für die Zerstörung durch den Menschen, sein Film für ihn ein sozialistischer Klassenkommentar. Und tatsächlich steckt vielleicht auch tatsächlich ein Funken davon im finalen Ergebnis, doch zunächst einmal beginnt „Death of a Unicorn“ mit einem äußerst simplen Motiv: Die beiden Hauptfiguren sind ein sich nach dem Tod von Mutter und Ehefrau entfremdetes Vater-Tochter-Gespann, das in den auf den „Einhorn-Unfall“ folgenden Ereignissen endlich die Möglichkeit findet, sich wieder anzunähern. Das ist alles längst nicht neu, denn das unvorhergesehene Katastrophen dysfunktionale (Familien-)Gefüge wieder kitten können, ist ein existenzieller Bestandteil des Genrekinos. Die Chemie zwischen Jenna Ortega („Scream“) als Spätpubertierende Ridley und Paul Rudd („Ant-Man and the Wasp“) als ihr besorgter Vater Elliot funktioniert zu Beginn noch recht ordentlich. Vor allem die Bedeutung einer simplen Kopf-auf-Schulter-Geste ist als visueller Full Circle Moment überraschend rührend geraten. Davon abgesehen rückt die Beziehung der beiden allerdings so schnell in den Hintergrund, dass die zwischenmenschliche Entwicklung eher behauptet wirkt, anstatt wirklich nachvollziehbar zu sein.

„Will Poulter spielt sich in den besten Momenten so sehr in Rage, dass ‚Death of a Unicorn‘ in den Szenen seines Auftritts plötzlich jenes Tempo und jenen Witz besitzt, den sich die Kreativen vermutlich für den gesamten Film gewünscht hätten.“

Denn mehr als Elliot und Ridley steht in „Death of a Unicorn“ eine zusammengewürfelte Menschengruppe im Fokus, deren Zusammengehörigkeit daraus besteht (respektive bestehen soll), dass sie zu ein und derselben Familie gehören. Es würde nicht wundern, wenn hierfür – zumindest in der Theorie – die Serie „Succession“ Pate gestanden hätte. Einfach weil sie gerade angesagt ist. Richard E. Grant („Can You Ever Forgive Me?“) mimt Elliots Geschäftspartner Odell Leopold als klassische Karikatur eines alternden, kranken Familienpatriarchs, ohne seine Performance mit der notwendigen Bissigkeit zu versehen. Téa Leoni („Only Murders in the Building“) bleibt als seine in Ansätzen neurotische Ehefrau gar vollkommen austauschbar, während immerhin der derzeit omnipräsente Will Poulter („Warfare“) dem Affen ordentlich Zucker gibt. Sein Shepard ist zwar „nur“ eines dieser klassischen, neureichen Arschlöcher ohne doppelten Boden. Dafür spielt sich Poulter in den besten Momenten so sehr in Rage, dass „Death of a Unicorn“ in den Szenen seines Auftritts plötzlich jenes Tempo und jenen Witz besitzt, den sich die Kreativen vermutlich für den gesamten Film gewünscht hätten. Den Szenendieb-Status teilt sich Poulter übrigens mit Anthony Carrigan („Fatherhood“), der, sowohl optisch als auch in seinem Spiel, an einen exzentrisch-albernen Matthias Schweighöfer erinnert.

Richard E. Grant mimt den Familiepatriarchen, der natürlich mit Waffen umgehen kann.

Das reicht aber alles nicht, um „Death of a Unicorn“ zu einer durchgehend unterhaltsamen Angelegenheit zu machen. Sobald das vermeintlich tote Einhorn das Anwesen der Leopold-Familie erreicht hat, entspinnt sich erst einmal eine viel zu lange Debatte darüber, was denn mit dem, offenbar heilende Kräfte besitzenden Fabelwesen nun passieren soll. Und das gerät ganz schön langweilig. Denn dem Abwägen von wirtschaftlichen Vorzügen gegenüber den moralischen Bedenken mangelt es an Boshaftigkeit. Die offenbar beabsichtigten Satireschläge auf die Oberflächlichkeit der „Reichen und Schönen“ entwickeln zu keinem Zeitpunkt irgendeinen Punch. Stattdessen fühlen sich die Dialoge in „Death of a Unicorn“ eher wieder das Abhaken einer Pro- und Contra-Debatte an, bei der jede und jeder einmal seinen Standpunkt zum Thema darlegen darf. Dass ausgerechnet ein Film mit solch einer absurden, potenziell richtig schön fiesen Prämisse derart dröge gerät, liegt allerdings nicht nur in seinem Drehbuch (ebenfalls Alex Scharfman) begründet. Auch inszenatorisch hätte man von einem Film über ein Killer-Einhorn einfach viel mehr erwartet, doch seinen Status als Slasher besitzt „Death of a Unicorn“ maximal aufgrund der Quantität, aber längst nicht aufgrund der Qualität der hier dargebotenen Kills.

„Dass ausgerechnet ein Film mit solch einer absurden, potenziell richtig schön fiesen Prämisse derart dröge gerät, liegt allerdings nicht nur in seinem Drehbuch begründet. Auch inszenatorisch hätte man von einem Film über ein Killer-Einhorn einfach viel mehr erwartet.“

Es gibt sie, die Szenen, in denen die Einhörner ihr Gegenüber aufspießen oder ihnen mit ihren riesigen Gebissen die Gliedmaßen aus dem Torso reißen. Doch zum einen muss sich das Publikum durch ziemlich viel Vorlauf kämpfen, eh es in den finalen 15 Minuten dann endlich genau das zu sehen bekommt. Zum anderen sehen die Effekte – von der Gestaltung der Einhörner bis hin zu den Blutfontänen – allesamt mau aus. Häufig viel zu wenig ausgeleuchtet und ansonsten in einer unästhetischen Matsch-Optik gefilmt, sieht „Death of a Unicorn“ aus wie ein typischer Direct-to-DVD-Titel, aber nicht wie ein Kinofilm, geschweige denn ein solcher, der von dem umjubelten Indie-Studio A24 produziert wurde. Hin und wieder schießt ein Brutalo-Moment zwar schon so sehr über die Erwartungen hinaus, dass es zumindest für kurzes Amüsement reicht. Doch letztlich hat „Death of a Unicorn“ von allem zu wenig. Und ist erst recht nicht das, was er behauptet, zu sein.

„Death of a Unicorn“ ist die meiste Zeit über sehr dunkel. Das Creature Design kommt so kaum zur Geltung.

Fazit: Die Horrorkomödie „Death of a Unicorn“ ist weder witzig noch brutal genug, um wenigstens an einer der beiden Fronten zu überzeugen. Lichtblicke sind ein, zwei Schauspielleistungen und vereinzelt eingestreute Momente, in denen die Prämisse vom Killer-Einhorn ausgekostet wird. Doch von diesen gibt es in diesem auch handwerklich nicht überzeugenden Film viel zu wenige.

„Death of a Unicorn“ ist ab dem 1. März 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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