The Alto Knights

Eine Handvoll Menschen, die längst ihre Erfahrungen im Mafiakino gemacht haben, kommt zusammen, um einen Gangsterfilm alter Schule zu drehen. THE ALTO KNIGHTS ist grundsolides Genrekino mit einem aus unerklärlichen Gründen in einer Doppelrolle auftretenden Robert De Niro, der den Film allerdings erst sehenswert macht.

OT: The Alto Knights (USA 2025)

Darum geht’s

Der Mafiaboss Frank Costello (Robert De Niro) wird eines Abends auf einem Hotelflur angeschossen und überlebt den Anschlag nur knapp. Dahinter steckt sein einstiger Jugendfreund Vito Genovese (ebenfalls Robert De Niro), mit dem er zwar viele Jahre gemeinsam verbracht hat, doch irgendwann entwickelten sich die Mafiakarrieren der ungleichen Männer in gänzlich verschiedene Richtungen. In Rückblenden erzählt Costello vom Aufstieg der Mafia im New York der Fünfzigerjahre und davon, wie es ihm gelang, ohne großes Aufsehen zu viel Macht und Reichtum zu gelangen. Aber es geht auch darum, was passieren musste, damit sein Kumpel Vito irgendwann einen Handlanger auf ihn ansetzte. Dabei spielt vor allem das sagenumwobene Apalachin-Meeting eine entscheidende Rolle…

Kritik

Regisseur Barry Levinson hat etwas geschafft, wovon viele andere Filmschaffende nur träumen können. Ohne einen großen Personenkult um sich aufzubauen, hat er sich als Schöpfer eines All-Time-Klassikers unsterblich gemacht. „Rain Man“ hat die Jahrzehnte überdauert – und Filme macht Levinson immer noch, wofür er munter in verschiedenen Genregewässern fischt. Kaum zu glauben, dass die rührende Geschichte über zwei sich entfremdete Brüder, die während eines Roadtrips wieder zusammenfinden, vom selben Kreativen stammt, wie der Found-Footage-Seuchenschocker „The Bay“ oder die allenfalls mittelmäßige Bill-Murray-Komödie „Rock the Kasbah“. Offenbar fehlte Levinson das Genre des Mafiathrillers noch in seiner Vita. Denn dieses bedient er nun mit seinem neuesten Film „The Alto Knights“, mit dem er inhaltlich klar auf Martin Scorseses Spuren wandelt. Dabei legt er allerdings eine Leichtigkeit an den Tag, wie man sie – im Kontrast zum Thema – sonst eher mit einem Steven Soderbergh in Verbindung bringen würde. Sein Robert-De-Niro-Vehikel ist ein sehr solider, über weite Strecken unterhaltsamer Einblick in gleich zwei Mafiosi-Leben, der weder unangemessen pathetisch daherkommt, noch einem an „The Irishman“ erinnernden Abgesang gleicht. Auch wenn Barry Levinson inszenatorisch absolut nichts riskiert.

Frank (Robert De Niro) wird von seiner Frau regelmäßig mit den Hunden vor die Tür geschickt.

Robert De Niro („Killers of the Flower Moon“) in einem Mafiafilm zu besetzen, hat fast schon etwas von einem Klischee. Ihn direkt für eine Doppelrolle zu verpflichten, in der er noch nicht einmal zwei Brüder, sondern „nur“ einst sehr gute Freunde verkörpert, wirkt gar wie ein unterschiedlich auslegbares Eingeständnis: Entweder, man ruht sich mit so einem Casting auf Altbewährtem aus, weil man keine neuen Ideen hat. Oder man setzt nur deshalb auf allzu Bekanntes, weil man einfach weiß, dass es funktioniert. Immerhin haben Levinson und De Niro bereits viermal zusammengearbetet. Im Falle von „The Alto Knights“ ist von Letzterem auszugehen. Denn Robert De Niros Darstellung der beiden Mafia-Bosse Frank Costello und Vito Genovese ist das große Highlight des Films. Costello gerät nicht zum ersten Mal ins Visier eines Filmemachers. Seine Persona diente unter anderem als Inspiration für Vito Corleone in „Der Pate“ und war die Vorlage für den gleichnamigen irischen Gangsterboss in Martin Scorseses „Departed – Unter Feinden“. Vito Genovese dagegen war eine Figur im TV-Film „Der Pate von New York“ sowie in dem Siebzigerjahre Mafiafilm „Die Valachi-Papiere“ mit Charles Bronson. Außerdem spannend: Das in „The Alto Knights“ ausführlich dargestellte Apalachin-Meeting, dessen Verlauf das Filmende einläutet, findet in der (übrigens ebenfalls mit Robert De Niro besetzten!) Komödie „Reine Nervensache“ Erwähnung.

„Gerade weil ‚The Alto Knights‘ damit beginnt, dass Genovese einen Mordanschlag auf Castello verüben lässt, weiß man durchgehend, wer die Oberhand in diesem Kleinkrieg zweier Alphamännchen besitzt.“

Auf ebenjenes Apalachin-Meeting steuert „The Alto Knights“ zu. Wer die beiden Namen Frank Castello und Vito Genovese bereits von Anfang an mit dem legendären Mafiaboss-Treffen in Verbindung bringt, der weiß ohnehin, wohin die Reise geht. Dadurch sind die Rollen der beiden einstigen Jugendfreunde, deren Mafiakarrieren sich in vollends entgegengesetzte Richtungen entwickelten, klar verteilt. Gerade weil „The Alto Knights“ damit beginnt, dass Genovese einen Mordanschlag auf Castello verüben lässt, weiß man durchgehend, wer die Oberhand in diesem Kleinkrieg zweier Alphamännchen besitzt. Robert De Niro mimt Frank Costello mit stoischer Gelassenheit und schafft es – seinem Gangsterdasein zum Trotz – jedes noch so kleine Fünkchen Sympathie aus seiner Figur herauszupressen. Und dass das hier nicht unnötig heroisierend wirkt, sondern eigentlich ziemlich realistisch, ist Nicholas Pileggis Skript zu verdanken. Der „Casino“- und „Goodfellas“-Autor ist mit dem Genre des Mafia- und Gangsterthrillers bestens vertraut, hält sich hier jedoch größtmöglich mit der (Selbst-)Beweihräucherung seiner Charaktere zurück. Costello, Genovese und der Rest der New Yorker Gangsterschaft tun eben, was sie tun – mit allen Konsequenzen, wenn sich ein Schlupfloch dann eben doch mal als nicht breit genug erweist. Die Einblicke in die Privat- und Beziehungsleben beider Hauptfiguren (Costello erhält deutlich mehr Fleisch als Genovese) hätte „The Alto Knights“ nicht zwingend gebraucht, wirken gar nur deshalb im Film untergebracht, weil es sonst überhaupt keine Frauenfiguren gäbe. Aber sie runden das Gesamtbild unaufgeregt ab.

Als Vito Genovese ist Robert De Niro kaum mehr wiederzuerkennen.

Als Vito Genovese ist Robert De Niro nicht immer sofort als er selbst zu erkennen. Das dicke Make-Up nimmt ihm jedwede Ähnlichkeit zu Costello. Wodurch es umso mehr verwundert, dass hier auf die Besetzung einer einzigen Person zurückgegriffen wurde. Aber so ist es nun mal. Und De Niro schafft es tadellos, aus beiden Figuren eigene (und eigenwillige) Charaktere zu machen. Die Sympathien trägt dabei klar Costello. Nicht nur, weil Genovese als Attentats-Auftraggeber ins Geschehen eingeführt wird. In jedweder Hinsicht befindet sich seine Figur permanent auf Konfrontationskurs und greift zu deutlich rabiateren Methoden als sein Kollege. Da genügt schon der falsche Blick eines Ex-Freundes auf seine neue Ehefrau und der ehemalige Nebenbuhler ward im nächsten Moment verschwunden. Auch hier beschönigt „The Alto Knights“ nichts. Allzu brutal und rau wird es – mit Ausnahme einer kurzen Schießerei in einem Friseursalon – allerdings nie. Barry Levinson ergeht sich die meiste Zeit über lieber in der Welt, aus der er hier erzählt. „The Alto Knights“ ist daher auch in erster Linie ein Period Piece und weniger großes Suspense-Kino.

„Kameramann Dante Spinotti findet diesmal einfach keine Ideen, um aus ‚The Alto Knights‘ eine ähnliche Augenweide zu machen wie einst etwa ‚Heat‘. Auch die Beleuchtung macht den Film merkwürdig flach und erinnert an Fernsehserien zu einem Zeitpunkt, als sie noch nicht das heutige ‚Game of Thrones‘-Niveau besaßen.“

Inszenatorisch ist Barry Levinsons aufregendster Einfall, dass er „The Alto Knights“ mit einer Interview-Situation umrahmt. Frank Costello gibt uns Einblicke in sein Seelenleben und damit hinter die Kulissen des New Yorker Mafiageschehens der Fünfzigerjahre. Diese Szenen wirken so authentisch, dass man nie infrage stellt, hier tatsächlich einem Interview zuzuschauen. Aber es ist eben auch das Einzige, was die sehr, sehr unaufgeregte Stilistik aufpeppen kann. „The Alto Knights“ ist weder visuell noch akustisch auffällig. Dialoge kommen im typischen Schuss-Gegenschuss-Modell daher. Einblendungen von Schwarz-Weiß-Filmaufnahmen und -Fotografien sollen die Stimmung der Dekade zusätzlich aufleben lassen. Doch Kameramann Dante Spinotti findet diesmal einfach keine Ideen, um aus „The Alto Knights“ eine ähnliche Augenweide zu machen wie einst etwa „Heat“. Auch die Beleuchtung macht den Film merkwürdig flach und erinnert an Fernsehserien zu einem Zeitpunkt, als sie noch nicht das heutige „Game of Thrones“-Niveau besaßen. Am Ende punktet der Film vor allem mit den Schauspielleistungen und seiner unaufgeregten Art, das Mafia-Milieu abzubilden, ohne in falschen Pathos oder Selbstmitleid abzugleiten. Das wirkt die meiste Zeit über sogar richtig authentisch.

„The Alto Knights“ findet seinen Höhepunkt in der Darstellung des berühmt-berüchtigten Apalachin-Meetings.

Fazit: „The Alto Knights“ ist unaufgeregtes Mafia-Kino ohne falschen Pathos, das sich weniger auf den Thrill durch die kriminellen Spannungen verlässt als vielmehr auf sein Dasein als Period Piece. Robert De Niro spielt in der Doppelrolle zweier Gangsterbosse hervorragend auf. Auch wenn man sich fragt, weshalb hier zwei völlig unterschiedliche und nicht miteinander verwandte Figuren von einer einzigen Person verkörpert werden müssen. Macht aber nichts, denn gerade dank seiner tollen Darstellung rückt die sehr gediegene Inszenierung in den Hintergrund. Hier hätte Regisseur Barry Levinson gern irgendeinen spannenden Einfall haben dürfen, um das von ihm porträtierte Milieu zusätzlich zum Leben zu erwecken – nicht nur durch die Einblendungen von Schwarz-Weiß-Aufnahmen.

„The Alto Knights“ ist ab dem 20. März 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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