Companion – Die perfekte Begleitung
Am besten, man weiß so wenig wie möglich über COMPANION – DIE PERFEKTE BEGLEITUNG. Schon ein Blick auf das Poster verrät eigentlich zu viel. Doch dem kleinen Genrestück gelingt es, sogar mit dem Wissen um den ersten zentralen Twist perfekt zu unterhalten. Auch wenn längst nicht alle Elemente geglückt sind.
Darum geht’s
Sie ist jung, schön und unsterblich in Josh (Jack Quaid) verliebt. Kein Wunder also, dass Iris (Sophie Thatcher) sofort ja sagt, als er sie zu einem gemeinsamen Urlaub mit seinen Freunden überredet. Doch in der chicen, fernab der Zivilisation gelegenen Villa stimmt irgendwas nicht. Alle verhalten sich merkwürdig – und dann kommt es auch noch zu einem gewaltsamen Übergriff gegen Iris. Doch damit fangen die Probleme erst an, denn nicht nur Joshs Freunde sind nicht das, was sie vorgeben, zu sein…
Kritik
Der Trailer zu „Companion – Die perfekte Begleitung“ wirbt damit, „von den Machern von ‘Barbarian‘“ zu sein. Dieser Verweis auf die Produzenten kommt nicht von ungefähr. Wer sich an den wahnsinnig unterhaltsamen Horrorfilm, der hierzulande direkt bei Disney+ erschien, erinnert, der weiß: Der Spaß rührte vor allem daher, dass die Karten nach der Hälfte der Laufzeit komplett neu gemischt wurden, „Barbarian“ sogar einen Subgenre-Switch vornahm. Auch über „Companion“ weiß man im Vorfeld am besten so wenig wie möglich. Etwas, was sich das Marketing nicht ganz so zu Herzen genommen hat. Verrät der erste Teaser-Trailer noch so gut wie gar nichts über die eigentliche Prämisse, gibt die lange Bewegtbildvorschau den Blick auf einen Twist preis, der nach rund 20 Minuten das bisher Gesehene auf den Kopf stellt. Im Folgenden wird das Wissen um diesen Trailerinhalt vorausgesetzt. Einfach, weil sich sonst kaum adäquat über „Companion“ sprechen ließe. Wer also wirklich gar nichts wissen will (und sich am besten selbst das Plakat im Vorfeld nicht anschaut), der liest jetzt nicht weiter. Allen anderen: Viel Spaß!
Neben dem Verweis auf die Macher von „Barbarian“ prangt noch ein zweiter Schriftzug quer über dem Teaserbildschirm: Es wird nämlich auch darauf hingewiesen, dass das „Studio von ‘Wie ein einziger Tag‘“ ebenfalls seine Hände im Spiel hat. Zu dem Schmachtfetzen „I Only Have Eyes for You“ von Boyz II Men sehen wir ein Dinner-Szenario, das ein Date zwischen einem äußerst charmanten Herren mit Dauergrinsen und seiner etwas schüchtern dreinblickenden Begleitung zu zeigen scheint. Alles deutet auf einen typischen Kino-Schmachtfetzen hin – und dann brennt plötzlich ein Arm. Was für eine überaus drastische Eskalation einer eigentlich so harmonischen Szenerie. Hier scheinen sich zwei völlig konträre Genres – Romanze und Horror – zu vermischen. Spannend ist, dass Letzteres dem Film eigentlich gar nicht so sehr gerecht wird. Denn Regisseur und Drehbuchautor Drew Hancock („My Dead Ex“) präsentiert mit seinem Langfilmdebüt so etwas wie eine „Black Mirror“-Episode in Spielfilmlänge; Einen zutiefst zynischen Blick in eine durch und durch digitalisierte Zukunft, der sich, sowohl hier als auch in der Serie, mitunter ziemlich blutig entlädt. Auch „Companion“ streift sachte die Grenzen des Horrorkinos, fährt mit einigen derben Gewaltspitzen auf und kreiert besonders in der ersten halben Stunde eine Stimmung des undefinierbaren Unbehagens…
„Regisseur und Drehbuchautor Drew Hancock präsentiert mit seinem Langfilmdebüt so etwas wie eine ‚Black Mirror‘-Episode in Spielfilmlänge; Einen zutiefst zynischen Blick in eine durch und durch digitalisierte Zukunft, der sich, sowohl hier als auch in der Serie, mitunter ziemlich blutig entlädt.“
… bis der Twist die Hauptfigur als eine Art „Sexroboter“ entlarvt, der nicht weiß, dass er kein Mensch ist. Ihrer Erkenntnis wohnt eine ungemeine Tragik inne – und markiert den Beginn des unverkennbaren #MeToo-Subtexts, der sich hier primär darauf konzentriert, wie Frauen von (ihren) Männern künstlich kleingehalten werden, wie sie unter aktiver und passiver Machtausübung leiden und wie schwer es sein kann, aus derartigen Strukturen auszubrechen. Drew Hancock findet dafür einige herausragende, wenngleich nicht sehr subtile Bilder. Das macht aber nichts! Wenn sich herausstellt, dass Josh seiner „Puppe“ nur einen Intelligenzprozentsatz von 40% zugestanden hat, er sich in seinen manipulativ eingesetzten Erinnerungssequenzen wie der beste Mann der Welt darstellt und immer wieder betont, dass es Iris ohne ihn ja gar nicht gäbe (womit er auf perfide Weise ja sogar Recht hat), treffen einen solche Aussagen bis ins Mark. Einfach, weil sie sich – auch ganz ohne den Science-Fiction-Unterbau – eindeutig auf die Realität vieler toxischer Beziehungen übertragen lassen. Da ist Iris‘ Switch auf die 100-Prozent-Intelligenzmarke dann auch die zentrale Genugtuung – auch wenn es schon einen leichten Beigeschmack hat, dass für das sich Freischwimmen aus patriarchalen, wenn nicht gar gewalttätigen Strukturen offenbar eine gewisse „Intelligenz“ notwendig ist.
Darüber hinaus geht Drew Hancock nie so ganz in die Vollen. „Companion – Die perfekte Begleitung“ versteht sich in erster Linie als Spaß-Film; Den Subtext gibt’s quasi als Bonus obendrauf. Die damit versprochene Unterhaltung löst der Film dann auch von Anfang bis Ende ein. „Companion“ hat viele lustige Momente. Vor allem, weil sich Jack und seine Kumpels so herrlich dämlich dabei anstellen, einen entlaufenden Roboter wieder einzufangen – erst recht ab dem Moment, ab dem Iris den Jungs „geistig“ überlegen ist. Trotzdem wären viele Pointen noch treffsicherer, kämen sie ähnlich bitterböse daher wie die perfide Ausgangslage. Und gen Ende hin, wenn „Companion“ zunehmend in „Terminator“-Gefilde abdriftet, verwässert die Grundidee zu Gunsten eines banalen Verfolgungsszenarios zusehends. Trotzdem bleibt der Film spannend und aufregend. Schon allein deshalb, weil bis zuletzt alles möglich zu sein scheint. Als finale Abfahrt wählt Drew Hancock dann zwar einen bequemen, aber immerhin konsequenten und deshalb auch zufriedenstellenden Weg.
„Trotzdem wären viele Pointen noch treffsicherer, kämen sie ähnlich bitterböse daher wie die perfide Ausgangslage. Und gen Ende hin, wenn ‚Companion‘ zunehmend in ‚Terminator‘-Gefilde abdriftet, verwässert die Grundidee zu Gunsten eines banalen Verfolgungsszenarios zusehends.“
Die in ihrem Spiel stark an Anya Taylor-Joy erinnernde Sophie Thatcher („Heretic“) wird die schwierige Aufgabe zuteil, einen Roboter zu spielen, der wiederum einen echten Menschen darstellt. Dieser Spagat gelingt ihr hervorragend. Wenn man nach 20 Minuten weiß, was genau hinter ihrem Dasein steckt, erschließt sich einem auch, weshalb sich das bis dato Gesehene so entrückt anfühlt. Natürlich drückt man ihr dann auch von Anfang bis Ende die Daumen – und auch ihre zurückhaltenden Anflüge zynischen Humors stehen Thatcher hervorragend zu Gesicht. Jack Quaid („Oppenheimer“), übrigens der Sohn von „The Substance“-Wiederling Dennis Quaid, bildet als arrogantes Arschloch die perfekte Projektionsfläche für weibliche Rachegelüste – so einen hundsgemeinen, manipulativen Vollidioten muss man einfach mit jeder Faser seines Körpers hassen. Spannend ist, dass Quaid es in den ersten Minuten trotzdem gelingt, eine gewisse Sympathie für seine Figur aufzubauen. Er ist zu seiner Iris einfach ungeheuer charmant und zuvorkommend. Über die anderen Nebendarsteller:innen sei an dieser Stelle nicht viel gesagt, da sämtliche Urteile über ihre Performances Aufschlüsse darüber geben könnten, in welch obskure Gefilde „Companion“ im Laufe seiner flott erzählten 98 Minuten noch vordringt. Das macht schon alles viel Spaß, auch wenn der letzte Punch – egal ob komischer oder schmerzhafter Natur – fehlt.
Fazit: In „Companion – Die perfekte Begleitung“ trifft #MeToo auf „Black Mirror“. Selbst mit Kenntnis des ersten Twists nach 20 Minuten und dem Wissen um die genaue Genre-Einordnung macht dieses kleine Sci-Fi-Horrorstück mächtig Laune. Auch wenn man sich hier und da deutlich mehr Bissigkeit wünschen würde.
„Companion – Die perfekte Begleitung“ ist ab dem 6. Februar 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.



