Paddington in Peru

Eine ähnlich brillante Fortsetzung zu einem solch perfekten Film wie „Paddington 2“ klingt wie ein Ding der Unmöglichkeit. Erst recht, wenn nicht mehr Paul King am Steuer sitzt und wir das Setting London gegen Peru tauschen. Doch PADDINGTON IN PERU übernimmt viele der Qualitäten seiner Vorgänger.

OT: Paddington in Peru (UK/FR/JPN/USA 2024)

Darum geht’s

Tante Lucy ist verschwunden! Eigentlich sollte sie im Heim für Bären im Ruhestand ihr Rentnerdasein genießen. Doch wie die Mutter Oberin (Olivia Colman) Paddington in einem aufgeregten Brief berichtet, fehlt von ihr jede Spur. Für den höflichen Bären (im Original: Ben Whishaw / im Deutschen: Elyas M’Barek) ist die Sache klar: Er und die Familie Brown müssen selbst nach Peru reisen, um Tante Lucy wiederzufinden. Gesagt, getan! Schon bald befinden sich Henry (Hugh Bonneville), seine Frau Mary (Emily Mortimer) sowie die beiden Kinder Judy (Madeleine Harris) und Jonathan Brown (Samuel Joslin) mitten im tiefsten Dschungel. Was für ein Glück, dass sich der abenteuerlustige Schiffskapitän Hunter Cabot (Antonio Banderas) bereiterklärt, die Browns auf ihrer Reise zu begleiten, während Mrs. Bird (Julie Walters) im Bärenheim dabei ist, eine Verschwörung aufzudecken…

Kritik

Die Fußstapfen, in die der bis dato vor allem für Musikvideos bekannte Regisseur Dougal Wilson tritt, sind groß. Er beerbt nämlich niemand Geringeren als Paul King, das Mastermind hinter den ersten beiden „Paddington“-Abenteuern. Zu Gunsten von „Wonka“ lehnte King die Inszenierung eines dritten Teils ab und überließ seinen Regiestuhl sowie seinen Platz hinter dem Drehbuch mehreren Nachfolgern. Mit Jon Foster und James Lamont gehören zwei Schreiberlinge zum Autorenteam, die bereits an der Animationsserie „The Adventures of Paddington“ mitgewirkt haben, während der Dritte im Bund, Mark Burton, unter anderem den ersten „Shaun das Schaf“-Film mitverantwortet hat. Vier Leute, deren Aufgabe es ist, einen Nachfolger zu zwei der besten Familienfilme der letzten Jahrzehnte zu kreieren – in deren Haut mag man kaum stecken. Denn wie soll man einen Film adäquat fortsetzen, der nicht nur Nicolas Cage in der Actionkomödie „Massive Talent“ zufolge der „beste Film aller Zeiten“ ist?

Die Brown-Familie und Mrs. Bird in Peru.

Die Antwort: Indem man sich diesmal – anders als noch von Teil eins auf Teil zwei – im wahrsten Sinne des Wortes aus dem bisherigen Dunstkreis der Filme herausbewegt. Zwar waren „Paddington“ und „Paddington 2“ immer auch untrennbar mit dem Setting London verbunden, doch der Wechsel in das fremde Peru sorgt schon mal für frischen Wind. Dass für einen Großteil der Szenen im peruanischen Dschungel tatsächlich auch in entsprechender Umgebung gedreht wurde, trägt viel zum Charme des Films bei. Auch „Paddington in Peru“ besitzt in seiner Gesamtheit eine gewisse Haptik, die in Kombination mit der inszenatorischen Verspieltheit auf den Spuren seiner Vorgänger wandelt. Diese stilistische Orientierung an den ersten beiden Teilen macht den Weggang von Paul King nicht ganz so tragisch wie erwartet. Trotzdem ist „Paddington in Peru“ anzumerken, dass manche Szeneneinschübe nicht mehr so organisch und intuitiv lustig wirken, wie in den Vorgängern. In Teil eins war es unter anderem die Flutung des Badezimmers, in Teil zwei das Chaos im Friseursalon, die auch ganz ohne den filmischen Kontext hervorragend als Sketchparade funktionierten. Trotzdem haben sich solche kurzfilmartigen Gagaufbauten nie überflüssig angefühlt. „Paddington in Peru“ hat von solchen „Zwischensequenzen“ nun gleich mehrere (u.a. in einem Fotoautomaten), wodurch ihr Konzept droht, sich sukzessive totzulaufen.

„Auch ‚Paddington in Peru‘ besitzt in seiner Gesamtheit eine gewisse Haptik, die in Kombination mit der inszenatorischen Verspieltheit auf den Spuren seiner Vorgänger wandelt. Diese stilistische Orientierung an den ersten beiden Teilen macht den Weggang von Paul King nicht ganz so tragisch wie erwartet.“

„Paddington in Peru“ ist zu jedem Zeitpunkt anzumerken, wie ehrfürchtig die Kreativen mit ihrem angenommenen Erbe umgehen. Das merkt man vor allem an den Rückbesinnungen auf besonders einprägsame Ideen aus Teil eins und zwei. Wir sehen die Browns während ihrer Vorstellung durch ein aufgeklapptes Puppenhaus laufen. Die Spleens und Eigenheiten der Familie sind eine Fortführung dessen, wie sie bereits in den Vorgängern charakterisiert wurden (inklusive konsequenter Weiterentwicklung, die sich zu jedem Zeitpunkt schlüssig und rund anfühlt). Und Paddington sitzt am runden Dachbodenfenster und schreibt Briefe an seine Tante Lucy, die im „Heim für Bären im Ruhestand“ auf ihn wartet. Darüber hinaus gibt es ein Wiedersehen mit mehreren Nebenfiguren wie etwa Jim Broadbant („Die fantastische Reise des Dr. Dolittle“) als Antiquitätenhändler Mr. Gruber und einem ganz besonderen Gast, für den man allerdings bis nach dem Abspann sitzen bleiben muss. Mit Ausnahme des Settingwechsels vermisst man in „Paddington in Peru“ so etwas wie neuen Input. Das muss aber auch nicht zwingend etwas Schlechtes sein.

Hunter Cabot (Antonio Banderas)

Natürlich ginge in einem „Paddington“-Film nichts ohne die Familie Brown. Hugh Bonneville, Madeleine Harris und Samuel Joslin denken ihre Charaktere konsequent weiter, während Emily Mortimer („Mary Poppins‘ Rückkehr“) die schwere Aufgabe zuteilwird, Sally Hawkins („Shape of Water“) als Mary Brown zu beerben. Glücklicherweise hat Mortimer die Rolle vollends verinnerlicht. Auch wenn sie ihre überfürsorgliche Mutter nicht ganz so schrullig anlegt wie ihre Vorgängerin, fügt sie sich hervorragend in das Figurenkonstrukt ein, das sich nach einer kurzen Einführung in London in den gefährlichen Dschungel von Peru wagt. Der Grund dafür, das Verschwinden von Tante Lucy, ist dabei fast nebensächlich (auch die Auflösung des Ganzen fällt längst nicht so kreativ aus, wie man es vielleicht von Paul King gesehen hätte). Stattdessen gehört die Peru-Reise – neben den Browns – dem schwer zu durchschauenden Hunter Cabot, den Antonio Banderas („Babygirl“) mit viel Spaß an der absurden Darstellung eines Familienfilmschurken verkörpert. An die schillernde Performance eines Hugh Grant aus Teil zwei oder der Perfidität einer Nicole Kidman in Teil eins kommt seine Leistung dann aber doch nicht ganz ran…

„Hugh Bonneville, Madeleine Harris und Samuel Joslin denken ihre Charaktere konsequent weiter, während Emily Mortimer die schwere Aufgabe zuteilwird, Sally Hawkins als Mary Brown zu beerben.“

… ganz im Gegensatz zu Olivia Colemans („Wonka“) Reverend Mother. Es ist ein wenig schade, dass das Skript sie und die Browns erst nach über einer Stunde wieder zusammenführt. Zuvor gehört Colemans Figur lediglich ein Nebenhandlungsstrang, den sie sich mit der ohnehin sträflich vernachlässigten Mrs Bird teilt. Wenn beide Subplots schließlich zusammenlaufen, läuft auch „Paddington in Peru“ wieder zu Höchstform auf. Bis dahin hat der Film seine Stärken vor allem – wieder einmal – im Zusammenspiel der Familienmitglieder, ihrem gegenseitigen Verstehen lernen und natürlich Paddington. Denn auch wenn man sich gar nicht zwingend gefragt hat, woher genau der höfliche Bär eigentlich kommt, erweist sich das Füllen dieser Wissenslücke als rührendes Nice to Have.

Mutter Oberin (Olivia Colman) in einer visuellen Hommage an den Musicalklassiker „Meine Lieder – meine Träume“.

Fazit: Vielleicht ist es ja einfach unmöglich, einen so perfekten Film wie „Paddington 2“ ähnlich perfekt fortzuführen. Doch dem dritten Teil „Paddington in Peru“ tut sein Szenenwechsel gut. Das Ergebnis ist ein lustiger, charmanter und gewohnt verspielt inszenierter Abenteuerfilm, für den sich die Macher stark an den stilistischen Vorgaben von „Paddington“-Mastermind Paul King orientieren.

„Paddington in Peru“ ist ab dem 30. Januar 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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