Die drei ??? und der Karpatenhund
Es ist bereits der vierte Film zu dem berühmten Jugendhörspielphänomen, doch erstmals wird mit DIE DREI ??? UND DER KARPATENHUND ein bereits bekannter Fall verfilmt. Diese Entscheidung entpuppt sich als Glücksgriff. Denn obwohl die Fallhöhe in Sachen Enttäuschung damit deutlich größer ist, beweist Regisseur und Autor Tim Dünschede, wie sehr er die Reihe liebt und verinnerlicht hat. Viel besser kann man es nicht machen!
Darum geht’s
Der Karpatenhund ist weg! Das erzählt der besorgte Mr. Prentice (Ulrich Tukur) den drei Detektiven Justus Jonas (Julius Weckauf), Peter Shaw (Nevio Wendt) und Bob Andrews (Levi Brandl) in der Hoffnung, dass das Trio diesen Fall übernehmen wird. Natürlich ist die Neugier der drei geweckt. Sie begeben sich in die luxuriöse Wohnanlage, aus der die wertvolle Statue verschwunden ist. Während der Ermittlungen müssen die drei Fragezeichen allerdings feststellen, dass so ziemlich jede und jeder aus der Nachbarschaft verdächtig ist. Wird es den Detektiven trotzdem gelingen, auch diesen schwierigen Fall zu lösen?
Kritik
Der deutschen Hörspielkultur haftet ein ähnliches Problem an wie dem Animationsfilmgenre. Beide Medienformen eint, dass sie in erster Linie mit Kinderunterhaltung assoziiert werden. Dabei ist das Animationskino streng genommen gar kein Genre, sondern eine eigene Kunstform. Während Hörspiele hierzulande längst nicht mehr nur Geschichten für Heranwachsende erzählen. Dass sich insbesondere die „Die drei ???“-Reihe aus diesem Segment freigeschwommen hat, beweist schon die Tatsache, dass es mittlerweile „Die drei ??? Kids“ gibt; Also eine Serie, die sich eben speziell an Kinder richtet. Die Zielgruppe der Ursprungsreihe ist längst mit ihren Helden zusammen erwachsen geworden. Ironischerweise, denn die Hauptfiguren, die drei jugendlichen Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews, sind seit ihrem aller ersten (Buch-)Abenteuer „Und das Gespensterschloss“ von 1964 (!) kein Jahr gealtert (auch wenn tatsächlich in einer Hörspielfolge Peters Geburtstag gefeiert wird – allerdings ohne ein genaues Alter zu nennen).
Genau dieser Umstand macht auch die Herangehensweise an einen Kinofilm so schwierig. Denn mit den Stimmen der drei Fragezeichen verbindet man nun mal drei erwachsene Männer, die Synchronsprecher Oliver Rohrbeck (u.a. Gru in „Ich, einfach unverbesserlich“), Jens Wawrczek und Andreas Fröhlich (ist auch die Stamm-Synchronstimme von u.a. John Cusack). Drei erwachsene Männer wiederum in einer Verfilmung zu besetzen, beißt sich mit dem Alter der Hauptfiguren. Insofern muss man als Zuschauer:in zwangsläufig in Kauf nehmen, dass das Kopfkino bei einem Spielfilm nicht so befriedigt wird, wie man es vom Hörspielgenuss gewöhnt ist. Daher war es auch kein Wunder, dass vom Erscheinungsjahr der ersten Hörspielkassette 1978 („Der Superpapagei“) bis zur ersten Leinwandadaption 2007 („Das Geheimnis der Geisterinsel“) knapp dreißig Jahre vergehen mussten. Die Kritiken fielen solide aus, bei den eingefleischten Hörspielfans hingegen fanden sowohl der Geisterinsel-Fall als auch der Nachfolger „Das verfluchte Schloss“ bis heute nicht allzu viel Anklang, was unter anderem an der Besetzung und an der Tatsache lag, dass man sich für beide Fälle aus Rocky Beach hinausbegeben hat – dabei sind die Fälle der 3 ??? untrennbar mit dem fiktiven Küstenstädtchen in der Nähe von Hollywood verbunden.
„Dünschede liefert mit der Leinwandvariante des Karpatenkund-Falls den bisher mit Abstand besten ‚Drei ???‘-Film ab, an dessen Ende man den im kommenden Jahr startenden ‚Die drei ??? – Toteninsel‘ gar nicht mehr erwarten kann.“
Es verging eine weitere längere Zeitspanne, eh Regisseur Tim Dünschede („Limbo“) 2023 mit einer neuen Verfilmung der „3 ???“-Abenteuer beauftragt wurde. Erneut wurde extra für den Film ein neuer Fall kreiert, erneut fand dieser nicht in Rocky Beach statt, sondern auf einem Schloss in Transsilvanien. Noch immer nicht die optimalen Voraussetzungen, um in der Gunst der Reihenliebhaber:innen zu steigen, aber zumindest die Besetzung wusste zu überzeugen – und an den Kinokassen performte „Die drei ??? – Erbe des Drachen“ mit 1,5 Millionen Zuschauer:innen sogar richtig stark. Und jetzt ist es endlich so weit: Mit „Die drei ??? und der Karpatenhund“ findet das erste Mal ein bereits aus den Büchern und Hörspielen bekannter (und sehr beliebter!) Fall seine filmische Adaption. Man möchte meinen, dass da ja fast noch mehr schiefgehen kann als bei einem extra für den Film konzipierten Fall. Schließlich ist hier die Sache mit dem Vergleich zwischen Hörspiel und Film noch naheliegender. Aber Pustekuchen! Dünschede liefert mit der Leinwandvariante des Karpatenkund-Falls den bisher mit Abstand besten „Drei ???“-Film ab, an dessen Ende man den im kommenden Jahr startenden „Die drei ??? – Toteninsel“ gar nicht mehr erwarten kann.
Wer sich an den Fall „Die drei ??? und der Karpatenhund“ noch aus den Hörspielen oder Büchern erinnern kann, der kennt das Setting der Geschichte: Auch in der Verfilmung bleiben wir in Rocky Beach, genauer: In einer luxuriösen Wohnanlage, wo ein Dieb eine wertvolle Hundestatur hat mitgehen lassen. Die drei Fragezeichen werden auch diesmal wieder von Julius Weckauf („Der Junge muss an die frische Luft“), Nevio Wendt („Rocca verändert die Welt“) und Levi Brandl verkörpert. Und auch wenn das Zusammenspiel der Jungschauspieler nach wie vor intuitiver sein könnte, sodass man ihnen die jahrelange Freundschaft noch ein Stückweit mehr abkauft, so erweist sich das Casting der drei doch als nach wie vor kongenial. Jedem von ihnen gelingt es, sich die Eigenheiten und Manierismen ihrer Vorbilder hervorragend anzueignen. Ein wenig heraus sticht – auch aufgrund seiner größeren Schauspielerfahrung – Julius Weckauf als Justus Jonas. Den neunmalklugen Anführer des Detektiv-Trios hat er perfekt verinnerlich. Doch auch Nevio Wendt weiß genau, in welchen Momenten sein Peter Shaw ängstlich sein, und wann über sich hinauswachsen darf. Levi Brandl wirkt beizeiten wie der Fels in der Brandung und geht vor allem mit Ruhe und Bedacht an die Sache. Die drei ergänzen sich super, auch wenn das Schauspiel dann und wann noch ein wenig selbstbewusster und weniger hölzern ausfallen dürfte.
„Deutlich freier und nicht so eng an der Vorlage bleibend, toben sich Dünschede und sein Co-Autor Anil Kizilbuga aus, wenn es darum geht, Rocky Beach zum Leben zu erwecken – und dabei mit liebevollem Fanservice auf das Gefühl einzuzahlen, es hier tatsächlich mit jener Welt zu tun zu haben, die man aus den Hörspielen kennt.“
Als gar nicht hölzern, sondern voll in ihrem Element und dem Affen ordentlich Zucker gebend, erweist sich Szenendiebin Sunnyi Melles („Triangle of Sadness“) als neugierige Mrs. Boogle, die in ihren Momenten, passend zur Rolle, richtig schön theatralisch aufspielen darf. Neben ihr hinterlässt vor allem Ulrich Tukur („Faking Hitler“) als Auftraggeber und Diebstahlgeschädigter Fenton Prentice bleibenden Eindruck. Sowohl er als auch Mrs. Boogle sind bekannte Gesichter des Karpatenhund-Falls. Auch mit den vielen anderen Bewohnerinnen und Bewohnern der Wohnanlage gibt es ein Wiedersehen. Ihnen allen wird genau jene Rolle zugedacht, die sie auch im Hörspiel eingenommen haben. Doch „Die drei ??? und der Karpatenhund“ bietet noch deutlich mehr.
Deutlich freier und nicht so eng an der Vorlage bleibend, toben sich Dünschede und sein Co-Autor Anil Kizilbuga nämlich aus, wenn es darum geht, Rocky Beach zum Leben zu erwecken – und dabei mit liebevollem Fanservice auf das Gefühl einzuzahlen, es hier tatsächlich mit jener Welt zu tun zu haben, die man aus den Hörspielen kennt. Da hängen dann im Hintergrund zum Beispiel Werbeplakate für die Hähnchen des Chicken King Barney Crown aus der Folge „Der giftige Gockel“ und die Auflösung des Karpatenhund-Falls tangiert bekannte Elemente aus der „Und die Comic-Diebe“-Episode. Außerdem bekommen einige, in der eigentlichen Folge gar nicht vorkommende, in der Serie jedoch bekannte Gesichter wie etwa der von Philipp Christopher gespielte Inspector Cotta (hier noch als Detective unterwegs) und der Erzfeind der drei Fragezeichen, Skinny Norris (Filip Schnack), ihren kleinen Auftritt. Sogar Meisterdieb Victor Hugeney findet in einer Szene Erwähnung. Und das alles sieht obendrein auch noch verdammt gut aus. Kameramann Holger Jungnickel (arbeitete unter anderem bei der Actionkomödie „Guns Akimbo“ mit) schwelgt in den Straßen des permanent sonnenbeschienenen Städtchens Rocky Beach und findet immer die richtigen Bilder, um das internationale Feeling der „Drei ???“-Welt zu betonen. Gedreht wurde zwar auf den Kanarischen Inseln, doch „Die drei ??? und der Karpatenhund“ fühlt sich trotzdem durch und durch amerikanisch an.
„Kameramann Holger Jungnickel schwelgt in den Straßen des permanent sonnenbeschienenen Städtchens Rocky Beach und findet immer die richtigen Bilder, um das internationale Feeling der ‚Drei ???‘-Welt zu betonen.“
Bei der Geschichte selbst bleibt Dünschede bis ins letzte Drittel nah an der (für ganz Kleine mitunter ein wenig gruseligen) Vorlage, übernimmt vereinzelt sogar Dialoge eins zu eins, nahm für die Auflösung allerdings ein paar kleine – vor allem für das Medium Film zuträgliche – Änderungen vor. Puristen könnten das kritisieren. Tatsächlich hat es aber auch etwas Erfrischendes, dass man selbst als Fan und Kenner:in der Ursprungsfolge hier noch mit der ein oder anderen Überraschung konfrontiert wird. Zumal sich der Einbezug von Detective Cotta sowie Skinny Norris so nicht bloß wie banales Namedropping anfühlt, sondern auch seinen Teil zur Filmhandlung beiträgt. Als abschließender Appetithappen hängt dem Film schließlich noch der verfilmte Beginn der „Toteninsel“-Folge an, der im kommenden Jahr in die Kinos kommen wird. Und wer die kennt, der weiß: „Die drei ??? und der Karpatenhund“ ist in jeder Hinsicht erst der Anfang.
Fenton Prentice (Ulrich Tukur), Justus Jonas (Julius Weckauf), Peter Shaw (Nevio Wendt) und Bob Andrews (Levi Brandl).
Fazit: Viel besser kann man es nicht machen: „Die drei ??? und der Karpatenhund“ ist der mit Abstand beste Film der Reihe, bietet zu gleichen Teilen liebevollen Fanservice sowie filmische Eigenständigkeit und lässt das authentische Gefühl aufleben, tatsächlich eineinhalb Stunden in Rocky Beach zu sein.
„Die drei ??? und der Karpatenhund“ ist ab dem 23. Januar 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.
