21 Bridges

„Black Panther“-Star Chadwick Boseman spielt im Action-Thriller 21 BRIDGES einen knallharten, smarten Polizisten, der zwei Cop-Killern auf der Spur ist. Weshalb der Stoff trotz Potenzial enttäuscht, verraten wir in unserer Kritik zum Film.

Der Plot

Andre Davis (Chadwick Boseman) hatte es nicht leicht im Leben: Als er noch ein Kind war, wurde sein Vater tödlich verletzt, als er im Dienst für das NYPD drei Verbrecher aufzuhalten versucht hat. Mittlerweile ist aus Andre Davis ein sehr fähiger, aber auch sehr kritisch betrachteter Polizist geworden: Die Interne untersucht ihn aufgrund seines häufigen Gebrauchs seiner Dienstwaffe, der mehrmals tödlich für Andres Gegenüber tödlich endete. Andre behauptet jedoch, er habe keine Fehler begangen und sich stets nur verteidigt. Als eines Nachts zwei Kleingangster (Taylor Kitsch und Stephan James) bei einem Coup bergeweise Kokain entdecken, sitzen ihnen direkt danach mehrere Polizisten im Nacken. Während sich einer der beiden Gangster hart, aber vorsichtig aus der Situation zu lavieren versucht, knallt der andere die Cops ohne mit der Wimper zu zucken ab. Im NYPD herrscht daher fast schon sowas wie Vorfreude, als sich zeigt, dass Andre an den Fall angesetzt wird, verspricht das doch Rache für das Massaker …

Kritik

Chadwick Boseman („Black Panther“), der Hauptdarsteller des weltweit erfolgreichsten Solofilms innerhalb des Marvel Cinematic Universe, in der Hauptrolle. Anthony Russo und Joe Russo, die regieführenden Brüder hinter „Avengers: Infinity War“ und „Avengers: Endgame“, als werbewirksam in den Vordergrund gebrachte Produzenten. Und dennoch sprangen bei einem Budget von 33 Millionen Dollar in Nordamerika bloß Einnahmen in der Höhe von 28,5 Millionen Dollar heraus. Neben dem kommerziellen Misserfolg von „Die fantastische Reise des Dr. Dolittle“ mit Robert Downey Jr. in der Titelrolle untermauert „21 Bridges“ die These, dass das Kinopublikum den Marvel-Stars abseits des Mega-Franchises nicht die Treue hält. Doch neben der mangelnden Treue des Kinopublikums gegenüber den Marvel-Stars dürfte es für den wirtschaftlichen Misserfolg von „21 Bridges“ allerdings wohl noch einen Grund geben: Der Action-Thriller ist leider einfach nicht gut, sondern holt aus seiner soliden Grundidee nur generisches Material heraus.

Andre Davis (Chadwick Boseman) muss sich am Tatort erst einmal einen Überblick verschaffen.

Das zentrale Problem von „21 Bridges“ ist das Drehbuch von Adam Mervis und Matthew Michael Carnahan, das nur wenig von kohärenter Charakterzeichnung hält oder davon, seine thematischen Stränge durchzuziehen. Der Film eröffnet damit, dass Chadwick Bosemans Rolle des taffen und genau beobachtenden Andre Davis als knallharter Hund eingeführt wird, dem sein Umfeld einen fragwürdigen moralischen Kodex und einen schnell zuckenden Abzugsfinger unterstellt, während er sich als gerecht und vorsichtig bezeichnet. In der Theorie erzählt „21 Bridges“, wie dieser Polizist durch eine Extremsituation, nämlich die Hatz auf zwei flüchtige Verbrecher, die eine Spur aus Leichen hinterlassen, auf den Prüfstand gestellt wird: Ist Andre das, was er glaubt zu sein, oder das, was seine Kollegen in ihm sehen? Doch diese Ausarbeitung dessen, wie Andre Davis geht unter: „21 Bridges“ beäugt zwar die Arbeit seiner Hauptfigur, allerdings nur sehr schwammig und beiläufig. Und dabei ist Davis noch die am solidesten geschriebene Figur in „21 Bridges“. Der Rest der Figuren verhält sich völlig erratisch, und zwar derart, dass es sich selbst durch die Handlungswenden der Staffel nicht schlüssig erklären lässt. Als abgebrühte Vollprofis erzählte Figuren begehen tumbe Fehler, als vorsichtig und mitfühlend gezeigte Figuren schlagen mehrmals völlig grundlos total über die Stränge, vermeintlich abgebrühte Genies verbergen ihre versteckten, fiesen Intentionen überhaupt nicht, und so weiter … Nicht, dass „21 Bridges“ eine Geschichte über fatale Fehler sei und dies zum thematischen Kitt des Films machen würde – es ist schlicht eine Aneinanderreihung von erzählerischen Schnitzern, die es extrem erschwert, mit den Figuren mitzufiebern.

Das wäre ebenso verzeihlich wie der erlogene Titel (es führen nicht 21 Brücken nach Manhattan, sondern 17 Brücken – das war ursprünglich auch der Titel des Films – und vier Tunnel, aber wer will schon so haarspaltend drauf sein?), würde der Action-Part in diesem Action-Thriller deutlich stärker überzeugen als sein Thrill-Element. Doch Regisseur Brian Kirk (unter anderem: „Luther“) verleiht dem Geschehen schlicht keinen Kick: Zu dunkel, hektisch und kleinschrittig, um spektakulär zu sein, aber zu scheu um die Gewaltspitzen herum gewackelt und geschnitten, dass sich „21 Bridges“ als kerniger, harter Cop-Actioner anbieten würde. Kameramann Paul Cameron setzt auf sehr minimale Lichtsetzung und grobkörnige Eindrücke der dunklen Gassen New Yorks, aber anders als zuvor bei „Collateral“ scheitert er daran, seinen Bildern eine Sogkraft und atmosphärische Ausdrucksstärke zu verleihen –  stattdessen verschluckt seine Ausleuchtung mehrmals die Abläufe in den Actionszenen. Allein eine uneitle Sienna Miller („Edge of Love“) als patzige Ermittlerin der Drogenbehörde und Chadwick Bosemans stoische Darbietung als kompromisslos handelnder Polizist, der im Laufe von „21 Bridges“ wiederholt ins Grübeln gerät, es sich aber nicht anmerken lassen will, heben den Film über das Elektromarkt-Grabbelkistenniveau hinaus.

Auf den Spuren der Täter treibt es Andre und Frankie (Sienna Miller) durch ein gewaltgeschwängertes Manhattan.

Fazit: „21 Bridges“ punktet mit Chadwick Boseman, ist aber sonst ein enttäuschend-generischer Action-Thriller voller verpasster Chancen. Vor allem aber macht der Filmtitel nicht wirklich Sinn. Denn auch wenn hier am Ende sämtliche Brücken nach Manhattan gesperrt werden, hat das auf die Bevölkerung erstaunlich wenig Einfluss.

„21 Bridges“ ist ab dem 6. Februar in den deutschen Kinos zu sehen.

Ein Kommentar

Schreibe eine Antwort zu Uwe Kraus Antwort abbrechen