Entourage – Der Film

Vier Jahre nach der Finalepisode begeben sich Vincent Chase und seine ENTOURAGE im gleichnamigen Kinofilm auf die große Leinwand. Sowohl vor, als auch hinter den Kulissen ist das Team identisch geblieben. Und genau deshalb schauen sich die kinematografischen Eskapaden der wohl sympathischsten Hollywood-Clique der Welt wie eine Hochglanz-Episode des TV-Formats. Ganz so, als wären die Freunde nie weg gewesen. Mehr zum Sommer-Überraschungshit in meiner Kritik.

Entourage

Der Plot

Filmstar Vincent Chase (Adrian Grenier) und seine Jungs Eric (Kevin Connolly), Turtle (Jerry Ferrara) und Johnny (Kevin Dillon) sind wieder da – und machen einmal mehr gemeinsame Sache mit dem Superagenten und inzwischen zum Studioboss aufgestiegenen Ari Gold (Jeremy Piven). Ihre Ambitionen haben sich ein wenig verlagert, aber ihre Freundschaft bleibt unerschütterlich, während sie sich im unberechenbaren Haifischbecken von Hollywood tummeln. Jenes birgt diesmal nicht nur neue Projekte, heiße Liebschaften und alte Feinde, sondern auch regelrechte Schnapsideen. So zumindest scheint es, als Vincent bei Ari mit einem neuen Projekt anklopft: In seinem nächsten Film möchte der mittlerweile preisgekrönte Megastar auch Regie führen. Vince‘ Entourage staunt nicht schlecht, unterstützt seinen Kumpel und Boss jedoch auch bei diesem neuen Karriereschritt. Das Projekt, das Vincent partout Niemandem zeigen will, verschlingt Millionen und es dauert nicht lange, bis selbst das Studio das Vertrauen in seinen Vorzeigestar verliert. Doch dann schaut sich Ari die Rohfassung heimlich an und wird Zeuge einer Sternstunde der Filmgeschichte, die für einen Moment sogar von den privaten Eskapaden der Freunde ablenkt…

Kritik

Normalerweise beginnt eine Filmkritik mit einigen Trivia-Fakten über die zu besprechende Produktion. Es geht um Hintergrundinfos, um eine Einordnung in die aktuelle Lage des Hollywood- respektive Arthouse-Geschehens und es geht um ein Abwägen, mit welchem Erfolg das Projekt in etwa gesegnet sein könnte. Doch diesmal ist alles ein wenig anders. Die Verfasserin dieser Zeilen möchte ihr neuestes Review lieber mit einem Geständnis beginnen. Und zwar mit jenem, dass sie bis vor Kurzem noch nie etwas von dem US-Kultformat „Entourage“ gehört hat, das Anfang der 2000er offenbar Scharen vor die Fernsehschirme lockte und ebendiesen Scharen einen exklusiven Einblick in die schillernde Welt der Traumfabrik ermöglichte. Einer der wohl größten Fans machte aus seiner Liebe zu Vincent Chase und seine Gefolgschaft aus Eric Murphy, Turtle und seinem Bruder Johnny nie einen Hehl: Der heute ebenfalls zu den A-Promis gehörende Schauspieler Mark Wahlberg war einer der Ersten, der in „Entourage“ einst einen Cameo-Auftritt hatte; mit ein Faktor, wofür die Serie damals so berühmt und beliebt wurde. Als Studiopläne für eine Leinwandadaption laut wurden, kam Wahlberg als einer der Ersten mit an Bord. Seine Funktion des ausführenden Produzenten, die der „Ted“-Star auch schon zu Fernsehzeiten hatte, gab er für „Entourage – Der Film“ nicht aus der Hand, übernahm aber nebenher noch eine Art des PR-Postens. Wochenlang hielt der Hollywoodstar seine Follower und Facebook-Fans über den aktuellen Produktionsstatus auf dem Laufenden und wurde nicht müde, zu betonen: Das wird was ganz Großes –getreu dem Plakatmotto: „Dream large, live larger!“.

Entourage

Vier Jahre nachdem die finale Folge der insgesamt acht Staffeln umfassenden HBO-Serie über die Bildschirme geflimmert ist, kommt das von Fans lang erwartete Großprojekt nun endlich in die weltweiten Kinos. Mit einem Budget von rund 28 Millionen US-Dollar macht Regisseur Doug Ellin – zugleich Schöpfer der Serie selbst – seinem Filmmotto alle Ehre. Um das beurteilen zu können, hat die Verfasserin dieser Zeilen keine Kosten und Mühen gescheut, um für einen fairen Vergleich von TV-Format und Leinwandadaption die gesamte Serie zu sichten. Die Eskapaden von Vincent Chase und seiner Entourage könnten aktueller nicht sein. Nicht nur, dass die Serie selbst schon kaum gealtert ist, auch der Hollywood’sche Trend dazu, die glitzernde Traumwelt zu demontieren, hält an. „Birdman“ gewann dieses Jahr mehrere Oscars, „Maps to the Stars“ wurde vielfach von der Fachpresse gelobt und nicht zuletzt versucht sich aktuell auch die von Kritikern gefeierte Serie „Empire“ an einem Blick hinter die Kulissen des Entertainmentbusiness. Ein Film, basierend auf einem Fernsehformat, das einst zu so etwas wie den Mitbegründern dieses Trends wurde, ist da nur konsequent; erst recht mit einem Blick darauf, wie bombastisch das fertige Produkt denn nun geworden ist. Wichtig ist aber vor allem eines: An „Entourage – Der Film“ werden nicht nur die Serienliebhaber ihre helle Freude haben. Selbst wenn sich ungeahntes Publikum in eine Vorstellung des Filmes verirren sollte, wird dieses den Kauf eines Tickets zu keinem Zeitpunkt bereuen. Kurzum: Vincent und seine Crew sind Schuld an einem der spektakulärsten Sommerfilme des Jahres.

Seit dem Ende der Serie sind einige Jahre vergangen, doch so richtig Schluss war eigentlich nie. Wenngleich die Schlussepisode für die meisten Figuren ein zufriedenstellendes Ende bereithielt, so ändert eine cineastische Wiederbelebung des Formats nichts an der Serienkontinuität. Den Zeitsprung bereitet Doug Ellin schlüssig auf, indem er all seinen Figuren realistische Entwicklungen – karrieretechnisch als auch emotional – zugesteht. Auf allzu detaillierte Ereignisse aus der Vergangenheit wird jedoch nicht eingegangen; Querverweise in Richtung des Vorspannes oder kurze Anekdoten aus vergangenen Tagen müssen reichen, um den Liebhabern eine Art Fanservice zu bieten. Im Mittelpunkt der Story steht eine Geschichte, die sich kaum besser für eine Filmvariante eignen könnte, denn die Regiepläne von Vincent Chase sind ausladend genug, um eine Filmhandlung zu tragen und behalten gleichsam den typischen Seriencharakter bei. Dass es den Machern um den Plot selbst jedoch eigentlich kaum geht, merkt man als Zuschauer spätestens dann, als sich die Freunde ein Fernsehportrait über Vince und seine Entourage anschauen. Dass der Schauspieler sich neuen Karrierefacetten widmen möchte, ist die eine Sache, doch in Wirklichkeit steht nach wie vor die Interaktion innerhalb der Clique im Vordergrund. Es geht um das Leben der Freunde, um die emotionalen Verwicklungen in deren Privatleben und darum, Mäuschen zu spielen.

Adrian Grenier

Erneut bittet der Regisseur seine Zuschauer mit an den Tisch, wenn hinter den Kulissen der Filmindustrie Entscheidungen getroffen, Schauspieler aus Projekten gekickt und Budgetpläne geschmiedet werden. Dass es dabei nicht ganz so rau und anzüglich zugeht, wie etwa in der Erfolgsserie „Californication“ liegt an dem Fokus auf dem Wohlfühlfaktor. „Entourage“ wollte nie die ganz großen Skandale schüren, sondern einfach nur darum, das Gefühl zu vermitteln, hautnah an jenen Geschehnissen dabei zu sein, die für uns sonst nur im Verborgenen stattfinden. Entsprechend spektakulär gestaltet sich bei dieser sympathischen Grundprämisse auch das Repertoire an Stars, die für ein unvergleichliches Potpourri an Gastauftritten gewonnen werden konnten. Wenngleich der Trailer leider schon eine Menge dieser bewusst als Überraschung angelegten Stelldicheins vorwegnimmt, so ist es hoffentlich noch einer ganzen Menge an Zuschauern vergönnt, diese Aha-Momente mit vollkommendem Unwissen zu genießen. Daher sei kein einziger Cameo an dieser Stelle vorweggenommen. Nur so viel: Zum Zählen reichen schon nach der ersten Filmhälfte nicht mehr bloß zwei Hände aus. Und was noch viel wichtiger ist: Die Akteure agieren ohne Rücksicht auf ihr in der Öffentlichkeit gepflegtes Image und beweisen darüber hinaus ein beachtliches Gespür für Selbstironie.

Dass das alles so reibungslos funktioniert, ist natürlich auch dem handwerklich hervorragenden Skript geschuldet. Verantwortlich hierfür zeichnen einmal mehr Doug Ellin selbst sowie Rob Weiss, der nicht nur bei der Serie schon mit an Bord war, sondern auch den Thriller-Klassiker „American Psycho“ produzierte. Dieses erfolgversprechende Duo entwirft eine in Tempo und Tonfall äußerst ausgewogene Geschichte, die sämtliche Charaktere gleichberechtigt im Auge behält und eine perfekte Balance findet, wenn es darum geht, sowohl die Hollywoodeigenheiten zu entlarven, als auch die seelischen Veränderungen ihrer Figuren auszuarbeiten. An diesem Punkt ist der formatkennende Zuschauer jedoch eindeutig im Vorteil: Für ihn sind Vincent uns seine Kumpels schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Er kennt die Eigenheiten und Spleens der Figuren ganz genau und bedarf keiner weitreichenden Erläuterungen mehr. Ohne jenes Vorwissen erweist sich die Entourage eventuell als zu blass, denn für detaillierte Charaktereinführungen ist im Falle von „Entourage – Der Film“ keinen Platz. Um Spaß an der ebenso komischen wie tragisch angehauchten Geschichte zu haben, benötigt es dennoch keinerlei dramaturgischen Unterbau. Die Produktion zielt klar auf den Entertainmentfaktor ab und bereitet dem Zuschauer in jedweder Hinsicht ein diebisches Vergnügen.

Jeremy Piven alias Ari Gold ist natürlich auch wieder mit an Bord - und mittlerweile Studioboss in Hollywood.

Jeremy Piven alias Ari Gold ist natürlich auch wieder mit an Bord – und mittlerweile Studioboss in Hollywood.

Fazit: „Entourage – Der Film“ ist ein Geschenk für Fans und ein absoluter Überraschungshit für solche, die es bislang (noch) nicht sind. Mit einem Ensemble, dem man die vielen Jahre der Zusammenarbeit anmerkt, einem Skript, das zwar nicht tiefgründig, dafür umso mehr herzlich ist und einer Prise von bissiger Hollywoodsatire ist Doug Ellins Ausflug auf die Leinwand der Sommerfilm 2015.

„Entourage – Der Film“ ist ab dem 9. Juli bundesweit in den Kinos zu sehen.

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