Cold Storage

Gefährliche Organismen, enge Gänge und jede Menge schleimiger Horror: COLD STORAGE setzt auf Tempo, B-Movie-Charme und eine ungleiche Figurenkonstellation. Zwischen Ekelfaktor und Selbstironie wird es überraschend kurzweilig. Doch ob das am Ende einen ganzen Film trägt?

OT: Cold Storage (FR/IT/MAR 2026)

Darum geht’s

Für Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell) entwickelt sich eine gewöhnliche Nachtschicht in einem Self-Storage-Lager zu einem albtraumhaften Überlebenskampf, als ein rätselhafter Pilzparasit ausbricht und für Chaos sorgt. Der extrem gefährliche Mikroorganismus stammt aus einer hermetisch abgeriegelten Militäranlage unterhalb des Gebäudes. Ein Überbleibsel geheimer US-Experimente, das über Jahrzehnte verborgen gehalten wurde. Nun verbreitet sich der Erreger in rasantem Tempo und verwandelt sowohl Menschen als auch Tiere in zombieartige Wesen. Die Zeit wird knapp, und es liegt an Teacake und Naomi, gemeinsam mit einem gealterten Anti-Bioterror-Agenten (Liam Neeson), die Katastrophe aufzuhalten und das Schicksal der Menschheit zu retten.

Kritik

Zwischen mutierten Pilzsporen wie in „The Last of Us“, nüchtern durchdeklinierten Pandemie-Szenarien à la „Contagion“ und der unheilvollen Wiederentdeckung längst eingefrorener Organismen, wie sie bereits „The Thing“ so eindrucksvoll zelebrierte, hat das Kino in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Vorliebe für Bedrohungen entwickelt, die sich mit bloßem Auge kaum erkennen lassen. Und deren zerstörerisches Potenzial sich meist erst dann offenbart, wenn es längst zu spät ist. Dass ausgerechnet ein jahrzehntealtes Experiment, das irgendwo in einem unscheinbaren Lagerhaus vor sich hinschlummert, irgendwann doch noch zum Problem werden könnte, gehört dabei fast schon zur Grundausstattung des Genres. Man könnte nun also meinen, „Cold Storage“ bewege sich erzählerisch auf bestens ausgetretenen Pfaden. Doch gerade aus dieser vermeintlichen Vertrautheit versucht der Film, seinen eigenen Reiz zu entwickeln – und spielt dabei genüsslich mit der ebenso simplen wie folgenschweren Annahme, man könne hochgefährliche Organismen einfach tiefkühlen und darauf vertrauen, dass sich die Sache damit erledigt hat.

Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell) treffen auf den ehemaligen Bioterror-Agenten Robert Quinn (Liam Neeson).

Im Zentrum von „Cold Storage“ steht dabei eine Figurenkonstellation, die kaum zufälliger wirken könnte und doch ziemlich offensichtlich darauf abzielt, zwei Generationen und damit auch zwei erzählerische Ansätze miteinander zu verknüpfen. Auf der einen Seite ist da ein junges Duo: Georgina Campbell („Barbarian“) und „Stranger Things“-Star Joe Keery fungieren in ihren Rollen als Naomi und Teacake wie Vertreter:innen einer „neuen Garde“ und verleihen dem Film jene unbedarfte Energie, die im Angesicht einer eskalierenden Bedrohung schnell in blanke Überforderung umschlagen kann. Auf der anderen Seite betritt mit Liam Neeson („Die nackte Kanone“) ein erfahrener Genre-Veteran die Bühne, der gewissermaßen die alte Schule des Überlebenskinos repräsentiert. Sein NASA-Experte Robert Quinn ist stoisch, abgeklärt und mit jener abgehangenen Autorität ausgestattet, die keinen Zweifel daran lässt, dass er ähnliche Situationen schon mehr als einmal überstanden hat (was ja auch ein Stückweit auf Neeson selbst zutrifft). „Cold Storage“ versucht aus dieser Konstellation ein Spannungsfeld zu erzeugen, in dem jugendliche Impulsivität und routinierte Krisenbewältigung aufeinandertreffen, sodass hier nicht nur zwei Figuren, sondern gleich zwei Perspektiven auf das Genre miteinander kollidieren.

„Was auf dem Papier als reizvoller Kontrast zwischen routinierter Erfahrung und jugendlicher Unbekümmertheit angelegt ist, verliert spürbar an Dynamik, weil sich die beiden Erzählstränge nur selten wirklich berühren.“

Ein spannender Ansatz, der allerdings nicht immer aufgeht. Denn der alteingesessene Drehbuchautor David Koepp, der bereits die Skripte zu Filmen wie „Jurassic Park“, „Mission: Impossible“ und zuletzt „Black Bag“ verfasste und im Falle von „Cold Storage“ zudem die zugrunde liegende Romanvorlage schrieb, entscheidet sich hier dafür, seine beiden zentralen Handlungsstränge über weite Strecken neben- statt miteinander zu erzählen. Während sich die wirklich toll miteinander harmonierenden Teacake und Naomi durch die zunehmend unübersichtlichen Gänge der Self-Storage-Einrichtung schlagen (im wahrsten Sinne des Wortes!) und dabei von einer Eskalationsstufe zur nächsten stolpern, bleibt Neesons Robert Quinn lange Zeit auf Distanz. Und das meist buchstäblich, denn seine Rolle beschränkt sich über weite Teile darauf, aus der Ferne Anweisungen zu geben und das Geschehen über Telefonate zu begleiten. Was auf dem Papier als reizvoller Kontrast zwischen routinierter Erfahrung und jugendlicher Unbekümmertheit angelegt ist, verliert dadurch spürbar an Dynamik, weil sich die beiden Erzählstränge nur selten wirklich berühren. Gerade in jenen Momenten, in denen die Figuren dann doch aufeinandertreffen und ihre jeweiligen Stärken ausspielen können, gewinnt der Film deutlich an Energie. Nur sind diese Momente bis zum Finale vergleichsweise rar gesät.

Teacake, Naomi und die Spuren der Zerstörung…

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die beiden Erzählstränge für sich genommen nicht ihren eigenen Reiz entfalten. Insbesondere das junge Duo profitiert von einer spürbaren Chemie, die sich vor allem aus ihren gegensätzlichen Herangehensweisen an die eskalierende Situation speist: Während der eher ängstliche Teacake versucht, die Kontrolle zu bewahren und rational zu handeln, reagiert die mit einer ansteckenden „Leckt mich am Arsch“-Haltung ausgestattete Naomi unweit impulsiver. Aus diesem emotionalen Wechselspiel ergibt sich eine durchaus mitreißende Dynamik. Dem gegenüber steht Liam Neeson, der das Geschehen mit einer angenehm süffisant-ironischen Distanz betrachtet und mehrfach den Eindruck erweckt, als könnte er jeden Moment die vierte Wand durchbrechen. Gerade diese leicht selbstreflexive Note verleiht seiner Figur eine eigene Qualität, die sich wohltuend vom unmittelbaren Überlebenskampf der anderen Figuren abhebt. Neu ist das alles freilich nicht und „Cold Storage“ wird kaum einen Preis für das cleverste Drehbuch gewinnen. Doch der Film versteht es durchaus, die unterschiedlichen Facetten und Tonlagen eines solchen Stoffes auszuloten und miteinander in Beziehung zu setzen. Dass der Film obendrein noch nicht einmal einhundert Minuten geht, macht die ganze Angelegenheit zusätzlich kurzweilig.

„Ganz gleich, ob ein Hirsch explodiert, ein Infizierter im Strahl grüne Kotze herauswürgt oder ein sogenannter Rattenkönig, der ja schon im normalen Zustand unheimlich ist, hier in einer ‚Pilzversion‘ zusätzlich fies daherkommt: Manches Motiv in ‚Cold Storage‘ besitzt Wiedererkennungswert.“

Aus inszenatorischer Sicht setzt „Cold Storage“-Regisseur Jonny Campbell („Informer“) derweil erfreulich stark auf eine greifbare, beinahe schon altmodische Körperlichkeit, die dem Geschehen eine angenehm handfeste Note verleiht. Wenn sich der Organismus seinen Weg durch die engen Gänge bahnt, wird es grün, schleimig und glitschig. Die Effekte dürfen hier sichtbar „saftig“ ausfallen und besitzen einen hohen Ekelfaktor. Ganz gleich, ob ein Hirsch explodiert, ein Infizierter im Strahl grüne Kotze herauswürgt oder ein sogenannter Rattenkönig, der ja schon im normalen Zustand unheimlich ist, hier in einer „Pilzversion“ zusätzlich fies daherkommt: Manches Motiv in „Cold Storage“ besitzt Wiedererkennungswert. Zwar ist dem Film dabei immer wieder anzusehen, dass digitale Nachbearbeitung eine nicht unerhebliche Rolle spielt, doch gerade in der Kombination mit praktischen Effekten entsteht ein stimmiges Gesamtbild, das die Bedrohung spürbar werden lässt. Diese bewusste Überzeichnung, gepaart mit der Lust am Unappetitlichen, verleiht „Cold Storage“ einen charmanten B-Movie-Einschlag, der dem Film gut zu Gesicht steht und ihn in seinen besten Momenten angenehm ungeschliffen wirken lässt.

Viel am Handy: Liam Neeson in „Cold Storage“.

Fazit: „Cold Storage“ bewegt sich auf vertrautem Genreterrain, findet aber durch seine Figuren und den bewusst handfesten, teils selbstironischen Stil eine eigene Note. Die lange Trennung der Handlungsstränge bremst jedoch die Dynamik, die erst in den gemeinsamen Momenten spürbar anzieht. So bleibt ein kurzweiliger, angenehm ungeschliffener Genrebeitrag, der eher durch seine Umsetzung als durch Originalität überzeugt.

„Cold Storage“ ist ab dem 19. Februar 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

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