Zoomania 2

Zwischen cleverem Humor, spannender Detektivgeschichte und tiefgründiger Themen macht ZOOMANIA 2 genau dort weiter, wo der großartige erste Teil aufgehört hat. Die kreative Detailvielfalt ist mindestens genauso atemberaubend wie der neueste Ensemblezugang Gary Da’Snake niedlich ist – dabei ist seine Hintergrundgeschichte bemerkenswert tragisch.

OT: Zootopia 2 (USA 2025)

Darum geht’s

Die pulsierende Metropole Zootropolis: Judy Hopps (Ginnifer Goodwin/Josefine Preuß), die erste Kaninchenpolizistin der Stadt, ist mittlerweile eine erfahrene Beamtin, auch wenn es mit ihrem cleveren Partner Nick Wilde (Jason Bateman/Florian Halm) noch nicht ganz so reibungslos läuft, wie sie es sich wünschen würde. Doch ein neuer Fall führt die beiden auf die heiße Spur der Schlange Gary (Ke Huy Quan/Rick Kavanian). Seit Ewigkeiten wurden in Zootropolis keine Schlangen mehr gesichtet. Es herrscht generell eine sehr ablehnende Haltung gegenüber allem, was nicht zu der Gattung Säugetier gehört. Nick und Judy wollen herausfinden, warum – und legen sich dafür sogar mit ihrer eigenen Polizeidienststelle an. Schnell werden die zwei zu Gejagten, doch gemeinsam setzen sie alles daran, nicht nur das Geheimnis um Gary zu lüften, sondern auch die düstere Vergangenheit von Zootropolis aufzuklären, die untrennbar mit Garys Schicksal verbunden ist…

Kritik

Zwischen dem Kinostart von „Zoomania 2“ und „Avatar: Fire and Ash“ liegen gerade einmal drei Wochen. Nun möchte man meinen, dass sich die Zielgruppen des kunterbunten Animationsabenteuers und des primär blauen 3D-Fantasyspektakels ja ohnehin nicht so sehr überschneiden dürften. Ein derart nah beieinander platzierter Release – dann auch noch aus dem gleichen Studio – wird kaum dafür sorgen, dass sich die Filme gegenseitig das Wasser abgraben. Und schließlich verirren sich in die „Zoomania“ spielenden Kinosäle ohnehin primär Familien, während sich „Avatar“ an ein etwas älteres Publikum richtet. Doch es werden 2015 kaum „nur Familien“ dafür gesorgt haben, dass „Zoomania“ weltweit über eine Milliarde Dollar eingespielt hat. Mit seiner cleveren Mischung aus Humor, spannender Detektivgeschichte und einer detailreichen, lebendigen Tierstadt spricht er – wie so viele Animationsfilme – Zuschauer:innen aller Altersgruppen an. Darüber hinaus verhandelte der erste Teil gesellschaftliche Themen wie Vorurteile, Diskriminierung und Integration ebenso subtil wie eindringlich. Der visuelle Stil ist derweil zeitlos – „Avatar“ dagegen verliert seine Wucht aller spätestens auf dem heimischen Fernsehschirm. Und während sich in den zehn Jahren zwischen „Zoomania“ und „Zoomania 2“ ein regelrechtes Sequel-Dürsten aufbauen konnte, konnte sich das Hype-Barometer bei „Avatar“ noch nicht zu vergleichbaren Höhen emporschwingen. Also ja: Beide Filme starten fast zeitgleich und dürften das Rennen um den erfolgreichsten Film des Jahres unter sich ausmachen. Zumindest an dieser Stelle sei der Siegestipp jedoch für „Zoomania 2“ ausgesprochen…

In „Zoomania 2“ lernen wir gemeinsam mit Judy und Nick neue Winkel der aufregenden Stadt Zootropolis kennen.

… dem es obendrein enorm zu wünschen wäre, das größtmögliche Publikum für sich zu begeistern. Denn so viel sei vorweggenommen: „Zoomania 2“ ist einfach fantastisch! Während zwischen der Story aus „Zoomania“ und jener des Sequels gerade einmal eine Woche liegt, benötigte es für die Entstehung der Fortsetzung ganze neun Jahre. Vielleicht ist die neun ja so etwas wie eine Disney-Glückszahl, denn zwischen „Alles steht Kopf“ und dessen äußerst stimmiger Fortsetzung lagen ebenfalls neun Jahre. In beiden Fällen haben die Kreativen diese Zeit vor allem dafür aufgewendet, die in den Vorgängern schon immens detailreichen Welten noch einmal um ganz neue Ideen zu ergänzen. In „Alles steht Kopf“ durfte das Publikum neue Hirnareale erkunden und Emotionen entdecken, in „Zoomania 2“ wird nun die im Zentrum stehende Stadt Zootropolis um weitere Bereiche und Mitbewohner:innen ergänzt. Doch das ist längst nicht alles. Die Geschichte von „Zoomania 2“ befasst sich diesmal sogar mit der Entstehung von Zootropolis, insbesondere mit ihren düsteren, bislang im Schatten gebliebenen Seiten. Die Story, die im Kern wieder einmal deutlich mehr erzählt, als es auf den ersten Blick den Anschein macht, besitzt also auch diesmal wieder die entsprechende Gravitas. In diesem Punkt bleiben sich die Macher:innen sogar besonders treu. Wenn der Ensemble-Neuankömmling (und Szenendieb des Kinojahres 2025!) Gary De’Snake bereits in seinem aller ersten gesprochenen Satz darauf verweist, dass er beweisen möchte, dass Schlangen „nicht die Bösen“ sind, dann ahnt man, dass Drehbuchautor Jared Bush mit seiner Geschichte genau dort ansetzt, vor der Vorgänger aufgehört hat.

„‚Zoomania 2‘ behandelt nicht nur den zentralen Kriminalfall, sondern betrachtet auch das stete Zusammenwachsen der beiden Held:innen. Der Umgang mit dem Anderssein und dem Akzeptierenlernen desselben entspricht zwar gängigen Disney- und Animationsfilmtropen, aber spätestens mit der emotionalen Aussprache auf der Zielgeraden wird das Gefühlsinnere der beiden spür- und erlebbar.“

Die blau-grüne Schlange mit dem fehlenden Giftzahn und dem Epi-Pen gegen Schlangengift in der Bauchtasche ist nur eine von mehreren Neuzugängen im „Zoomania“-Universum. Mit seinem unerschütterlichen Optimismus – eine aufrichtig hoffnungsvollere Figur hat es in diesem Jahr nicht im Kino zu sehen gegeben – ist Gary klar das große Highlight im neuen Nebenfigurenensemble. Auch eine gewitzte Biberdame und ein listiger Luchs schließen sich der bunten Truppe an, erneut angeführt von Judy Hopps und Nick Wilde. Das im ersten Teil noch als typische „Partner wider Willen“ auftretende Ermittler:innenduo befindet sich zu Beginn von „Zoomania 2“ mitten in einer Gesprächtherapie. Denn so ganz klappt das mit dem Partnersein noch nicht. Doch auch dafür nimmt sich der Film die notwendige Zeit: „Zoomania 2“ behandelt – wie schon Teil eins – nicht nur den zentralen Kriminalfall, sondern betrachtet auch das stete Zusammenwachsen der beiden Held:innen, aller Widersprüchlichkeiten und Gegensätze zum Trotz. Der Umgang mit dem Anderssein und dem Akzeptierenlernen desselben entspricht zwar gängigen Disney- und Animationsfilmtropen, aber spätestens mit der emotionalen Aussprache auf der Zielgeraden wird das Gefühlsinnere der beiden spür- und erlebbar. Judy Hopps und Nick Wilde sind nicht einfach nur austauschbare Animationsfilmfiguren, sondern facettenreiche und komplexe Charaktere, deren Entwicklung auch mit dem zweiten Teil noch längst nicht abgeschlossen ist.

Die Ermittlungen führen die beiden Freunde auch auf eine Undercover-Mission…

Das trifft übrigens auch auf Zootropolis zu – und man wünscht sich nach dem Kinobesuch von „Zoomania 2“ sehnlichst eine weitere Fortsetzung herbei. Man kann sich kaum vorstellen, welche verrückten Einfälle die Macher:innen noch entwickeln könnten, würden sie für ein weiteres Sequel die gleiche kreative Freiheit erhalten wie offensichtlich für Teil zwei. Ob die Architektur der Gebäude, die detailreichen Hintergründe, die originellen Ideen beim Tier- und Charakterdesign oder die zahlreichen popkulturellen Anspielungen – für Kenner ein Genuss, für alle anderen völlig verständlich eingebunden: „Zoomania 2“ sprüht vor kreativer Animationskunst. Obendrein setzt der gemeinsam mit Byron Howard („Encanto“) auch für die Regie verantwortlich zeichnende Jared Bush in Sachen Humor und Witz noch einmal eine merkliche Schippe obendrauf. „Zoomania 2“ feuert im Sekundentakt Gags ab; Mal subtil im Hintergrund, mal direkt und „voll auf die Zwölf“. Die Trefferquote ist dabei enorm, auch wenn der Geschichte im finalen Drittel ein bisschen die Puste ausgeht. Dann nämlich wird es noch einmal richtig ernst. Ohnehin überrascht die an mehreren Stellen sehr direkte Bedrohung mit dem Tod respektive die Darstellung desselben in einer Rückblende. Für ganz kleine Besucher:innen könnte „Zoomania 2“ glatt eine Spur zu düster, wild und komplex geraten sein. Die Altersfreigabe ab 6 Jahren macht hier auf jeden Fall Sinn!

„Obendrein setzt der gemeinsam mit Byron Howard auch für die Regie verantwortlich zeichnende Jared Bush in Sachen Humor und Witz noch einmal eine merkliche Schippe obendrauf. ‚Zoomania 2‘ feuert im Sekundentakt Gags ab; Mal subtil im Hintergrund, mal direkt und ‚voll auf die Zwölf‘.“

Fazit: „Zoomania 2“ kann seinem großartigen Vorgänger in allen Belangen das Wasser reichen. Die detailreiche Welt von Zootropolis wird stimmig erweitert, neue Figuren wie Gary De’Snake bereichern das Ensemble, und Judy Hopps sowie Nick Wilde entwickeln sich erneut facettenreich weiter. Humor, Spannung und gesellschaftlich relevante Themen treffen Zuschauer:innen aller Altersgruppen. Die kreative Freiheit der Macher:innen zeigt sich in Animation, Witz und Popkultur-Anspielungen, während das Finale emotionale Schlagkraft besitzt. Ein fantastisches Sequel, das Lust auf noch viele weitere Abenteuer in Zootropolis macht – und gute Chancen hat, sich 2025 den Spitzenplatz an der Kinokasse zu erobern.

„Zoomania 2“ ist ab dem 27. November 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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