Mission: Impossible – The Final Reckoning

In den letzten Jahren schien es so, als hätten Regisseur Christopher McQuarrie und sein Hauptdarsteller Tom Cruise auf die ganz große Action-Eskalation hingearbeitet. Noch höher, noch gefährlicher, noch atemberaubender! Doch mit MISSION: IMPOSSIBLE – THE FINAL RECKONING enttäuscht nun ausgerechnet das vermeintliche Finale der Reihe, das in der ersten Hälfte überhaupt nicht aus dem Quark kommt und letztlich „nur“ mit zwei großen – immerhin absolut atemberaubenden – Actionszenen aufwartet.

OT: Mission: Impossible – The Final Reckoning (UK/USA 2025)

Darum geht’s

Ethan Hunt (Tom Cruise) und sein IMF-Team stehen vor ihrer bislang größten Herausforderung: Sie müssen die Kontrolle über eine abtrünnige künstliche Intelligenz namens „Entität“ verhindern, die droht, die weltweiten Nuklearwaffenarsenale zu übernehmen. Um dies zu verhindern, müssen Hunt, Benji (Simon Pegg), Luther (Ving Rhames), die Trickdiebin Grace (Hayley Atwell) und Paris (Pom Klementieff) ein Modul bergen, das sich an Bord des gesunkenen russischen U-Boots Sevastopol befindet. Dieses enthält den Quellcode der Künstlichen Intelligenz, auf den es natürlich der auch Gabriel (Esai Morales) abgesehen hat, der Agent der Entität. Während ihrer Mission wird das Team mit zahlreichen moralischen Dilemmata konfrontiert. Außerdem muss Ethan mit CIA-Direktor Kittridge (Henry Czerny) und Präsidentin Erika Sloane (Angela Bassett) immer wieder verhandeln, um die Kontrolle über die Operation zu behalten…

Kritik

In einem Interview anlässlich des Kinostarts von „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ gab Hauptdarsteller Tom Cruise („Oblivion“) kürzlich zu Protokoll, Actionfilme drehen zu wollen, bis er einhundert Jahre alt ist. Und wenn man jemandem eine solch vollmundige Ankündigung abkauft, dann ist das wohl am ehesten noch der Hollywoodstar, der all seine Stunts selbst macht und damit nicht nur zu einer modernen Actionikone, sondern zu seiner eigenen Marke geworden ist. Das Marketing der letzten, allesamt von Christopher McQuarrie inszenierten Filme der Reihe drehte sich infolgedessen immer um einen gewaltigen Stunt; meistens den Höhepunkt des Films. Insbesondere bei „Dead Reckoning – Part One“ zeigte dieses Vorgehen dann aber erste Abnutzungserscheinungen. Dass Cruise irgendwann im Film mit einem Motorrad eine Klippe herunterspringen würde, wurde von Trailern, vorab veröffentlichtem Behind-the-Scenes-Material und anderweitigen Bewegtbildvorschauen noch und nöcher durchgekaut. Der Wow-Effekt im fertigen Film blieb aus. Beeindruckend ist Cruises Aufopferungsbereitschaft natürlich weiterhin. Umso mehr überrascht es da, dass für den (angeblich) letzten Teil des von ihm angeführten „Mission: Impossible“-Franchise nun mehrere Gänge zurückgeschaltet wird. Dabei würde man für ein Finale doch erst recht die ultimative Actioneskalation erwarten, die allerdings bereits in Teil sechs, „Fallout“, ihren Höhepunkt fand.

Luther (Ving Rhames) muss auch diesmal wieder Bomben entschärfen…

Als der direkte Vorgänger „Mission: Impossible – Dead Reckoning“ im #Barbenheimer-Sommer 2023 in die Kinos kam, blieb der knapp 300 Millionen US-Dollar teure Blockbuster deutlich hinter den Box-Office-Erwartungen zurück. Nicht einmal das Doppelte seines Budgets konnte der Film wieder einspielen. Sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass er im Grunde nur eine Woche Zeit hatte, noch vor dem „Barbie“„Oppenheimer“-Double sein Publikum zu finden. So entschied man sich um, aus „Dead Reckoning – Part One“ und „Dead Reckoning – Part Two“ wurde der Abschluss nun also zu „The Final Reckoning“. Dass es sich bei den beiden Teilen trotzdem um ein zweigeteiltes Finale handelt, ist nicht nur der Story anzumerken. „The Final Reckoning“ knüpft direkt an den Cliffhanger des Vorgängers an und erzählt die Geschichte rund um die die Weltsicherheit bedrohende KI namens „Entität“ konsequent weiter. Und das mit dem „erzählen“ ist hier absolut wörtlich zu verstehen. Die „Mission: Impossible“-Filme hatten, schon allein aufgrund der oftmals unnötig verschwurbelten (aber immer zweckdienlichen) Handlung, immer ein Problem mit ausuferndem Expositionstalk. Das, was in „The Final Reckoning“ aufgetischt wird, ist nun allerdings der reine Exposition Dump. Die erste Hälfte des knappen Dreistünders besteht aus viel, viel Monolog und Dialog. Immer wieder kauen die Protagonist:innen den aktuellen Status Quo der Mission durch, die sich währenddessen leider auf der Stelle bewegt. Vorbereitungen werden getroffen, Risiken abgewogen und Pläne geschmiedet – vor allem in der Theorie. Viel passieren tut in den ersten 90 Minuten von „The Final Reckoning“ jedenfalls nicht.

„Die ‚Mission: Impossible‘-Filme hatten, schon allein aufgrund der oftmals unnötig verschwurbelten (aber immer zweckdienlichen) Handlung, immer ein Problem mit ausuferndem Expositionstalk. Das, was in ‚The Final Reckoning‘ aufgetischt wird, ist nun allerdings der reine Exposition Dump.“

Hier kommen wir nun zum zweiten, nicht unbedingt inhaltsbasierten Anzeichen dafür, dass „Dead Reckoning“ und „The Final Reckoning“ im Grunde ein (noch dazu viel zu langer) Film sind. Fünfeinhalb Stunden dauert die abschließende Mission des Hunt’schen Spionageteams. Eine Dauer, die die eigentliche Story nicht rechtfertigt. Anders ließe es sich nicht erklären, weshalb die die Geschichte immer wieder aus allen möglichen Blickwinkeln zusammenfassenden Gespräche einen solchen Raum einnehmen. Würde man die wirklich wichtigen Elemente aus „Mission: Impossible – Dead Reckoning“ und „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ zusammenfassen, wäre ein einzelner Film vermutlich ebenfalls um die drei Stunden lang geworden, aber eben keine fünfeinhalb. Womit wir auch wieder bei den eingangs erwähnten Abnutzungserscheinungen wären. Natürlich weiß ein Christopher McQuarrie („Jack Reacher“) um all jene Elemente, die Fans der Reihe von einem neuen Teil erwarten. Doch ein Motiv wie etwa ein mehrfach von A nach B rennender Tom Cruise fühlt sich langsam redundant und ein Stückweit auch memehaft an. Da „The Final Reckoning“ obendrein nie eine spürbare Fallhöhe entwickelt, langweilt die erste Hälfte mehr, als dass sie unterhält. Man kann von Glück sprechen, dass es da ja noch die zweite gibt…

US-Präsidentin Erika Sloane (Angela Bassett) muss die Sicherheit der Welt in die Hände von Ethan Hunt und seinem Team legen.

Sicherlich auch für viele enttäuschend, dürfte die Tatsache sein, dass „The Final Reckoning“ lediglich zwei große Action-Setpieces – und eben erst ab den zweiten 90 Minuten – besitzt. Eine davon läutet den dringend notwendigen Tempowechsel ein, mit dem schließlich auch die bis dato nahezu brachliegende Spannungskurve endlich nach oben schnellt. Eine rund 25 Minuten andauernde Tauchsequenz in das Innere eines frei an der Kante eines Felsens, knapp über dem Meeresgrund herumrollenden U-Boots ist von einer – im wahrsten Sinne des Wortes – berauschenden Intensität, die einen selbst vor der Kinoleinwand den Atem anhalten lässt. Hier rückt das Wissen um den aller Voraussicht nach natürlich glücklichen Ausgang der Mission plötzlich in den Hintergrund und jede Entwicklung des Ereignisses fühlt sich möglich an. Der nach „Dead Reckoning“ zurückkehrende Kameramann Fraser Taggart behält in seinen Actionszenen stets die Übersicht. Der Schnitt ist, im Gegensatz zu vielen anderen Genrefilmen heutiger Zeit, nicht übermotiviert-hektisch, sondern lässt genügend Zeit, um die beeindruckend choreographierten Stunts wirken zu lassen. Während die Tauchsequenz ihre Intensität aus der bedrückenden Haptik des Sets zieht, beeindruckt das zweite Action-Setpiece mit purer Adrenalinausschüttung. Zwar erinnert die Verfolgungsjagd in zwei Propellermaschinen stark an das Helikopter-Rennen in „Mission: Impossible – Fallout“. Doch in wie viel verschiedenen Posen sich Tom Cruise in schwindelerregender Höhe an dem Flugzeug festkrallt und schließlich die Kontrolle übernimmt, muss man einfach gesehen haben. Hier hält „The Final Reckoning“ genau das, was die Filmreihe verspricht.

„Sicherlich auch für viele enttäuschend, dürfte die Tatsache sein, dass ‚The Final Reckoning‘ lediglich zwei große Action-Setpieces besitzt. Eine davon läutet den dringend notwendigen Tempowechsel ein, mit dem schließlich auch die bis dato nahezu brachliegende Spannungskurve endlich nach oben schnellt.“

Entgegen der vorab getätigten Ankündigung, der achte Teil sei dann wirklich auch der letzte, fühlt sich das Ende von „The Final Reckoning“ zwar sehr versöhnlich, allerdings längst nicht so endgültig an wie erwartet. Stattdessen ist des vielmehr der Weg bis zur letzten Einstellung, der als Andeutung auf Ethan Hunts bevorstehende Rente zu verstehen ist. Immer wieder tauchen Figuren und Motive auf, die aus bisherigen Teilen bekannt sind. Es wird sogar davon gesprochen, dass sämtliche bisherige Missionen einzig und allein zur jetzigen geführt haben, es quasi einen allumfassenden Plan für Ethan Hunt gab. Sogar Ausschnitte aus den Filmen eins bis sieben werden immer wieder eingestreut. Vor allem zu Beginn wirkt dieses Best Of wie die Ankündigung eines Aufbruchs in Richtung endgültigem Abschied. Gleichzeitig wirken die zahlreichen Bezüge zu den bisherigen Filmen aber auch wie ein pflichtbewusstes Abhaken des aktuell vorherrschenden Nostalgie-Trips. Es ist gar vollkommen egal, ob man Nebencharakter X nun aus einem Vorgänger kennt, oder ob es sich hierbei um eine völlig neue Person handelt. Überhaupt ist „The Final Reckoning“ bis oben hin vollgestopft mit Figuren. Das nimmt den Fokus auf das eigentliche Stammteam rund um Ethan Hunt, das diesmal erstaunlich selten miteinander agiert. Stattdessen zieht Cruise die meiste Zeit über eine One-Man-Show durch, während Benji, Luther, Grace und Paris im Hintergrund agieren. Die Überschneidungen der einzelnen Handlungsstränge sind rar gesät. Ganz so, als wolle sich Cruise nicht von einer Teamleistung die Show stehlen lassen wollen. Das führt auch dazu, dass „The Final Reckoning“ der eigentlich für die Reihe typische, subtile Humor abgeht. Sicher ist die bevorstehende vollständige Auslöschung der Zivilisation durch eine KI ein durch und durch bedrohliches Szenario. Doch es wäre ja nicht so, als hätte das Schicksal der Menschheit nicht schon mehrfach in Ethan Hunts Händen gelegen. Diesmal scheint davon auch die Crew das erste Mal so richtig betroffen zu sein.

Ethan (Tom Cruise), Grace (Hayley Atwell) und Benji (Simon Pegg) auf ihrer letzten Mission…

Fazit: Würde man „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ nur anhand seiner ersten Hälfte bewerten, wäre der vermutlich letzte Teil des beliebten Action-Franchises ein ziemlicher Absturz. Doch glücklicherweise kann sich der Film in der zweiten Hälfte fangen, als Christopher McQuarrie plötzlich das Gaspedal findet und Tom Cruise – im wahrsten Sinne des Wortes – noch einmal abheben lässt. Trotzdem ist der achte Teil klar der schwächste der McQuarrie-Ära und als Abschluss für die Reihe eine Enttäuschung.

„Mission: Impossible – The Final Reckoning“ ist ab dem 21. Mai 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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