Drop – Tödliches Date
Intensive Spannung in beengter Kulisse: Für seinen High-Concept-Thriller DROP – TÖDLICHES DATE schickt „Happy Deathday“-Regisseur Christopher Landon in ein Nobelrestaurant, wo sie mit bedrohlichen Textnachrichten konfrontiert wird. Der Auftakt für ein äußerst kurzweiliges Whodunit-Vergnügen.
Darum geht’s
Die alleinerziehende Mutter und Witwe Violet (Meghann Fahy) war seit dem Tod ihres Mannes auf keinem Date mehr. Das soll sich jetzt ändern. Auch bestärkt durch ihre Schwester Jen (Violett Beane) verabredet sie sich mit einer Internetbekanntschaft in einem Luxusrestaurant. Die Chemie zwischen Violet und dem charmanten Henry (Brendan Sklenar) stimmt auf Anhieb. Doch plötzlich erreichen die junge Frau bedrohliche Nachrichten. Via AirDrop nimmt eine unbekannte Person Kontakt mit ihr auf und droht, Violets kleinen Sohn Toby (Jacob Robinson) zu töten, wenn sie nicht tut, was von ihr verlangt wird. Zunächst glaubt Violet noch an einen Scherz, doch die Anweisungen werden konkreter. Schließlich muss sie alles unternehmen, um nicht nur das Leben ihres Sohnes, sondern auch ihr eigenes zu retten…
Kritik
Regisseur und Autor Christopher Landon hat es zu seinem Markenzeichen gemacht, Horrorfilmplots mit Motiven zu kombinieren, die eher aus anderen Genres bekannt sind. „Happy Deathday“ funktionierte hervorragend als Verschmelzung aus Zeitschleifenkomödie und Teenie-Slasher. In „Freaky“ ließ er klassisches Serienkillerkino auf Körpertauschcomedy prallen. Und in „Happy Deathday 2U“ spielten sogar Zeitreisen eine Rolle. Nach seinem Weggang von „Scream 7“, der seinen eigenen Aussagen nach vor allem deshalb erfolgte, weil er nach einigem Hin und Her im Ensemble ins Visier erzürnter Fans geriet, widmete er sich für „Drop – Tödliches Date“ einer für ihn äußerst geradlinigen Filmidee. Erinnerungen an Bekanntes weckt sie trotzdem. Zum Beispiel an „Nicht auflegen!“ mit Collin Farrell – nur hier eben mit einem ganz und gar modernen Dreh. Auch die Protagonistin in „Drop“ muss durchgehend an ihrem Fernsprechgerät bleiben, damit ihre Liebsten nicht ins Visier eines Killers geraten. Doch hier sind es bedrohliche Textnachrichten auf einem Smartphone, die sie dazu zwingen. Kein Sniper mit Telefonhörer in der Hand.

Eigentlich wollten Violet (Meghann Fahy) und Henry (Brandon Sklenar) einen entspannten Date-Abend verbringen…
„Drop – Tödliches Date“ beginnt mit einer Szene, die sich zunächst gar nicht richtig einordnen lässt. Ist diese Aufnahme einer von einem bewaffneten Mann bedrohten Frau, die wie erstarrt mit ansehen muss, wie dieser auf ihr Kleinkind zielt, gerade ein Foreshadowing? Sind das Hintergründe, die für das Kennenlernen der späteren Protagonistin wichtig sind? Und ist das da gerade überhaupt unsere Hauptfigur? Die Antwort ist eine Mischung aus den beiden letztgenannten Möglichkeiten. Denn es genügt dieser kurze Moment, um Violets tiefsitzendes Trauma zu ergründen. Die junge Witwe und alleinerziehende Mutter wird in den kommenden eineinhalb Stunden der eine Faktor sein, der für das Publikum die einzige sichere Konstante darstellt. Insofern mag eine derart traumatische Erfahrung auf der einen Seite ein bisschen faul wirken. Schließlich ist es nahezu unmöglich, nicht mit dem Opfer einer solchen Situation zu sympathisieren, vielleicht mag man ihr gegenüber auch ein gewisses Mitleid empfinden. Auf der anderen Seite spielt Meghann Fahy („The White Lotus“) ebenjene Violet mit solch einer charmanten Stärke, dass man ihr auch ohne diese dramatische Hintergrundgeschichte jederzeit die Daumen drückt.
„Ein grandioses, detailverliebtes Set, das für den Film extra händisch erbaut wurde – und perfekt auf die Stilistik des Films sowie Christopher Landons kleine inszenatorische Sperenzchen abgestimmt ist. Kameramann Marc Spicer gelingt es hervorragend, den Schauplatz zu etwas Besonderem zu machen.“
Nach einem kurzen Kennenlernen ihrer Schwester Jen und ihres kleinen Sohns Toby wechselt „Drop – Tödliches Date“ für alles Folgende in das Setting eines durchgestylten Luxusrestaurants. Ein grandioses, detailverliebtes Set, das für den Film extra händisch erbaut wurde – und perfekt auf die Stilistik des Films sowie Christopher Landons kleine inszenatorische Sperenzchen abgestimmt ist. Kameramann Marc Spicer („Lights Out“) gelingt es hervorragend, den eigentlich eher schlichten Schauplatz eines Lokals zu etwas Besonderem zu machen. Durch einen Tunnel aus Leuchtbögen geht man als Besucher:in des Restaurants direkt auf eine im Zentrum des Gastraumes befindliche Bar zu, während sich ringsum die Tische aufreihen – mit einem unverschämt fantastischen Blick über die nächtliche Skyline. In dieser beengten Kulisse kann die Kamera dahingleiten und alle möglichen Winkel und Perspektiven nutzen, um zur gleichen Zeit die Enge der Kulisse zu betonen sowie ihre widersprüchliche Weitläufigkeit, in der sich irgendwo der Täter befindet. Violet dabei zuzusehen, wie sie aus diesem Setting partout nicht wegkann, während das Restaurant gleichzeitig zu groß (und zu gut besucht) ist, um schnell hinter die Auflösung des Rätsels zu steigen, hat einen ganz besonderen Reiz. Für Christopher Landon stellt „Drop – Tödliches Date“ klar seine bisher bestaussehende Arbeit dar.
Nicht nur das Setpiece fühlt sich echt an. Auch die Story baut grundlegend auf etwas Realem. Seinen Titel trägt „Drop“ nach einer Smartphone-Funktion namens AirDrop, die zwei Handybenutzenden das drahtlose Teilen von Dateien ermöglicht. Dieses Item kann allerdings auch dafür verwendet werden, um sich mit fremden, nichtsahnenden Usern im Umkreis zu verbinden. Wer einmal ein solches Erlebnis hatte, der weiß, dass der Nachricht eines Fremden auf dem Smartphone-Bildschirm etwas durch und durch Bedrohliches innewohnt. Violets Reaktion auf ihre ersten Nachrichten fallen noch genervt aus. Erst im weiteren Verlauf nehmen die Messages bedrohlichere Züge an, eh die junge Frau schließlich den Ernst der Lage begreift. Hier kommen erneut die Vergleiche zu „Nicht auflegen!“ ins Spiel: Wenn Violet die Anweisungen des Nachrichtenschreibers nicht befolgt, droht ihrer Schwester und ihrem Sohn der Tod. Meghann Fahy beim sukzessiven Abdriften in blanke Panik zuzuschauen, während sie sich auf der anderen Seite zusammenreißen muss, um die Aufgaben zu befolgen und irgendwie ihren Hintern zu retten, macht großen Spaß. Und dank des eher kleinen (aber nicht zu kleinen) Kreises möglicher Verdächtiger kommen bei „Drop – Tödliches Date“ auch Fans klassischer Whodunit-Krimis auf ihre Kosten.
„Meghann Fahy beim Abdriften in blanke Panik zuzuschauen, während sie sich auf der anderen Seite zusammenreißen muss, um irgendwie ihren Hintern zu retten, macht großen Spaß. Und dank des eher kleinen Kreises möglicher Verdächtiger kommen auch Fans klassischer Whodunit-Krimis auf ihre Kosten.“
Violets titelgebendes Date ist der charmante, gutaussehende Henry, mit dessen Darstellung sich Brandon Sklenar („Vice – Der zweite Mann“) als kommender Hollywood-Beau empfiehlt. Als potenzieller Schwarm ist Henry ein Sechser im Lotto. Trotzdem bleiben während des Kennenlernens zwischen ihm und Violet eine Handvoll Leerstellen übrig, sodass seine Beteiligung am Bedrohungsszenario nie ganz auszuschließen ist. Doch je länger „Drop“ läuft, desto mehr drückt man auch diesem zuckersüßen Pärchen die Daumen, während sich rundherum langsam das Feld der Verdächtigen lichtet. Die Auflösung der Geschichte mag – schon allein aufgrund der nicht allzu hohen Menge möglicher Täter:innen – für manche von Anfang an klar auf der Hand liegen. Doch mehr noch als um die Frage, wer es ist oder auch, warum er es ist, ist „Drop“ ein Film darüber, wie eine Frau über sich hinauswächst, um Leib und Leben sowie das ihrer Lieben zu retten. Die Drehbuchautor:innen Jillian Jacobs und Chris Roach („Fantasy Island“) machen aus Violet eine clevere Protagonistin mit Schwächen, die lediglich in den finalen 15 Minuten etwas zu sehr in eine Heroen-Position gedrängt wird. Das hätte der Film gar nicht gebraucht, aber immerhin bekommt gegen Ende der zuckersüße Toby noch zu seinem großen Auftritt.
Fazit: „Drop – Tödliches Date“ ist äußerst kurzweiliges Spannungskino in der Tradition von „Nicht auflegen!“. Neben einer starken Protagonistin und einem zuckersüßen Vielleicht-vielleicht-auch-nicht-Pärchen, gefällt vor allem die elegant gefilmte Kulisse eines Luxusrestaurants, in der sich nach und nach jeder Gast zum Verdächtigen macht.
„Drop – Tödliches Date“ ist ab dem 17. April 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.


