Love Hurts – Liebe tut weh
Mittlerweile würde man eigentlich erwarten, einen Film wie LOVE HURTS – LIEBE TUT WEH direkt über einen Streamingdienst sehen zu können. Doch die an Valentinstag spielende Actionkomödie hat tatsächlich einen Kinostart erhalten, was die wohl größte Sensation an diesem Film ist. Insgesamt bietet die neueste Produktion von „John Wick“-Macher David Leitch nämlich betont solide Unterhaltung.
Darum geht’s
Marvin Gable (Ke Huy Quan) hat sich in seinem spießigen Leben als Immobilienmakler wohlig eingerichtet. Nichts erinnert mehr an seine Untergrund-Vergangenheit, bis ihn ausgerechnet am Valentinstag eine Karte mit einer bedrohlichen Botschaft erreicht. Offenbar scheint ihn sein altes Leben wieder einzuholen. Denn fortan wird er zum Gejagten des Gangsterbosses Knuckles (Daniel Wu) und seiner kampfwütigen Gefolgschaft. Auch ein Wiedersehen mit der undurchsichtigen Rose (Ariana DeBose) lässt für Marvin nichts Gutes erahnen. Dabei will er doch eigentlich nur in aller Ruhe seine Auszeichnung zum „Mitarbeiter des Monats“ feiern…
Kritik
Das Kino lebt von Konfrontationen. Gut gegen Böse zum Beispiel. Oder durch das Aufeinanderprallen von Kulturen. Streitkomödien sind ein eigenes (Sub-)Genre. Aber nicht nur inhaltlich dominieren Konflikte die erzählten Geschichten. Manchmal entstehen Gegensätze anderer Natur. Zum Beispiel über die Besetzung. So zum Beispiel in der Actioncomedy „Love Hurts – Liebe tut weh“ von Debütant Jonathan Eusebio. Dass der sich für seine erste Regiearbeit dem Krawallkino verschreibt, wundert nicht. Sein IMDb-Eintrag listet zum jetzigen Zeitpunkt 80 Filme, für die er als Stunt Coordinator gearbeitet hat. Zuletzt stand er bei „The Fall Guy“ und „Violent Night“ hinter der Kamera. Vor der Kamera – und da kommen wir wieder zu den heraufbeschworenen Gegensätzen – prügelt sich ausgerechnet „Everything Everywhere all at Once“-Star Ke Huy Quan durch eine zum Großteil sehr leichtfüßig inszenierte Mission, die ihren Ursprung tief in der Vergangenheit des von ihm verkörperten Immobilienmaklers Marvin Gable hat. Das Ergebnis ist kurzweilig und wartet mit vielen solide inszenierten Kampfchoreographien auf. Der Valentinstags-Überbau kommt dabei jedoch ein bisschen zu kurz.

Eigentlich wollte Marvin Gable (Ke Huy Quan) seine Auszeichnung zum „Mitarbeiter des Jahres“ feiern. Doch dann kommt ihm etwas dazwischen…
In den USA kam „Love Hurts – Liebe tut weh“ passenderweise tatsächlich eine Woche vor Valentinstag in die Kinos, sodass sich Verliebte anstatt für die gängigen Romanzen und RomComs diesmal auch für dieses sympathische Actionfest entscheiden konnten. Hierzulande wurde der Kinostart nachträglich auf die zweite Märzwoche verschoben. Und das ist in etwa so schade wie die Entscheidung, den Oscar-Liebling „The Holdovers“ nicht zu Weihnachten in die Lichtspielhäuser zu bringen. Denn auch wenn „Love Hurts – Liebe tut weh“ nun nicht mit den ganz großen romantischen Emotionen aufwartet (und damit leider arg hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt), umgibt den Film trotzdem eine rosafarbene Valentinswolke. Etwa wenn zwei Handlanger des Bösen während ihrer Wachmission über ihre Beziehungen philosophieren. Zwei Nebenfiguren überraschend miteinander. Oder Marvin Gable sich im Laufe des Films in eine alte Bekannte verliebt. Anders als zuletzt etwa in „Violent Night“, wo diverse Weihnachtsutensilien zu Mordwerkzeugen umfunktioniert wurden, war es das dann aber auch mit dem Liebesüberbau. Insofern ist „Love Hurts“ in etwa so sehr Valentinstagsfilm wie „Stirb langsam“ ein Weihnachtsfilm. Letzteres hat sich als All-Time-Klassiker durchgesetzt. Ob das bei „Love Hurts“ auch passiert, ist fraglich, aber nicht unmöglich.
„Wie man es von David Leitch und seiner Produktionsfirma 87North gewohnt ist, sehen insbesondere die Nahkampfszenen wertig und übersichtlich aus. Eine vergleichbare Kreativität wie etwa in den ‚John Wick‘-Filmen darf man hier allerdings nicht erwarten.“
Im Zentrum des Films steht zweifelsohne die Action. Und wie man es von David Leitch und seiner Produktionsfirma 87North gewohnt ist, sehen insbesondere die Nahkampfszenen wertig und übersichtlich aus (Kamera: Bridger Nielson, „The Prodigy“). Eine vergleichbare Kreativität wie etwa in den „John Wick“-Filmen darf man hier allerdings nicht erwarten. In „Love Hurts – Liebe tut weh“ fällt alles eine Nummer kleiner aus. Trotzdem wurde das äußerst geringe Budget von gerade einmal 18 Millionen US-Dollar gut investiert. Die handfesten Auseinandersetzungen zwischen Ke Huy Quan und seinen Widersachern haben ordentlich Wumms. Und wann immer möglich, variiert Jonathan Eusebio auch ein Stückweit die Inszenierung. Das Highlight: Ein Kampf in Marvin Gables offener Küche, wo es – im wahrsten Sinne des Wortes – drunter und drüber geht. Visuell besonders spektakulär fällt auch das nicht aus, doch ausufern darf es schon. Und genau diese Momente machen in „Love Hurts“ am meisten Spaß.
Aber da sind auch kleine Details und Beobachtungen, die dem Film insgesamt eine sehr liebenswerte Erscheinung verpassen. In besagter Küchenszene steht etwa ein vor sich hin köchelnder Slow Cooker auf dem Herd – neben dem Thermomix das vermutlich spießigste Küchengerät, das man sich vorstellen kann. Es ist hier nicht nur dazu da, um später als Waffe zweckentfremdet zu werden, sondern charakterisiert auch den Protagonisten ganz hervorragend. Den spielt Ke Huy Quan nämlich als den Inbegriff eines sich wohlig in seinem Spießerleben eingerichteten Immobilienmaklers, der auf seine „Mitarbeiter des Monats“-Aufzeichnung so stolz ist, dass er auch während seiner Konfrontationen immer gut auf das eingerahmte Dokument aufpasst. Dass diese Charakterzeichnung keine allzu albernen Züge annimmt, liegt an dem schlichten, aber funktionalen Skript von Matthew Murray („Sheltered“), Josh Stoddard („Into the Badlands“) und Luke Passmore („Slaughterhouse Rulez“). Drohen manche Filme aufgrund ihrer riesigen Autorengemeinschaften allzu sehr zu zerfasern, wirkt das Drehbuch zu „Love Hurts“ wie aus einem Guss. Vor allem aufgrund seiner sehr schlanken Laufzeit von gerade einmal 83 Minuten ergibt das nette Unterhaltung im humanen Krawall-Modus, dessen größter Überraschungsmoment wohl der ist, dass so ein Film heutzutage überhaupt noch ins Kino kommt und nicht direkt bei einem Streamingdienst verheizt wird.
„Ke Huy Quan verkörpert seinen Marvin Gable als den Inbegriff eines sich wohlig in seinem Spießerleben eingerichteten Immobilienmaklers, der auf seine ‚Mitarbeiter des Monats‘-Aufzeichnung so stolz ist, dass er auch während seiner Konfrontationen immer gut auf das eingerahmte Dokument aufpasst.“
Fazit: „Love Hurts – Liebe tut weh“ ist kurzweilige Actionunterhaltung mit einem leichten romantischen Überbau. Das größte Highlight ist zweifelsohne Ke Huy Quan, bei dem es einfach Spaß macht, ihm in seiner Rolle als spießiger Immobilienmakler in einer Nahkampfmission wider Willen zuzusehen. Actionszenen auf dem Niveau eines „John Wick“ sollte man hingegen nicht erwarten. Allzu weit kommt all das hier nämlich nicht über das Prädikat „solide“ hinaus.
„Love Hurts – Liebe tut weh“ ist ab dem 6. März 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

