Ich – Einfach unverbesserlich 4

Am sicheren Erfolg von ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH 4 besteht kein Zweifel. Doch wie schlägt sich der nunmehr sechste Teil aus dem beliebten „Minions“-Franchise im Vergleich zu seinen Vorgängern? Rasant und komisch bleibt es weiterhin, die emotionale Seite der Reihe gerät diesmal jedoch ins Hintertreffen.

OT: Despicable Me 4 (USA 2024)

Darum geht’s

Auf einem Klassentreffen gelingt es Gru (Oliver Rohrbeck), seinen ehemaligen Erzfeind und Superschurken Maxine le Mal (Jens „Knossi“ Knossalla) dingfest zu machen. Doch der Erfolg ist nur von kurzer Dauer. Maxine bricht aus dem Hochsicherheitsgefängnis aus und hat den Plan, sich an Gru zu rächen. Um das zu verhindern, steckt AVL-Chef Silas Ramspopo (Bernd Egger) ihn und seine Familie ins Zeugenschutzprogramm. Ab sofort müssen Gru, Lucy (Martina Hill), die drei Töchter Margo, Edith und Agnes, Baby Gru Junior und natürlich alle Minions in einer Tarnidentität leben. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn nicht nur Gru wird von der Nachbarstochter Poppy sofort erkannt, für das Leben als „ganz normale Menschen“ sind eben nicht alle gemacht…

Kritik

Nur wenige Filme der 2010er-Jahre haben einen derart großen Fußabdruck in der Popkultur hinterlassen wie die „Ich – Einfach unverbesserlich“-Reihe. Vier der fünf bisherigen Teile – die „Minions“-Spin-Offs miteingeschlossen – gehören weltweit zu den hundert erfolgreichsten Filmen aller Zeiten. Und dass Teil vier nahtlos an diesen Erfolg anknüpfen wird, kündigt sich mit den phänomenalen Zahlen der eine halbe Woche vor dem regulären Kinostart abgehaltenen Previews bereits an. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass der sechste Teil des Franchises die Top 100 ebenfalls entern wird. Doch nicht nur der Erfolg der Filme spricht für sich. Mittlerweile gibt es alles, aber auch wirklich alles im Minion-Design zu kaufen, Synchronsprecher Oliver Rohrbeck ist den jungen Leuten hierzulande nicht länger „nur“ als der erste Detektiv der „Drei Fragezeichen“ ein Begriff, sondern auch in seiner Paraderolle des Superschurken Gru und selbstverständlich gibt es in den Universal Studios in Florida und Hollywood längst entsprechend gebrandete Theme Park Rides.

Superschurke Maxine le Mal (Jens „Knossi“ Knossalla) und Gru (Oliver Rohrbeck) treffen sich auf einem Klassentreffen wieder…

Natürlich lässt sich dieser Erfolg vor allem auf die kongeniale Erfindung der mittlerweile vermutlich bekanntesten Sidekicks der jüngeren Filmgeschichte zurückführen: der Minions. Ihr erster Solofilm aus dem Jahr 2015 ist zum jetzigen Zeitpunkt der erfolgreichste Teil der Reihe. Innerhalb der „Ich – Einfach unverbesserlich“-Filme haben sie sich längst vom Sidekick hin zu eigenen Nebenfiguren entwickelt – mit Kevin, Stuart und Bob als heimliche Anführer, die in einem Nebenhandlungsstrang stets ihr eigenes Abenteuer verfolgen. So auch in „Ich – Einfach unverbesserlich 4“. Nur dass hier nicht bloß die drei glubschäugigen Helferlein (zusammen mit zwei weiteren Kollegen) ihr eigenes Ding machen, sondern so ziemlich jede einzelne Figur. Besonders viele gemeinsame Szenen haben Gru, seine Frau Lucy, seine drei Töchter Margo, Edith, Agnes, Baby Gru Junior sowie eben die Minions nicht. Das sorgt zwar für Kurzweil, ist aber auch schade. Schließlich bildete der familiäre Zusammenhalt dieser außergewöhnlichen Patchworkfamilie immer den emotionalen Kern der Filme. Stattdessen liegt der Fokus diesmal mehr denn je darauf, dass auf der Leinwand immer irgendwas passiert. Pausen zum Durchatmen gibt es so gut wie keine, was die Aufmerksamkeitsspanne der ganz jungen Zuschauer:innen nicht überstrapazieren wird, die Nerven der etwas älteren Kinogänger:innen dagegen vielleicht schon. „Ich – Einfach unverbesserlich 4“ ist vor allem bunt und laut – aber dafür auch die meiste Zeit über ziemlich witzig.

„Der Fokus liegt mehr denn je darauf, dass auf der Leinwand immer irgendwas passiert. Pausen zum Durchatmen gibt es so gut wie keine, was die Aufmerksamkeitsspanne der ganz jungen Zuschauer:innen nicht überstrapazieren wird, die Nerven der etwas älteren Kinogänger:innen dagegen vielleicht schon.“

Eine kohärente Story sollte man derweil nicht erwarten. Während Gru sein Leben im Zeugenschutzprogramm damit verbringt, auf Gru Junior aufzupassen, sich bei den biederen Nachbarn einzuschleimen und deren Nachbarstochter Poppy bei ihrer eigenen Schurkinnenkarriere zu unterstützen, muss sich Lucy mit einem Tarnjob als Friseurin arrangieren. Die drei Mädchen finden sich in ihrer Nachbarschaft und der neuen Schule zurecht und fünf der allesamt ebenfalls ins Zeugenschutzprogramm eingetretenen Minions werden zu superheldenartigen Mega-Minions transformiert, was ihnen zu ganz neuen Fähigkeiten verhilft und sie im Finale – aus Versehen – zu den Helden der Stunde macht. Und dann ist da ja auch noch der fiese Bösewicht Maxime le Mal, der im Kakerlakenkostüm Jagd auf Gru und seine Familie macht. Für einen richtigen Episodenfilm hängen die Handlungsstränge dann zwar doch zu eng zusammen, aber „Ich – Einfach unverbesserlich 4“ durchläuft ein vergleichbares Auf und Ab: Auch hier hat längst nicht jeder Handlungsstrang das gleiche Niveau. Während jener rund um die fünf Mega-Minions (natürlich mit jeder Menge Anspielungen und Spitzen auf das aktuelle Superheldenkino versehen) erwartungsgemäß in erster Linie Slapstick-Lieferant ist, wirken Lucy und die Mädels sträflich vernachlässigt. Maxine le Mal sticht allenfalls mit seinem gruseligen Schabendesign aus der Masse bisheriger „Ich – Einfach unverbesserlich“-Schurken hervor. Am stärksten ausgereift ist der Plot rund um Gru, zu dem die Autoren Mike White („Raus aus dem Teich“) und der wiederkehrende Ken Daurio („Ich – Einfach unverbesserlich 3“) am meisten zu erzählen haben.

Die drei Töchter Edith, Margo und Agnes müssen ebenfalls ins Zeugenschutzprogramm…

Das bedeutet jedoch nicht, dass es nicht lustig anzuschauen wäre, wie sich Lucy als Fake-Friseurin verzweifelt an der Dauerwelle einer Kundin abmüht und dabei den ganzen Friseursalon in Brand steckt. Auch Agnes‘ Aversion gegen jede Form von Lügen (und damit gegen ihre Tarnidentität) sorgt für reichlich Lacher abseits des Minion-Schabernacks. Der in der deutschen Fassung ganz hervorragend von Streamer Knossi gesprochene Maxine le Mal dreht derweil ein wenig an der Spannungsschraube, allzu aufregend wird es allerdings nie. Die Verfolgungsjagden und Auseinandersetzungen zwischen ihm und seinen Widersachern sind vorwiegend von situationskomischer Natur, sodass sich auch kleine Kinder sorglos am neuesten „Ich – Einfach unverbesserlich“-Abenteuer erfreuen können. Lediglich das Aussehen des Fieslings bedarf ein klein wenig Mut von den Jüngsten, wenngleich sich jedwedes Bedrohungsszenario schnell in Wohlgefallen – etwa mit einem Gag oder der sicheren Rettung – auflöst. Letztlich lassen die Regisseure Chris Renaud („Ich – Einfach unverbesserlich“ 1 und 2) und Patrick Delage wieder einmal den Slapstick regieren.

„Die Verfolgungsjagden und Auseinandersetzungen zwischen ihm und seinen Widersachern sind vorwiegend von situationskomischer Natur, sodass sich auch kleine Kinder sorglos am neuesten „Ich – Einfach unverbesserlich“-Abenteuer erfreuen können.“

Während die musikalische Untermalung erneut von Pharrell Williams stammt, diesmal aber längst nicht solch einen Ohrwurmcharakter hat wie einst die weltweit zum Hit avancierte Popnummer „Happy“, hinterlässt vor allem das noch einmal gestiegene Animationsniveau des Films einen bleibenden Eindruck. Egal ob nun die kleinen Härchen am Kinn der fiesen Schurkeninternatsleiterin, die detaillierten Hintergründe oder das schiere Chaos in den Actionszenen: „Ich – Einfach unverbesserlich 4“ sieht noch einmal um ein Vielfaches wertiger aus als seine ebenfalls stark animierten Vorgänger. Es ist also auch diesmal – wie sollte es anders sein – für jede Altersklasse mindestens ein Schmankerl dabei.

Fazit: Der einmal mehr toll animierte „Ich – Einfach unverbesserlich 4“ ist ein kurzweiliges Sammelsurium verschiedener Handlungsstränge, bei dem der Spaß zwar nicht zu kurz kommt, das Zusammenleben in Grus unkonventioneller Familie – und damit der bisherige emotionale Kern der Reihe – dagegen schon.

„Ich – Einfach unverbesserlich 4“ ist ab dem 11. Juli 2024 in den deutschen Kinos zu sehen.

Und was sagst Du dazu?