A Quiet Place: Tag Eins
Das Prequel zur erfolgreichen Survivalhorrorreihe „A Quiet Place“ hat nur noch rudimentäre Verbindungen zu den beiden Vorgängerfilmen. Das tut dem Franchise allerdings sehr gut. Einen komplett neuen Ansatz verfolgend, liefert „Pig“-Regisseur Michael Sarnoski mit A QUIET PLACE: TAG EINS den bislang ruhigsten, intensivsten und damit auch besten Film der Serie ab.
Darum geht’s
Es ist ein ganz normaler Tag im Leben der krebskranken Samira (Lupita Nyong’o). Wieder einmal will man ihr ihre letzten Tage so angenehm wie möglich machen, sodass sie sich an der Seite eines Pflegers in einem Puppentheater in New York wiederfindet. Doch die vermeintlich amüsante Show wird jäh unterbrochen, als am Himmel plötzlich Kampfjets auftauchen. Etwas hat die Stadt heimgesucht: Aliens. Ausgestattet mit einem abnormen Gehör, machen die Außerirdischen Jagd auf alles was lebt. Nur, wer keinen Muchs von sich gibt, hat eine Überlebenschance. Samira versammelt ihren letzten Funken Lebenswillen und schlägt sich durch den Big Apple, mit dem einzigen Ziel, in ihrem Lieblingsrestaurant ein letztes Mal eine Pizza zu essen…
Kritik
Als 2018 „A Quiet Place“ veröffentlicht wurde, sprach vorab vieles dafür, dass das Produktionsstudio Paramount ein enormes Vertrauen in das Projekt haben dürfte. Die Trailerpremiere feierte der Film nämlich in der legendären Halbzeitpause des Super Bowl. Bei den Werbepreisen laufen dort in der Regel vor allem Vorschauen für renommierte Franchises, bei denen man sich sicher sein kann, dass sie ihr Geld sowieso einspielen. Den Trailer zu einem Survivalhorrorfilm zu zeigen, der noch dazu auf keiner bekannten Marke basiert und mit dem die Autoren Scott Beck und Bryan Woods („The Boogeyman“) zunächst von Studio zu Studio tingeln mussten, um das nötige Budget zusammenzubekommen, ist ungewöhnlich. Es dürfte aber sicher auch dazu beigetragen haben, dass „A Quiet Place“ bei Produktionskosten von 17 Millionen US-Dollar knapp 350 Millionen wiedereinspielen konnte, was dem Film zwei Jahre später zu einem nicht mehr ganz so erfolgreichen Sequel verhalf. Bei den Zahlen – etwa 60 Millionen Budget gegen knapp 300 Millionen Einspiel – darf man allerdings die Veröffentlichungsumstände nicht unberücksichtigt lassen. Musste der Kinostart doch über ein Jahr lang immer wieder aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden, bevor bereits wenige Wochen später der VOD-Release bekanntgegeben wurde.
Den Planungen zu einer Fortsetzung tat all dieses Chaos jedoch keinen Abbruch. Mit „A Quiet Place: Tag Eins“ kommt nun ein Prequel zu den bisherigen Ereignissen rund um eine plötzliche Alieninvasion auf der Erde in die Kinos, das, wie es der Titel schon verrät, am ersten Tag der Geschehnisse spielt. Von der Stammbesetzung rund um Emily Blunt („Oppenheimer“) und John Krasinski („IF: Imaginäre Freunde“) ist niemand mehr an Bord. Auch hinter der Kamera drehte sich das Besetzungskarussell mehrmals. Der die beiden ersten Filme auch als Regisseur und (Co-)Autor betreuende Krasinski gab (immer betont wohlwollend) seine Posten auf und zunächst an „The Bikeriders“-Regisseur Jeff Nichols ab, der wiederum ein halbes Jahr später – auch zugunsten seines Motorradfilms – den Staffelstab an den „Pig“-Regisseur Michael Sarnoski weiterreichte. Dass dieser nach seiner meditativen Rachegeschichte mit Nicolas Cage als Trüffeljäger plötzlich einen großbudgetierten Sci-Fi-Actioner stemmen können würde, erschien auf den ersten Blick nicht selbstverständlich. Wohl aber auf den zweiten, wenn man „A Quiet Place: Tag eins“ gesehen hat. Den Andeutungen im Trailer zum Trotz, ist der Film nämlich alles Andere als ein Survival-Actionfest, sondern ein emotional erzähltes und intensiv inszeniertes Drama über eine Krebskranke, die zufällig in eine Alieninvasion hineingerät. Dabei will sie auf ihre letzten Tage eigentlich nur ein Stück Pizza in ihrem Lieblingsrestaurant essen…
„Den Andeutungen im Trailer zum Trotz, ist der Film alles Andere als ein Survival-Actionfest, sondern ein emotional erzähltes und intensiv inszeniertes Drama über eine Krebskranke, die zufällig in eine Alieninvasion hineingerät.“
„A Quiet Place: Tag Eins“ ist genau genommen nicht nur ein Prequel, sondern auch ein Spin-Off zu Teil eins und Teil zwei. Die von Lupita Nyong’o („Wir“) gespielte Protagonistin Samira ist ein gänzlich neuer Charakter, über den wir in den ersten 15 Minuten alles erfahren, was für den weiteren Verlauf der Handlung wichtig ist: Sie lebt in einem Hospiz, hat folglich nicht mehr lange zu leben und ein Gedicht, das sie im Rahmen einer Selbsthilfegruppe verfasst, handelt davon, dass eigentlich alles um sie herum scheiße ist. Immer an ihrer Seite: ihr Kater, der ihr in den kommenden eineinhalb Stunden stets folgen wird. Diese rudimentäre Figurenzeichnung reicht vollkommen aus, um ein Gespür für Samira zu bekommen. Abgefuckt und vollends geschwächt von ihrer Krankheit auf der einen Seite, fast schon rebellierend und dickköpfig auf der anderen Seite, ist sie keine Figur, mit der man selbstverständlich connected, aber auch niemand, mit dem man Mitleid hat. Stattdessen ist es spannend, Samira dabei zuzusehen, wie ausgerechnet sie, die nichts mehr zu verlieren hat (außer vielleicht ihren vermutlich letzten Biss in eine Pizza), mit der Ausnahmesituation einer Alieninvasion umgeht. Kann man in dieser Verfassung eigentlich noch genügend Überlebenswillen aufbringen, mit dem man die Katastrophe irgendwie überstehen kann?

Unterwegs trifft Samira auf Eric (Joseph Quinn), der sich in einer Verzweiflung prompt an ihre Fersen heftet…
Die Suche nach einem Stück Pizza als ultimatives Ziel für die Hauptfigur zu wählen, mag auf den ersten Blick banal sein. Es fasst aber den Kern von „A Quiet Place: Tag Eins“ perfekt zusammen. Diesmal geht es nicht um einen gemeinsamen Überlebenskampf, sondern um den eines Individuums – und als solches hat jeder seine ganz eigenen, nach außen hin vielleicht lächerlich wirkenden Bedürfnisse. Für Samira bedeutet diese Pizza nun mal die Welt. Das heißt allerdings nicht, dass die junge Frau auf ihrem Weg durch das apokalyptische New York nicht auch Bekanntschaften schließt. Der ebenfalls allein durch die Stadt streifende Eric wird über eine ganze Weile ihr Begleiter wider ihres Willens sein. Über die Bedeutung einer Zweckgemeinschaft reicht diese Zusammenkunft jedoch nie hinaus. Eine interessante Dynamik, dank derer der Film seinen für einen Survivalfilm ungewöhnlichen „Jede:r ist sich selbst der/die Nächste“-Charakter beibehält, ohne dabei je zynisch oder emotionslos zu wirken. Im Gegenteil: Das intensive, mitreißende Spiel einer all ihrer vorgeschobenen Toughness zum Trotz zutiefst zerbrechlichen Lupita Nyong’o ist das Herzstück von „A Quiet Place: Tag Eins“.
„Die wenigen Panoramen, in denen wir die Außerirdischen durch die Häuserschluchten des Big Apples laufen sehen, geben zwar einen guten Überblick über die Gefahrensituation, wirken allerdings wie Fremdkörper in einem ansonsten so ruhigen Film, der (natürlich) fast ohne Dialoge auskommt.“
Um das Charakterdrama besonders hervorzuheben, setzt Michael Sarnoskis Stamm-Kameramann Pat Scola („Pig“) viel auf Close-Ups und betont dabei vor allem das Gesicht und den zermarterten Körper der Hauptdarstellerin. Jede noch so kleinste Regung im Gesicht der Schauspielerin ist erkennbar, keine noch so winzige Emotion bleibt dem Publikum dadurch verborgen. Das ist vor allem deshalb so wichtig, weil auch dieser Film weiter der Prämisse folgt, dass nur wer still ist, überleben kann. Das dem gegenüberstehende Getöse von solide getricksten, durch New York rasenden Alienmonstern gerät da fast in den Hintergrund. Die wenigen Panoramen, in denen wir die Außerirdischen durch die Häuserschluchten des Big Apples springen, kriechen und laufen sehen, geben zwar einen guten Überblick über die Gefahrensituation, wirken allerdings wie Fremdkörper in einem ansonsten so ruhigen Film, der (natürlich) fast ohne Dialoge auskommt. Intensiver als das Gewusel auf den Straßen gestalten sich jene Momente, in denen die Menschen in direkten Kontakt mit den Aliens kommen. Trotzdem wirken die Fähigkeiten der Monster auch im dritten Teil der Reihe wieder nicht vollends schlüssig; Stattdessen können sie eben genau das oder genau das nicht, was eine Szene gerade dramaturgisch benötigt. Dafür gibt es nur sehr wenige Momente, in denen die Handlungen der Menschen unplausibel daherkommen. Insbesondere „A Quiet Place“ hinkte immer wieder aufgrund von Logiklöchern und wenig nachvollziehbaren Taten der Figuren. Vielleicht auch aufgrund dessen, dass wir während der Corona-Pandemie hautnah miterlebt haben, wie bisweilen irrational Menschen im Angesicht einer Katastrophe handeln können, wirken die Ereignisse in „A Quiet Place: Tag Eins“ zum Großteil nachvollziehbar und nahbar.
Fazit: „A Quiet Place: Tag Eins“ ist ein ruhiges Survivaldrama rund um eine Krebskranke, die im Angesicht einer Alieninvasion über sich hinauswachsen muss, dafür aber eigentlich gar keine Kraft mehr hat. Lupito Nyong’o trägt den Film vollends auf ihren Schultern und hat eine deutlich größere Präsenz als die von ihr in den Hintergrund gerückten Alienmonster, die einmal mehr solide getrickst sind, deren Fähigkeiten sich aber auch mit dem dritten Film nicht vollends erschließen. Der Intensität der Ereignisse tut das allerdings keinen Abbruch: Das Prequel ist der beste Teil der Reihe.
„A Quiet Place: Tag Eins“ ist ab dem 27. Juni 2024 in den deutschen Kinos zu sehen.


Mir fehlt hier definitiv die Kritik an den Aliens, warum sie sich einen Planeten mit so viel Wasser aussuchen wenn sie Angst davor haben und nicht schwimmen können.
Bei Signs wurde das noch groß kritisiert und hier wird darüber geschwiegen.
Zusagen das die Menschen nur wenig nicht plausible Momente haben kann ich nicht nachvollziehen. Ständig wird unnötig Lärm gemacht, es wird geschriehen um die Hoffnungslosigkeit zu zeigen.
Auch die Katze handelt nicht plausibel und man merkt halt das nichts da ist, so bald die Katze im Bild ist. Frodo ist auch das einzige Wesen zu dem man, ich zumindest, eine Bindung hat weil der Rest egal sowie unnahbar ist und man nach dem Anfang weiß wie es ausgeht.
Das man auch überhaupt nicht erfährt, wie man so schnell auf die Regeln kommt ist komplett vorbei am Film.
Wenn man die Aliens aus der Kritik raus streicht, könnte das eine Kritik zu einem Spin Off von „The Road“ sein.
Und das sollte doch dazu führen, dass dieser Film nichts zu diesem Franchise beiträgt und somit keine daseins Berechtigung besitzt.
Aber toll zu lesen.