Die Geschichte der Liebe

Das Buch von der Autorin Nicole Krauss war ein weltweiter Bestseller, doch als Film ist die dramatische Romanze DIE GESCHICHTE DER LIEBE trotz Starbesetzung kaum zu genießen. Woran das liegt, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Es war einmal ein Junge, Leo (Mark Rendall), der liebte ein Mädchen, Alma (Gemma Arterton). Er verspricht ihr, sie ein eben lang zum Lachen zu bringen und schreibt sogar ein Buch über seine „meistgeliebte Frau der Welt“, das er die „Die Geschichte der Liebe“ nennt. Doch in den Wirren des Zweiten Weltkriegs werden die Liebenden voneinander getrennt. Von Polen aus geht das Manuskript in den 1930er Jahren auf eine lange Reise, bis es im New York von heute einem jungen Mädchen (Sophie Nélisse) in die Hände fällt. Auch sie trägt den Namen Alma. Mit Leo (Derek Jacobi) scheint sie auf den ersten Blick nichts zu verbinden, doch „Die Geschichte der Liebe“ führt ihre Schicksale zusammen.

Kritik

Früher hat man den Namen seiner großen Liebe in den Holzstamm eines Baumes geritzt. Heute genügt ein Like auf Facebook, um die Zuneigung zu einer Person öffentlich zu bekunden. Die Liebe hat sich verändert, doch wie sehr genau, das versuchte die Romanautorin Nicole Krauss in ihrem zweiten Bestseller „Die Geschichte der Liebe“ zu beleuchten. Darin erzählt sie die Lovestory zweier Menschen über viele Jahrzehnte hinweg und stellt obendrein das vorsichtige Anbandeln eines Pärchens in den Wirren des Zweiten Weltkrieges einer aufkeimenden Romanze in der Gegenwart gegenüber. Den Erzählstil der komplex miteinander verwobenen Handlungsstränge behält der Regisseur Radu Mihaileanu („Das Konzert“) bei; überhaupt bleibt er mit seinem Film nah an der Vorlage, doch während im Roman auf sanfte Weise sämtliche Zahnräder ineinander greifen, sodass sich mit der Zeit ein stimmiges großes Ganzes ergibt, wirken die einzelnen Subplots der Leinwandadaption nur grobmotorisch zusammengeknotet. Werden in einer Szene noch Juden von den Nazis abtransportiert, folgen in der nächsten heitere Scharmützel zwischen zwei ehemaligen besten Freunden, die darüber diskutieren, ob man es körperlich noch als Aktmodell taugt. Doch nicht nur der wiederholt auftretende, harte Clash einzelner Tonfälle ist ein echtes Problem. Die Macher von „Die Geschichte der Liebe“ schaffen es einfach nicht, ihren Film vom Dasein eines oberflächlichen Flickenteppichs zu befreien und auch ganz für sich genommen, funktionieren die vielen hier aufbereiteten Schicksale einfach nicht.

Ewige Liebe: Das Schicksal trennt Alma (Gemma Arterton) und Leo (Mark Rendall) voneinander.

Allein der üppige Inhalt von „Die Geschichte der Liebe“ stellt den ebenfalls als Drehbuchautor fungierenden Regisseur Mihaileanu und seine Co-Schreiberin Marcia Romano („Madame Marguerite oder Die Kunst der schiefen Töne“) vor eine echte Herausforderung: Da ist zunächst einmal die während der NS-Zeit angesiedelte Liebesgeschichte um das junge Pärchen Leo und Alma, auf die Leos Freund Bruno (Corneliu Ulici) zusehends eifersüchtig reagiert – ist dieser doch selbst unsterblich in Alma verliebt. Weiter geht es in einem parallel dazu erzählten Handlungsstrang viele Jahrzehnte später. Mittlerweile lebt Leo einsam und in den Gedanken an seine Jugendliebe versunken in New York und sieht sich Differenzen mit seinem zufällig getroffenen Kumpel Bruno (jetzt Elliott Gould) ausgesetzt, der versucht, unangenehmen Fragen auszuweichen und seinen Freund gleichzeitig auf positivere Gedanken zu bringen. Darüber hinaus will Leo endlich Kontakt zu seinem ihm unbekannten, als Schriftsteller erfolgreichen Sohn aufnehmen, der wiederum mit der Familie Singer in Verbindung steht, da die Mutter der unglücklich verliebten Alma – nach der Figur im Roman benannt –  beauftragt wird, das Skript zu „Die Geschichte der Liebe“ zu übersetzen. Dass so viel Stoff nicht ohne Konstruktion vonstatten gehen kann – erst recht, wenn ein Großteil davon im Laufe der Zeit irgendwie zusammen finden muss –, ist klar. Doch das Skript bemüht sich selbst in den unauffälligsten Momenten nicht um Authentizität und Glaubwürdigkeit, sondern rollt mit dem Dampfhammer über einzelne Stationen und Handlungsstränge, um sie in größter sichtbarer Anstrengung zusammen zu führen.

Als wäre dieser Wust an Themen nicht ohnehin schon enorm, fügen die Autoren ihrer Geschichte immer neue (und vor allem unwichtige!) Aspekte bei, die die Geschichte noch üppiger, aber auch noch weniger fokussiert erscheinen lassen. Die Leidtragenden sind in erster Linie die Figuren. Zwischen den einzelnen Handlungssträngen wird so schnell hin- und hergeschnitten, dass sich für keine von ihnen die Möglichkeit ergibt, Charakterstärke zu beweisen. Ob es nun die den Prototyp eines pubertierenden Teenagers verkörpernde Sophie Nélisse („Die Bücherdiebin“) ist, deren Liebeswirren trotz dramatischer Entwicklung kaum interessieren, die reichlich nervig aufspielende Torri Higginson („Navy CIS“) oder der immerzu zwischen den Extremen chargierende Derek Jacobi („Cinderella“), der dadurch nie so wirkt, als sei er eine echte Person – „Die Geschichte der Liebe“ steckt zwar per se voller interessanter Figuren, doch mehr als klischeehaft agierende Stereotypen sind für diese nicht drin. Dies liegt nicht zuletzt auch an den Darstellern: Selbst die sich sonst immer absolut souverän präsentierende Gemma Arterton („Ihre beste Stunde“) schafft es nicht, ihrer Alma Charaktertiefe zu verleihen. Wann immer Emotionen gefordert sind, läuft sie entweder mit einem Dauergrinsen über die Leinwand, oder kratzt so haarscharf am Overacting, dass man ihr selbst tragische Gefühlsausbrüche nicht abnimmt – auch deshalb, weil diese sich weit vorab ankündigen und der Überraschungseffekt einfach verpufft.

Leo (Derek Jacobi) und Bruno (Elliott Gould)

Doch nicht nur die Überraschungen bleiben in „Die Geschichte der Liebe“ konsequent aus, obwohl sich das Drehbuch Mühe gibt, regelmäßig vermeintliche Twists auf das Publikum loszulassen. Durch die vielen, nicht immer zu Ende gedachten Ansätze (die der Story hier und da sogar übernatürliche Facetten beizufügen versuchen) zerfällt die Geschichte sehr schnell in ihre Einzelteile. Noch nicht einmal  die kontinuierlich forcierte Emotionalität kann den Film zusammen halten, denn ohne das Fingerspitzengefühl für die richtige Portion Komik und Drama wirken manche Momente einfach nur unangenehm. Die Hintergründe des sich selbst für eine Art Messias haltenden Bruder von Alma ist so sehr an den Haaren herbei gezogen, dass man verzweifelt nach einer Symbolik suchen möchte, um der Idee dahinter irgendetwas abzugewinnen. Auch die On-Off-Beziehung zwischen Alma und ihrem Verehrer verläuft konsequent ins Leere, während die Andeutung, Leos Freund Bruno könnte vielleicht nur in dessen Einbildung existieren, in seiner Willkür dem Fass endgültig den Boden ausschlägt. Da hilft es auch nichts, dass „Die Geschichte der Liebe“ immerhin inszenatorisch recht ansprechend aufbereitet ist; sowohl die Szenen während des Krieges, als auch in der Gegenwart kommen zwar ohne technischen Schnickschnack aus, fühlen sich im Gegensatz zur Story aber wenigstens echt an.

Fazit: Inszenatorisch präsentiert sich „Die Geschichte der Liebe“ noch halbwegs souverän, doch erzählerisch ist sich die über mehrere Jahrzehnte verteilende Lovestory ein heilloses Durcheinander, deren Willkür sich die überraschend schwach aufspielenden Darsteller anzupassen scheinen.

„Die Geschichte der Liebe“ ist ab dem 20. Juli in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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