Avatar: Fire and Ash
Pandora erwacht zu neuem Leben – doch diesmal fühlt sich alles überraschend vertraut an. AVATAR: FIRE AND ASH lässt technische Quantensprünge vermissen und setzt einmal mehr auf eine zweckdienlich-generische Handlung. Trotzdem bleibt auch der dritte Teil der Erfolgsreihe pures Überwältigungskino.
Darum geht’s
Jake (Sam Worthington) und Neytiri (Zoe Saldaña) trauern um den Tod ihres Sohnes Neteyam. Diese Trauer wirkt sich stark auf Jakes Stimmung aus und lässt die familiären Beziehungen zwischen Jake, Neytiri sowie ihren Kindern Lo’ak (Britain Dalton), Tuk (Trinity Jo-Li Bliss) und Kiri (Sigourney Weaver) bröckeln. Vor allem Neytiris Plan, den Menschenjungen Spider (Jack Champion) wieder zurück zu den Omatikaya zu bringen, stößt auf heftige Widerstände. Eine neue Na’vi-Gruppe, die sogenannten Wind Traders, die sich als fliegender Stamm mit riesigen organischen Luftschiffen fortbewegen, wollen den Sullys helfen, zu neuen Gebieten von Pandora vorzudringen. Doch auf ihrer Reise geraten sie schon bald mit den Ash People aneinander. Einem völlig neuen Na’vi‑Clan, der in vulkanischen, feuergeprägten Regionen lebt und eine andere, härtere Lebensweise verfolgt, die die traditionellen Na’vi‑Werte in Frage stellt. Diese ersten Begegnungen und Auseinandersetzungen legen die Grundlage für größere Konflikte und ein neuer Krieg droht, bei dem auch die Resources Development Administration ein Wörtchen mitzureden hat…
Kritik
Es ist eine der größten Erfolgsgeschichten der Filmhistorie – und das ursprünglich ganz ohne bestehendes Franchise oder bekannte Vorlage: die „Avatar“-Filme. 2009 nahm der erste Teil weltweit knapp 3 Milliarden US-Dollar ein und wurde damit zum erfolgreichsten Film aller Zeiten. Darüber hinaus revolutionierte James Camerons bahnbrechende 3D- und CGI-Technologie das Mainstreamkino, was unter anderem zu einer Schwemme längst nicht immer so brillanter 3D-Filme führte. Über ein Jahrzehnt später – für ein neues Franchise eine überraschend lange Wartezeit – setzte „Avatar: The Way of Water“ diesen Trend fort, gewann breite Anerkennung für seine visuellen Effekte, erhielt unter anderem mehrere Oscar-Nominierungen und spielte rund 2,3 Milliarden US-Dollar ein, womit auch er zu den erfolgreichsten Filmen überhaupt gehört. Zusammen haben die ersten beiden Teile bereits eine ganze Reihe von Box-Office-Rekorden aufgestellt und sind ein Meilenstein in der modernen Blockbuster-Geschichte. Aufgrund dieses enormen kommerziellen und technischen Erfolgs entschied sich Cameron früh, eine umfangreiche Saga von insgesamt fünf Filmen zu planen. Wobei bereits bei der Produktion von Film zwei große Teile für die folgenden Filme mitgedreht wurden, was unter anderem die außergewöhnlich langen Produktionszeiten erklärt. Der dritte Teil „Avatar: Fire and Ash“ baut nun direkt auf den Ereignissen von „The Way of Water“ auf, führt neue kulturelle Gruppen unter den Na’vi ein und versucht sich zugleich an einer Weiterentwicklung in der Erzählweise. Unter anderem mit einer stärkeren Perspektive auf neue Figuren wie Jake Sullys Sohn.
Dieser Versuch, die erzählerische sowie visuelle Messlatte des dritten Teils noch einmal höher zu legen, ist zweifelsohne Camerons größte Herausforderung. So gab er bereits zu Protokoll, dass noch gar nicht gesichert sei, dass er auch bei Teil vier und fünf Regie führen werde. Zunächst einmal müsse sich auch „Avatar: Fire and Ash“ wie jeder andere Film an der Kinokasse rentieren. Und dass dieser einen ähnlichen Siegeszug antritt wie seine beiden Vorgänger, ist diesmal gar nicht mit Sicherheit prognostiziert. Denn so viel sei an dieser Stelle bereits vorweggenommen: Ja, auch „Fire and Ash“ setzt auf den gewohnten visuellen Effekte- und Farbenrausch, ist Überwältigungs- und Eventkino zugleich. Aber anders als 2009, als Cameron 3D im Alleingang revolutionierte als auch 2022, als die Technik im Laufe der 13 Jahre Wartezeit die Gelegenheit hatte, sich in Sachen Exzellenz noch einmal ein gutes Stück weiterzuentwickeln, fehlt Teil drei der große technische Quantensprung. Die Bilder mögen noch ein klein wenig kristallklarer, die Bewegungen noch flüssiger und die Farben dadurch noch prächtiger sein. Doch im Großen und Ganzen befindet sich „Avatar: Fire and Ash“ „nur“ auf dem tricktechnisch aktuellsten Stand, der sich kaum vom Status Quo 2022 unterscheidet. Darüber hinaus wirft der diesmal deutlich schneller nach dem letzten Teil stattfindende Release die Frage auf, inwiefern sich über die letzten drei Jahre ein ähnlich großes Nostalgiegefühl gegenüber dem Vorgänger aufbauen konnte, wie von Teil zwei zu Teil eins. Wie sehr dürstet das Kinopublikum nach einem neuen „Avatar“-Film, wenn der letzte doch noch gar nicht so lange her ist und „Fire and Ash“ nicht die erhoffte technische Errungenschaft bietet, die der Name James Cameron verspricht?
„Auch ‚Fire and Ash‘ setzt auf den gewohnten visuellen Effekte- und Farbenrausch, ist Überwältigungs- und Eventkino zugleich. Aber anders als 2009, als Cameron 3D im Alleingang revolutionierte als auch 2022, als die Technik im Laufe der 13 Jahre die Gelegenheit hatte, sich in Sachen Exzellenz noch einmal ein gutes Stück weiterzuentwickeln, fehlt Teil drei der große technische Quantensprung.“
Da Cameron „Avatar: Fire and Ash“ zum Großteil back-to-back mit „The Way of Water“ gedreht hatte, erstreckten sich die Filmaufnahmen über mehrere Jahre, inklusive einer kurzen pandemiebedingten Unterbrechung 2020. Mithilfe seines hochpräzisen Motion-Capture-Verfahrens, 3D-Kamerasystemen, LED-Volumes und der aufwändigen VFX-Postproduktion gelang es dem Visionären auch diesmal, das Ökosystem Pandora mitsamt der vulkanisch geprägten Heimat der neu zum Figurenarsenal hinzustoßenden Ash-Na’vi zum Leben zu erwecken. Keine Frage: „Avatar: Fire and Ash“ sieht nicht nur bombastisch aus, man möchte sogar sagen: Er fühlt sich bombastisch an. Cameron kostet die dritte Dimension auch diesmal voll aus. Mit Ausnahme einiger Einzelszenen entsteht das „Mittendrin, statt nur dabei“-Gefühl vor allem daraus, dass man kaum noch Momente von Bewegungsunschärfe wahrnimmt. Das wirkt in Teilen sogar ungewohnt. Denn normalerweise imitiert das Kino die im echten Leben existierende Bewegungsunschärfe mit 24 Bildern pro Sekunde. So ganz ohne hat das im ersten Moment etwas Irritierendes, aber es unterstreicht auch die technische Brillanz, mit der „Avatar: Fire and Ash“ sein Publikum zweifelsohne beeindrucken wird. Auch wenn das im Titel thematisierte Element Feuer hier nicht annährend so stark im Fokus steht, wie das Wasser im letzten Film. Und leider erwies sich das kristallklare Nass damals, genauso wie im neuen Film auch als das optisch deutlich reizvollere Element.
Immer schon musste sich die „Avatar“-Reihe (zu Recht) den Vorwurf gefallen lassen, inhaltlich längst nicht mit seinen technischen Qualitäten mithalten zu können. Eine sehr einfache, wenig originelle und dadurch vorhersehbare Grundgeschichte ist letztlich nur der Aufhänger für die auf der Leinwand aufgefahrenen Technik-Sperenzchen. Während der erste Film eine sehr stark an „Der mit dem Wolf tanzt“ oder „Pocahontas“ angelehnte Geschichte mitsamt bekannter Kolonialismus-Allegorien und Umwelt-Parabel erzählt, führte der zweite Film die allzu bekannten Motive zwar konsequent, aber eben auch ohne große Eigeninterpretationen fort. Teil drei hebt sich dahingehend genauso wenig von seinem direkten Vorgänger ab, wie in Sachen der Technik. Man stellt nach dem Film sogar fest, dass sich an der Ausgangslage von Teil zwei eigentlich gar nichts wirklich verändert hat. Es ist zwar eine weitere Schlacht gegen neue Gegner:innen gewonnen und die Figuren sind untereinander noch enger zusammengewachsen. Doch so wirklich vorangetrieben wird die „Avatar“-Story auch mit dem dritten Teil nicht. Das franchiseerprobte Drehbuchautor:innen-Trio rund um James Cameron, Rick Jaffa („Planet der Affen: Survival“) und Amanda Silver („Mulan“) setzt für „Fire and Ash“ einmal mehr auf pure Zweckdienlichkeit.
„Es ist zwar eine weitere Schlacht gegen neue Gegner:innen gewonnen und die Figuren sind untereinander noch enger zusammengewachsen. Doch so wirklich vorangetrieben wird die ‚Avatar‘-Story auch mit dem dritten Teil nicht. Das franchiseerprobte Drehbuchautor:innen-Trio rund um James Cameron, Rick Jaffa und Amanda Silver setzt für ‚Fire and Ash‘ einmal mehr auf pure Zweckdienlichkeit.“
Zweckdienlichkeit ist ein Kritikpunkt, den man leicht auch den Darstellerinnen und Darstellern vorwerfen ließe. Schließlich ist kaum jemand von ihnen in seiner menschlichen Gestalt zu sehen, sondern tritt nach dem Motion-Capure-Verfahren in einer CGI-verfremdeten Na’vi-Version seiner selbst auf. Während sich hier die Frage stellen mag, weshalb überhaupt so prominente Namen das Ensemble bilden, erweisen sich allen voran Zoe Saldaña („Emilia Pérez“) und Sigourney Weaver („Sieben Minuten nach Mitternacht“) als Idealbesetzung für ihre Rollen. Ihr Schauspiel ist so ausdrucksstark, die Effekte so präzise, dass die beiden Darstellerinnen selbst in Na’vi-Gestalt aus dem Cast herausragen.. Als nach wie vor eher austauschbar entpuppt sich Sam Worthington („Horizon“). Auch die in Menschengestalt auftretenden Mitarbeiter:innen der Resources Development Administration können weiterhin keine schauspielerischen Akzente setzen. Wohl aber Jack Champion („Freaky Tales“), der als eine Art „Na’vi-Azubi“ echte Scene Stealer-Qualitäten beweist. Es ist vor allem seine Entwicklung, die einen über weite Teile durch den Filminhalt trägt, wenn man sich nicht gerade an den farbenprächtigen 3D-Welten ergötzt. Ob all das für die Zuschauenden auch diesmal ausreicht, um die stattliche Laufzeit von knapp dreieinhalb Stunden ohne ständiges Auf-die-Uhr-Schauen rumzukriegen, wird sich in wenigen Wochen an der Kinokasse zeigen.
Fazit: „Avatar: Fire and Ash“ liefert erneut atemberaubendes Blockbuster-Kino, bleibt erzählerisch jedoch klar hinter seinem technischen Aufwand zurück. Trotz beeindruckender Bilder fehlt der große Innovationssprung, der die Reihe einst definierte. So hinterlässt Teil drei ein visuell überwältigendes, aber kreativ eher stagnierendes Gesamtbild.
„Avatar: Fire and Ash“ ist ab dem 17. Dezember 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.



