Keeper

Osgood Perkins meldet sich zurück – und wie! Mit KEEPER liefert der Meister der klaustrophobischen Spannung wieder ein visuelles Horrorfeuerwerk ab, das seine Zuschauer von der ersten Minute an in den Bann zieht. Atmosphärisch dicht, verstörend und meisterhaft inszeniert – doch hält der Film auch inhaltlich, was seine Bilder versprechen? 

OT: Keeper (CAN/USA 2025)

Darum geht’s

Das Paar Liz (Tatiana Maslany) und Malcolm (Rossif Sutherland) fährt zu seinem Jahrestag in eine abgelegene Hütte im Wald. Was wie ein romantischer Kurzurlaub beginnt, wandelt sich schnell in etwas Unheimliches: Malcolm muss unerwartet in die Stadt zurückkehren und Liz befindet sich plötzlich ganz allein in der isolierten Unterkunft. Allein in dieser Abgeschiedenheit bemerkt Liz bald, dass sie nicht wirklich allein ist: Eine unheimliche Präsenz dringt in ihr Bewusstsein ein, denn die Hütte birgt ein düsteres Geheimnis und ihr Geisteszustand verfängt sie in wachsender Angst und Verunsicherung. Kann sie sich und ihrer Wahrnehmung trauen? Und vor allem: Kann sie Malcolm trauen, den sie vielleicht doch gar nicht so gut kennt, wie sie glaubt..?

Kritik

Während dieser Tage sein neuer Film „Keeper“ in die Kinos kommt, befindet sich Regisseur Osgood Perkins bereits am Set seines nächsten Films „The Young People“, dessen Dreharbeiten im Oktober im kanadischen Vancouver begonnen haben. Dieser soll bereits 2026 in die Kinos kommen. Keine Frage: Der Filmemacher und Sohn von „Psycho“-Legende Anthony Perkins ist ein viel beschäftigter Mann. Anfang des Jahres erschien bereits seine Stephen-King-Verfilmung „The Monkey“. Dass es Perkins offenbar leicht fällt, für seine Projekte das notwendige Kleingeld zu beschaffen, liegt zum einen sicher daran, dass seine Filme nicht allzu viel davon verschlingen. Mit 11 Millionen US-Dollar ist „The Monkey“ sein bisher teuerster Film. Für „Longlegs“ veranschlagte das Studio Neon noch eine Million weniger. Und „Keeper“ soll sogar unter einer Million gekostet haben. Apropos „Longlegs“: Damit wären wir vermutlich beim zweiten Grund für Perkins‘ aktuelle Beliebtheit: Sein mit einer großartigen Marketing-Kampagne versehenes Nicolas-Cage-Vehikel ist mit einem Einspiel von gut 125 Millionen US-Dollar nach „Parasite“ Neons zweiterfolgreichster Film – und kam sowohl bei Publikum als auch bei der Kritik gut an. Bleibt nur zu hoffen, dass Perkins im Eifer seiner Vielfilmerei nicht die Qualität aus den Augen verliert. Auch „Keeper“ ist ein atmosphärisch sehr dichter, unheimlicher Film mit tollen – vor allem visuellen – Ideen. Doch wie schon bei seinen bisherigen Arbeiten, bringt Perkins auch diesmal nicht alle Drehbuchideen stimmig zusammen. Hier gilt ganz klar: Form vor Inhalt.

Liz (Tatiana Maslany) versucht, telefonisch ihre beste Freundin zu erreichen.

Die Form, die Osgood Perkins für „Keeper“ findet, ist dafür unbedingt einen Blick auf die große Leinwand wert. Gedreht wurde ausschließlich in einer einzigen Location sowie den Wäldern drumherum. Die im Zentrum des Films stehende Waldhütte entpuppt sich architektonisch als Geschenk für die durch und durch beklemmende Atmosphäre. Mithilfe verzerrter Winkel sowie unkonventioneller Kameraperspektiven, etwa indem sie ständig zur Hälfte von Türrahmen oder Wänden bedeckt wird, sorgt Kameramann Jeremy Cox („Until Branches Brand“) dafür, dass das Gefühl für den Raum massiv gestört wird. Bis zuletzt erhält man kein richtiges Gespür dafür, wie diese Cabin eigentlich aufgebaut ist. Das erinnert stark an Stanley Kubricks „Shining“-Verfilmung. Im Internet finden sich zahlreiche Umrisse des Overlook-Hotels, die zeigen: Baulich ergibt in dem Horror-Klassiker nichts einen Sinn. Flure führen ins Nichts, es fehlen Fenster, wo eigentlich welche sein müssten und Räume grenzen scheinbar willkürlich an andere, obwohl sie doch für sich allein zu stehen scheinen. Die Folge: Sobald man das Overlook betritt, fühlt man eine allgegenwertige Beklemmung, die einen mit jeder Filmminute unbehaglicher fühlen lässt. In „Keeper“ ist es genauso. Und dass Perkins diese große Stärke des Films bis zuletzt ausspielt, spricht dafür, dass er sich der Vorzüge seines Films absolut bewusst ist.

„Mithilfe verzerrter Winkel sowie unkonventioneller Kameraperspektiven, etwa indem sie ständig zur Hälfte von Türrahmen oder Wänden bedeckt wird, sorgt Kameramann Jeremy Cox dafür, dass das Gefühl für den Raum massiv gestört wird. Bis zuletzt erhält man kein richtiges Gespür dafür, wie diese Cabin eigentlich aufgebaut ist. Das erinnert stark an ‚Shining‘.“

Keine Frage: Osgood Perkins ist ein grandioser Inszenator. Alles an „Keeper“ ist darauf ausgelegt, möglichst schaurige Bilder zu erzeugen und dadurch die Spannungskurve des Films kontinuierlich nach oben zu schrauben. Das Gespür für Sicherheit steht in „Keeper“ von Anfang an unter einem negativen Einfluss. Irgendwann beginnt man wie von selbst, die Umgebung und Hintergründe nach unheimlichen Details abzusuchen. Paranoia per excellence! Und über weite Teile funktioniert dieser Ansatz auch. Es ist fast ein wenig schade, dass man das im Mittelpunkt stehende Paar nie so richtig ausgelassen erlebt. Von der ersten Szene an fühlt sich die Stimmung zwischen den beiden vergiftet an – was sich bis zum Schluss nicht ändern wird. Die emotionale Fallhöhe hätte hier noch größer ausfallen können, hätte sich Drehbuchautor Nick Lepard („Dangerous Animals“) wenigstens ein paar Minuten Zeit genommen, um Liz und Malcolm wenigstens ein bisschen verliebt zu zeigen. So macht „Keeper“ ohne Umschweife seine verstörende Richtung gen Wahnsinn deutlich. Und die Frage ist nur, wie genau ebendieser Wahnsinn ausfallen wird und wer ihm schlussendlich zum Opfer fällt.

Was hat der Schokokuchen mit ihr angestellt?

Tatiana Maslany („The Monkey“) und ihr Film-Freund Rossif Sutherland („Possessor“) geben im Zuge der schleichenden Eskalation ein hervorragendes Leinwandpaar ab, das nicht etwa durch Gefühlsnähe überzeugt, sondern vor allem als sich gegenseitig belauerndes Katz-und-Maus-Gespann. Dabei gibt „Keeper“ zu Beginn noch vor, diese beiden Rollen klar zu verteilen. Während Liz sich direkt unbehaglich fühlt, gibt Malcolm mehrmals Anhaltspunkte, seiner Figur gegenüber ein gesundes Misstrauen entgegenzubringen. Vor allem Malcolms abnorme Begeisterung für einen (zugegebenermaßen wahnsinnig lecker aussehenden) Schokokuchen irritiert und setzt einen ersten von zahlreichen weiteren Nadelstichen. Ebenjener Schokokuchen steht aber auch symptomatisch für gewisse inhaltliche Probleme, die sich bei „Keeper“ nicht leugnen lassen. Zwar gibt es auch hier im Finale einen ähnlich ausufernden Erklärdialog wie in „Longlegs“, an dem sich dato einige störten. Doch so ganz mag sich am Ende nicht jedes Puzzleteil ins Gesamtbild fügen. Immer wieder beschwört Osgood Perkins Bilder herauf, die als visuelle Schauergemälde hervorragend funktionieren. Hinterfragt man indes ihre Sinnhaftigkeit, so hinterlassen sie vor allem Fragezeichen. Oder sie sind ohnehin nur gruselige Traummotive. Ein Schockeffekt, den Perkins ein wenig überstrapaziert. Auch wenn sich abschließend vieles davon als gar nicht mehr so willkürlicher Schockeffekt entpuppt, sondern als gezieltes Foreshadowing.

„Zwar gibt es auch hier im Finale einen ähnlich ausufernden Erklärdialog wie in ‚Longlegs‘, an dem sich dato einige störten. Doch so ganz mag sich am Ende nicht jedes Puzzleteil ins Gesamtbild fügen.“

Auf der Zielgeraden finden die vielen diffusen Andeutungen schließlich zu ihrer Manifestation. Hier spielt „Keeper“ eine starke Trickarbeit in die Hände, für die vermutlich die Hälfte des Minimalbudgets draufgegangen sein dürfte. Das Creature-Design (wenn man es so nennen kann – worum es genau geht, sei an dieser Stelle nicht verraten!) ist beeindruckend und angsteinflößend. Doch die wahre Anspannung resultiert bis zuletzt aus dem gestörten Verhältnis zwischen Liz und Malcolm. Selbst sein zwielichtiger Onkel Darren („Family Law“-Star Birket Turton mit einer angemessen unangenehmen Performance) und seine stumme Freundin Minka (Eden Weiss) können die schwelenden Spannungen zwischen den beiden nicht übertreffen. Und dass „Keeper“ obendrein ganz ohne Metapher oder mehrdeutigen Subtext auskommt, sondern sein Anliegen klar benannt, macht den Film zu einem reizvollen Vergnügen.

Diffuse Bilder sorgen für Unbehagen…

Fazit: Osgood Perkins bestätigt mit „Keeper“ einmal mehr sein außergewöhnliches Talent für Atmosphäre und visuelle Spannung, auch wenn sein erzählerischer Zugriff hinter der formalen Brillanz zurückbleibt. Der Film besticht durch eine bedrückende, meisterhaft inszenierte Raumwirkung und starke darstellerische Leistungen, verliert sich jedoch zu oft in symbolhaften Bildern ohne klare inhaltliche Verankerung. Trotz erzählerischer Schwächen bleibt „Keeper“ ein intensives, stilistisch beeindruckendes Horrorstück, das Perkins’ Gespür für filmische Unruhe wirkungsvoll unterstreicht. Wer sich auf die formale Strenge und visuelle Wucht einlässt, wird mit einer dichten, verstörenden Atmosphäre belohnt.

„Keeper“ ist ab dem 20. November 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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