Afterburn

Als wortkarger Schatzsucher jagt Dave Bautista in dem postapokalyptischen Actioner AFTERBURN teuren Artefakten hinterher. Mit den Zutaten eines B-Movie-Reißers angereichert, ergibt sich daraus zwar keine Katastrophe, aber auch nichts, was die Leinwand benötigt, wenn es doch zahlreiche Streamingdienste gibt.

OT: Afterburn (USA 2025)

Darum geht’s

Eine gewaltige Sonneneruption hat die Zivilisation weltweit ins Chaos gestürzt. Vor allem in Europa sind weite Teile nicht mehr bewohnbar. Die Menschheit verliert sich in blutigen Macht- und Überlebenskämpfen. In all diesem Chaos verdient sich der wortkarge Ex-Soldat Jake (Dave Bautista) seinen Lebensunterhalt als Schatzsucher, indem er wertvolle Relikte der „alten Welt“ aufspürt. Seinen letzten Auftrag erledigt er für den mächtigen König August (Samuel L. Jackson), der es nach einer teuren Stradivari-Geige als nächstes auf nichts Geringeres als die Mona Lisa abgesehen hat. Jake verbündet sich in Frankreich mit der mutigen Freiheitskämpferin Drea (Olga Kurylenko), um das Gemälde in seinen Besitz zu bringen, bevor es der brutale Warlord Volkov (Kristofer Hivju) tun kann. Doch dessen Allmachtsfantasien nehmen größenwahnsinnige Ausmaße an…

Kritik

„Afterburn“ klingt trotz seiner Ursprünge in einer Comic-Reihe sowie einer bis ins Jahr 2010 zurückreichenden Produktionsgeschichte wie ein typischer Midbudget-Schnellschuss. Oder auch wie ein x-beliebiges Vehikel für irgendeinen angesagten Actionstar. In diesem Fall fiel die Wahl für die Hauptrolle auf Dave Bautista („Dune“), der sich in einer (mal wieder) postapokalyptischen Welt auf eine abenteuerliche Schatzsuche begibt. Sein Ziel: Teure, bisweilen unbezahlbare Artefakte, die in dieser Welt zurückgelassen wurden. Gedreht wurde das Ganze in Bratislava, ausgegeben wird die slowakische Hauptstadt allerdings als Frankreich. Im Abspann ist außerdem von finanzieller Unterstützung aus unter anderem Ungarn die Rede. Und so richtig viel Budget stand dem Regisseur J.J. Perry mit rund 57 Millionen US-Dollar auch nicht zur Verfügung. Früher wäre sowas wie „Afterburn“ direkt in die Videotheken gewandert. Heute auf einen x-beliebigen Streamingdienst. Oder aber Studioverträge setzen einen Kino-Release voraus; so wie hier geschehen. Die ganz große Katastrophe bleibt trotzdem aus. Dafür haben Filme wie der unterirdische „Shadow Force“ oder Paul W.S. Andersons „In the Lost Lands“ (auch mit Dave Bautista) die Messlatte im Genre einfach sehr weit nach unten gelegt.

Kämpferin Drea (Olga Kurylenko) und Schatzsucher Jake (Dave Bautista) auf der Suche nach der Mona Lisa.

Wenn Dave Bautista zu Beginn von „Afterburn“ eine sauteure Stradivari-Geige aus einem Safe „befreit“, indem er ein ganz bestimmtes Klassikstück abspielen muss, erhält plötzlich eine Form der Hochkultur Einzug in den Film, die man so gar nicht erwartet hätte. Wenn dann auch noch die Mona Lisa zum nächsten Objekt der Begierde wird, stellt man sich eine charmante Schnitzeljagd vor. Zumal Bautista den Lonesome Rider Jack trotz seiner Schweigsamkeit mit einer angenehmen Portion Hemdsärmeligkeit versieht. Und als jemanden verkörpert, der sich nicht scheut, ordentlich zuzuschlagen, oder seinen Gegnern direkt die Köpfe weg- und die Gliedmaßen abzuballern. „Afterburn“ zeigt sich direkt in seiner ersten Kampfszene als ungemein blutige Angelegenheit, was J.J. Perry („Day Shift“) dann allerdings im weiteren Verlauf deutlich zurückfährt. Womöglich auch deshalb, weil das Budget einfach nicht für noch mehr CGI-Blut ausgereicht hat. Stattdessen besteht insbesondere der Mittelteil aus vielen, vielen Verfolgungsjagden mit einem zugegebenermaßen beeindruckt anzusehenden Monster Truck. Während dieser können die dynamischen Drohnenaufnahmen zwar weitestgehend kaschieren, dass der Drehradius minimal gewesen sein muss (als Setpiece diente vor allem ein riesiges Militärgelände), doch visuelle Abwechslung steht in „Afterburn“ eher nicht zu erwarten.

„‚Afterburn‘ zeigt sich direkt in seiner ersten Kampfszene als ungemein blutige Angelegenheit, was J.J. Perry dann allerdings im weiteren Verlauf deutlich zurückfährt. Womöglich auch deshalb, weil das Budget einfach nicht für noch mehr CGI-Blut ausgereicht hat.“

Die eintönige Bildsprache sowie die allenfalls solide heruntergedrehten Actionsequenzen haben einfach nicht genügend eigene Ideen, um so richtig mitzureißen. Und obwohl „Afterburn“ bisweilen sogar andeutet, gewisse politische Dimensionen zu besitzen (oder zumindest auf gewisse Querverbindungen zu aktuellen weltpolitischen Diskursen und Streitigkeiten zu verweisen), ist das Arsenal an Schurken und deren Handlangern dann doch vor allem B-Movie-Usus. Auch abseitigere Ideen wie etwa eine Art Parcours-Kannibalen werden im Vorfeld zwar groß angekündigt, bekommen dann allerdings nur eine kurze Szene spendiert, die nicht genügt, um „Afterburn“ Extravaganzen zu verleihen. Dabei täten dem Film genau solche absurden Sperenzchen gut. Denn per se ist die ganze Geschichte natürlich völliger Humbug. Das scheint auch Samuel L. Jackson („Argylle“) verinnerlicht zu haben. In seiner Performance als nach dem Zivilisationsuntergang zum König ernannten King August steckt eine schräge Cartoonfigur, wohingegen Dave Bautista und sein Co-Star Olga Kurylenko („Thunderbolts*“) die ganze Angelegenheit dann doch deutlich ernster nehmen. Dabei wäre gerade „Afterburn“ ein Film, der von kecken One-Linern und einer augenzwinkernden Inszenierung profitieren würde.

König August (Samuel L Jackson) sammelt teure Artefakte.

Dass „Afternburn“ trotzdem nicht die anhand ihrer Zutaten zu erwartende Katastrophe geworden ist, hat der Film vor allem der Abwesenheit jedweden Leerlaufs zu verdanken. Die 105 Filmminuten vergehen ratzfatz. Der Roadmovie-Schatzsuche-Struktur sei Dank. Kurylenko und Bautista rasen von einer Handlungsstation zu nächsten. Und auch wenn keine von ihnen so wirklich im Gedächtnis bleibt, passiert immerhin an jeder irgendetwas Handlungsrelevantes. Hin und wieder genehmigt sich das Skript aber auch einige unnötige Komplikationen. Etwa wenn Kurylenko erst umständlich eine Solarzellenanlage zerstören muss, bevor Bautista unterirdisch in ein Gebäude eindringen kann. Das alles gerät schmucklos und ohne jedweden kreativen Ehrgeiz. Aber man hält sich auch nie allzu lang an den einzelnen Stationen auf. Dafür walzt der Film einige unangenehme Schurkenmanierismen bis zum Erbrechen aus (ein Schach spielender Größenwahnsinniger wirkt nicht noch gefährlicher, bloß weil er Schach spielt!), bevor er auf der Zielgeraden mit einem Twist um die Ecke kommt, der dann doch ein Stückweit überrascht. Davon abgesehen dürfte an „Afterburn“ schon kurz nach dem Kinobesuch kaum mehr etwas im Gedächtnis bleiben.

„Dass ‚Afternburn‘ trotzdem nicht die anhand ihrer Zutaten zu erwartende Katastrophe geworden ist, hat der Film vor allem der Abwesenheit jedweden Leerlaufs zu verdanken. Die 105 Filmminuten vergehen ratzfatz.“

Fazit: Der postapokalyptische Actionreißer „Afterburn“ ist nicht die zu erwartende Katastrophe geworden, damit aber noch lange kein Film, der seine Kinoveröffentlichung mit inszenatorischer sowie erzählerischer Finesse rechtfertigen könnte. Fürs Streaming dagegen reicht’s.

„Afterburn“ ist ab dem 21. August 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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