Clown in a Cornfield

Nach Pennywise und Art kommt Frendo – der eröffnet in CLOWN IN A CORNFIELD die Jagd auf eine Gruppe von Teenies, die eigentlich nichts Anderes wollen, als das kleine Kaff verlassen, in dem sie von den erwachsenen Einheimischen sowieso allenfalls geduldet werden. „Tucker & Dale vs. Evil“-Regisseur Eli Craig hat überraschend viel zu erzählen, doch das Potenzial der nunmehr dreiteiligen Vorlage schöpft er mit seinem Teen-Slasher (noch) nicht aus.

OT: Clown in a Cornfield (USA 2025)

Darum geht’s

Quinn (Katie Douglas) zieht mit ihrem Vater Glenn Maybrook (Aaron Abrams) in das kleine Kaff Kettle Springs in Missouri. Hier knüpft sie schnell Kontakte mit den einheimischen Jugendlichen, die ein schwieriges Verhältnis zu den dort ansässigen Erwachsenen pflegen. Insbesondere seit vor einigen Jahren die örtliche Maissirupfabrik abgebrannt ist, haben sich die Fronten verhärtet. Doch nicht nur dieses angespannte Verhältnis stört die Idylle in Kettle Springs. Als eine grausame Mordserie die Stadt erschüttert, fallen dem als Clown Frendo verkleideten Killer vor allem die Jugendlichen zum Opfer. Quinn und ihre Clique geraten in sein Visier, haben aber vielleicht auch die Möglichkeit, ihm das Handwerk zu legen…

Kritik

Spätestens seit dem Überraschungserfolg des sadistischen Killerclowns Art aus den nunmehr drei „Terrifier“-Filmen, stehen die bemalten Zirkusgestalten wieder ganz hoch im Kurs des Horrorgeschehens. Doch „Clown in a Cornfield“ ist nur bedingt eine Reaktion auf diesen neu entflammten Hype. Denn der Teenie-Slasher mit dem generischen Titel basiert auf einer Romantrilogie aus dem Jahr 2020. Darin verbreitet das im Blutrausch rasende Maskottchen Frendo einer ortsansässigen Maissirupfabrik blanken Terror unter den einheimischen Jugendlichen und geht dabei alles andere als zimperlich vor. Doch ähnlich des thematisch in derselben Richtung verortbaren Bestsellers „Es“ von Stephen King geht es auch in „Clown in a Cornfield“ gar nicht primär um das „ein Killerclown jagt Teenies“-Motiv, sondern mindestens genauso viel um das Drumherum. „Es“ ist zu weiten Teilen auch ein Coming-of-Age-Film, während „Clown in a Cornfield“ zudem als Abgesang auf einen besonders konservativ denkenden Teil der US-amerikanischen Bevölkerung sowie als mahnendes Beispiel für verhärtete Generationenkonflikte zu verstehen ist. Das Hinterland der Vereinigten Staaten als Brutstätte des Bösen, sozusagen. Das erklärt auch, weshalb es von den Büchern bereits drei gibt, denn mit dem Abzählreim-Abschlachten der Hauptfiguren im ersten Teil ist es noch lange nicht getan.

Quinn (Katie Douglas) und ihr Vater Glenn Maybrook (Aaron Abrams) müssen sich am neuen Wohnort zurechtfinden.

Wer für „Clown in a Cornfield“ vor allem deshalb ein Ticket löst, weil der Film eben so heißt wie er heißt, muss allem erzählerischen Unterbau zum Trotz nicht in die Röhre gucken. Was der Titel verspricht, löst der Film auch ein. Und das auch nicht so augenzwinkernd, wie es die Personalie hinter der Kamera andeutet. Verantwortlich für die Regie und das Drehbuch zeichnet hier nämlich Eli Craig, der mit seinem Debüt „Tucker & Dale vs. Evil“ einen modernen Klassiker im Genre der Horrorcomedy abgeliefert hat. Auch „Clown in a Cornfield“ ist kein bierernster Gewaltfilm. Immer wieder prallen hier die Manierismen und Perspektiven zwei verschiedener Generationen – der Gen Z und jener ihrer Eltern – aufeinander, was mitunter zu herrlich komischen Momenten führt. Wenn etwa zwei von Frendo gejagte Mädels nur deshalb nicht die Polizei rufen können, weil sie partout nicht wissen, wie ein Telefon mit Wählscheibe funktioniert, dann ist „Clown in a Cornfield“ in jeder Hinsicht bitterböse. Dass sich der Film trotzdem nie boshaft über die jungen Menschen lustig macht, ist derweil essenziell dafür, dass wir mit jenen überhaupt mitfiebern. Das von Craig auf Basis des Buches aufgestellte Figurenarsenal ist, anders als bei Slashern sonst gern üblich, eine Zusammenstellung von Charakterköpfen, denen man allesamt mindestens Aufmerksamkeit, wenn nicht gar ehrliches Interesse entgegenbringt. Auch hier muss zwar nach und nach eine:r nach dem anderen sein und ihr Leben lassen, aber es ist einem nicht gleichgültig.

„Das von Craig auf Basis des Buches aufgestellte Figurenarsenal ist, anders als bei Slashern sonst gern üblich, eine Zusammenstellung von Charakterköpfen, denen man allesamt mindestens Aufmerksamkeit, wenn nicht gar ehrliches Interesse entgegenbringt.“

Rein komödiantisch wird „Clown in a Cornfield“ trotzdem nie. Gleichwohl spielt Craig immer mal wieder auch mit den Erwartungen. Wie stehen die Personen zueinander? Wer hat das Sagen? Wer ist cool, wer uncool? All diese Fragen stellt sich die Hauptfigur Quinn als neu nach Kettle Springs Gezogene natürlich automatisch, genauso wie das Publikum. Aus ihrer Perspektive lernen wir nicht nur ihre Mitschüler:innen und spätere Clique kennen, sondern auch die Gepflogenheiten im Ort. Hier tun sich wahre Abgründe auf. Heraufbeschworen durch eine von Beginn an unterschwellig spürbare Anspannung. Auch hier werden Erinnerungen an Stephen Kings „Es“ wach. Spielt dieser doch in einer Welt, in der die Kinder nahezu auf sich allein gestellt sind und sich immer wieder gegen die Erwachsenen auflehnen müssen. In „Clown in a Cornfield“ klafft zwischen den Leben der Teens und jenen ihrer Eltern eine kaum überwindbare Lücke. Lediglich Quinns Vater Glenn scheint eine charakterlich stabile, für seine Tochter anwesende Konstante zu sein, während alle anderen Erwachsenen in Kettle Springs subtil passive bis sehr aktive Aggressionen gegen die heranwachsende Einwohnerschaft hegen. Ein Amok laufender Killerclown wirkt da wie die logische Konsequenz einer solch aufgeheizten Stimmung.

Clown Frendo macht Jagd auf die Teens in Kettle Springs.

Dass der Clown Frendo zudem ausgerechnet das Maskottchen einer stillgelegten Maissirupfabrik ist, gibt noch mehr Aufschluss darüber, wie sehr es in „Clown in a Cornfield“ auch darum geht, diesen festgefahrenen Generationskonflikt als Wurzel allen Übels darzustellen. Trägt doch – in den Augen der Erwachsenen – „die Jugend von heute“ eine gehörige Mitschuld daran, dass die einstmals Reichtum über die Stadt bringende Fabrik heute geschlossen ist. Mit dem Abgang der Jungen fielen nicht nur die Arbeitskräfte weg. Auch der große Brand, bei der die Baypen Factory zerstört wurde, soll auf das Konto der Jugendlichen gehen. Immer wieder sind in „Clown in a Cornfield“ US-Flaggen zu sehen. Die hier vorherrschenden Zustände sind mitnichten nur auf diese heruntergekommene Kleinstadt zu übertragen, sondern lassen sich größer denken. Ein wenig schade ist es nur, dass Eli Craig dieses erzählerische Potenzial seiner Geschichte nicht vollends ausschöpft. Über weite Strecken ist sein Film eben ein klassischer Slasher, dessen Kills obendrein überraschend brutal sind. Die FSK-16-Freigabe respektive das R-Rating in den USA kostet der Film genüsslich aus. Da werden am Boden liegende Frauenkörper mit der Kettensäge zerteilt, ahnungslose Opfer mit der Mistgabel aufgespießt oder beim Workout mit einer Kettensäge massakriert – die beste Szene im Film.

„Ein wenig schade ist es nur, dass Eli Craig dieses erzählerische Potenzial seiner Geschichte nicht vollends ausschöpft. Über weite Strecken ist sein Film eben ein klassischer Slasher, dessen Kills obendrein überraschend brutal sind.“

Inszenatorisch durfte Eli Craig in „Tucker & Dale vs. Evil“ deutlich lebhafter zu Werke gehen. Allzu auffällige inszenatorische Sperenzchen hat „Clown in a Cornfield“ nicht zu bieten. Die Regie ist vor allem zweckdienlich, gerade in den vielen im Dunkeln spielenden Szenen zudem nicht immer optimal ausgeleuchtet. Immerhin finden Craig und sein Kameramann Brian Pearson („Insidious: Chapter 3“) immer wieder starke Motive, um die Abgeschiedenheit und Perspektivlosigkeit von Kettle Springs authentisch zu veranschaulichen. Auch die Darstellerinnen und Darsteller machen allesamt einen soliden Job. Katie Douglas („Lazareth“) gibt als Quinn eine überzeugende Leaderin ab, die sich nicht auf das bloße Stereotyp des Final Girls herunterbrechen lässt. Auch aufgrund seiner ein Stückweit vorhersehbaren, den Grundton des Films dafür noch einmal unterstreichenden Auflösung wäre es auf jeden Fall zu wünschen, dass „Clown in a Cornfield“ seine Fortsetzung erhält – schon allein, weil in der Geschichte mit all ihren aufgegriffenen Konflikten noch so viel Potenzial für weitere Filme steckt.

V.l.n.r.: Ronnie (Verity Marks), Janet (Cassandra Potenza) und Quinn (Katie Douglas).

Fazit: „Clown in a Cornfield“ punktet als grundsolide inszenierter, überraschend blutiger Slasher, der deutlich mehr zu sagen hat, als es die Prämisse andeutet. Als erster Teil einer möglichen Trilogie ist das ein ordentlicher Auftakt. Doch Regisseur Eli Craig könnte noch so viel mehr über Generationenkonflikte, die Abgeschiedenheit des US-amerikanischen Hinterlands und die Jugend als Hoffnung für eine bessere Zukunft erzählen, als er es hier tut. Hoffen wir mal auf eine Fortsetzung – die Buchreihe umfasst bisher immerhin schon drei Teile.

„Clown in a Cornfield“ ist ab dem 29. Mai 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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