The Monkey
Noch drei Monate bis „Final Destination 6“ – diese Wartezeit verkürzt man sich am besten mit der Stephen-King-Verfilmung THE MONKEY, einer bitterbösen Horrorcomedy, in der auf einen trommelnden Affen stets obskure Todesfälle folgen.
Darum geht’s
Als sie noch Kinder waren, schenkt ihr Vater den beiden Brüdern Bill und Hal (Christian Convery) eine gruselig dreinblickende Affenpuppe. Schnell merken die zwei, dass auf die Trommelschläge des fratzengesichtigen Spielzeugs Todesfälle folgen, die irgendwie mit ihnen in Verbindung stehen. Als es eines Tages auch ihre Mutter (Tatiana Maslany) trifft, beginnen sie die Brüder, in komplett gegensätzliche Richtungen zu entwickeln. Doch die Angst vor dem trommelnden Affen bleibt bestehen, bis Bill und Hal (jetzt Theo James) im Erwachsenenalter plötzlich wieder mit ihr konfrontiert werden. Während Hal Angst um seinen Sohn Petey (Colin O’Brien) hat, verfolgt Bill wahnsinnige Pläne mit dem Trommler – und Hal muss irgendwie versuchen, den Fluch zu brechen.
Kritik
Zum jetzigen Zeitpunkt dauert es noch knapp drei Monate, bis endlich der sechste Teil der „Final Destination“-Reihe erscheint. Ein Horrorfranchise, das sich durch seine absurden, stets zum Tode führenden Kettenreaktionen eine Heerschaar an Fans aufbauen konnte. Und bereits der erste Trailer zum neuen Film verspricht eine Fortführung der simplen, aber umso effektiveren Prämisse. Mit seiner Stephen-King-Verfilmung „The Monkey“ scheint Regisseur und Autor Osgood Perkins nun die Wartezeit darauf ein wenig verkürzen zu wollen. Das Mastermind hinter „Longlegs“ bleibt seiner Genre-Linie treu und legt ein intensives Schauerstück vor – mit dem kleinen Unterschied, dass „The Monkey“ obendrein auch als Horrorcomedy ganz hervorragend funktioniert. Eine weitere Parallele zu „Final Destination“, deren Tode oft derart skurril ausfallen, dass man einfach nicht umherkommt, das Ableben der austauschbaren Figuren mit einem Grinsen zu quittieren. Hier ist es allerdings nicht der Tod auf Rachefeldzug, sondern ein fies grinsender Spielzeugaffe mit Blechtrommel in den Pfoten, nach dessen Trommelschlägen zahlreiche Menschen in seiner Umgebung ein (möglichst kreatives) Ableben zu erwarten haben. Ein simples Konzept, das immer dann hervorragend funktioniert, wenn auch wirklich nur die Tode im Zentrum stehen.

Hal (Christian Convery spielt beide Brüder in einer Doppelrolle) ahnt schnell, dass mit dem Affen etwas nicht stimmt…
Mit einem solchen steigt „The Monkey“ dann auch direkt ein. In einem Pfandleihhaus versucht ein offensichtlich verängstigter Mann, das Affenspielzeug an den Händler abzugeben. Das Stammeln ob des Grundes dafür kann diesen allerdings nicht überzeugen – und prompt wird er Opfer einer Harpune, die ihm anschließend in epischer Breite die Gedärme aus dem Körper reißt, bis sie schließlich durch den gesamten Laden baumeln. Das könnte in seiner Drastik verstörend sein (und ist es für manch zartbesaitete Seelen vielleicht auch), aber in seiner Absurdität, der auch hier eine Kettenreaktion aus Zufällen vorausgeht, ist die Tonalität der darauffolgenden neunzig Minuten klar: „The Monkey“ soll in erster Linie Spaß machen – und tut es auch. Schon allein die Prämisse lässt nur eine augenzwinkernde Inszenierung zu. Denn das Prinzip, nach dem der Affe mordet, ist gleichermaßen willkürlich als auch – nun ja – größenwahnsinnig. In der Nähe des aufgrund seiner Fratze ohnehin nicht vertrauenserweckend aussehenden Tieres kann der Tod wahllos zuschlagen; wahlweise durch einen unter Strom gesetzten Pool, Unfälle mit viel zu scharfen Messern oder spontane Selbstentzündung. Der Kreativität für skurrile Tode sind in „The Monkey“ keine Grenzen gesetzt – und passieren sowohl vollkommen aus dem Nichts heraus als auch mit langer Ankündigung. Ersteres kommt dann meist nach einem radikalen Szenenwechsel und sorgt für den Spaß durch Überraschung. Letzteres schlägt in die „Final Destination“-Kerbe und forciert das Herbeifiebern des Todes, nachdem zuvor massig falsche Fährten gelegt wurden.
„Der Kreativität für skurrile Tode sind in ‚The Monkey‘ keine Grenzen gesetzt – und passieren sowohl vollkommen aus dem Nichts heraus als auch mit langer Ankündigung.“
Dank seiner schlanken 97 Minuten liegt der Fokus ganz klar auf den Todesfällen. Gleichwohl kommt „The Monkey“ natürlich nicht um eine klassische Erzählung herum – das hier ist schließlich kein „Tödliche-Unfälle-Best-Of“, sondern eine im Ansatz sogar recht tragische Geschichte über ein sich auseinandergelebtes Brüderpaar, das über den Tod der Mutter den Kontakt zueinander verloren hat. Die schwierige Beziehung zwischen Hal und seinem Sohn Petey entspinnt sich als logische Konsequenz aus den schwierigen Familienverhältnissen, in denen er und sein Bruder Bill aufgewachsen sind. Hal sieht Petey nur einmal im Monat, die meiste Zeit wächst er in der Obhut seiner Mutter und seines überambitionierten Stiefvaters (grandios in einer kleinen Nebenrolle: Elijah Wood) auf. Wenn Vater und Sohn die zweite Hälfte des Films schließlich zusammen bestreiten, geht es nicht (mehr) nur darum, den Todesfluch um den Affen zu brechen, sondern auch um das sich sukzessive Annähern der beiden. Das ist nicht besonders kreativ. Dass Filme Extremsituationen als Grundlage nutzen, um sich entfremdete Menschen wieder zusammenzuführen, ist ein bekannter Trope. Trotzdem funktioniert es hier als emotionaler Ankerpunkt recht ordentlich. Vor allem, weil „Divergent“-Star Theo James in der Rolle des verhuschten Hal überzeugt…
…was auf den über den Affen wahnsinnig gewordenen Bill nicht ganz so zutrifft. James‘ Performance fällt in seinem Fall zwar tatsächlich komplett anders aus. Manisch-fanatisch, denn über die Jahre hinweg verfolgt er mit dem todbringenden Spielzeug seine ganz eigenen Pläne. Doch auch wenn die Trickserei bei der Aufrechterhaltung seiner Doppelrolle überzeugt, gehören die Momente, in denen die beiden erwachsenen Brüder aufeinandertreffen, klar zu den schwächsten. Hier gerät das Drehbuch ins Straucheln und schafft es gen Ende nicht so ganz, die Beweggründe sämtlicher Charaktere im Film schlüssig darzulegen. Manche Figurenschicksale werden gar einem kurzen (Todes-)Gag geopfert, was in dem Moment effektiv ist, dem Aufbau zuvor allerdings nicht ganz gerecht wird. Deutlich stimmiger geraten da die Rückblenden, die teilweise sogar richtig dramatisch sind. Doch Osgood Perkins behält durchgehend seinen pechschwarzen Humor bei. Selbst als Bill den entsetzlichen Tod seiner Mutter mit ansehen muss, kann er es sich nicht verkneifen, in dem Moment so sehr zu überdrehen, dass dessen Auswirkungen auf die Kinderseele klar hinter der augenzwinkernden, inszenatorischen Übertreibung zurückfallen. Da kann man dann die emotionalen Entwicklungen der Jungs auch nicht immer so ernst nehmen – dafür wohnt der Dynamik zwischen den beiden Kindern stets eine unterschwellige Bedrohlichkeit inne, die sich nur schwer greifen lässt, dafür jedoch auf das Dasein von „The Monkey“ als Horrorfilm einzahlt.
„Osgood Perkins behält durchgehend seinen pechschwarzen Humor bei. Selbst als Bill den entsetzlichen Tod seiner Mutter mit ansehen muss, kann er es sich nicht verkneifen, in dem Moment so sehr zu überdrehen, dass dessen Auswirkungen auf die Kinderseele klar hinter der augenzwinkernden, inszenatorischen Übertreibung zurückfallen.“
Visuell bleibt Osgood Perkins überraschend dicht am Stil seines Vorwerks „Longlegs“. Überraschend deshalb, weil der Serienkillerthriller mit Nicholas Cage tonal ein ganz anderes Kaliber darstellte. „The Monkey“ ist weder düster noch beklemmend und das absolute Gegenteil von humorbefreit. Optisch dominieren trotzdem verwaschene, entsättigte Farben und viele lange Kamerafahrten (Nico Aguilar, „Chupa“). Zwischendurch sorgen schnelle Schnitte und auf den bisweilen leicht hysterisch wirkenden Score (Edo Van Breemen) platzierte Szenenwechsel für Dynamik und Tempo. So switcht „The Monkey“ immer wieder zwischen etwas zu bedächtiger, figurengetriebener Erzählung und Horror-Exzess hin und her. Das hat auch etwas Überraschendes, steht sich manchmal im Weg, aber insgesamt schafft es der Film bis zuletzt, genau das zu machen, wofür er gedacht ist: Spaß.

In einer grandiosen Nebenrolle als überambitionierter Stiefvater und Selbsthilfeguru zu sehen: Elijah Wood
Fazit: „The Monkey“ ist eine absurde Horrorcomedy, die in den Gewaltspitzen richtig wehtut, mit seiner augenzwinkernden Inszenierung und seinem pechschwarzen Humor allerdings eher auf den Komödien- denn auf den Schaueraspekt setzt. Das ist kurzweilig, macht Spaß, ist manchmal überraschend und nur zeitweise träge. Als Wartezeitverkürzung bis zum nächsten „Final Destination“-Film funktioniert all das hier auf jeden Fall ganz ausgezeichnet.
„The Monkey“ ist ab dem 20. Februar 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

