Unsere Erde 2

Nach dem überwältigenden Erfolg des ersten Teils folgt mit der über Jahre hinweg entstandenen Dokumentation UNSERE ERDE 2 der nächste Meilenstein der BBC. „So haben Sie die Welt noch nie gesehen“ ist da kein bloßes Versprechen. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Darum geht’s

„Unsere Erde 2“ nimmt uns mit auf eine unvergessliche Reise um die Welt und enthüllt unglaubliche Wunder der Natur und Tierwelt. Im Laufe eines einzigen magischen Tages folgen wir der Sonne von den höchsten Bergen bis hinunter zu den entlegensten Inseln, von exotischen Regenwäldern bis hinein in den Großstadtdschungel. „Unsere Erde 2“ lässt uns tief in die unterschiedlichsten Lebensformen auf unserem Planeten eintauchen und ihren Alltag hautnah und intensiver als jemals zuvor miterleben. In den Hauptrollen: Ein Zebrafohlen, das gemeinsam mit seiner Mutter einen reißenden Fluss überquert. Ein Pinguin, der jeden Tag heldenhaft einen lebensgefährlichen Weg zurücklegt, um seine Familie mit Nahrung zu versorgen. Eine Familie von Pottwalen, die es liebt, vertikal treibend zu dösen und ein Faultier, das der Liebe hinterherjagt…

Kritik

Es gab eine Zeit, da sind die Menschen in Scharen in die Kinos gestürmt, um sich eine Dokumentation über unsere Erde anzusehen. 3,8 Millionen, um genau zu sein, folgten Anfang 2008 dem Ruf der Dokumentarfilmvisionäre Alastair Fothergill und Mark Linfield („Schimpansen“), die das Werbeversprechen von „Unsere Erde“, „So haben Sie die Welt noch nie gesehen“, in jeder einzelnen Sekunde ihres Werkes erfüllten. Kaum ein anderer hatte die Flora und Fauna unseres blauen Planeten zuvor auf ähnlich facettenreiche und detailgetreue Weise eingefangen. Und so ist es kein Wunder, dass mit „Unsere Erde 2“ nun ein Sequel folgt, das eigentlich genau dasselbe noch einmal zeigt und doch so viel Neues. Die Geheimnisse der Natur sind schließlich noch längst nicht alle ergründet und auch die technischen Möglichkeiten, einen Film über Tiere, Pflanzen und Lebensräume zu drehen, haben sich seit 2008 um ein Vielfaches verbessert. Die Tiefen der Ozeane, die schwindelerregenden Höhen steiler Felswände, die Antarktis und die tropischen Urwälder – wieder einmal sind die besten Dokumentarfilmer der Welt rund um den Globus gereist, um spektakuläre Aufnahmen unzähliger beispielloser Geschichten unserer Erde einzufangen. Das Ergebnis ist atemberaubend.

Narwale gelten als die „Einhörner der Meere“ – Filmaufnahmen von ihnen sind sehr selten.

Drei ganze Jahre hat die Fertigstellung von „Unsere Erde 2“ in Anspruch genommen. Blickt man auf den Entstehungsprozess der Dokumentation, weiß man auch, warum: Von den meisten Szenerien sind im Film nur wenige Minuten zu sehen. Diese haben in der Regel allerdings einen derartigen Seltenheitswert, dass die über 30 Kameraleute mitunter mehrere Wochen und sogar Monate an ein und demselben Ort ausharren mussten, in der Hoffnung, das gewünschte Motiv irgendwann doch vor die Linse zu bekommen. So gelangen Bilder von seltenen Narwalen nur deshalb, weil das Team über einen Monat lang auf dem 1,6 Grad kalten Eismeer verbracht hat, genauso wie sich der spektakuläre Kampf zwischen zwei Giraffenbullen rein zufällig vor den Augen der Filmemacher im Grasland der afrikanischen Savanne zutrug und so mit in den Film aufgenommen werden konnte. Egal ob die faszinierenden Meereseinhörner, die imposanten Langhälse, oder auch das Brutverhalten von über 1,5 Millionen isländischen Zügelpinguinen: All die in „Unsere Erde 2“ untergebrachten Aufnahmen diverser Tier- und Pflanzenarten besitzen eine beeindruckende Einzigartigkeit; ja, all das hat man so tatsächlich noch nie gesehen, wie es auch der Trailer zu „Unsere Erde 2“ vollmundig ankündigt. Und gestochen scharf, voller Detailreichtum und Leben – selbst in den langsamsten Slow-Motion-Sequenzen (gedreht wurde unter Anderem mit 4K-Kameras) – sind all die Momente außerdem.

All diese prägnanten Ereignisse inszenieren die Regisseure wie kurze Filmepisoden in ihrem eigentlichen Film. Doch den Giraffenkampf als Boxfight, eine mörderische Verfolgungsjagd zwischen unzähligen frisch geschlüpften Meerechsen und Galapagos Racern – einer sehr flinken Schlangenart – im besten „Mad Max“-Stil, oder die Suche eines Faultiers nach der richtigen Partnerin als melancholische Liebesgeschichte zu erzählen, hat hier nicht den Zweck, die Tiere zu vermenschlichen. Wenn der gnadenlose Überlebenskampf eines Zebrajungen im reißenden Fluss zum hochspannenden Thriller wird, oder bei Einbruch der Nacht Hunderte von Fledermäusen die Leinwand dank schneller Schnitte und einem unheilvollen Score (Alex Heffes) zu einem waschechten Horrorszenario machen, führen uns die Regisseure lediglich die emotionale und visuelle Mannigfaltigkeit diverser Naturereignisse vor Augen. Wenn gen Ende schließlich darauf verwiesen wird, dass derjenige, der sich die Faszination für die Geheimnisse der Erde bewahrt, gar nicht erst auf die Idee kommen könnte, selbige zu zerstören, schließt sich der an den Zuschauer appellierende Kreis ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

Springender Serval beim Versuch eine Südafrikanische Lamellenzahnratte zu fangen.

Dass der Informationsgehalt von „Unsere Erde 2“ dabei nicht in den Hintergrund rückt, liegt in erster Linie am gleichermaßen gut geschrieben wie unaufgeregt vorgetragenen Voice-Over, in der deutschen Fassung von Günther Jauch, im Original von Robert Reford und Jackie Chan. Anders als in vergleichbaren Filmen wie etwa „Die Reise der Pinguine“, der ebenfalls kürzlich fortgesetzt wurde, werden die Tiere hier als das betrachtet, was sie eben sind. Das schließt übrigens auch einige unangenehme Momente nicht aus, in denen Beutetiere Jagd auf ihre Nahrung machen; allerdings weitaus weniger reißerisch, als es teilweise noch im ersten Teil geschah. Obwohl es sich im Anbetracht der wunderschönen Bilder anbieten würde, lässt „Unsere Erde 2“ trotzdem eines vermissen: Ein deutlicher Appell an die Zuschauer, sich der Besonderheit der Natur im Hinblick auf den eigenen Lebensstil besonders bewusst zu machen, fehlt hier. Im Sequel geht es bevorzugt darum, ob der faszinierenden Bilder zu staunen. Damals hingegen wurde ein einsamer, langsam verhungernder Eisbär zum Mahnmal an den für den Klimawandel mitverantwortlichen Menschen. „Unsere Erde 2“ erlaubt sich lediglich im Schlussakt eine Handvoll mahnender Worte darüber, dass wir unser Gefühl für den naturgegebenen Tag-Nacht-Rhythmus längst verloren haben. Mit Bildern von Glühwürmchen und allerlei leuchtendem Getier gelingt den Machern dafür ein gelungenes Finish. Und so ist es, wie Günther Jauch sagt: Wer sich die Faszination für die hier gezeigten Bilder bewahrt, der wird gar nicht erst auf die Idee kommen, den Planeten und alles, was er beherbergt, zu zerstören.

Fazit: „Unsere Erde 2“ steht ihrem Vorgänger visuell in Nichts nach und biete erneut spannende Einblicke in die Welt der Tiere und Pflanzen unsere Planeten. Lediglich der Informationsgehalt ist hier weniger ausgeprägt. Gleichzeitig lädt die Dokumentation dadurch erst recht zum Staunen ein.

„Unsere Erde 2“ ist ab dem 15. März bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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