Wuthering Heights – Sturmhöhe

Emerald Fennells WUTHERING HEIGHTS – STURMHÖHE ist weniger klassisch-altmodisches Liebesdrama als körperlicher Ausnahmezustand. Betörend schön inszeniert, aber erzählerisch unruhig und stellenweise repetitiv, erweist sich der Film als sperriges, durchaus mutiges, aber auch verstörendes Experiment im modernen Romantikkino. 

OT: Wuthering Heights (USA 2026)

Darum geht’s

Mr. Earnshaw (Martin Clunes), Besitzer des einsam im Moor gelegenen Anwesens Sturmhöhe, bringt eines Tages den heimatlosen Jungen Heathcliff (Owen Cooper) mit nach Hause und nimmt ihn wie ein eigenes Kind auf. Doch obwohl er im Haushalt lebt, bleibt er ein allenfalls geduldeter Außenseiter. Eine echte Nähe entwickelt er einzig zu Earnshaws Tochter Cathy (Charlotte Mellington), mit der ihn eine intensive, früh geprägte Bindung verbindet. Jahre später entscheidet sich die erwachsene Cathy (Margot Robbie) jedoch aus gesellschaftlichen Gründen für eine Ehe mit dem wohlhabenden Edgar Linton (Shazad Latif). Für Heathcliff (Jacob Elordi) ist dies ein tiefer Verrat. Er verlässt Sturmhöhe, kehrt jedoch nach langer Abwesenheit verändert zurück – kälter, verbittert und von Rache besessen. Fortan verfolgt er einen kalkulierten Plan, um jene Demütigung zurückzuzahlen…

Kritik

Wenn ein Roman wie Emily Brontës „Sturmhöhe“ längst zum literarischen Erbe zählt, ist jede neue Verfilmung automatisch zum Streitfall erklärt, noch bevor überhaupt eine einzige Einstellung gedreht ist. Auch Emerald Fennells „Wuthering Heights“ wurde von Skepsis und Vorwürfen begleitet: zu modern, zu stylisiert und der Vorlage gegenüber zu untreu. Als besonders brisant gilt der Umstand, dass Brontës Roman selbst von Fragen rassistischer Ausgrenzung geprägt ist – Heathcliff wird als Findelkind „dunkler Haut“ beschrieben und aufgrund seiner Herkunft systematisch ausgeschlossen – seine Figur allerdings nicht von einer Person of Colour besetzt wurde, sondern von Shootingstar Jacob Elordi gespielt wird. Entschärft Fennell damit den Kernkonflikt und verschiebt eine zentrale Machtachse des Romans? Eine schwierige Debatte, die aber letztlich auch auf das Grundproblem jeder „Sturmhöhe“-Adaption verweist: Der Stoff ist zu roh, zu widerspenstig und zu politisch aufgeladen, um ihn problemlos in ein gefälliges Kostümdrama zu übersetzen.

Eigentlich hat Cathy (Margot Robbie) alles – doch ohne Heathcliff hat sie nichts.

An dieses Unbehagen gegenüber dem „gefälligen Kostümdrama“ knüpfte auch die Marketing- und PR-Maschinerie rund um den Film an. Allerdings auf irritierende Weise gegenteilig. Margot Robbie („Barbie“) und Jacob Elordi („Frankenstein“) ließen in Interviews und auf Presseterminen immer wieder den Eindruck entstehen, als erzähle Emerald Fennell („Promising Young Woman“) letztlich doch vor allem eine leidenschaftliche, fast glamouröse Gothic-Romanze. Die Auftritte der beiden wirkten stark auf Meme-Tauglichkeit kalkuliert. Ein Spektakel, das stellenweise eher zum Fremdschämen als zur Vorfreude einlud. Diese performative Nähe wirkte weniger wie ein Einblick in die Figuren als wie ein sorgfältig kuratiertes Pop-Narrativ über große, toxische Liebe. Umso spannender ist, dass sich dieses Überhöhte in ihrem eigentlichen Spiel fortsetzt. Beide agieren ausgesprochen theatralisch, mit pathetischen Gesten, ausladenden Emotionen und fast opernhafter Körperlichkeit. Was zunächst wie eine Fehlanpassung an das moderne Kino erscheint, erweist sich als überraschend kongruent mit Brontës Vorlage, deren Welt selbst von Exzess, Überspitzung und melodramatischer Wucht lebt.

„Margot Robbie und Jacob Elordi agieren ausgesprochen theatralisch, mit pathetischen Gesten, ausladenden Emotionen und fast opernhafter Körperlichkeit. Was zunächst wie eine Fehlanpassung an das moderne Kino erscheint, erweist sich als überraschend kongruent mit Brontës Vorlage.“

Es passt vor allem deshalb so gut zum Erscheinungsbild des Films, weil „Wuthering Heights“ eine Liebesgeschichte erzählt, die sich weniger von Zuneigung als von Schmerz, Obsession und einem zerstörerischen Verlangen nacheinander nährt. Catherine und Heathcliff sind hier kein tragisches Paar im romantischen Sinne, sondern zwei Körper, die sich gegenseitig verletzen, um ihre Existenz zu bestätigen (die, sagen wir mal „erwachsenere“ Version eines solchen Stoffes legte vor ein paar Jahren Paul Thomas Anderson mit „Der seidene Faden“ vor). Fennell inszeniert ihre Beziehung nicht als schicksalhafte Verbindung zweier Seelen, sondern als emotionalen Ausnahmezustand, der ständig zwischen körperlicher Anziehung und psychischer Gewalt kippt. Eine überraschende, wenngleich entscheidende und bemerkenswerte Beobachtung: Im Film wird diese Dynamik nie romantisiert. Stattdessen versteht sich „Wuthering Heights“ als schonungslose Studie einer zutiefst toxischen Beziehung, die kaum als Vorbild taugen dürfte.

Nach seiner Rückkehr findet Heathcliff (Jacob Elordi) Gefallen daran, seine Cathy leiden zu sehen.

Inhaltlich lässt sich „Wuthering Heights“ fast in zwei Hälften teilen. Und nur eine davon ist so richtig gelungen. Die erste fängt die langsame, widersprüchliche Dynamik zwischen Catherine und Heathcliff mit großer Intensität ein. Die Momente des wilden Umherstreifens über die sturmgepeitschte Moorlandschaft, das losgelöste Lachen im Regen, das stumme, vertrauensvolle Aneinanderlehnen auf den Klippen oder das leidenschaftliche Wälzen im Schlamm wirken weniger wie klischeehaft-romantische Tableaus als wie präzise Ausdrucksformen ihrer Verbundenheit. Man spürt, wie diese beiden impulsiven Außenseiter in einer feindlichen Welt zusammenwachsen, und Fennell vertraut dabei wohltuend auf Bilder, Blicke und Gesten statt auf erklärende Dialoge. In der zweiten Hälfte jedoch verliert der Film an Spannung: Die Beziehung stagniert, Konflikte wiederholen sich, das narrative Gewicht verschiebt sich zunehmend auf ein beinahe endloses Ausharren im Leid. Vor allem Catherine scheint nun fast ausschließlich als leidende Figur zu existieren. Bezeichnend ist ein Moment mit Haushälterin Nelly, die Cathy kühl vorhält, sie scheine am Weinen mehr Gefallen zu finden als alle anderen zusammen. Was zuvor als brennende, lebendige Verbindung funktionierte, gerät so zur repetitiven Abfolge von Schmerz, in der sich Dramaturgie und emotionale Wirkung spürbar erschöpfen.

„Kamera, Licht und Sound arbeiten in ‚Wuthering Heights‘ wie ein einziges, pulsierendes Gesamtsystem. Die Landschaft ist nie bloß Kulisse, sondern fühlt sich an wie ein atmender Organismus, in dem Wind, Regen und Nebel die Emotionen der Figuren spiegeln.“

Über jeden inhaltlichen Zweifel erhaben bleibt dagegen die formale Wucht von Fennells Inszenierung. Kamera (Linus Sandgren, „Babylon“), Licht und Sound arbeiten in „Wuthering Heights“ wie ein einziges, pulsierendes Gesamtsystem. Die Landschaft ist nie bloß Kulisse, sondern fühlt sich an wie ein atmender Organismus, in dem Wind, Regen und Nebel die Emotionen der Figuren spiegeln. Weite Totale der kargen Moore wechseln mit extrem nahen Einstellungen auf Gesichter, Haut, Schmutz und Stoffe, sodass Nähe und Isolation gleichermaßen körperlich spürbar werden. Die Settings und die zwar pompös, aber doch auch ungeschönt daherkommenden Kostüme verweigern jede nostalgische Romantisierung und verankern die Geschichte stattdessen in einer greifbaren Materialität. Hinzu kommt der Soundtrack von Charli xcx, der mit vibrierenden Bässen, hallenden Texturen und drängenden Rhythmen eine bewusst anachronistische, unruhige Klangschicht über das historische Setting legt. Musik und Geräuschkulisse verschmelzen so zu einem Gefühl permanenter Spannung. Gerade in diesen Momenten entfaltet der Film seine größte Kraft.

In Edgar (Shazad Latif) hat Cathy eigentlich einen liebenden Ehemann gefunden…

Fazit: Emerald Fennells „Wuthering Heights – Sturmhöhe“ ist formal überwältigend und in seiner Auffassung von Liebe erfreulich kompromisslos, erzählerisch jedoch unausgewogen. Stark ist der Film überall dort, wo er mit Bildern und Körpern arbeitet, schwach, wo er im repetitiven Leid verharrt. Kein gefälliges Kostümdrama, sondern ein kühnes, ästhetisch berauschendes Experiment.

„Wuthering Heights – Sturmhöhe“ ist ab dem 12. Februar 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

One comment

  • konnyturtle turtle

    Mal kurz zu sagen Heathcliff ist kein Rhett Butler und kein Mr. Darcy sowie Catherine keine Elisabeth Bennet und Scarlett O‘ Hara.
    Wenn jemand so etwas will, dann kann man sich den Frust, dafür 10€ weggeschmissen zu haben ersparen.
    Die gesamte Handlung ist derartig gehackt, wird einfach im Schnellauf durchgespult dass nicht und nicht eine Dramaturgie aufkommt. Alle Nebenfiguren verkommen zu bloße Statisten, bleiben farblos und haben mit Ausnahme Mr. Linton alle selber einen ordentlichen in der Waffel. Die tanzen einfach um die beiden Hauptdarsteller wie die Motten ums Licht.
    Vieles bleibt unverständlich. Wie der bildungsverweigernde Heathcliff innerhalb von 5 Jahre zu so viel Geld kommt, dass er Wuthering Heights zwar kaufen kann, aber das Gebäude weiterhin ruinös verkommen lässt und nicht mal die leeren Ginflaschen vom Mr. Earnshaw wegräumt.
    Auch nehme ich die Liebesaffäre um Catherine einfach nicht ernst. Da leben die 30 Jahre Seite an Seite, und erst dann entdecken sie, dass sie mehr als nur Tochter des Hausherren und Knecht sind.
    Heathcliff verspielt sich die letzten Sympathien als er nur aus Provokation die Schwester von Mr. Linton heiratet und sie sadistisch quält, nur um die Liebe von Catherine wieder zu bekommen. So ein Psycho gehört auf den Galgen, wenn schon Ms. Fennel die ganze Handlung mit sadistische und ekelerregende Szenen vollspickt, passte das durchaus dazu.
    Positiv sind die memehaften Bilder und gute Hintergrund- und Filmmusik. Fr. Fennel soll künftig Werbejingles drehen – dort wäre ihr Talent besser gefragt.

Und was sagst Du dazu?