Return to Silent Hill

Nebel, Schuld und Alptraum statt klarer Bilder: RETURN TO SILENT HILL verspricht psychologischen Horror. liefert aber vor allem Leerlauf. Wo das legendäre Spiel „Silent Hill 2“ unter die Haut ging, bleibt der Film seltsam glatt und emotional distanziert. Christophe Gans kehrt zwar in die verfluchte Stadt zurück. Doch diesmal verirrt er sich selbst im Nebel.

OT: Return to Silent Hill (FR/USA/UK/DE/RS/JPN 2026)

Darum geht’s

James Sunderland (Jeremy Irvine) wird von einem rätselhaften Brief angezogen, den ihm seine für tot erklärte Freundin Mary Crane (Hannah Emily Anderson) geschickt hat. Obwohl sie offiziell längst einer schweren Krankheit erlegen ist, führt ihn ihre Botschaft scheinbar unausweichlich zurück nach Silent Hill – jener unheimlichen, in Nebel gehüllten Stadt, in der ihre Beziehung einst ihren Anfang nahm. Bei seiner Ankunft findet James einen Ort vor, der sich in eine verstörende Albtraumlandschaft verwandelt hat: Trübe Schwaden ziehen durch zerfallene Straßen, eine dicke Schicht grauer Asche bedeckt die Gebäude, und menschliches Leben scheint nahezu verschwunden. Stattdessen wird er mit furchterregenden Wesen konfrontiert – vom bedrohlichen Pyramid Head (Robert Strange) bis zu entstellten Kreaturen wie der Spider Lady und den Armless-Monstern (Giulia Pelagatti), die aus den Schatten hervortreten und seinen Geist zunehmend erschüttern.

Kritik

Seit über zwei Jahrzehnten gilt die „Silent Hill“-Videospielreihe als eine der einflussreichsten und künstlerisch ambitioniertesten Franchises des psychologischen Horrors. Vor allem der zweite Teil hat sich tief ins kollektive Gedächtnis der Gamingkultur eingebrannt. Statt bloßer Schockeffekte bietet er eine verstörend intime Auseinandersetzung mit Schuld, Trauma und Selbsttäuschung, eingebettet in eine dichte, symbolgeladene Lore, die bis heute analysiert und diskutiert wird. Die nebelverhangene Stadt wird zum Spiegel der Psyche, ihre Monster zu Manifestationen innerer Konflikte. Und genau diese Vielschichtigkeit macht das Spiel zu einem Kultwerk mit einer leidenschaftlichen Fangemeinde. Für viele Fans ist „Silent Hill 2“ nicht nur ein Horrorspiel, sondern eine existenzielle Erfahrung, deren emotionale Tiefe und narrative Komplexität weit über das Genre hinausreichen. Vor diesem Hintergrund ist es besonders bemerkenswert, dass diese Ikone nun erneut den Sprung auf die Leinwand wagt: Nach den ersten beiden Verfilmungen kehrt die Welt von „Silent Hill“ mit „Return to Silent Hill“ ins Kino zurück und versucht, die verstörende Atmosphäre und psychologische Wucht des Spiels filmisch einzufangen…

James Sunderland (Jeremy Irvine) wird von unbekanntem Grauen verfolgt. 

…und scheitert dabei auf ganzer Linie. Das verwundert erst einmal. Denn für „Return to Silent Hill“ zeichnet niemand Geringeres als „Pakt der Wölfe“-Regisseur Christophe Gans verantwortlich. Und dieser hat bekanntermaßen bereits die erste „Silent Hill“-Verfilmung beaufsichtigt, die zum Zeitpunkt ihres Erscheinens durchaus geachtet wurde (auch wenn sie heute bei einem Metascore von 31 herumkrebst und es 2006 kaum Vergleiche mit wirklich gelungenen Videospielverfilmungen gab). Doch insbesondere die Atmosphäre des nebelverhangenen Städtchens Silent Hill mit all ihren albtraumhaften Kreaturen galt gemeinhin als gelungen. Über die lieblose Fortsetzung „Silent Hill: Revelation“ – nicht von Gans – hüllen wir jedoch lieber den Mantel des Schweigens. Nun kehrt er also zu „seinem Franchise“ zurück; Ein Homerun, möchte man meinen. Schließlich ist der Regisseur selbst passionierter „Silent Hill“-Spieler und ohne seine Leidenschaft für die Reihe wäre der erste Teil vermutlich nicht das geworden, was er ist. Wenngleich sein Fingerspitzengefühl für das Kreieren einer überzeugenden „Silent Hill“-Stimmung hie und da immer noch durchscheint. Vor allem die ausschließlich die Stadt selbst einfangenden Aufnahmen gehören zu den gelungeneren Elementen des Films. Doch woran es in „Return to Silent Hill“ ganz gewaltig hakt, ist die unter anderem auch aus seiner Feder stammende Story.

„Nach den ersten beiden Verfilmungen kehrt die Welt von ‚Silent Hill‘ mit ‚Return to Silent Hill‘ ins Kino zurück und versucht, die verstörende Atmosphäre und psychologische Wucht des Spiels filmisch einzufangen und scheitert dabei auf ganzer Linie.“

Diese speist sich aus zwei verschiedenen Erzählebenen, beide aus der subjektiven Perspektive von Hauptfigur James geschildert. Die eine – die immerhin etwas gelungenere – spielt sich in Silent Hill selbst ab. Die andere, im Spiel dargestellt als erinnerungsgetriebene Momente, Visionen und enthüllte Details über die Vergangenheit von James und Mary, konzentriert sich auf klassische Flashbacks über James‘ früheres Leben mit seiner mittlerweile verstorbenen Freundin. Doch wo derartige Szenen normalerweise dazu dienen (sollen), vor allem die Bindung des Paares zu verdeutlichen, um den schmerzlichen Verlust noch einmal schmerzhafter darzustellen, kippt diese Vorhaben in „Return to Silent Hill“ ins Gegenteil. Das Problem: Die Chemie zwischen James und Mary, deren Darsteller:innen auch schauspielerisch nicht glänzen können, ist quasi nicht existent. Egal ob das auf dem Papier romantisch gedachte Kennenlernen, die erste glückliche Verliebtheitsphase, Zweifel ob der Beziehung oder Marys dramatischer Krankheitsverlauf: Das in diesen Momenten (und auch sonst) nicht wirklich komplexe Drehbuch schafft es nicht, die Verbindung der beiden greifbar zu machen. Das macht es von Beginn an schwer, mit James mitzufühlen, wenn man selbst in den vermeintlich glücklichen Rückblenden nicht erkennt, was die zwei eigentlich mal zusammengehalten hat. Ganz zu schweigen davon, dass sie so inflationär eingestreut werden, dass sie das Geschehen immer wieder stark ausbremsen.

Pyramid Head (Robert Strange) macht Jagd auf James.

Denn nicht nur mit dem Wissen um die Videospiel-Lore kann man sich denken, worum es in „Return to Silent Hill“ wirklich geht. Denn natürlich ist die Stadt lediglich eine Manifestation von James‘ Traumata, die in der Gamevorlage allerdings noch weitaus tiefer reicht als hier dargestellt. Auch die extra für den Film kreierten Einfälle – etwa das Auftauchen einer Sekte – tragen nur weiter dazu bei, dass der Fokus von der eigentlichen Thematik wegrückt; Stattdessen stehen irgendwann ausschließlich die halbgaren Schockmomente im Mittelpunkt. Für einen Horrorfilm wäre das eigentlich verschmerzbar. Auch in seinen ersten „Silent Hill“ streute Christophe Gans immer wieder vereinzelte Jump Scares ein, die ihren Zweck nicht verfehlten. In der Fortsetzung wirken sie dagegen lieblos, sodass man selbst als genreunerfahrene:r Zuschauer:in nie wirklich zusammenzuckt. Mit ein Grund: die in den besten Momenten mittelmäßigen, in den meisten Fällen jedoch ziemlich unansehnlichen Computereffekte, die jedwede Haptik vermissen lassen – und sich daher kaum bedrohlich anfühlen. Vereinzelte Highlights wie die schon in Teil eins auftretenden „Bubble Head Nurses“ und „Armless Monster“, oder die „Straightjacket“-Monster können all die Defizite in Sachen Spannung jedoch nicht ausgleichen.

„Statt die klaustrophobische, organisch verfallene Atmosphäre der Spielvorlage konsequent filmisch zu übersetzen, wirkt ‚Return to Silent Hill‘ häufig künstlich und kontrolliert inszeniert.“

Daran trägt auch die Inszenierung selbst eine große Mitschuld. Statt die klaustrophobische, organisch verfallene Atmosphäre der Spielvorlage konsequent filmisch zu übersetzen, wirkt „Return to Silent Hill“ häufig künstlich und kontrolliert inszeniert. Große Teile wurden in Studios und auf Stagecraft-Volumes gedreht, was zwar theoretisch erlauben würde, die nebelverhangene Stadt stilisiert nachzubilden, in der Praxis jedoch zu sterilen, digital glänzenden Hintergründen führt, denen es an physischer Textur fehlt. Die wenigen realen Sets und praktischen Bauten stehen im auffälligen Kontrast zu den LED-Horizonten und Green-Screen-Erweiterungen, wodurch die Welt nie als zusammenhängender Raum wirkt. Statt einer greifbaren, bedrohlichen Umgebung entsteht so eher der Eindruck eines Videospiellevels mit gar nicht mal so hohen Produktionswerten. Diese Mischform aus echten und virtuellen Kulissen nimmt dem Horror seine Erdung und lässt die beklemmende Materialität vermissen, die „Silent Hill“ eigentlich ausmacht.

Silent Hill ist bevölkert von höllischen Kreaturen.

Fazit: „Return to Silent Hill“ verfehlt letztlich genau das, was die Vorlage so besonders macht: emotionale Tiefe, psychologische Ambivalenz und eine greifbar bedrohliche Atmosphäre. Stattdessen bleibt ein visuell oft steriler, erzählerisch oberflächlicher Horrorfilm, der sich in überflüssigen Rückblenden, schwachen Effekten und ziellosen Schockmomenten verliert. Damit ist Gans’ Rückkehr nach Silent Hill weniger eine respektvolle Neuinterpretation als eine verpasste Chance, die Essenz von „Silent Hill 2“ wirklich auf die Leinwand zu übertragen.

„Return to Silent Hill“ ist ab dem 5. Februar 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

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