Die drei ??? – Toteninsel
Nach dem nahezu perfekten „Karpatenhund“ waren die Erwartungen kaum höher zu schrauben. Mit DIE DREI ??? – TOTENINSEL wagt sich die Reihe nun ausgerechnet an einen der bedeutendsten und düstersten Fälle der Hörspielgeschichte. Ob dieser Kultstoff den Sprung ins Kino wirklich meistern kann, erweist sich schnell als zentrale Frage des Films.
Darum geht’s
Kritik
Ein Jahr nach „Die drei ??? und der Karpatenhund“ fassen wir den Erfolg des Films noch einmal zusammen: Regisseur Kai Dünschede gelang es mit dem Kinder-Whodunit, der Hörspielreihe endlich auch auf der großen Leinwand zum qualitativen Durchbruch zu verhelfen. Schon mit „Die drei ??? – Erbe des Drachen“ befand sich der Regisseur zwei Jahre zuvor auf einem guten Weg dahin, das Feeling der Audioserie auch über das Medium Film zu transportieren. Doch das „typische Rocky-Beach-Flair“ konnte allein deshalb schon nicht aufkommen, weil die Geschichte gar nicht in dem fiktiven kalifornischen Küstenstädtchen spielte, sondern in Transsylvanien. Doch mit dem „Karpatenhund“ holte Dünschede dann alles nach, was er in „Erbe des Drachen“ noch versäumt hatte. Die Adaption des dritten Hörspiels der drei beliebten Detektive nimmt seine erwachsene Fangemeinde ernst, bleibt in Rocky Beach und adaptiert einen ohnehin ikonischen Fall. Mit der perfekten Balance aus Werktreue und filmischer Freiheit – so ergänzte er die bekannte Story um einige stimmige Erweiterungen und liebevollen Fanservice – erschuf Dünschede eine durch und durch authentische „Drei ???“-Welt. Unterstützt von einem überzeugenden Hauptcast, starken Nebenfiguren und einer atmosphärischen, international wirkenden Inszenierung. Viel besser konnte man es nicht machen – und genau das ließ hohe Erwartungen an den Nachfolger aufkommen…
Die drei Fragezeichen (Julius Weckauf, Nevio Wendt und Levi Brandl) treffen auf ihren Auftraggeber Skinny Norris (Filip Schnack).
… denn auch bei „Die drei ??? – Toteninsel“ handelt es sich nicht nur um einen absoluten Kultfall, sondern auch um einen solchen, der einen wichtigen Wendepunkt in der Hörspielreihe markierte. Als 100. Fall und damit Jubiläumsfolge (erschienen auf drei CDs respektive Kassetten) war „Toteninsel“ nicht nur deutlich länger, sondern auch wesentlich düsterer und komplexer als frühere Episoden. Darüber hinaus setzte der Buchvorlagenautor André Marx in der Geschichte stärker als bisher auf psychologische Spannung, moralische Grauzonen und eine fast schon filmische Inszenierung statt auf klassische Detektivrätsel. Damit leitete „Toteninsel“ die Ära der ernsteren, erwachseneren Sonder- und Eventfolgen ein, die sich fortan stärker an eine ältere Hörer:innenschaft richten sollten. Das hatte unter anderem aufwändigere Produktionen, weitere epische Mehrteiler und anspruchsvollere Geschichte zufolge – ein klarer Wendepunkt weg vom reinen Kinderhörspiel. Und genau diesen Fall galt es nun für den Drehbuchautor Anil Kizilbuga (schrieb bereits den „Karpatenhund“-Fall) für die Leinwand zu adaptieren.
„Bei ‚Die drei ??? – Toteninsel‘ wird es dagegen schon deutlich schwerer, die richtige Balance zwischen den unterschiedlichen Zielgruppen zu finden. Das merkt man insbesondere am Ende.“
Mit diesem Wissen um die Bedeutung der „Toteninsel“-Folge wird einem direkt die erste Krux bewusst, mit der sich die Kreativen im Zuge der Filmentstehung auseinandersetzen mussten: Während sich Buch und Hörspiel primär an ein älteres Publikum richteten, bedienten Dünschedes bisherige zwei „Drei ???“-Filme ein eher jüngeres Zielpublikum; Basierend auf dem (natürlich getreu der Vorlage) jugendlichen Cast sowie den leicht(er) zu folgenden Geschichten, die eher an Kinderkrimis denn an Jugendthriller erinnerten. Im Falle des ohnehin vorlagenlosen „Erbe des Drachen“ und des leicht kindgerecht(er) zurechtgefeilten „Karpatenhund“-Falls war das noch leicht. Bei „Toteninsel“ wird es dagegen schon deutlich schwerer, die richtige Balance zwischen den unterschiedlichen Zielgruppen zu finden. Das merkt man insbesondere am Ende. Wo die Auflösung in Buch und Hörspiel noch mit Atomsprengköpfen und Waffentests aufwartet, setzt Anil Kizilbuga hier auf ein deutlich leichter zu verdauendes, für klassische Abenteuerfilme typisches Finale. Dieses sei an dieser Stelle zwar nicht verraten. Doch es steht symptomatisch für die mitunter schwammige Auslegung, durch die nicht immer ganz ersichtlich ist, ob hier Vorlagentreue oder das Entgegenkommen an die jüngere Zielgruppe wichtiger waren.

Momo Beier schlüpft in die Rolle der aus den Hörspielen bekannten Jelena und steht den drei Detektiven als Hackerin zur Seite.
Zunächst bleibt „Die drei ??? – Toteninsel“ aber relativ nah an dem, was man aus dem Hörspiel kennt. Hier ergibt sich schon allein aus der Aufteilung auf drei CDs eine Art Drei-Kapitel-Struktur, die auch die Verfilmung beibehält. Im ersten Drittel entspinnt sich das Mysterium rund um den Geheimbund Sphinx, eine Gruppe von kriminellen Archäolog:innen, die illegale Ausgrabungen vornimmt. Der Mittelteil spielt primär auf einem Schiff, auf dem der vom Rest des Trios getrennte Peter zur „Toteninsel“ Macatau schippert. Der dritte und letzte Teil spielt schließlich auf ebenjener Insel und enthüllt sämtliche sich zuvor aufgetürmten Geheimnisse. Wie es bei Filmen mit vergleichbarer Struktur nicht selten der Fall ist, unterscheiden sich auch hier die Qualitäten der einzelnen Abschnitte voneinander. Und das hat diesmal gar nichts damit zu tun, wie nah Tim Dünschede an der Vorlage bleibt. Stattdessen erweckt „Die drei ??? – Toteninsel“ ein wenig den Eindruck, als sei in jedes einzelne Kapitel unterschiedlich viel Herzblut geflossen. Der Film nimmt sich viel Zeit für den Storyaufbau, etabliert sowohl die drei Hauptfiguren als auch sämtliche relevanten Nebencharaktere schlüssig und zelebriert vor allem die Auftritte der Fan-Lieblinge auf charmante Weise. Filip Schnack („In die Sonne schauen“) hat als Erzfeind Skinny Norris erneut sichtlich viel Spaß an seiner Rolle, Philipp Christopher („Love Sucks“) reißt als Inspector Cotta jede Szene an sich und Jördis Triebel („Blood & Gold“) und Florian Lukas („In Liebe, Eure Hilde“) haben die Hörspiel-Vorbilder ihrer Rollen voll und ganz verinnerlicht.
„Auch ‚Die drei ??? – Toteninsel‘ ist in der Summe ein Film, der sich im Kino ganz besonders gut macht. Erst recht, weil sich so die erzählerischen Ausmaße der Vorlage bemerkbar machen.“
Auch das „Drei ???“-Trio (Julius Weckauf, Nevio Wendt und Levi Brandl) selbst legt in Sachen freundschaftlicher Dynamik noch einmal eine Schippe drauf. Leider wirkt nicht nur ihr Spiel untereinander, sondern auch zusammen mit ihren erwachsenen Kolleg:innen stellenweise arg hölzern. Betont wird das zudem von einer nicht immer überzeugenden Kamera- und Schnittarbeit, in der sich zu häufig auf klassische Schuss-Gegenschuss-Abläufe verlassen wird. Das lässt den Film bisweilen eher wie einen Fernsehfilm wirken als wie ein groß gedachtes Kinoabenteuer. Die Szenen auf dem Schiff sowie später auf der Insel (gedreht wurde auf den Kanarischen Inseln, vor allem auf Gran Canaria) können diesen Eindruck aber weitestgehend ausgleichen. Auch „Die drei ??? – Toteninsel“ ist in der Summe ein Film, der sich im Kino ganz besonders gut macht. Erst recht, weil sich so die erzählerischen Ausmaße der Vorlage bemerkbar machen. Denn auch wenn der Film – im Gegensatz zum Hörspiel – keine drei Stunden, sondern nur 100 Minuten geht, entspinnen sich auch hier die ungeahnten Dimensionen, die – wenn man es einmal genau nimmt – für die drei Jugenddetektive eigentlich schon immer eine Nummer zu groß waren. In der Vorlage kommt sogar ein CIA-Mitarbeiter vor.
Leider reichen der Mittel- und Schlussteil nicht mehr ganz an die Sorgfalt und Leidenschaft des Auftakts heran. Während das erste Kapitel mit spürbarer Liebe zum Detail Figuren, Motive und Atmosphäre etabliert und dabei den Eindruck erweckt, auf „etwas ganz Großes“ zuzusteuern, wirken das zweite und dritte Kapitel deutlich funktionaler. Vor allem der Schlussakt wirkt gehetzt. Ganz so, als hätte man eigentlich noch richtig viel zu erzählen, aber schlicht keinen Platz mehr gehabt. Die Überfahrt zur Insel sowie das Geschehen auf Macatau treiben die Handlung zwar konsequent voran, erreichen aber nicht mehr dieselbe erzählerische Dichte und den Charme der Anfangsphase. Statt Neugier und Spannung weiter auszubauen, dominiert hier zunehmend das Abarbeiten von Plotpunkten, wodurch das Herzblut, das den Film zunächst trägt, merklich nachlässt. So entsteht der Eindruck, dass gerade dort, wo die Geschichte eigentlich ihren emotionalen und dramatischen Höhepunkt finden müsste, etwas von der zuvor sorgfältig aufgebauten Magie verloren geht. Das ist schade. Denn wie schon in „Die drei ??? und der Karpatenhund“ wird auch in „Toteninsel“ immer wieder deutlich, dass die Macher:innen das Ausgangsmaterial eigentlich vollständig verinnerlicht haben – und zwar weit über die zu adaptierende Folge hinaus. Immer wieder gibt es charmante Querverweise auf andere Folgen (diesmal u.a. „Feuerturm“ und „Der tanzende Teufel“), markante Details aus den Hörspielen wie etwa das Telefonklingeln der Zentrale, das Design der legendären Visitenkarten oder mittlerweile ikonische Telefonrätsel werden mitunter eins zu eins übernommen. Man fühlt sich als Fan also auch diesmal in guten Händen, doch an die Genialität des „Karpatenhundes“ wird so schnell vermutlich nichts herankommen.
„Die Überfahrt zur Insel sowie das Geschehen auf Macatau treiben die Handlung zwar konsequent voran, erreichen aber nicht mehr dieselbe erzählerische Dichte und den Charme der Anfangsphase.“
Fazit: „Die drei ??? – Toteninsel“ ist ein ambitionierter und insgesamt sehenswerter Film, der vor allem im liebevoll gestalteten Auftakt zeigt, wie gut die Reihe im Kino funktionieren kann. Mit zunehmender Laufzeit verliert die Inszenierung jedoch an erzählerischer Dichte und Konsequenz, da Zugeständnisse an ein jüngeres Publikum die düstere Wucht der ikonischen Vorlage spürbar abmildern. Mittel- und Schlussakt wirken funktionaler und stellenweise gehetzt, wodurch ein Teil der zuvor aufgebauten Magie verloren geht. Trotz klarer Qualitäten und großer Fan-Nähe bleibt der Film damit hinter dem nahezu perfekten „Karpatenhund“ zurück.
„Die drei ??? – Toteninsel“ ist ab dem 22. Januar 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

