2025 – Meine Flops des Jahres

Wir haben das Jahr 2025 und es stellt sich die Frage, inwiefern es noch zeitgemäß ist, das Internet mit Hass zu fluten – oder eben mit einer Liste der schlechtesten Filme der vergangenen zwölf Monate. In den letzten Jahren habe ich diese Form der zweifelhaften Ehrung bewusst ausgelassen. Doch die guten Werke lassen sich vielleicht noch mehr würdigen, wenn man sich immer mal wieder auch vor Augen führt, was für Crap das Filmjahr so hervorgebracht hat. Allzu viel war das 2025 gar nicht, aber eine FLOP 10 bekomme ich dennoch zusammen. Diese sei euch im Folgenden vorgestellt. Und denkt dran: Dass hier sind die Filme, die bei mir ganz persönlich in diesem Jahr die negativsten Gefühle hervorgebracht haben. Nicht alles davon ist automatisch schlecht – naja… für mich schon.

An dieser Stelle ist noch einmal kurz Platz für einige wenig ehrenwerte Nennungen von Filmen, die es nur ganz knapp nicht in meine Flop 10 des Jahres geschafft haben. Mit Luca Guadagninos QUEER bin ich überhaupt nicht warm geworden. Genauso wenig mit der mit Dampfplauderer Kieran Culkin besetzten Tragikomödie A REAL PAIN, während der ich mir permanent wünschte, woanders zu sein. Außerdem war ich vom Bob-Dylan-Biopic LIKE A COMPLETE UNKNOWN extrem gelangweilt – zudem kann ich Timothée Chalamet nicht mehr sehen. Auch der dystopische Actionreißer AFTERBURN hat bei mir nicht den besten Eindruck hinterlassen, obwohl es in diesem Jahr noch ein weiteres Dave-Bautista-Vehikel gab, das weitaus mieser war. Jean Renos DRACULA – DIE AUFERSTEHUNG war ein in den besten Momenten leidlich unterhaltsames Trainwreck. DEATH OF A UNICORN entpuppte sich als A24s „Cocaine Bear“ und die deutsche Tragikomödie DAS LEBEN DER WÜNSCHE war so trostlos, dass sich die eineinhalb Filmstunden wie verschwendete Lebenszeit anfühlten.

Platz 10

Dass Jason Statham allein weder Tempo noch Spannung garantiert, zeigte uns dieses Jahr David Ayer mit A WORKING MAN, der meine Flop 10 eröffnen darf. Der Film startet vielversprechend mit einem Ex-Elitesoldaten, der ein paar bösen Jungs auf einer Baustelle auf die Schnauze haut. Doch nach diesen zehn Minuten bremst sich der Film selbst bis zum Stillstand aus. Die Prämisse erinnert frappierend an „96 Hours“, nur dass hier die Bösewichte in einem Labyrinth aus inkompetenten Handlangern gefangen sind, die offenbar ihre eigenen Pläne nicht kennen. Dialoglastige Verhandlungen dominieren die meiste Zeit, während echte Action auf Sparflamme köchelt: Schusswaffen statt messerscharfer Slasher-Exzesse, Waterboarding statt Blutfontänen. Ayer versucht, „John Wick“-Vibes zu kanalisieren, verpasst aber das High-Concept komplett, sodass jede grelle Inszenierung wie ein unmotiviertes Bühnenbild im leeren Raum wirkt. David Harbour als blinder Sidekick kratzt am Sympathiepotenzial, Stathams stoische Rachemaschine bleibt hingegen völlig belanglos. Man wartet vergeblich auf den Kick, der den ernsten Ton legitimiert. Doch am Ende bleibt ein Film, der so ernst ist, dass selbst die Gewalt gelangweilt wirkt – und die Frage, weshalb man nicht einfach nochmal „The Beekeeper“ geschaut hat.

Platz 9

Paul W. S. Andersons lieblos inszenierter Fantasy-Actioner IN THE LOST LANDS ist der ultimative Beweis dafür, dass man selbst mit George R.R. Martins Namen, einem muskelbepackten Ex-Wrestler und Milla Jovovich nicht automatisch einen Film macht, der auch nur ansatzweise Spaß bringt. Es herrscht das gewohnte Konzept vor: Slow-Motions ohne Ende, Lens Flares, überbordende CGI und eine Welt, die so leer wie bedeutungslos wirkt – irgendwo zwischen Videospiel-Zwischensequenz und Hochglanz-Lagerhalle. Bautista und Jovovich plappern stoisch durch Dialoge, die nie mehr als „Wir haben keine Wahl!“ zu sagen haben. Plot und Logik werden im Sekundentakt über Bord geworfen: Erzähler, die plötzlich nur zu einem Charakter sprechen, Werwölfe, die sich nach Wolken richten – pure Willkür. Action? Zerschnitten, blutleer, beliebig. Highlight-Einzelbilder wie brennende Ölfelder können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Anderson hier vor allem seine eigene Handschrift reproduziert: teuer, digital und spektakulär sinnfrei. Ein Film, der alles hat, um zu glänzen, aber in jeder Szene wie ein steriler CGI-Traum wirkt, den selbst seine Darsteller:innen nur müde begleiten.

Platz 8

Trotz des enormen kommerziellen Erfolgs des ersten „Five Nights at Freddy’s“ – der weniger seiner Qualität als vielmehr der gigantischen Fanbasis des Spiels zu verdanken war – ist die Fortsetzung ein Lehrstück darüber, wie man ein Franchise kreativ gegen die Wand fährt. FIVE NIGHTS AT FREDDY’S 2 wirkt wie eine rein betriebswirtschaftliche Notwendigkeit: mehr Budget, gleiche Ideenarmut. Regisseurin Emma Tammi inszeniert erneut einen Film, der trotz größerer finanzieller Mittel aussieht, als sei er mit Resten aus dem Gruselkabinett zusammengebaut worden. Ja, die Animatronics haben Gewicht und eine neue Marionettenfigur blitzt kurz als potenziell unheimliche Idee auf. Doch das war’s dann auch schon mit den Highlights. Was folgt, ist eine seltsam spannungsarme Aneinanderreihung vorhersehbarer Jumpscares, denen selbst Horror-Neulinge mühelos ausweichen könnten. Atmosphäre wird permanent angedeutet, aber nie eingelöst. Erzählerisch herrscht Beliebigkeit. Figuren handeln ohne Konsequenzen, emotionale Beziehungen bleiben Behauptung. Josh Hutcherson schlafwandelt durch eine Story, die ihn offensichtlich genauso wenig interessiert wie das Publikum. Für meine Flopliste reicht das locker: „Five Nights at Freddy’s 2“ ist ein filmisches Vakuum, das nur Fans mit Scheuklappen aushalten dürften.

Platz 7

Das Horrorkino entdeckt seit Ablauf der Rechte an Kinder-Ikonen ein neues Spielfeld. Doch bisher kam dabei noch nicht eine gute Idee heraus! SCREAMBOAT versucht, den liebenswerten Comic-Nager Mickey Maus aus „Steamboat Willie“ in einen Killer zu verwandeln und nutzt dafür immerhin einen echten, ausrangierten Fährdampfer. „Terrifier“-Clown David Howard Thornton als mörderische Maus und Puppeneinsätze sorgen für einen gewissen Trash-Charme, auch die wechselnden Größen der Figur sind ein sympathischer Gag. Doch leider reicht das nicht: Action und Gore sind größtenteils in dunklen Kulissen versteckt, das Figurenensemble bleibt beliebig und uninteressant, die langen Zwischenphasen zäh wie nasses Zeitungspapier. Humor will nicht zünden, weil Timing und Schauspiel fehlen. Und Spannung entsteht nur sporadisch. „Screamboat“ zeigt auf beeindruckend scheiternde Weise, dass selbst ikonische Vorlagen und blutige Kreativität in Low-Budget-Manier vor allem eines ergeben: einen Film, der sich bemüht, aber dennoch müde wirkt. Das größte Problem daran: Die nächsten „Horrorfilme“, die auf Kindergeschichtenikonen basieren  deren Rechte gerade frei gewordenen sind, stehen bereits in den Startlöchern…

Platz 6

Wie „Promising Young Woman“, nur mit einer Kannibalin – ja, irgendwie liegt diese Assoziation nah. Und das nicht nur, weil die Hauptfigur im Laufe des Films irgendwann eine knallblaue Perücke trägt, die genauso aussieht wie Carey Mulligans Kopfbehaarung im eingangs zitierten Rachethriller. Natürlich muss man berücksichtigen, dass CANNIBAL MUCKBANG mit deutlich geringeren Mitteln entstanden ist und sich die Regisseurin Aimee Kuge ganz andere Inszenierungsmechanismen zu Eigen macht, als Emerald Fannell. Trotzdem tragen beide Filme ein und dasselbe Anliegen vor – der eine besser, dieser hier deutlich schlechter. Denn der bemerkenswert hässliche Kannibalenfilm über eine Frau, die die Missetaten ihrer männlichen Mitmenschen damit bestraft, sie vor laufender Kamera zu verspeisen, handelt in Wirklichkeit von einem Mann, während die Frau zum spleenigen Abziehbild einer ach so verrückten Menschenfresserin verkommt. Als Kurzfilm hätte das Ganze vielleicht noch einen gewissen Reiz gehabt. Die 104 Minuten ziehen sich dann allerdings doch wie die Spaghetti auf dem zugegebenermaßen sehr stilvollen Filmplakat. Immerhin: Hunger hat man nach dem zweifelhaften Genuss von „Cannibal Mukbang“ keinen mehr.

Platz 5

Cate Blanchett als deutsche Kanzlerin auf dem Poster: das ist das einzige Argument, TANZ DER TITANEN anzuschauen. Ansonsten fehlt dem kanadischen Low-Budget-Projekt von Evan und Galen Johnson sowie Guy Maddin jeglicher Grund, sich damit zu beschäftigen. Die Prämisse hätte Potenzial: Machthaber:innen die sich wie High-School-Stereotype in Abgeschiedenheit zanken, amouröse Liaison inklusive. Doch die Satire verpufft, weil Beobachtungen banal bleiben und die Figuren größtenteils reine Witzfiguren sind. Horror-Momente wie ein plötzlich auftauchendes Riesengehirn dienen keinem Zweck, Spannung oder Humor entstehen daraus nicht. Visuell wirkt der Film unausgereift: grelle Filter, schlechte Ausleuchtung, eintönige Wald- und Studio-Kulissen, die einfach nur billig wirken. Schauspieler:innen liefern fahrige, egal bleibende Performances. Selbst Blanchetts Merkel-Imitation bleibt ein müder Gag. „Tanz der Titanen“ stolpert von absurdem Motiv zu absurdem Motiv, ohne dass Logik, Stimmung oder Witz daraus entstünden. Eine filmische Idee ohne die passende Umsetzung, ein irritierendes Rätsel ohne Anleitung, das weder hübsch, noch lustig, noch bissig ist.

Platz 4

Bei vielen mit Sicherheit auf der eins der Jahresflops 2025, bei mir „nur“ auf der vier – aber die hat sich das während Corona entstandene Ice-Cube-Vehikel WAR OF THE WORLDS redlich verdient! Die Idee, die bekannte Geschichte vom „Krieg der Welten“ als Desktop-Thriller zu erzählen, ist eigentlich nicht schlecht. Doch so stümperhaft umgesetzt wie hier, wird daraus ein riesengroßes Trainwreck, bei dem man sich fragt, wie es überhaupt jemals das Licht des Streamingdienstes erblicken konnte. Ice Cube spielt irgendwo zwischen gar nicht und hoffnungslosem Overacting, die Computereffekte sind eine Katastrophe und die Story ist so komplett dämlich, dass der Ausruf „So schlecht, dass man es gesehen haben muss!“ hier endlich mal wieder aufrichtig von sich gegeben werden kann. „War of the Worlds“ ist keiner dieser irrelevanten Filme, deren Schlechtigkeit daraus entsteht, dass sie zum Gähnen langweilig sind. Das hier ist anders! Das hier ist grundehrliches Komplettversagen auf allen Ebenen. Vielleicht der „The Room“ seiner Streaminggeneration, den man in Zukunft als Beispiel dafür heranziehen wird, wie man einen Desktopthriller – bzw. eigentlich jeden Film nicht macht, wenn man sich nicht der Lächerlichkeit preisgeben will. Und ja: Da steckt durchaus eine Sehempfehlung drin!

Platz 3

Per se bin ich gar nicht schlecht auf Amy Schumer zu sprechen. Ich mag ihre Stand-Up-Programme und für die Judd-Apatow-Komödie „Dating Queen“ habe ich einen riesigen Sweet Spot. Doch mit der Netflix-Komödie IRGENDWIE SCHWANGER hat sich Schumer in diesem Jahr einen Bärendienst erwiesen – und allen Leuten neue Argumente dafür an die Hand, weshalb sie vielleicht doch nicht die beste Schauspielerin ihrer Generation ist. Das größte Problem des Films ist – neben des fehlenden Humors und der nahezu vollständigen Abwesenheit von Sympathie – die durch und durch ätzende Hauptfigur. Schumers Lainy tut so, als sei sie schwanger. Einfach weil man mit Schwangeren so viel netter umgeht, als mit Nichtschwangeren (ja, das ist ihre Logik!). Leider zieht sie diese Lüge auch dann noch durch, als sie anfängt, einen wirklich netten Typen zu daten. Klar, dass das nicht gut ausgehen kann… Nicht gut aus ging dieses Storykonzept auch bei „Irgendwie schwanger“, der wieder einmal gezeigt hat, dass Netflix ganz klar zwischen Content und Prestige-Projekt unterscheidet. Das hier konnte doch niemand ernsthaft für eine gute Filmidee gehalten haben…

Platz 2

Er war lange Zeit auf der Eins: SHADOW FORCE – DIE LETZTE MISSION schafft es, dass selbst ein generisch klingender Titel ehrlicher wirkt als der Film selbst. Joe Carnahans Actionthriller setzt auf das langweiligste Duo der Welt: Kerry Washington und Omar Sy als ehemals Liebende, deren Chemie so flach ist, dass man jede amouröse Spannung schlicht ignoriert. Ihr Wiedersehen mit dem gemeinsamen Sohn Ky soll emotional wirken, verpufft aber in platten Dialogen und nervigem „Kriegen sie sich oder nicht?“-Geplänkel. Die Shadow Force selbst ist die klischeehafteste Killertruppe seit Ewigkeiten, angeführt von einem Mark Strong, dessen Karikatur nie die Chance bekommt, über die Langeweile hinauszuwachsen. Action? Kaum der Rede wert. Setpieces in Kolumbien und eine eine Auto-Verfolgungsjagd an einer Küstenklippe sind die einzigen Lichtblicke in einem Meer von uninspirierten, langweiligen Szenen. Storylogik, physische Einschränkungen der Protagonisten und dramatische Momente werden stur eingeführt und wieder vergessen – faules Storytelling, das die lethargische Inszenierung nur unterstreicht. Und Humor und Charme fehlen einfach  vollständig. In diesem Jahr fühlte sich keine Zeit verschwendeter an, als die, die ich für diesen Kinobesuch aufgewendet habe!

Platz 1

MARCO führt meine diesjährige Flopliste mit einer Dreistigkeit an, die fast schon bewundernswert wäre, hätte der Film nicht so erbarmungslos jede Form von Geschmack über Bord geworfen. Was als Grenzgang verkauft wird, entpuppt sich als reiner Krawallkatalog, der seine eigene Leere mit möglichst viel Geschrei, Blut und testosterongeschwängerten Machophrasen kaschieren will. Selbst die immer wieder beschworene „Unerträglichkeit“ wirkt zusammengestückelt wie aus einer Checkliste für Skandalmarketing. Statt Figuren gibt es Karikaturen, statt Handlung monotones Wiederholen der immergleichen Rachefloskeln. Nach einer Stunde hofft man fast flehentlich, der Film möge endlich zu den angekündigten „Tabubrüchen“ kommen – nicht aus Spannung, sondern aus purer Verzweiflung über das endlose Gegurke davor. Doch auch das große Finale besteht nur aus hysterischem Lärm, der sich für mutig hält, während er eigentlich nur hilflos um Aufmerksamkeit bettelt. Am Ende bleibt nichts außer der Erkenntnis, dass „Marco“ zwar laut, brutal und bemüht schockierend ist – aber vor allem eines: unfassbar banal. Ein Film, der unbedingt anecken will und dabei nur zeigt, wie leer Provokation ohne Substanz wirklich ist.

 

In den nächsten Tagen folgen an dieser Stelle endlich meine Lieblingsfilme aus dem Jahr 2025!

One comment

Und was sagst Du dazu?