15 Liebesbeweise

Die französische Tragikomödie 15 LIEBESBEWEISE nimmt ihr Publikum mit auf eine Reise durch die Fallstricke französischer Adoptionsbürokratie – mal absurd, mal schmerzhaft real. Regisseurin und Autorin Alice Douard verwebt persönliche Erfahrungen mit fein beobachteten Momenten, die zwischen Humor und Ernst changieren. So entsteht eine Geschichte von Stärke, Verletzlichkeit und Entwicklung eines außergewöhnlich authentischen Paares. Nur der Humor, der trifft nicht immer ins Schwarze.

OT: Des preuves d’amour (FR 2025)

Darum geht’s

Céline (Ella Rumpf) ist Tontechnikerin und DJ. Ihre Frau Nadia (Monia Chokri) arbeitet im zahnärztlichen Notdienst. Obwohl sie nach der „Ehe für alle“ in Frankreich verheiratet sind, steht ihr Weg zur Elternschaft dennoch unter bürokratischem Druck. Nadia wird in wenigen Monaten ihr erstes Kind zur Welt bringen. Doch um auch als Nichtgebärende als Mutter anerkannt zu werden, muss Céline das Kind adoptieren. Dafür verlangt der Staat: 15 persönliche Briefe von Freunden und Verwandten, die bezeugen, dass sie der Aufgabe einer „guten“ Mutter gewachsen ist und das Kind lieben wird. Während Nadia mit Schwangerschaftsbeschwerden und ihrer Arbeit jongliert, versucht Céline sich auf das Elternsein vorzubereiten. Zugleich ringt sie mit den Erwartungen der Gesellschaft und der eigenen Familie: Besonders schwierig ist das Verhältnis zu ihrer Mutter (Noémie Lvovsky), einer bekannten Pianistin, die bislang wenig Kontakt mit ihr hatte.

Kritik

Seit dem 17. Mai 2013 – dem Tag, an dem das Gesetz „mariage pour tous“ (= „Ehe für alle“) in Kraft trat – können gleichgeschlechtliche Paare in Frankreich heiraten. Verheiratete lesbische Paare dürfen seitdem auch gemeinsam ein Kind adoptieren. Allerdings war ihnen der Zugang zu künstlicher Befruchtung zunächst nicht erlaubt. Erst mit dem Bioethik-Gesetz von 2021 erhielten lesbische Paare und alleinstehende Frauen das Recht, medizinische Methoden wie die In-vitro-Fertilisation (IVF) zu nutzen. Zuvor war dies ausschließlich heterosexuellen Paaren vorbehalten. Heute steht die Reproduktionsmedizin allen Frauen offen, sofern sie vorher ein Gespräch mit einem ärztlichen Fachteam führen. Trotz dieser Fortschritte gibt es weiterhin Hindernisse. Gleichgeschlechtliche Adoptionen sind in der Praxis noch selten. Wenn etwa ein verheiratetes Paar selbst ein Kind bekommt – zum Beispiel durch eine Samenspende –  muss die nichtgebärende Mutter ihre Elternschaft über ein eigenes Verfahren wie eine Stiefkindadoption oder eine formale Anerkennung der gemeinsamen Elternschaft rechtlich absichern. Zudem führen umfangreiche Nachweise, lange Bearbeitungszeiten und teils uneinheitliche Entscheidungen der Behörden dazu, dass bürokratische Verfahren oft langwierig und belastend sind. Hinzu kommen gesellschaftliche Vorbehalte sowie – bei der assistierten Befruchtung – ein Mangel an Samenspendern und das Verbot von Leihmutterschaft, die den Weg vieler lesbischer Paare zur Elternschaft zusätzlich erschweren.

Céline (Ella Rumpf) und Nadia (Monia Chokri) erwarten ihr erstes Kind.

Das klingt alles ganz schön kompliziert und trocken. Angenehmerweise führt einen die französische Tragikomödie „15 Liebesbeweise“ auf nicht annähernd so dröge Weise an den bisweilen absurden Akt der Adoption-Bürokratie heran. Die Regisseurin Alice Douard ließ in ihr Langfilmdebüt zahlreiche persönliche Erfahrungen mit einfließen, was man ihrer lebendig-authentischen Geschichte anmerkt. Leider verheddert sie sich in Sachen Humor hin und wieder in der Plakativität. Doch beginnen wir bei den positiven Aspekten, die sich in erster Linie in der Darstellung des Protagonistinnenpärchens wiederfinden. Die auch in Deutschland regelmäßig zu sehende Ella Rumpf („Tiger Girl“) und ihre Filmpartnerin Monia Chokri („Heartbeats“) mimen auf wundervoll lebensechte und dadurch mitreißende Weise das verheiratete Paar Céline und Nadia kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes. Auf der einen Seite beleuchtet „15 Liebesbeweise“ diese Phase mit all ihren Veränderungen für die inneren sowie äußeren Umstände der werdenden Eltern. Auf der anderen Seite konzentriert sich die Betrachtung von Céline primär auf den bürokratischen Adoptionsprozess. Wenn sie in einer der ersten Szenen einer Dame gegenübersitzt, die mit ihr im Detail sämtliche Etappen in ebendiesem durchkaut, kann man sich schnell ein Bild davon machen, mit was für Hindernissen sich das Paar noch konfrontiert sehen wird, solange bis endlich die Adoptionsurkunde übergeben ist und die Mutterschaft damit vollständig anerkannt ist.

„Immer wieder gerät Nadia auf fast schon hysterische Weise in Zweifel – auch hieraus kreiert Douard bewusst amüsante Momente. Nicht zuletzt, weil Céline ihrer Frau in diesen Szenen mit einer ausbalancierten Mischung aus Mitgefühl und Amüsement begegnet.“

Manchmal sind diese Momente vor allem deshalb so schmerzhaft, weil sie sich so realistisch anfühlen. Schon allein aus dem Kopfschütteln ob der Tatsache heraus, wie schwer man es homosexuellen Paaren im Vergleich zu heterosexuellen Paaren macht, tun einem Céline und Nadia oft leid. Umso bemerkenswerter ist es, mit welcher Stärke Alice Douard ihre Charaktere ausstattet. Die beiden Hauptfiguren kommen nie auch nur in die Nähe von Selbstmitleid. Stattdessen nehmen sie die Situation – wenn auch zähneknirschend – so hin, wie sie eben ist. Und besinnen sich in den besonders optimistischen Momenten auf all die schönen Dinge, die dem Paar und Bald-Eltern mit ihrem Kind bevorstehen werden. Abseits der organisatorischen Angelegenheiten handelt „15 Liebesbeweise“ aber auch davon, wie sich – vor allem für die schwangere Nadia – das Körpergefühl (oftmals unter dem sichtbaren Einfluss von Hormonen) ändert. Immer wieder gerät Nadia auf fast schon hysterische Weise in Zweifel – auch hieraus kreiert Douard bewusst amüsante Momente. Nicht zuletzt, weil Céline ihrer Frau in diesen Szenen mit einer ausbalancierten Mischung aus Mitgefühl und Amüsement begegnet. „15 Liebesbeweise“ fängt die Entwicklung einer Schwangerschaft so detailliert ein, dass man zu jedem Zeitpunkt das Gefühl bekommt, all das hier sei in höchstem Maße authentisch. Und egal, welchen Aspekt am Film man nun spannender findet – den Umgang mit den bürokratischen Hürden oder den emotionalen Reifeprozess des Paares – beiden Aspekten schenkt Alice Douard dieselbe Aufmerksamkeit.

Als Nichtgebärende sieht sich Céline mit den bürokratischen Hürden der Adoption konfrontiert.

Aus beiden Themengebieten heraus kreiert die Regisseurin und Autorin auch immer wieder klar humoristisch ausgelegte Momente. Leider fischt Alice Douard hierfür in bekannten und leider auch nicht wirklich originellen Gefilden.  Dass bei der Gruppenbegehung eines Kreißsaals ausgerechnet einer der anwesenden Männer einen Kreislaufzusammenbruch erleidet, mag für das anvisierte Zielpublikum besonders relatable sein (zumindest war es einer der größten Lacher in der Kinovorstellung), aber alles um diese Szene herum lässt „15 Liebesbeweise“ ins allzu Alberne abrutschen. Auch ein Pipikaka-Unfall mit einem von Céline probeweise beaufsichtigten Baby sowie ein hysterischer Nervenzusammenbruch Nadias begnügen sich mit wenig subtilem Auf-die-Zwölf-Humor, wodurch sie sich stark vom sonst so nuancierten Erzählumfeld abheben. Nein, als reine Schwangerschaftskomödie ist „15 Liebesbeweise“ nicht sonderlich geglückt. Doch glücklicherweise gelingt Alice Douard der emotionale sowie erzählerische Spagat in den meisten Fällen, sodass am Ende doch klar die positiven Aspekte überwiegen. Insbesondere ihrer Darstellung der zwischenmenschlichen Weiterentwicklung von Céline und Nadia kristallisiert sich schnell als das schlagende Herz des Films heraus.

„Der Subplot rund um die unterkühlte Mutter-Tochter-Beziehung, denen Douard auch genauer auf den Grund zu gehen versucht, wirkt leider reichlich gehetzt und dadurch auf eher simple Allgemeinplätze reduziert.“

Einem weiteren Nebenhandlungsstrang hätte Douard derweil gern noch etwas mehr Aufmerksamkeit schenken dürfen. Im Zuge des Adoptionsprozesses sollen sich die werdenden Mütter eine Art „Empfehlungsschreiben“ für die später adoptierende Céline einholen – von möglichst vielen Menschen aus ihrem privaten Umfeld. Das bringt Céline und ihre Mutter zwangsläufig wieder zusammen. Der Subplot rund um die unterkühlte Beziehung der beiden, denen Douard auch genauer auf den Grund zu gehen versucht, wirkt leider reichlich gehetzt und dadurch auf eher simple Allgemeinplätze reduziert. Am Ende läuft es primär darauf hinaus, dass die Karriere-Mum ihr Kind für den Erfolg verlassen hat. Dass darunter die Mutter-Tochter-Beziehung zu leiden hatte, ist wahrlich keine neue Erkenntnis. Aber manchmal muss man Dinge auch nicht unnötig kompliziert machen. Am Ende bleibt doch ein zumeist ansprechender Film zurück, dessen Hauptfiguren man gern bis hinein in den Kreißsaal folgt.

Zu ihrer Mutter (Noémie Lvovsky) hat Céline ein schwieriges Verhältnis.

Fazit: „15 Liebesbeweise“ überzeugt vor allem durch seine warmherzige Authentizität und die starke Zeichnung des zentralen Paares. Trotz manch plakativer Humorentscheidung und eines verschenkt wirkenden Nebenplots bleibt der Film emotional stimmig. Alice Douard gelingt ein berührender Spagat zwischen Bürokratiekritik und Paarentwicklung. Unterm Strich überwiegt ein sympathisches, nahbares Gesamtbild.

„15 Liebesbeweise“ ist ab dem 4. Dezember 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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