Bride Hard

Action trifft Altar – was nach einer originellen Mischung klingt, entpuppt sich in BRIDE HARD als wackliger Spagat zwischen Krawallkino und Hochzeitskomödie. Rebel Wilson stolpert als Geheimagentin im Brautjungfernkleid von Junggesellinnenabschied zu Terroranschlag, doch wo Funken sprühen sollten, prallen die Genres meist nur krachend aufeinander.

OT: Bride Hard (USA 2025)

Darum geht’s

Sam (Rebel Wilson) ist Geheimagentin, die neben ihrem gefährlichen Job auch die Rolle als Trauzeugin ihrer besten Freundin Betsy (Anna Camp) übernehmen soll. Doch während Betsy mitten in den Hochzeitsvorbereitungen steckt, wird die Zeremonie von Terroristen überfallen. Sam muss nun im Brautjungfernkleid ihre beiden Welten miteinander vereinen: Sie versucht, ihre Freundinnen zu unterstützen, die Hochzeitsgesellschaft zusammenzuhalten und gleichzeitig die Angreifer mit allen Mitteln außer Gefecht zu setzen. Als sich schließlich auch die übrigen Brautjungfern bewaffnet zur Wehr setzen, entwickelt sich die chaotische Feier zur wilden Schlacht zwischen Liebe, Freundschaft und jeder Menge Explosionen.

Kritik

Während das Actionkino dank „John Wick“ und Co. seit einigen Jahren wieder schwer angesagt ist, ist die klassische Komödie aus den Lichtspielhäusern so gut wie verschwunden. Gelacht werden darf immer noch. Dann aber zumeist in Kombination mit anderen Genres oder eben auf den zahlreichen Streamingdiensten. Schon am Filmtitel zeigt sich: „Bride Hard“ würde nun gern beides kombinieren: Mid-Budget-Action (man beachte das an „Die Hard“ angelehnte „Hard“ im Titel) und seichte Hollywoodcomedy à la „Bridesmaids“, „Bride Wars“, „Runaway Bride“ und Co. Wie bei solchen Genreclashes häufig zu beobachten, ist Actionspezialist Simon West („Wild Card“) dieses Unterfangen nur bedingt geglückt. Seine raue Inszenierung und das von Shaina Steinberg („Chase“) und Cece Pleasants verfasste Skript einer gefälligen Hochzeitskomödie beißen sich zunehmend, sodass – wieder einmal – weder die eine Seite noch die andere vollends befriedigt den Kinosaal verlassen wird. Das Ergebnis ist ein halbgarer Genrehybrid, der in seinen stärksten Momenten immerhin ein bisschen sympathisch ist.

Virginia (Anna Chlumsky), Braut Betsy (Anna Camp), Zoe (Gigi Zumbado), Sam (Rebel Wilson) und Lydia (Da’Vine Joy Randolph).

Direkt in den ersten zehn Minuten offenbaren sich die Widersprüchlichkeiten, die „Bride Hard“ konsequent in sich trägt. Der Film beginnt damit, dass Protagonistin und Trauzeugin Sam ihrer Bride to be-Freundin Betsy einen Junggesellinnenabschied in einem Stripclub mit tanzenden Wikingern (!) bereitet, nur um die Party kurz darauf zu verlassen und in ihrem Job als Geheimagentin ein paar fiese Gesellen auszuschalten. Infolge dieser inszenatorischen Zweiteilung kommt weder das eine noch das andere so richtig zur Geltung, denn sowohl die Szenen in der Bar als auch die Kampfeinheiten in einer dunklen Gasse werden immer wieder unterbrochen, um zum jeweils anderen Setting zurückzuspringen. Damit können weder das Kampfintermezzo der Hauptfigur noch die Eskapaden der zunehmend alkoholisierten Girlgang auf einen Höhepunkt zusteuern. Wenn Sam sämtliche Ganoven dingfest gemacht und sich Betsy bis zur Kotzerei getrunken hat, kommt unweigerlich ein „Wie und das war’s jetzt?“-Gefühl auf. Am ehesten steuert dieser zweigeteilte Auftakt noch auf ein ernstes Gespräch zwischen den beiden Freundinnen zu, in dem Betsy Sam die Aufgabe als Trauzeugin entzieht, da diese sich während der Hochzeitsvorbereitungen immer wieder aufgrund ihres geheimen Jobs aus dem Staub gemacht hat.

„Während uns der Streit zwischen Annie und Lillian in ‚Brautalarm‘ äußerst hart trifft, weil wir die innige Freundschaft der beiden zuvor über eine Stunde lang intensiv verfolgt haben, ist von der Chemie zwischen Sam und Betsy nichts zu spüren.“

Das ist eigentlich ganz schön dramatisch und erinnert natürlich unweigerlich an Paul Feigs modernen Komödienklassiker „Brautalarm“. Sogar eine aus dem Hut gezauberte „neue beste Freundin“, die dato einst leidenschaftlich ätzend von Rose Byrne verkörpert wurde, gibt es hier. Doch einen emotionalen Impact hat es in dem Moment nicht. Während uns der Streit zwischen Annie und Lillian in „Brautalarm“ äußerst hart trifft, weil wir die innige Freundschaft der beiden zuvor über eine Stunde lang intensiv verfolgt haben, ist von der Chemie zwischen Sam und Betsy nichts zu spüren. Kann es auch gar nicht, denn gemeinsame Szenen haben die beiden bis zum Streit ja so gut wie nicht. Als Grundlage für eine Geschichte, in der es (auch) im Frauenfreundschaft und weiblichen Zusammenhalt geht, ist das fast schon das Todesurteil. Wer sich in diesen Momenten hervortun kann, ist immerhin Anna Chlumsy („Inventing Anna“), die als Quasi-Nachfolgerin von Rose Byrne zwar nicht deren unvergleichliche Gravitas und Selbstsicherheit erreicht, als fiese Spitzen verteilende Neu-Brautjungfer mit Planungskomplex jedoch sichtliche Spielfreude mitbringt.

Zoe und Lydia werden vom Überfall auf der Hochzeit überrascht.

Das gilt auch für die anderen Brautjungern-Darstellerinnen. Da’Vine Joy Randolph („Shadow Force – Die letzte Mission“) trägt eine gleichermaßen genüssliche wie über alles erhabene Null-Bock-Attitüde vor sich her, während sich Gigi Zumbado („Heart Eyes“) einige amüsante Scharmützel mit ihrem Ehemann liefert, der sie während des Überfalls auf die Hochzeitszeremonie in bester „Höhere Gewalt“-Manier ihrem Schicksal überlässt. Dem eher oberflächlichen Skript ist es zwar anzulasten, dass es diesen spannenden Konflikt nicht weiter verfolgt (dafür wäre in diesem Filmumfeld auch gar kein Platz), aber für einige lustige Spitzen zwischen den beiden Eheleuten reicht es trotzdem. Überhaupt machen an „Bride Hard“ vor allem die Neckereien zwischen den Geschlechtern Laune, denn das Motiv der sich gegenseitig zerfleischenden Frauen, die sich in der ersten Filmhälfte voll auf die eigentlich nur zwischen Beruf und Privatleben hadernde Sam eingeschossen haben, ist längst ausgelutscht – und heutzutage auch eigentlich nicht mehr wirklich zeitgemäß. Das gilt übrigens auch für das insbesondere in den USA so beliebte Bridezilla-Motiv.

„Die Komödien- und weiblichen Buddymovie-Elemente funktionieren in der ersten Hälfte also schon mal nicht ganz so gut. In der zweiten dagegen – ausgerechnet dann, wenn sich endlich auch die Action Bahn bricht – fühlt sich ‚Bride Hard‘ dann plötzlich runder an.“

Die Komödien- und weiblichen Buddymovie-Elemente funktionieren in der ersten Hälfte also schon mal nicht ganz so gut. In der zweiten dagegen – ausgerechnet dann, wenn sich endlich auch die Action Bahn bricht – fühlt sich „Bride Hard“ dann plötzlich runder an. Ganz so, als wäre es den Autorinnen leichter gefallen, ihre Hauptfiguren mithilfe des Actionsettings respektive des Gut-gegen-Böse-Kampfes aus dem alleinigen Hochzeitsumfeld herauszuholen und stattdessen zu kämpfenden Amazonen zu machen. Zunächst darf sich die überraschend nahkampffertige Rebel Wilson („Pitch Perfect“) noch alleine behaupten, später gesellen sich ihre bewaffneten Freundinnen hinzu. Da Simon West das (zumindest Midbudget-)Actionkino aus dem Effeff beherrscht, geraten die Kampfsequenzen durchaus ansehnlich. Zumindest solange dem auf der Zielgeraden keine miesen Computereffekte im Weg stehen. Die eher einfältig gezeichneten Widersacher erfüllen zwar ausschließlich ihren Zweck als kampfwütige Terroristen, aber für einen Film dieses Kalibers reicht das. Und wenn sich die Frauen dann endlich zusammentun und ihre Ego-Streitereien abzulegen um als Gemeinschaft zu kämpfen, kommt schließlich auch der bereits zu Beginn noch eher kläglich heraufbeschworene Teamspirit auf, den „Bride Hard“ von Anfang an so dringend benötigt hätte.

Kurt (Stephen Dorff) crasht mit seinen Handlangern die Hochzeit.

Fazit: „Bride Hard“ scheitert weitgehend an seinem Versuch, Action und Komödie miteinander zu vereinen. Während die ersten Filmhälften von zähen Tonbrüchen, schwacher Figurenzeichnung und einer missglückten Hochzeitskomödien-Dynamik geprägt sind, gewinnt der Film erst im Actionfinale etwas an Fahrt. Dank solider Kampfszenen und einem späten Teamspirit blitzt zwar stellenweise Unterhaltung auf, doch insgesamt bleibt ein unausgereifter Genrehybrid zurück, der weder als Komödie noch als Actionfilm wirklich überzeugt.

„Bride Hard“ ist ab dem 28. August in den deutschen Kinos zu sehen.

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