Drachenzähmen leicht gemacht
Mit einem Hang zur Perfektion nahm sich DRACHENZÄHMEN LEICHT GEMACHT-Regisseur Dean DeBlois des Auftrags eines Realfilmremakes an und profitiert von einer einzigartigen Welt, einer zeitlosen Geschichte und bereits liebgewonnenen Figuren. Das Endergebnis ist quasi makellos.
Darum geht’s
Die raue Wikingerinsel Berk wird regelmäßig von Drachen überfallen. Die Bewohner sind längst kampferprobt und haben die Tiere zu Feindbildern erklärt. Hicks (Mason Thames), ein junger Wikinger und Sohn des Anführers Haudrauf (Gerard Butler), unterscheidet sich deutlich von seinen Stammesgenossen: Er ist eher schmächtig, denkt viel nach und tut sich im Kampf schwer – was ihn zur Außenseiterfigur macht. Während eines weiteren Drachenangriffs gelingt es Hicks, einen der gefährlichsten Drachen überhaupt – einen Nachtschatten – mit einer selbstgebauten Vorrichtung abzuschießen. Als er das verletzte Tier im Wald aufspürt, bringt er es jedoch nicht fertig, es zu töten. Stattdessen entwickelt sich eine Art Freundschaft zwischen Hicks und dem von ihm getauften Ohnezahn. Im Verlauf ihrer Beziehung erkennt Hicks, dass Drachen keineswegs wilde Bestien sind, sondern intelligente, sensible Wesen, die missverstanden werden. Doch wie soll er davon den Rest seines Stammes – und vor allem seinen Vater – überzeugen?
Kritik
Wenn man an Realfilmremakes von Animationsklassikern denkt, kommt einem natürlich zu aller erst Disney in den Sinn. Kein Wunder: Die Veröffentlichungsstrategie des Mäusekonzerns sieht es seit einigen Jahren vor, hauptsächlich moderne Neuauflagen des hauseigenen Katalogs zu realisieren. Originäre Stoffe sind – zumindest derzeit – eher eine Ausnahmeerscheinung. Doch der Erfolg gibt den Verantwortlichen Recht (Ausnahmen wie der aktuelle Flop von „Schneewittchen“ bestätigen die Regel). Man schaue nur auf die sensationellen Zahlen des aktuell in den Kinos zu sehenden „Lilo & Sticht“-Films. Es war also nur noch eine Frage der Zeit, bis die Konkurrenz nachziehen würde. Und was böte sich da für Dreamworks mehr an als der vermutlich größten Marke „Drachenzähmen leicht gemacht“, die seit Neuestem sogar einen eigenen Theme-Park-Bereich in den Universal Studios in Orlando besitzt, ebenfalls einem ach so modernen Realfilm-Makeover zu unterziehen? Und zwar so nah am Original, dass man in einzelnen Szenen kaum mehr unterscheiden kann, ob es sich hier um den 3D-Film, oder aber um das Remake handelt…
Nicht nur die Beliebtheit des Franchises eignet sich ganz hervorragend, um eine neue Generation (und mit Sicherheit auch Teile der einst mit dem Animationsfilm aufgewachsenen) für die Drachenabenteuer rund um Hicks und Ohnezahn zu begeistern. Schließlich ist der Stoff zeitlos, kommt ohne viel Schnickschnack aus und hat großartige Charaktere – egal ob mit oder ohne Flügel – hervorgebracht. Auch die Inszenierung des Ausgangsstoffes ist perfekt dafür geeignet, als Realfilm umgesetzt zu werden. Waren doch schon „Drachenzähmen leicht gemacht 1-3“ dafür bekannt, sich für ihre Visualität an einer ganz klassischen Kameraarbeit zu orientieren. Nicht umsonst stand die Kinematografie-Legende Roger Deakins den Kreativen als „visueller Berater“ zur Seite. Sicherlich mit ein Grund, weshalb sich insbesondere die Action- und Flugsequenzen in den „Drachenzähmen“-Filmen so wahnsinnig dynamisch anfühlen. Gleichzeitig kann man unter diesen Voraussetzungen aber auch die Frage stellen: Wenn die Animationsfilme ja schon so „realfilmisch“ aussehen, wozu benötigt es dann überhaupt noch ein vollständiges Remake? Einen 2D-Zeichentrickklassiker wie „Lilo & Stitch“ in ein Realfilmgewand zu hüllen, setzt ja zumindest optisch schon mal ganz neue Akzente.
„Auch die Inszenierung des Ausgangsstoffes ist perfekt dafür geeignet, als Realfilm umgesetzt zu werden. Waren doch schon ‚Drachenzähmen leicht gemacht 1-3‘ dafür bekannt, sich für ihre Visualität an einer ganz klassischen Kameraarbeit zu orientieren.“
So viel seit vorweg gesagt: Der neue „Drachenzähmen leicht gemacht“ tut dies nicht. Im Gegenteil: Der bereits für das Original verantwortliche Regisseur Dean DeBlois orientierte sich für sein Remake merklich an der Vorlage. Teilweise wurden Kamerafahrten, Dialoge und Designs eins zu eins übernommen. Die größte Varianz zum Ausgangsfilm besteht darin, dass einige Charaktere eine größere Ausarbeitung erfahren, Nebenhandlungsstränge etwas ausgefeilter wirken und manch ausladendes Actionsetpiece noch ein bisschen ausladender sein darf. Damit ist der „Drachenzähmen leicht gemacht“ von 2025 rund 20 Minuten länger als der Animationsfilm – und ob man es glaubt oder nicht: Aufgeblasen fühlt sich daran überhaupt nichts an. Die Änderungen zum Original sind schlüssig gewählt und verhelfen der Filmrealität zu noch mehr Profil. Ob die Filmlänge mit ihren über zwei Stunden allerdings noch „kinderfilmtauglich“ ist, steht zu bezweifeln.

Nachdem er ihm bereits im Animationsfilm die Stimme leihen durfte, wird Haudrauf auch in der Neuauflage von Gerard Butler gespielt.
Gleichwohl darf überhaupt die Frage aufgeworfen werden, inwiefern sich der neue „Drachenzähmen leicht gemacht“ überhaupt noch an die Allerjüngsten richtet. Die visuelle Comichaftigkeit fehlt hier völlig. Des Weiteren fühlt sich die Interaktion der Figuren deutlich ernsthafter an als im Original. Vor allem das Zusammenspiel von Mason James („The Black Phone“) und Gerard Butler („Criminal Squad 2“) besitzt einen deutlich dramatischeren Unterbau, sodass die Dialoge zwischen Vater und Sohn hier sogar richtig wehtun können. Insbesondere Haudraufs Enttäuschung ob seines Sohns und dessen Werdegang geht ehrlich zu Herzen. Im Original wurden derartige Szenen häufig noch mit einem (verbalen oder optischen) Gag aufgelöst. „Drachenzähmen leicht gemacht 2025“ ist im Kern ein herbes Familiendrama über Verlust, Identitätsfindung und die Akzeptanz des Andersartigen. Der in der Vorlage immer wieder durchschimmernde, oft auch von Slapstick herrührende Humor kommt hier nur noch vereinzelt durch. Insofern könnte man hier von einer deutlich reiferen Auslegung des bekannten Stoffes sprechen, wenngleich junge Kinogängerinnen und Kinogänger gerade an den epischen Flug- und Actionszenen nach wie vor ihre helle Freude haben werden.
„Unter dem Gesichtspunkt, dass der erste ‚Drachenzähmen‘-Teil bereits 15 Jahre auf dem Buckel hat und visuell ein wenig in die Jahre gekommen ist, lässt sich sogar von einer gewissen optischen Überlegenheit sprechen. Auch wenn der Nostalgiefaktor dem Original bis heute einen unvergleichlichen Charme verleiht.“
Und am besten sollte man all das auf der großen Kinoleinwand sehen. Denn „Drachenzähmen leicht gemacht“ sieht schlicht und ergreifend phänomenal aus. Die sowohl am Computer als auch mithilfe von Drachen-Attrappen entstandenen Momente zwischen Mensch und Flugtier fühlen sich durch und durch real an. Auch die zum Großteil handgemachten Sets besitzen dank ihrer Detailverliebtheit eine spürbare Haptik. Unter dem Gesichtspunkt, dass der erste „Drachenzähmen“-Teil bereits 15 Jahre auf dem Buckel hat und visuell ein wenig in die Jahre gekommen ist, lässt sich sogar von einer gewissen optischen Überlegenheit sprechen. Auch wenn der Nostalgiefaktor dem Original bis heute einen unvergleichlichen Charme verleiht. Doch am Ende muss man sagen: „Drachenzähmen leicht gemacht“ ist in seiner Realfilmvariante nahezu makellos. Die zeitlose Geschichte, die hervorragende technische Umsetzung und die absolut schlüssigen Ergänzungen zum bisherigen Stoff machen den neuen Film instant zu einem neuen Meilenstein des Familien-Abenteuerkinos. Inwiefern dieser allerdings auch von jenen angenommen wird, die mit dem Original groß geworden sind, ist vermutlich einfach eine Frage des eigenen Geschmacks – und der eigenen Meinung darüber, ob man den gleichen Film wie vor 15 Jahren noch einmal benötigt.
Fazit: Visuell genauso überbordend wie das Original, stimmig um einige Handlungsdetails ergänzt und voller Tempo, Liebe und – wenngleich etwas weniger – Witz: „Drachenzähmen leicht gemacht“ steht seiner Vorlage in absolut nichts nach und macht manche Dinge sogar besser. Trotzdem fehlt natürlich das Gefühl des Originären. Und wer das alles schon kennt, wird vermutlich längst nicht mehr so verzaubert sein, wie damals vor eineinhalb Jahrzehnten.
„Drachenzähmen leicht gemacht“ ist ab dem 12. Juni 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.


