Terrifier 3
Ein Splatter-Horrorfilm nach „Schema Porno“: Erneut liefert Regisseur und Autor Damien Leone mit TERRIFIER 3 ein Gewaltfest ab, das im aktuellen Genrekino seinesgleichen sucht. Aber auch das Achtfache des Vorgänger-Budgets machen altbekannte Schwächen nicht wett.
Darum geht’s
Nachdem sie dem brutalen Tod durch Killerclown Art nur knapp von der Schippe gesprungen ist, ist Sienna (Lauren LaVera) schwer traumatisiert. Da kommt ihr das anstehende Weihnachtsfest gerade recht. Ist diese Zeit doch eigentlich von Besinnlichkeit, Harmonie und ein gemütliches Beisammensein geprägt. Doch der totgeglaubte Art (David Howard Thornton) lebt – und macht sich im Weihnachtsmannkostüm und gemeinsam mit seiner nicht minder sadistischen Weggefährtin Victoria (Samantha Scaffidi) auf die Jagd nach allem, was atmet. Erneut muss Sienna den Kampf gegen Art aufnehmen, um Schlimmeres zu verhindern…
Kritik
Mit Nachrichten von aus dem Saal flüchtenden, kotzenden und sich in Superlativen ob der gezeigten Gewalt überbietenden Menschen läuft die Marketingkampagne für „Terrifier 3“ von alleine. Wie auch schon beim Vorgänger, der seinen Status als Mega-Überraschung an den Kinokassen vorwiegend durch Mundpropaganda erreichte. Denn sowas wie in „Terrifier 2“ findet man heutzutage eigentlich nur noch im B-Movie-Bereich. Selbst im Indie-Kino wird nicht (mehr) ansatzweise so krass gesplattert, wie es Regisseur Damien Leone und sein schnell zur Killer-Ikone aufgestiegener Art der Clown dieser Tage tun. Prompt spielte „Terrifier 2“ bei einem Budget von gerade einmal 250.000 US-Dollar über 15 Millionen (!) wieder ein – und die Fortsetzung ist auf dem besten Wege, es dem Vorgänger gleichzutun. Hat dieser sich zum Start doch sogar gegen den anderen Clown durchgesetzt, der derzeit über die Leinwand flimmert und „Joker 2: Folie à Deux“ vom Thron gestoßen. Es ist schon erstaunlich, was Leone aus seiner einstigen Kurzfilm- und Videothekenfigur Art herausgeholt hat…
… und es ist umso spannender, zu sehen, was der Filmemacher nun anstellt, wo ihm diesmal doch ein Budget zur Verfügung stand, das um ein Achtfaches höher ist. Zwei Millionen Dollar durfte Leone für „Terrifier 3“ in die Hand nehmen und erneut nach eigenem Gutdünken inszenieren. Dass man da automatisch eine weitere Steigerung in allen Belangen erwartet, versteht sich von selbst. Im Klartext bedeutet das: noch mehr Gewalt. Auch wenn jene aus „Terrifier 2“ kaum noch zu toppen ist. Denn Art der Clown hat nur eine einzige Motivation und die lautet: Sadismus. Die meisten, wenn nicht gar alle bekannten Horrorikonen haben immerhin eine leicht durchschimmernde Agenda, nach der sie ihre Opfer niedermetzeln. Meist basiert diese auf Rache (Michael Meyers, Jason Vorhees, Freddy Kruger…), manchmal auf einer fragwürdigen Vorstellung von Moral (Jigsaw) oder auch einfach nur auf der perversen Neugier, was „in den weiteren Regionen der Erfahrung“ passiert (Pinhead und die Zenobiten). Art dagegen ist einfach nur besessen davon, seinen Opfern größtmögliche Schmerzen und Qualen zuzufügen. Dies gipfelte in Teil zwei in einer mehrere Minuten andauernden, gefühlt allerdings nie endenden Szene, in der Art seinem Opfer – unter anderem – die Gedärme aus dem Leib zieht und die Wunden anschließend mit Salz einreibt. Unmenschliche Qualen eben.
„Anstatt sich primär auf den Überlebenskampf der Kanonenfutter-Teens zu konzentrieren und die Geschichte aus ihrer Perspektive zu erzählen, nehmen Arts Wiederauferstehung von den Toten sowie sein tödlicher Streifzug durch Miles County genauso viel Erzählzeit ein.“
Im Splatterkino, insbesondere der Achtzigerjahre, waren die Kills schon immer rabiat. Egal ob mit der Kettensäge, einer Spitzhacke oder anderweitigen Waffen machten die Täter Jagd auf ihre Opfer. Damien Leone orientiert sich mit seinen „Terrifier“-Filmen stilistisch stark an den bekannten Vorbildern, indem sich sein rougher Look und die durch und durch fiebrige Atmosphäre aus Versatzstücken von „Freitag, der 13.“, „Nightmare on Elm Street“ und Co. zusammensetzen. Selbst Wes Cravens makaberer, dabei nie konkret kopierte, sondern von sich von Leone vollständig zu Eigen gemachter Humor findet sich an einigen Stellen von „Terrifier“ wieder. Der große Unterschied zu den oben genannten Filmreihen ist, neben der handwerklich längst noch nicht so stilsicheren Inszenierung, dagegen die Zeit, die Leone seinem Killer einräumt. Anstatt sich primär auf den Überlebenskampf der Kanonenfutter-Teens zu konzentrieren und die Geschichte aus ihrer Perspektive zu erzählen, nehmen Arts Wiederauferstehung von den Toten sowie sein tödlicher Streifzug durch Miles County genauso viel Erzählzeit ein. Sienna, die Überlebende aus Teil zwei, wird trotz ihrer nicht geringen Screentime zur Randfigur. Dabei schreibt der auch für das Skript verantwortliche Leone seiner Protagonistin diesmal sogar ein in der Psychologie bekanntes Syndrom zu und konfrontiert sie mit einer Überlebensschuld gegenüber ihrer in Teil zwei verstorbenen Freundin Brooke. Diese taucht im Film immer mal wieder in Form einer Wahnvorstellung auf und könnte Sienna dadurch eine schmerzliche Tiefe verleihen. Doch leider bleibt Leone dabei an der Oberfläche.
Ganz anders als bei Art und seiner Weggefährten Victoria, die zunächst Arts Kopf gebiert und ihm anschließend auf seinem tödlichen Streifzug folgt. Die beiden metzeln sich durch eine Krankenhauscrew, am Weihnachtsabend durch eine nichtsahnende Familie samt kleiner Tochter, eine Gruppe von Kindern in einem Kaufhaus, durch ein Treffen verkleideter Weihnachtsmanndarsteller, ein in einer Dusche kopulierendes Pärchen und natürlich durch Siennas Familie und Freunde. Dabei greift Art einmal mehr zu variantenreichen Mordwerkzeugen – von flüssigem Stichstoff über die gute alte Axt bis hin zu der pervertierten Abwandlung einer Dschungelprüfung mit Ratten (!) kennen Damien Leones filmische Mordfantasien keine (Geschmacks-)Grenzen – spätestens, wenn sich Victoria mit einem Messer selbst befriedigt, während Art der Clown einem Mann das Gesicht abzieht, ist die Gangart klar. Eine ähnlich ikonische Szene wie der legendäre Bett-Kill in „Terrifier 2“ fehlt indes; Allerdings kursiert im Internet bereits die „Duschszene“ als vergleichbarer Gewalthöhepunkt, die in Sachen Länge und ausgelebter Sadismus allerdings längst nicht mehr so schockierend daherkommt, wie die so unvermittelt über ihr Publikum hereinbrechende Gewalteruption im Vorgänger. Dass die Morde an den Kindern in „Terrifier 3“ gar nur im Off stattfinden, wirkt – der zweifelsohne dennoch fragwürdigen Moral hinter solch einer solchen Szene zum Trotz – sogar fast so, als würde Leone langsam „zahm“ werden.
„Während die zig Gallonen Kunstblut die Leinwand nach und nach rot färben, sammeln sich darüber hinaus Gliedmaßen, Gedärme und Co. in einer Schlagzahl an, die im modernen Horrorkino ihresgleichen sucht. Trotzdem bleibt auch ‚Terrifier 3‘ ein Film, der als Gesamtwerk kaum funktioniert.“
Trotzdem bleibt auch „Terrifier 3“ ein Horrorfilm der harten, derben Gangart, zu dessen Höhepunkten, neben dem voll und ganz in der Rolle des Clowns aufgehenden David Howard Thornton, einmal mehr die handgemachten Trickeffekte gehören. Während die zig Gallonen Kunstblut die Leinwand nach und nach rot färben, sammeln sich darüber hinaus Gliedmaßen, Gedärme und Co. in einer Schlagzahl an, die im modernen Horrorkino ihresgleichen sucht. Trotzdem bleibt auch „Terrifier 3“ ein Film, der als Gesamtwerk kaum funktioniert. Dafür hat Leone an so etwas wie einer Story oder einer mitfühlenden Figurenentwicklung nach wie vor zu wenig Interesse und versteht alles zwischen den ausufernden Gewalteskapaden lediglich als Mittel zum Zweck. Es würde nicht wundern, sollte der Film im Heimkino nach „Schema Porno“ geschaut werden, sich die Zuschauer:innen also von Kill-Setpiece zu Kill-Setpiece skippen, ohne der Handlung dazwischen irgendeine Bedeutung beizumessen. Verpassen würden sie dabei tatsächlich nichts.
Fazit: „Terrifier 3“ fühlt sich überraschenderweise nicht wie der nächste Schritt zum ultimativen Splatter-Erlebnis des schlechten Geschmacks an, wie man es nach dem Grenzen sprengenden Vorgänger erwartet hätte. Es bleibt zwar ein Film der brachialen Gewalteruptionen, allerdings ohne eine nennenswerte Steigerung zum Vorgänger und mit demselben Problem, dass Damien Leone alles zwischen den Kill-Setpieces erneut nur als notgedrungene erzählerische Haftcreme versteht.
„Terrifier 3“ ist ab dem 31. Oktober 2024 in den deutschen Kinos zu sehen.



Wow, das klingt, als würde Terrifier 3 genau da weitermachen, wo der zweite Teil aufgehört hat – nur eben mit noch mehr Budget und genauso krassem Fokus auf Sadismus und Blut. Damien Leone scheint sich wohl nicht besonders um Story oder Charakterentwicklung zu scheren und setzt einfach darauf, die Gore-Schraube noch weiter anzuziehen. Einerseits finde ich es beeindruckend, wie er Art zu einer echten Kultfigur gemacht hat und sich stilistisch auf Klassiker der 80er bezieht, aber andererseits frage ich mich auch, ob das dann nicht irgendwann den Reiz verliert, wenn es immer nur um noch extremere Kill-Sequenzen geht. Der Vergleich mit „Schema Porno“ ist hier echt passend, weil man offenbar von einem Kill zum nächsten springen könnte, ohne wirklich was zu verpassen. Für Hardcore-Splatterfans sicher ein Muss, aber ich bin mir nicht sicher, ob das allein reicht, um wirklich lange im Gedächtnis zu bleiben. Jedenfalls bin ich gespannt, wie die Leute darauf reagieren werden!