Screamboat

Die Rechte am Walt-Disney-Cartoon „Steamboat Willie“ sind gerade erst erloschen, da taucht die ikonische Maus bereits in den ersten zwei Horrorschockern auf. Während einer davon vergessenswert ist, ist SCREAMBOAT immerhin sympathisch. Trotzdem fehlt noch viel zu einem amüsanten Trashvergnügen.

OT: Screamboat (USA 2025)

Darum geht’s

Als eine Gruppe junger Erwachsener des Nachts die letzte Fähre nach New York nimmt, ahnt sie nicht, dass auf dem Schiff Grauenvolles vonstatten geht. Ein mordendes Mauswesen namens Willie (David Howard Thornton) mit tragischer Vergangenheit sinnt auf Rache, nachdem es über viele Jahre in einem Lagerraum eingesperrt war. Nachdem es sich endlich befreien kann, gilt es, diese Gelüste zu befriedigen. Fortan hinterlässt Willie eine blutige Schneise der Verwüstung, denn von so einem Schiff gibt es kein Entkommen…

Kritik

Seit die exklusiven Nutzungsrechte an diversen fiktionalen Kinder- und Jugendikonen ausgelaufen sind, arbeitet sich das Horrorkino munter an diesen ab. Den Anfang machten die beiden, nur leidlich spannenden sowie qualitativ äußerst ausbaufähigen „Winnie Pooh – Blood & Honey“-Filme, die unter anderem eine blutige Neuinterpretation von „Bambi“ sowie „Peter Pan“ nach sich zogen. Das alles zusammengefasst unter dem Label „Twisted Childhood Universe“, dem noch in diesem Jahr „Pinocchio“ und ein weiterer „Winnie Pooh“-Film folgen werden. Nun hat die Crew rund um die beiden Produzenten Scott Jeffrey und Rhys Frake-Waterfield ebenjene Rechte ja auch nicht exklusiv für sich gepachtet. Genau darum geht es bei diesem Erlöschen der entsprechenden Copyrights ja. Ab sofort kann einfach jeder Filmschaffende all diese Figuren in einen eigenen Genrefilm verpflanzen. Und das geschieht auch. Kurz nachdem der Walt-Disney-Cartoon „Steamboat Willie“, der unter anderem als Logo von Walt Disney Animation genutzt wird, zur Public Domain wurde, sprossen gleich zwei Horror-Adaptionen rund um die ikonische Kapitäns-Maus aus dem Boden. Und ironischerweise haben sie beide überhaupt nichts mit dem „Twisted Childhood Universe“ zu tun.

„Art, der Clown“-Darsteller David Howard Thornton schlüpft in das Kostüm von Killermaus Willie.

Während der vor Kurzem erst erschienene Direct-to-DVD-Slasher „The Mouse Trap“ in seiner Billig- und Lieblosigkeit in erster Linie vergessenswert ist, stehen hinter dem hierzulande sogar ins Kino kommenden „Screamboat“ durchaus bekannte Leute. „Von den Machern von ‘Terrifier‘“ stimmt sowohl auf Produzenten- als auch auf Darstellerebene. Denn auf das Konto der Producer Steven Della Salla und Michael Leavy geht unter anderem die mittlerweile ikonische, hyperbrutale Trilogie rund um Clown Art. Den gibt’s in „Screamboat“ – mehr oder weniger – auch zu sehen. Und zwar in Gestalt von Art-Darsteller David Howard Thornton, der diesmal nicht in sein bekanntes Schwarz-weiß-Clownskostüm schlüpft, sondern in Gestalt von Horrormaus Mickey auftritt. Deren Äußeres ist ganz klar an ihre Gestalt in „Steamboat Willie“ angelehnt. Und das muss es auch, denn die Rechte an der gesamten Figur „Mickey Maus“ sind noch nicht abgelaufen. Insofern halten sich die Nutzungsrechte in einem recht engen Rahmen – und die Handlung von „Screamboat“ muss sich folgerichtig auf einem Boot abspielen. In diesem Fall wurde sogar auf einem echten, ausrangierten Fährdampfer gedreht, was dem haptischen Gefühl des Films im Gesamten guttut. Denn so fällt es, anders als etwa bei den „Winnie Pooh – Blood & Honey“-Filmen, nicht so sehr ins Gewicht, dass es sich bei „Screamboat“ um eine Low-Low-Budget-Produktion handelt.

„Böse Erinnerungen an die gescheiterte, aber eben auch viel, viel teurere und vor allem prestigeträchtigere Musical-Verfilmung ‚Cats‘ weckend, ist der mörderische Nager mal so groß wie ein Mensch, dann wiederum misst er nur wenige Zentimeter.“

Auch dass die Killer-Maus im Film sowohl von einem kostümierten Menschen als auch von Puppen verkörpert wird, verhilft „Screamboat“ zu den sympathischeren Elementen seines Trash-Appeals. Auch das Spiel mit den verschiedenen Perspektiven hat einen gewissen Billo-Charme. Böse Erinnerungen an die gescheiterte, aber eben auch viel, viel teurere und vor allem prestigeträchtigere Musical-Verfilmung „Cats“ weckend, ist der mörderische Nager mal so groß wie ein Mensch, dann wiederum misst er nur wenige Zentimeter. Das mithilfe von CGI oder geschickter Bildgestaltung zu kaschieren, fällt Regisseur Steven LaMorte („Bury Me Twice“) und seinem Kameramann Steven Della Salla gar nicht erst ein. Vermutlich wäre das den Aufwand bei einem 2-Million-Dollar-Budget auch gar nicht wert gewesen. Zumal „Screamboat“ ohnehin zu weiten Teilen versucht, ohne Trickeffekte auszukommen. Eine sehr direkte visuelle sowie akustische Hommage an den Original-Cartoon sticht ebenfalls positiv hervor. Abgesehen von dem gezielten Kalkül, vor allem damit schocken zu wollen, eine solch langlebigen Childhood“-Ikone wie Micky Maus zu einem Killer zu machen, ist vieles an „Screamboat“ sympathisch…

Ein Fahrgast nach dem anderen wird dezimiert.

… den Film zu einem guten, macht das allerdings nicht. Zwar sind die Kreativen Experten auf dem Gebiet absurder, abwechslungsreicher und nicht zuletzt ziemlich blutrünstiger Kills, von denen es auch in „Screamboat“ den ein oder anderen zu sehen gibt. Doch an die Abgedrehtheit eines „Terrifier“ kommt diese hier längst nicht heran. Mehr noch: In Ermangelung einer ordentlichen Beleuchtung spielen sich ein Großteil der Tötungen in ziemlich dunklen Kulissen ab und lassen sich als Gore-Fan gar nicht richtig „genießen“. Einfach weil man kaum etwas erkennt. Auch die Zeit zwischen den Morden gestaltet sich zäh. Aus dem riesigen, durch die Bank uninteressanten sowie auch ziemlich unsympathischen Figurenarsenal arbeitet sich keine schauspielende Person besonders hervor. Sie alle sind in erster Linie Kanonenfutter, was bei einem solchen Trash-Vergnügen gar nicht so schlimm wäre, würden sie nicht in den viel zu langen Phasen zwischen den Kills den Plot tragen müssen. Auch der Humor funktioniert in Ermangelung an Timing und Finesse kaum. Wenn in einer Szene nach und nach drei verschiedene Figuren die Spuren eines Massakers entdecken und nacheinander „What the Fuck?“ ausrufen, wird das derart lahm und ohne jedwedes Engagement von den Darstellern vorgetragen, dass der Comedy-Funken einfach nicht überspringen will. Insofern bestätigt sich einmal mehr, dass nur eine gute Idee noch lange keinen guten Film macht.

„In Ermangelung einer ordentlichen Beleuchtung spielen sich ein Großteil der Tötungen in ziemlich dunklen Kulissen ab und lassen sich als Gore-Fan gar nicht richtig ‚genießen‘.“

Fazit: Zwei, drei ganz nette Kills lösen immerhin das Versprechen eines halbwegs blutigen Slashers ein. Doch nicht nur die sehr dunkle Farbgestaltung lässt die daraus resultierende Euphorie vermissen. Auch der lange Leerlauf zwischen den Morden und ein durch die Bank gelangweiltes Ensemble tun der Freude an der absurden Filmidee schnell Abbruch.

„Screamboat“ ist ab dem 8. Mai 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

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