Lommbock

16 Jahre nach Christian Züberts legendärer Kiffer-Komödie „Lammbock“ versammelt er für die Fortsetzung LOMMBOCK noch einmal den zum Kult gewordenen Cast vor der Kamera – nur um festzustellen, dass das Alter auch vor Kiffern nicht Halt macht. Mehr dazu in meiner Kritik.

Der Plot

Auch Kiffer werden mal erwachsen: Der mittlerweile 41-jährige Kai (Moritz Bleibtreu) betreibt in Würzburg den angeranzten Asia-Liefer-Service „Lommbock“, während sein Kumpel Stefan (Lukas Lucas Gregorowicz), auch schon 39, seit Jahren erfolgreich im drogenfreien Dubai lebt und nun für seine anstehende Hochzeit amtliche Papiere in Deutschland besorgen muss. Stefans Kurztrip in seine Heimatstadt wird durch Kai allerdings unfreiwillig verlängert und für die Freundschaft der beiden eine echte Herausforderung, denn die Vergangenheit kickt mitunter zeitverzögert.

Kritik

Der vor rund zwei Jahren begonnene Trend, Filme mitunter erst mehrere Jahrzehnte nach dem letzten Teil fortzusetzen, macht auch vor deutschen Produktionen nicht Halt. Das beweist Christian Zübert („Hin und weg“) nun mit dem Sequel zu seinem 2000er-Kulthit „Lammbock“. Seit dieser 2001 in die Kinos kam und damals knapp 900.000 Besucher in die Lichtspielhäuser locken konnte, standen Ideen zu einer Fortführung immer wieder im Raum. Vor allem die beiden Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu („Das kalte Herz“) und Lucas Gregorowicz („Schrotten!“) machten sich laut für eine solche stark, doch erst im März 2015 ließ sich auch Christian Zübert von dieser Sequel-Euphorie anstecken. Aus einem Brainstorming infolge einer erneuten, gemeinsamen Sichtung von „Lammbock“ wurde ein Drehbuch, auf ein Facebook-Posting von Moritz Bleibtreu, das „Lammbock 2“ testweise ankündigen sollte, folgte zur Überraschung aller Beteiligter ein großer Schwall ausschließlich positiver Resonanz und zum Glück aller wurde die Finanzierung der mittlerweile „Lommbock“ getauften Komödie anschließend zur Formsache. Jetzt steht der Film in den Startlöchern und dürfte die Fanbase des ersten Teils mit altbewährten, aber auch reichlich neuen Zutaten ausreichend befriedigen. Vom Lokal- und Zeitkolorit des Auftakts ist hier nicht mehr ganz so viel übrig. Stattdessen baut „Lommbock“ mehr noch als Teil eins auf die herzliche Freundschaft sowie die absurden Dialoge zwischen Kai und Stefan. Aber auch das Älterwerden, Heimatverbundenheit und die Sehnsucht nach Bodenständigkeit spielen hier eine wichtige Rolle.

Kai (Moritz Bleibtreu) versucht, seinen Stiefsohn Jonathan (Louis Hofmann) dazu zu motivieren, Bewerbungen zu schreiben.

„Lammbock“ gehörte damals zu den ersten (deutschen) Filmen, die sich gezielt dem Comedy-Subgenre „Kiffer-Komödie“ zuordnen ließen. In Zeiten von Seth Rogen und Co. ist dieses Dasein jedoch längst keine Besonderheit mehr. Entsprechend wäre es vermutlich nicht genug gewesen, sich in „Lommbock“ auf der Prämisse auszuruhen, dass die beiden Protagonisten hier bei jeder Gelegenheit Gras rauchen. Um die Fanbase des Kultfilms direkt zu beruhigen: Ja, auch in der Fortsetzung wird wieder jede Menge des Rauschmittels konsumiert, doch anders als in „Lammbock“ steht dieser Umstand hier nicht mehr allzu sehr im Mittelpunkt. Stattdessen schaut sich der Film als eine Mischung aus gewiefter Entmystifizierung (auch vor Kiffern machen Alter und Spießigkeit nun mal nicht Halt) und liebevoller Hommage an den ersten Teil. Darüber hinaus umgehen die Macher einen Großteil typischer Sequel-Fettnäpfchen im Alleingang. Wenn der mittlerweile zum erfolgreichen Businessman aufgestiegene Stefan reichlich ernüchtert feststellen muss, dass sein früher so geschäftstüchtiger (und sogar noch zwei Jahre älterer!) Freund Kai sein Geld immer noch damit verdient, über den inzwischen in „Lommbock“ umbenannten Lieferdienst Gras zu verticken, dann geht der anklingende Schock darüber Hand in Hand mit der Bewunderung darüber, dass es sich auch ohne Maßanzug, Reichtum und die Zwänge des Erwachsenenalltags ganz gut über die Runden kommen lässt. Mehr noch als „Lammbock“ lebt das Sequel von der Gegensätzlichkeit der beiden Kumpels und von der gegenseitigen Bewunderung füreinander. Und da sich die Lebensläufe der Freunde noch dazu in derart unterschiedliche Richtungen entwickelt haben, bietet „Lommbock“ eine noch größere Spannweite an Möglichkeiten, sich mit den Denkweisen und Taten der Figuren zu identifizieren.

Wo sich „Lammbock“ noch darauf verließ, der Zuschauer würde von sich aus irgendwie mit den beiden Protagonisten sympathisieren (und damit zwangsläufig entweder für grandios, oder eben für belanglos befunden wurde), wird „Lommbock“ zu einem wesentlich zugänglicheren Film, ohne sich dabei an das Publikum anbiedern zu müssen. Faktoren wie das Zeit- und Lokalkolorit des ersten Teils scheinen hier nur noch vereinzelt durch; vielleicht auch ein Indiz dafür, dass sich die Fortsetzung länger halten könnte, als der verhältnismäßig schlecht gealterte Vorgänger. „Lommbock“ kommt dem Idealbild einer zeitlosen Komödie ziemlich nah und trägt doch merklich die DNA des altbewährten Teams. Dadurch ist der Film eben keine x-beliebige Comedy, wohl aber eine, bei der zu Gunsten der Langlebigkeit die Zeichen der Zeit erkannt wurden. Gewisse Faktoren, mit denen sich gerade andere deutsche Komödien für ein Überdauern der Jahrzehnte disqualifizieren, finden in „Lommbock“ nicht statt. Aufgesetzten Jugendslang zu verwenden, hat hier allenfalls den Zweck, ebenjene Albernheit zu unterstreichen, die andere Filme des Genres nicht erkennen. Die abgedrehten Dialogsalven zwischen Kai und Stefan beziehen sich nie auf aktuelle Themen, sondern streifen in ihrer altbewährten Pseudo-Philosophie vor allem Dinge wie die Entstehung der Menschheit. Tempo, Dynamik und Pointierung erreichen hier genau die Selbstverständlichkeit, mit der schon „Lammbock“ auftrumpfen konnte – und durch die stellenweise tatsächlich durchscheinende Reifung der im Kern aber immer noch so naiv-kindischen Jungs kommen die Monologe der beiden mitunter sogar zu erschreckend naheliegenden Ergebnissen.

Neben Lucas Gregorowicy und Morit

Wo sich „Lommbock“ einerseits darum bemüht, auch Neulinge für sich zu begeistern (Handlungsverlauf und die Einführung der Figuren lassen den Film auch für Zuschauer verständlich und amüsant wirken, die den Vorgänger nicht gesehen haben), wird der Teil des Publikums noch weitaus mehr Spaß haben, der mit „Lammbock“ vertraut ist. Anders als der thematisch ähnlich gelagerte „T2: Trainspotting“ flechten die Macher von „Lommbock“ zwar kein Material des Ausgangsfilms ein, dafür gibt es ein Wiedersehen mit so ziemlich allen bekannten, noch so kleinen Nebenrollen. Darsteller wie Alexandra Neldel („Barfuß“), Wotan Wilke Möhring („Seitenwechsel“), Antoine Monot Jr. („Who Am I – Kein System ist sicher“), um nur einige zu nennen, erhalten alle ihren prägnanten (Gast-)Auftritt und lassen die Erinnerungen an den ersten Film gekonnt wieder aufflammen. Auch die Interaktion zwischen Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz fühlt sich an, als hätten sich die beiden respektive ihre Figuren nie aus den Augen verloren. Als Neuling im Cast gefällt vor allem Louis Hofmann („Die Mitte der Welt“) in der Rolle von Kais Stiefsohn Jonathan – der Subplot um ihn und sein offenbar kurz bevor stehendes Abdriften ins kriminelle Milieu würde an Kurzweil und Pointe auch einen Kurzfilm tragen. Aus technischer Sicht verhält es sich bei „Lommbock“ wie schon beim Vorgänger: Die ganz großen Leinwandausmaße besitzt dieser Film nicht. Trotzdem den Gang ins Kino zu wagen, sollte sich allerdings schon deshalb lohnen, weil es sich gemeinsam einfach viel besser in Erinnerung schwelgen lässt, als alleine.

Fazit: Weniger Gras, mehr Charakter – „Lommbock“ ist für alle Fans von Christian Züberts Kultfilm „Lammbock“ sowieso Pflicht und könnte es mithilfe des hohen Tempos, der komplexer gezeichneten Figuren und der vielen amüsanten Ideen schaffen, auch jene Zuschauer von sich zu überzeugen, die mit dem ersten Teil bisher nicht ganz warm wurden.

„Lommbock“ ist ab dem 23. März in den deutschen Kinos zu sehen.

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