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Beetlejuice Beetlejuice

Es ist keine große Kunst, Filmfans mit purer Nostalgie in die Kinos zu locken. Wohl aber, eine Fortsetzung zu einem Kultklassiker abzuliefern, die zu gleichen Teilen Anleihen an den Vorgänger sowie eine eigene Identität vorweisen kann. Mit BEETLEJUICE BEETLEJUICE ist Tim Burton genau das gelungen.

OT: Beetlejuice Beetlejuice (USA 2024)

Darum geht’s

Astrid Deetz (Jenna Ortega) leidet sehr unter der zweifelhaften Berühmtheit ihrer Mutter Lydia (Winona Ryder), die es mit ihren Fähigkeiten Geister zu sehen mittlerweile sogar zu einer eigenen TV-Show gebracht hat. Auch ihre kurz bevorstehende Ehe mit dem schmierigen Rory (Justin Theroux) ist Astrid ein Dorn im Auge, sie findet aber immerhin Gehör bei ihrer Großmutter Delia (Catherine O’Hara). Nachdem Delias Ehemann bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt, überschlagen sich für die Frauen die Ereignisse. Denn unbedarft hat Astrid auf dem Dachboden ihrer Eltern den Poltergeist Beetlejuice (Michael Keaton) heraufbeschworen, der noch immer an die große Liebe zu Lydia glaubt und alles zu tun gewillt ist, um das Herz seiner Angebeteten endlich zu erobern. Als es Astrid dann auch noch ins Afterlife verschlägt, stehen Beetlejuices Chancen besser denn je…

Kritik

Innerhalb von zwei Wochen erschienen in den US-amerikanischen Kinos zwei Filme, die sich auf den Kultfaktor mehrere Jahrzehnte alter Produktionen stützen. Das Remake zu „The Crow – Die Krähe“ von „Snow White and the Huntsman“-Regisseur Rupert Sanders scheiterte grandios und kam, abseits seines Kassenflops, einer kreativen Bankrotterklärung gleich. „Beetlejuice Beetlejuice“ dagegen katapultierte sich aus dem Stand auf Platz 14 der erfolgreichsten Filme des Jahres 2024. Beide Filme bauen auf die Popularität ihres Ursprungsmaterials. Das eine liegt 30, das andere 36 Jahre zurück. In beiden Fällen hat man – zumindest auf dem Papier – eine bestimmte Zielgruppe (nämlich die Fans des Originals) als sicher geglaubte Zuschauer:innenschaft im Visier. Und doch hätten sich beide Produktionen nicht unterschiedlicher entwickeln können. Genießt „Beetlejuice Beetlejuice“ neben den hervorragenden Publikumszahlen doch auch ein sehr wohlwollendes Presseecho. Ironischerweise gewinnt damit ausgerechnet der Film dieses inoffizielle „Rennen“, bei dem ein Erfolg weitaus weniger naheliegend war…

Delia (Catherine O’Hara), Astrid (Jenna Ortega) und Lydia Deetz (Winona Ryder) sowie ihr Verlobter Rory (Justin Theroux).

… schließlich wirkt „Beetlejuice“ aus dem Jahr 1988 heutzutage wie ein aus der Zeit gefallenes Kuriosum, wohingegen Rachestorys und annähernd toxische Romanzen aktuell boomen. Mit der Horrorkomödie begann für Regisseur Tim Burton die Hochzeit seines Schaffens; gefolgt von Klassikern wie „Edward mit den Scherenhänden“, „Ed Wood“ und „Sleepy Hollow“. Heutzutage scheinen Burtons Werke kaum noch aus der Masse hervorzustechen. In dem Biopic „Big Eyes“ war gar überhaupt nichts mehr seiner Handschrift übrig, auch „Die Insel der besonderen Kinder“ und „Dumbo“ ließen nur noch vereinzelt die Exzentrik früherer Burton-Arbeiten erkennen. Bis der Filmemacher, sich auf seine ästhetischen Gothik-Wurzeln besinnend, mit der Netflix-Serie „Wednesday“ einen Megahit landete – und die trotz der ganz unterschiedlichen Ausrichtung ein bisschen wie eine Vorbereitung darauf wirkt, was er nun mit „Beetlejuice Beetlejuice“ auf sein Publikum loslässt. Insbesondere in Jenna Ortega („Scream“) scheint Burton so etwas wie eine neue Muse gefunden zu haben. Was aber auch kein Wunder ist, denn kaum eine könnte den zurückkehrenden Cast rund um Winona Ryder („Destination Wedding“) und Catherine O’Hara („Schitt’s Creek“) so hervorragend ergänzen wie der aufstrebende Superstar.

„Anstatt ein banales „Kennste noch, kennste noch?“-Feuerwerk abzufackeln, setzen die Drehbuchautoren Alfred Gough und Miles Millar auf einen modernen Erzählansatz, ohne die Wurzeln des ersten Teils zu verleugnen.“

Anhang von Jenna Ortegas Figur der eigenbrötlerischen Astrid lassen sich viele Qualitäten des Films ablesen. Neben dem insgesamt hervorragenden Casting liegt es vor allem an Astrid, ein auch jüngeres Publikum abseits der „Ich hab ‘Beetlejuice‘ noch im Kino gesehen“-Besucher:innen abzuholen. Als stete Skeptikerin ob der ungewöhnlichen Fähigkeiten ihrer Mutter hat es Astrid schwer, ein ganz normaler Teenager zu sein. Umso nahbarer wirkt sie in den Momenten einer aufkeimend amourösen Beziehung, die die junge Frau dann eben doch zu einer Jugendlichen machen, mit der sich ein gleichaltriges Publikum identifizieren kann. „Beetlejuice Beetlejuice“ gelingt es so, sich auch abseits seines nostalgischen Blicks auf die Qualitäten des ersten Films eine eigene Identität aufzubauen. Anstatt ein banales „Kennste noch, kennste noch?“-Feuerwerk abzufackeln, setzen die Drehbuchautoren Alfred Gough und Miles Millar (schrieben beide auch Episoden zur „Wednesday“-Serie) auf einen modernen Erzählansatz, ohne die Wurzeln des ersten Teils zu verleugnen. Mit dem Mutter-Tochter-Gespann aus Delia und Lydia Deetz bleiben zwei der wichtigsten Figuren aus „Beetlejuice“ bestehen und runden gemeinsam mit Jenna Ortega ein tolles, generationenübergreifendes Darstellerinnentrio ab, dessen großartig-authentische Chemie untereinander zum emotionalen Herzstück des Films wird.

Noch immer an Beetlejuices (Michael Keaton) Seite: Handlanger Bob.

Ein weiteres solches stellte 1988 auch das Design der Trickeffekte sowie der detailverliebten Originalsets dar. Alles handgemacht, kaum Unterstützung aus dem Computer. Tim Burton sagt sich für „Beetlejuice Beetlejuice“ zwar nicht vollständig von der Verwendung computergenerierter Effekte los, baut aber auch weiterhin vorwiegend auf haptische Tricks – und lotet dafür obendrein die Grenzen des (in diesen Sphären der Altersfreigabe) guten Geschmacks aus. Ein weiteres Zugeständnis an das Original, dessen Art des eskapistischen Körperhumors sowie derb-vulgären Dialogwitzes heutzutage kaum noch auf der großen Leinwand zu sehen ist. Selbst Filme wie die bewusst auf edgy getrimmten „Deadpool“-Produktionen oder James Gunns „The Suicide Squad“ wirken in ihrer Ungezügeltheit kalkulierter als das „Beetlejuice“-Sequel, das „einfach macht“, anstatt vorher groß darüber nachzudenken, welche Szene oder welcher Spruch wohl in den sozialen Netzwerken viral gehen wird. Insofern darf der titelgebende Beetlejuice dann auch vor laufender Kamera seine Gedärme auskotzen oder seiner Angebeteten ein Dämonenbaby aufzwingen, das er kurz nach seiner Geburt mit dem Fuß ans andere Ende des Raumes kickt. Aber es wird auch subtiler respektive weniger derb: Insbesondere in der echten Welt erweist sich Justin Theroux („Mullholland Drive“) als Lydias perfekt zwischen schmierig und niedlich unbeholfen changierender Verlobter Rory als Szenendieb mit einem hervorragenden Comedyverständnis. Im Afterlife ist es dagegen Willem Dafoe („Kinds of Kindness“), der als selbstverliebter Schauspieler und selbsternannter Detective die lustigsten Szenen auf seiner Seite hat – und natürlich der unvergessene Bob.

„Selbst Filme wie die bewusst auf edgy getrimmten „Deadpool“-Produktionen oder James Gunns „The Suicide Squad“ wirken in ihrer Ungezügeltheit kalkulierter als das „Beetlejuice“-Sequel, das „einfach macht“, anstatt vorher groß darüber nachzudenken, welche Szene oder welcher Spruch wohl in den sozialen Netzwerken viral gehen wird.“

Und nochmal zurück zu Beetlejuice himself: Gerade einmal 17,5 Minuten war dieser im ersten Teil zu sehen, machte diesen Mangel an Screentime dafür mit seiner über alle Maßen exzentrischen Performance wett. Wie Tim Burton im Vorfeld der Veröffentlichung von „Beetlejuice Beetlejuice“ bekanntgab, wollte er seinen titelgebenden Antihelden erneut „so politisch inkorrekt wie möglich“ auftreten lassen. Und tatsächlich darf Michael Keaton („Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“) nicht nur derbe One-Liner und Anzüglichkeiten von sich geben sowie den ein oder anderen Gewaltakt ausüben. Er gibt dem Affen obendrein so viel Zucker, dass der Filmtitel zum Programm wird. Alles an „Beetlejuice Beetlejuice“ fühlt sich nach mehr von dem an, womit das Original aufzutrumpfen wusste. Und dazu gehört auch die Omnipräsenz eines Beetlejuice. Dass der es in seinem Film diesmal obendrein mit einer hasserfüllten Ex-Frau zu tun hat, ist derweil ein Detail, das es so im Film nicht gebraucht hätte. Stattdessen ergänzt es die Geschichte um einen Handlungsstrang, der zeitweise komplett hintenüberfällt und zudem keinen annähernd so bleibenden Eindruck hinterlässt, wie die Eskapaden rund um die Deetz-Familie, ganz gleich ob in ihrer Welt oder im Afterlife. Immerhin: Wie sich Monica Belluccis Leichenteile wieder zusammensetzen und diese sich anschließend mithilfe eines Tackers wieder in einen vollständigen Menschen verwandelt, ist eine Szene, die man so dann doch nicht missen möchte.

Mutter Lydia hätte gern ein besseres Verhältnis zu ihrer eigenbrötlerischen Tochter Astrid.

Fazit: Anstatt auf plumpe Nostalgie setzt Tim Burton mit seiner Kultfilm-Fortsetzung „Beetlejuice Beetlejuice“ vor allem darauf, seinem Werk eine eigene Identität zu verpassen. Seine Gothik-Horrorkomödie punktet nach wie vor mit alledem, womit auch der erste Teil überzeugen konnte, verlässt sich allerdings nicht allein darauf und findet so die perfekte Balance zwischen einem modernen Anstrich und einer Liebeserklärung an Teil eins.

„Beetlejuice Beetlejuice“ ist ab dem 12. September 2024 in den deutschen Kinos zu sehen.

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