Paul W.S. Anderson does Paul. W.S. Anderson-Things – auch in seinem neuesten Film IN THE LOST LANDS dominieren hirn- und seelenloses CGI-Gewitter und ein gelangweilter Cast. An den durch und durch künstlichen Look kann man sich mit der Zeit gewöhnen. An die vielen, vielen dämlichen Entscheidungen hingegen nicht.
Darum geht’s
Die gefürchtete Hexe Gray Alys (Milla Jovovich) ist dafür bekannt, gegen gute Bezahlung Wünsche zu erfüllen. Jede und jeder kann zu ihr kommen, sie lehnt nicht ab. So auch nicht, als ihr die herrschende Königin Melange (Amara Okereke) befielt, sie mithilfe eines Werwolfs zu einer Gestaltwandlerin zu machen. Um ihr diesen Wunsch erfüllen zu können, muss Gray durch die Lost Lands reiten – ein verlassenes Ödland voller Gefahren. Damit sie diese Reise unbeschadet übersteht, bittet sie den Jäger Boyce (Dave Bautista), sie zu begleiten. Die beiden machen sich zu Pferde auf eine beschwerliche Reise und werden alsbald zu Gejagten. Denn die Vollstreckerin Ash (Arly Jover) hat ihre Fährte aufgenommen und will die beiden tot sehen…
Kritik
Auch wenn „In the Lost Lands“ auf einer Kurzgeschichte des erfolgversprechenden „Game of Thrones“-Masterminds George R.R. Martin basiert, ist ein Erfolg alles andere als eine sichere Sache. Nicht nur, dass der Autor selbst bislang kein Interesse daran hatte, seinen ursprünglich mal als Auftakt einer Reihe angedachten Fantasyroman fortzusetzen (sollte der Film ein Erfolg werden, kündigte er an, doch weiterschreiben zu wollen). Auch der Film selbst befand sich viele Jahre in der Produktionshölle. Es waren sogar mal Namen wie Keanu Reeves, Nicholas Cage und Justin Chatwin für die Hauptrolle des Boyce im Gespräch, bevor es schließlich „Guardians of the Galaxy“-Star Dave Bautista wurde. An seiner Seite – für Regisseur Paul W.S. Anderson („Resident Evil: The Final Chapter“) längst Standard – agiert Milla Jovovich („Monster Hunter“) in der Hauptrolle der Hexe Gray Alys. Ihres Zeichens Ehefrau und Muse des aufgrund seines ganz besonderen, allen voran digitalen Stils streitbaren Filmemachers. Eines muss man „In the Lost Lands“ lassen: Es ist einmal mehr durch und durch ein Anderson-Film geworden. Und je nach Präferenz ist das entweder ein gutes, eher jedoch ein ziemlich schlechtes Zeichen.
Bereits im Trailer sieht man es: In „In the Lost Lands“ dominieren künstliche Hintergründe so weit das Auge reicht. Man muss dem Film (und auch seinen Macher:innen) zugutehalten, dass immerhin zu keinem Zeitpunkt der Anschein erweckt werden soll, dass in dem an Filme wie „Mad Max“ erinnernden Ödland auch nur irgendetwas real wäre. Insofern kann man sich – sofern man nicht ohnehin längst abgeschreckt ist – durchaus in dieser ganz besonderen Ästhetik verlieren. Gleichwohl wirkt das alles auch ein bisschen wie eine deutlich kostengünstigere Variante des klassischen Zack-Snyder-Kinos. Neben vielen, vielen Slow-Motion-Sequenzen, Lens Flares und Großaufnahmen von Details, deren Wichtigkeit sich nicht immer erschließt (Stichwort: Uhr), lebt die Optik von „In the Lost Lands“ in erster Linie von Wiederholungen und Redundanz. Matschiges Grau-in-Grau und in einen hochglänzenden Braun-Gelb-Gold-Filter getauchte Panoramaaufnahmen wechseln sich ab – und fördern dabei einige durchaus spektakuläre Einzelszenen zutage. Etwa einen in eine Schlucht stürzenden Zug oder brennende Ölfelder, irgendwo in der Einöde der Lost Lands. Doch vor allem den Innenaufnahmen – keine davon erweckt den Eindruck, ein echtes Set zu sein – mangelt es an Tiefe, sodass man sich stellenweise wie in Lagerhallen wähnt, in denen wahlweise ein Thron, ein Bett, oder irgendein anderes gerade für diese Szene wichtiges Utensil platziert wurde.
„Neben vielen, vielen Slow-Motion-Sequenzen, Lens Flares und Großaufnahmen von Details, deren Wichtigkeit sich nicht immer erschließt (Stichwort: Uhr), lebt die Optik von ‚In the Lost Lands‘ in erster Linie von Wiederholungen und Redundanz.“
Überhaupt ist alles an „In the Lost Lands“ vor allem eines: zweckdienlich. Zu keinem Zeitpunkt gewinnt man den Eindruck, die hier dargestellte, postapokalyptische Welt würde respektive könnte überhaupt jenseits ihrer Filmszenen existieren. Schon allein ihr Dasein erscheint undurchdacht. Die meiste Zeit über wirkt der Film so, als würde er – wie zum Beispiel Zach Snyders „Rebel Moon“ – auf einem eigenen Planeten oder in irgendeiner Fantasierealität spielen. Dann wiederum deuten Details wie etwa ein heruntergekommenes Fundbüro darauf hin, dass das hier tatsächlich mal die Erde war. Das wäre per se nicht das größte Problem, man könnte sich auf den CGI-Bombast in dieser Gaga-Welt sicherlich noch irgendwie einlassen. Doch auch die innerfilmische Logik wird so oft mit Füßen getreten, dass irgendwann reine Willkür vorherrscht. Gepaart mit einigen schlicht und ergreifend dämlichen Entscheidungen. So lernen wir beispielsweise Dave Bautistas Boyce zu Beginn als scheinbar ans Publikum gerichteten Erzähler kennen. Im Finale erfahren wir schließlich, dass er eigentlich die ganze Zeit zu seiner Wegbegleiterin Gray spricht – ihr also all das, was die beiden zusammen erlebt haben, noch einmal so erzählt, als wäre sie nicht dabei gewesen. Auch dass ein Werwolf sich in seine menschliche Gestalt zurück verwandelt, sobald auch nur Wolken vor dem Mond auftauchen, ist eine von vielen „Was zum Teufel hat Paul W.S. Anderson da wohl geritten“-Momenten. Darüber könnte man nur hinwegsehen, würden derartige Erzählentscheidungen nicht im Sekundentakt auf das Publikum einprasseln.
Getragen – sofern man das denn so nennen kann – wird „In the Lost Lands“ von Dave Bautista und Milla Jovovich. So zumindest die Theorie. Doch nicht nur Jovovich zieht einmal mehr ihr aus den bisherigen Filmen ihres Mannes bekanntes Nicht-Schauspiel durch. Auch Bautista agiert auf kleinstmöglicher Sparflamme. Eine Chemie nimmt man den beiden zu keinem Zeitpunkt ab. Kann man aber auch gar nicht. Schließlich beschränken sich die gehauchten Dialoge zwischen den beiden auf Phrasen wie „Wir haben keine Wahl!“ – der wohl meistgesagte (und dabei noch nicht mal wahre) Satz in „In the Lost Lands“. Auch wie leer es im verlorenen Land ist, wird gebetsmühlenartig wiederholt – mit der Ironie, dass in den Lost Lands eigentlich ganz schön viel los ist. Irgendwo angesiedelt zwischen klassischem Roadmovie und zahlreichen Western-Motiven klappern Boyce und Gray Alys verschiedene Stationen ab, wo immer wieder neue Wegbegleiter:innen auf sie warten. Wie auch immer die es in diesem toten Ödland so lange ausgehalten haben. Doch es braucht diese Figuren als Plotantrieb. Zum Beispiel um der fiesen Oberschurkin Ash als Geisel zu dienen. Die ist mit ihrer Gefolgschaft übrigens die ganze Zeit über in einem in Cyberpunkt-Optik gehaltenen Zug unterwegs. Da fragt man sich doch, weshalb keine von beiden Parteien auf die Idee kommt, sich zwecks Flexibilität mal von den Schienen wegzubewegen…
Die gehauchten Dialoge beschränken sich auf Phrasen wie ‚Wir haben keine Wahl!‘ – der wohl meistgesagte Satz in ‚In the Lost Lands‘. Auch wie leer es im verlorenen Land ist, wird gebetsmühlenartig wiederholt – mit der Ironie, dass in den Lost Lands eigentlich ganz schön viel los ist.“
Kameramann Glen MacPherson („Die drei Musketiere“) hat den undankbaren Job, aus der eintönigen CGI-Optik noch irgendetwas Gescheites herauszuholen. So wirklich gefordert wirkt er dabei nicht. Das, was hin und wieder an Spektakel hochkocht, kommt ausschließlich aus dem Computer. Die vereinzelt eingestreuten Actionsequenzen kommen zum Großteil zerschnitten daher. Blut fließt auch nicht, zumindest kein Sichtbares. „In the Lost Lands“ wirkt die meiste Zeit über wie eine lieblose Videospiel-Zwischensequenz. Das kann man als den grundsätzlichen Stil von Paul W.S. Anderson bezeichnen und hiermit entsprechend das geliefert bekommen, was man von ihm erwartet. Doch ein guter Film ist „In the Lost Lands“ – all seiner unverfrorenen Stileinflüsse zum Trotz – bei Weitem nicht.
Fazit: Mehr denn je setzt Regisseur Paul W.S. Anderson auf seine erfolgversprechenden Zutaten. „In the Lost Lands“ ist ein durch und durch digitales Fantasy-Action-Gewitter ohne Sinn und Verstand, dessen Cast die meiste Zeit über betont lustlos agiert. Der zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd echt aussehende, künstliche Look ist Geschmacksache, der manch spektakuläre Einzelszene hervorbringt. Die meiste Zeit über sieht das hier allerdings vor allem lieblos-matschig aus, während die Actionszenen komplett zerschnitten daherkommen und der blutleere Bodycount überraschend niedrig bleibt.
„In the Lost Lands“ ist ab dem 6. März 2025 in den deutschen Kinos zu sehen.

