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Beautiful Wedding

Abby und Travis starten in die Flitterwochen

Der erste Teil „Beatiful Disaster“ kündigte es bereits an: „Eiskalte Engel“-Regisseur Roger Kumble ist mitnichten daran interessiert, mit seiner Verfilmung der beliebten Buchreihe einen weiteren banalen Beitrag zum New-Adult-Romance-Genre abzuliefern. Die Fortsetzung BEAUTIFUL WEDDING ist nun mehr denn je cartooneske Parodie – und damit ein echtes Unikat.

OT: Beautiful Wedding (USA 2024)

Darum geht’s

Nur wenige Monate nach ihrem Kennenlernen haben Abby (Virginia Gardner) und Maddox (Dylan Sprouse) in Las Vegas geheiratet. Dabei sind sich die beiden gar nicht so sicher, ob sie überhaupt für die Ehe geschaffen sind. Kurzerhand reisen die beiden nach New Mexico, um hier ihre Flitterwochen zu verbringen – und herauszufinden, ob sie denn nun wirklich zueinander passen. Dabei geraten sie von einer skurrilen Situation in die die nächste und verstricken sich immer wieder in Missverständnisse. Doch im Kern wissen die beiden, dass sie füreinander bestimmt sind…

Kritik

Romantische Filme haben zwar seit jeher im Kino Tradition, doch einen Hype rund um speziell auf Teenager zugeschnittene Lovestories hat sich erst in den letzten Jahren so richtig herauskristallisiert. Sicherlich auch angetrieben vom Erfolg der „Fifty Shades of Grey“-Trilogie, auf die die noch prüdere und auf ein deutlich jüngeres Publikum abzielende „After“-Reihe folgte (die Verfasserin dieser Zeilen erinnert sich daran, dass während der Kinovorstellung von „Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe“ eine Leseprobe zu „After Passion“ auf ihrem Kinositz lag). Fortan gab es jede Menge Trittbrettfahrer mit Titeln wie „Perfect Addiction“ – und eben auch „Beautiful Disaster“ (Vorlage geschrieben von Jamie McGuire). Sie alle basieren auf Büchern, deren Nachschub im Anbetracht der anhaltenden Booktok- und Instabook-Welle gesichert ist. Die Jugendlichen von heute lesen wieder gern. Und dass der Inhalt – möge er mit seinem immerwährend heraufbeschworenen Appell an die ganz, ganz große Liebe zwischen smartem Mädchen und Bad Boy noch so austauschbar sein – zumindest die anvisierte Zielgruppe überzeugt, spricht über die Verkaufszahlen eine deutliche Sprache. „Beautiful Disaster“ in dieser Aufzählung zu nennen, ist im Anbetracht dessen, was Regisseur und Autor Roger Kumble aus der Vorlage gemacht hat, jedoch gar nicht so angemessen. Sein Film ist nämlich vielmehr Parodie als ernstzunehmende Jugendromanze, die mit „Beautiful Wedding“ nicht nur fortgesetzt, sondern noch einmal ordentlich auf die absurde Spitze getrieben wird.

Abby (Virginia Gardner), Travis (Dylan Sprouse) und ihre Freunde machen den Strand unsicher.

In einer Szene in „Beautiful Wedding“ schreiben Kampfhähne (!) mit Blut (!!) bedrohliche Nachrichten (!!!) an die Wand. In einer anderen wiederum begleitet ein Cartoonpenis den Beischlaf des Protagonistenpärchens und jubiliert dabei umso mehr, je intensiver der Sex wird. Anhand dieser beiden Szenen, auf deren Skurrilitätsskala es noch viele weitere gibt, lässt sich eindeutig ablesen: „Beautiful Wedding“ ist keineswegs an den Bewertungsmaßstäben einer gängigen Jugend-RomCom zu messen. Stattdessen muss man sich auf das ganz und gar überdrehte Liebeschaos zwischen der – natürlich – smarten Abby und dem – auch natürlich – draufgängerischen Bad Boy Travis so einlassen, wie man es etwa aus den „Scary Movie“-Filmen kennt; nur dass die Wayans-Brüder und David Zucker vor allem in ihren späteren Horror-Nachdichtungen längst nicht so liebevoll mit ihren Figuren umgegangen ist, wie der „Eiskalte Engel“-Regisseur Roger Kumble. „Beautiful Wedding“ funktioniert zwar auch eher als Nummernrevue, denn als stringent erzählte Komödie. Trotzdem verfolgt das Drehbuch eine Figurenentwicklung und lässt insbesondere das im Mittelpunkt stehende Ehepaar so einige Tiefpunkte durchlaufen, eh es sich zum Happy End vorarbeiten kann. Dass es ein solches gibt, daran lässt der Film von Anfang an keinen Zweifel. „Beautiful Wedding“ bleibt im Kern immer noch ein Liebesfilm.

„In einer Szene in ‚Beautiful Wedding‘ schreiben Kampfhähne (!) mit Blut (!!) bedrohliche Nachrichten (!!!) an die Wand. In einer anderen wiederum begleitet ein Cartoonpenis den Beischlaf des Protagonistenpärchens und jubiliert dabei umso mehr, je intensiver der Sex wird.“

Arbeitete sich Kumble im Vorgänger „Beautiful Disaster“ humoristisch noch etwas zurückgenommener durch die gängigen Stationen einer New-Adult-Romanze, deutete sich auch dort schon an, dass der Filmemacher die Mechanismen des Genres perfekt verinnerlicht hat. Seine Hauptdarsteller:innen ließ er vor allem die Klischeemomente am Rande des Overactings so richtig schön auskosten und betonte darüber hinaus die permanent erotischen Untertöne, die Jugendromanzen dieser Couleur sonst vor allem vorgaukeln, in ihrer Prüderie jedoch nie richtig ausleben. In „Beautiful Disaster“ wird so freimütig über Sex gesprochen, wie man es in dem Genre sonst gar nicht gewohnt ist. Und am Ende ließ Kumble seine Handlung derart wirre Haken schlagen, was die Kriegen sie sich oder kriegen sie sich nicht-Prämisse dieses lächerlich vorhersehbaren, gleichwohl in Romantic Comedies gängigen Plotpoints endgültig ad absurdum führte. Da war es nur die gängige Konsequenz, „Beautiful Disaster“ mit einer spontanen Las-Vegas-Hochzeit abzuschließen, deren Folgen der ironisch, fast schon zynisch betitelte „Beautiful Wedding“ nun als reines Kuriositätenkabinett aufzieht. Doch zwischen vielen, vielen nackten – Zitat – Titties, einem Wrestlingkampf zwischen Abby und einer brutalen Minderjährigen sowie einer immer wieder in den unpassendsten Momenten auftretende Mariachi-Band agieren Figuren, deren Schicksal einem der anarchischen Umsetzung zum Trotz nicht egal ist.

Abby würde auch gern mal so heftig zuschlagen wie ihr Mann.

Bei vielen jugendlichen RomCom-Paaren fragt man sich, was die beiden eigentlich aneinander finden. Vor allem die „After“-Reihe ist ein verstörendes Beispiel für die Romantisierung toxischer Beziehungen. In „Beautiful Disaster“ respektive „Beautiful Wedding“ steht sich das Paar indes auf Augenhöhe gegenüber. Abby ist mindestens genauso schlagfertig wie ihr Travis und zeigt nun auch in Teil zwei, dass sie sogar genauso hart zuschlagen kann wie ihr tätowierter Ehemann. Travis dagegen hat in „Beautiful Wedding“ einige emotionale Erkenntnisse, die seine Figur mit noch mehr Charakter unterfüttern. Vor allem aber funktioniert das Zusammenspiel zwischen den beiden hervorragend. Dass sie die zeitweisen Zankereien, die mal ernster, mal in ihrer Konstruiertheit einfach nur albern ausfallen, immer auch mit einem Augenzwinkern austragen, betont, wie gut die beiden eigentlich zusammenpassen. Die hochcharmante Virginia Gardner („Halloween“) und der verschmitzt aufspielende Dylan Sprouse („After Truth“) haben untereinander eine mitreißende Chemie. Das Gleiche gilt für das befreundete Paar America (Libe Barer, „I See You“) und Shepley (Austin North, „Outer Banks“), die in ihrem Nebenhandlungsstrang durch nicht minder skurrile Szenerien stolpern dürfen.

„Bei vielen jugendlichen RomCom-Paaren fragt man sich, was die beiden eigentlich aneinander finden. Vor allem die ‚After‘-Reihe ist ein verstörendes Beispiel für die Romantisierung toxischer Beziehungen. In ‚Beautiful Disaster‘ respektive ‚Beautiful Wedding‘ steht sich das Paar indes auf Augenhöhe gegenüber.“

Filmisch bleibt „Beautiful Wedding“ dagegen eher unauffällig. Kameramann Theo van de Sande („Blade“) lässt die wunderschöne Urlaubsszenerie eines Luxus-Ferienresorts in New Mexico (gedreht wurde allerdings in der Dominikanischen Republik) für sich sprechen. Dabei legt er keine besonderen Finessen an den Tag; Leinwandausmaße gewinnt der Film einzig durch die Kulisse selbst. Auch der Score von Sam Ewing („Happy Deathday“) besteht primär aus genrekonformem Gedudel und wird nach dem Kinobesuch ganz sicher keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wohl aber der Film selbst, der durch seine ganz eigene Machart einen hohen Alleinstellungswert im aktuellen, kommerziellen Kino besitzt. Man mag sich gar nicht ausmalen, in welche komödiantischen Sphären die Kreativen noch emporsteigen werden, sollte es nach „Beautiful Wedding“ weitergehen.

Fazit: „Eiskalte Engel“-Regisseur Roger Kumble zieht das anhaltend beliebte Genre der New-Adult-Romanze genüsslich durch den Kakao. Das nimmt bisweilen ha(h)nebüchen cartooneske Züge an, lässt dabei aber immer die Liebe für seine Figuren durchscheinen. „Beautiful Wedding“ ist dadurch vor allem eines: authentisch. Auch wenn man sich auf die Herangehensweise unbedingt einlassen muss, um für eineinhalb Stunden den Spaß seines Lebens zu haben.

„Beautiful Wedding“ ist ab dem 9. Mai 2024 in den deutschen Kinos zu sehen.

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