Nachdem sich im letzten Jahr Harry Potter von den weltweiten Leinwänden zauberte, geht im November dieses Jahres die Ära der „Twilight“-Saga zu Ende. Warum BREAKING DAWN, BIS(S) ZUM ENDE DER NACHT, TEIL 2 nicht nur der wahrscheinlich beste Teil der Reihe ist sondern vor allem durch seine eher untypischen Stilmittel überzeugt, das erfahrt Ihr in meiner heutigen Kritik.
Der Plot
Nach Bellas Verwandlung zum Vampir strotzt die Schöne nur so vor Kraft und Anmut. Erstaunlicherweise findet sie sich in ihrer neuen Situation schnell zurecht. Sie widersteht dem Duft von menschlichem Blut und jagt unter Anleitung ihres Mannes Edward gezielt Tiere. Auch ihre Tochter Rénesmée wächst und gedeiht, tut dies aufgrund ihrer Mischung aus Mensch und Vampir jedoch rasant und wesentlich schneller als rein menschliche Kinder. Als Bella und ihre Tochter eines Tages einen gemeinsamen Ausflug in den Schnee unternehmen, werden sie von Irina, einer Vampirin mit Kontakt zu den Volturi, beobachtet. Diese vermutet hinter der Herkunft Bellas und Edwards Tochter ein Verbrechen, auf das bei Vampiren die Todesstrafe steht: Die Verwandlung eines Kindes in eine Unsterbliche. Die Volturi machen sich auf den Weg, um Rénesmée und ihre Eltern zu vernichten. Derweil trommeln die Cullens Vampire aus aller Welt zusammen, damit diese die wahre Herkunft der Kleinen bezeugen. Auch Jacob und seine Familie wollen den Cullens im Falle eines Kampfes bereitstehen. Und der rückt näher und näher…
Kritik
Es wird Kritiker und vor allem Skeptiker der verfilmten „Twilight“-Saga mitnichten überraschen, dass sich auch der finale Teil der Romanverfilmung in Machart und Atmosphäre nur unwesentlich von seinen Vorgängern unterscheidet. Dementsprechend wird „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht, Part 2“ nicht unbedingt auf den letzten Drücker Neu-Fans hinzugewinnen, alteingesessene wird er dagegen aber auch nicht verlieren. Mehr noch: Diejenigen, die sich von Part eins des Finales enttäuscht zeigten – nicht ohne Grund galt dieser bisher als der schlechteste Teil der Reihe – können nun wieder aufatmen, denn „Breaking Dawn, Part 2“ kann ohne Zweifel als einer der stärksten, wenn nicht gar der stärkste Teil der Saga bezeichnet werden. Gründe hierfür gibt es zuhauf.
Bereits das stylische, fast künstlerisch anmutende Intro zeigt auf, wofür Kino gemacht wurde. Eben genau für solche Bilder. In Close-Ups verbinden sich die verschiedenen Elemente, zeigt sich der Zauber von Eiskristallen in Verbindung mit tiefrotem Blut. Mal in Zeitlupe, mal in doppelter Geschwindigkeit Beeindruckender war in diesem Jahr nur das Opening zum 23. „Bond“-Streifen „Skyfall“.
Robert Pattinson („Wasser für die Elefanten“, „Cosmopolis“) und Taylor Lautner („Valentinstag“, „Atemlos“) hingegen zeigen sich gewohnt souverän, auch wenn Lautner erstaunlich wenig Screentime zugestanden wird. So fokussiert sich der Streifen hauptsächlich auf das Protagonistenpaar Bella/Edward und lässt die Figur des Jacob fast wie eine Nebenrolle aussehen. Den Handlungsstrang der Infragestellung, für wen Bella sich denn nun entscheidet, ist schließlich seit der Hochzeit selbiger auserzählt, was leider viel der Dynamik einbüßen lässt, gleichzeitig aber auch einiges an Kitsch aus der Inszenierung nimmt, für welchen es seitens der Skeptiker viel Kritik hagelte.
Stattdessen überrascht „Breaking Dawn, Part 2“ an vielen Stellen und wirkt – sofern man die Bücher nicht kennt – wesentlich weniger vorhersehbar als seine Vorgänger. So bewiesen die Macher an einigen Stellen einen Humor, den man ihnen in der Form gar nicht zugetraut hätte. So kokettieren sie etwa mit einigen Vorurteilen über die Reihe, etwa wenn sie mit einem deutlichen Augenzwinkern das Ausziehen von Jacobs Oberteil zelebrieren oder mit ironischem Unterton die Gewöhnungsphase von Bella an ihre Kräfte zeigen. Das zeigt bereits auf, wohin der Streifen besonders in seiner Anfangszeit geht. Es wird deutlich mehr auf Humor gebaut, der gut als Gegenpol zur weitestgehend ernsten Thematik funktioniert. Dadurch nahmen die Macher dem Streifen endlich eine gute Portion der Verbissenheit, die in seinen Vorgängern oftmals aufgesetzt und gewollt melancholisch wirkte. Stattdessen zeigt dieser Teil, dass man Emotionen auch zwanglos erzeugen kann.
Eine weitere Stärke von „Bis(s) zum Ende der Nacht, Part 2“ ist ohne Zweifel nach wie vor eine berauschende Optik, einhergehend mit rasanten und vor allem rasant geschnittenen Kamerafahrten. Gerade aus der Perspektive von Bella und Edward, die in einem irrwitzigen Tempo durch die Wälder streifen, wirken die Szenerien stellenweise wie eine Achterbahnfahrt, befinden sich jedoch zeitweise an der Grenze zum Erträglichen, da sie zwar ohne jeglichen Zweifel beeindruckend sind, den Zuschauer jedoch an der Grenze zur Reizüberflutung unterhalten wollen.
Fazit: „Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht, Part 2“ kommt im Großen und Ganzen so daher, wie es seine Vorgänger getan haben. Wer diese nicht mochte, wird auch das Finale nicht mögen und doch überrascht dieser letzte Teil mit so einigen atmosphärischen Bausteinen, die man so von einem Teil der „Twilight“-Saga nicht erwartet hätte. Es scheint, als hätten die Macher sich gleichzeitig Kritiken zu Herzen genommen, ohne dabei ihre eigenen Vorstellungen aus den Augen zu verlieren. Damit schufen sie einen würdigen Abschluss für ihr Projekt, indem sie die Stärken aller Teile hervorkehren und die weniger gelungenen Elemente unberücksichtigt lassen.
„Breaking Dawn – Bis(s) zum Ende der Nacht, Part 2“ ist ab dem 22. November in den deutschen Kinos zu sehen.

