2009 entstand mit „Inglourious Basterds“ fernab der typischen Holocaust-Kost ein Nazi-Film, nah an der Grenze zur Comedy. Tiefschwarzer Humor und blanke Satire machten aus dem Film von Quentin Tarentino ein Meisterwerk und ließen den Zuschauer einen Blick auf die Nationalsozialisten erhaschen, den sie so schnell nicht vergessen würden. 2012 schlug das Nazi-Trashspektakel „Iron Sky“ auf der Berlinale ein wie ein Meteor im Meteorblitzkrieg und der finnische Regisseur Timo Vuorensola lieferte mit dem 7,5 Millionen Euro teuren Low-Budget-Streifen ein Machwerk ab, das an Absurditäten kaum zu übertreffen ist. Lest in meiner ersten Kino-Kritik, weswegen sich IRON SKY lohnt und warum ich diesem Film die Nummer eins der Kinocharts von Herzen gönne.
Der Plot
Gegen Ende des zweiten Weltkrieges gelingt es einer Gruppe von Nazis, in riesigen UFOs – den sogenannten Reichsflugscheiben – zum Mond zu fliegen und die dunkle Seite des Erdtrabanten zu besiedeln. Bis 2018 bleibt ihr Existenz unentdeckt, bis eines Tages auf einmal der Afroamerikaner James Washington (Christopher Kirby) auf dem Mond landet um hier Promotion für die Wiederwahl der amtierenden Präsidentin von Amerika zu machen. Ganz nach dem Motto „Black to the Moon“ versucht diese mit allen Mitteln, auch weiterhin das Amt zu bekleiden, sucht bislang jedoch vergeblich nach einer Strategie, mit welcher ihr dies auch gelingen mag. Während Washington den Werbebanner für die Dame auf dem Mond ausrollt, wird er von Nazis überrascht, anschließend in die hakenkreuz-förmige Zentrale gebracht und dort verhört. Wie sich hier durch einen Zufall herausstellt, ist es ausgerechnet die Rechenleistung von Washingtons Smartphone, welche in der Lage wäre, das Kampfschiff „Götterdämmerung“ in Gang zu setzen und mit Hilfe welches die Nazis endlich ihren Angriff zur Erde starten könnten. Die korrekte, von der Naziideologie überzeugte Renate Richter (Julia Dietze) ist beeindruckt von dem Erdenbewohner – sieht sie sich doch in ihrer Lehrerrolle als die Erd-Expertin schlechthin und erhofft sich von dem Fremden Insiderinfos. Gemeinsam mit ihrem von Allmachtsfantasien zerfressenen Gatten Klaus Adler (Götz Otto), der sich nichts mehr herbeisehnt, als den Tag, an dem er in die Fußstapfen des amtierenden Führers Wolfgang Kortzfleisch (Udo Kier) treten wird, will Renate zur Erde reisen, um dort noch mehr Smartphones zu finden, damit das von langer Hand geplante Projekt der Weltherrschaft endlich in Angriff genommen werden kann. Hilfe erhoffen sich die beiden von Washington, nach der Verabreichung eines Albinoserums mittlerweile erblichen und in einer Naziuniform steckend einem Arier verblüffend ähnlich sieht. Auf der Erde angekommen muss Renate jedoch feststellen, dass das Nazi-Dasein nicht annährend etwas mit dem zu tun hatte, was sie all den Jahren ihren Pimpfen und Mädchen auf dem Mond gelehrt hat. Sie entdeckt die Gefährlichkeit der Ideologie und sieht es nun als ihre Aufgabe, ihren Gatten von seinem gefährlichen Plan abzuhalten. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn Klaus ist wie besessen von seiner Idee und selbst die Präsidentin befindet sich mittlerweile auf seiner Seite. Als schließlich der Meteorblitzkrieg ausgerufen wird, scheint endgültig alles zu spät.
„Alle Präsidenten, die einen Krieg beginnen, werden wiedergewählt!“
Kritik
Kurzum: „Iron Sky“ bietet bitterböse Satire, gepaart mit Blödel-Humor und Action, die für die geringen Budget-Verhältnisse ein Augenschmaus sind. Für die Thematik notwendig sind selbstverständlich gewisse geschichtliche Vorkenntnisse, damit auch wirklich jeder Gag zündet. Fans von absurdem Kino, das gerne mal über die Stränge schlägt und es mit der political correctness nicht so ernst nimmt, werden mit „Iron Sky“ bestens bedient. Das Tüpfelchen auf dem i bietet der augenzwinkernde Soundtrack, der zwar aus bereits Bekanntem zusammengeschustert wirkt, jedoch sämtliche Szenerien perfekt unterstreicht und aus dem großen kurzum großartiges Kino macht. Kultstatus nicht ausgeschlossen!
Iron Sky ist ab dem 05. April 2012 in Deutschlands Kinos zu sehen!

