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Paris Murder Mystery

Was passiert, wenn eine zweifache Oscarpreisträgerin in einem scheinbar klassischen Krimi die Bühne betritt und dabei mit ihrer alleinigen Präsenz alles andere in den Schatten stellt? PARIS MURDER MYSTERY ist weniger ein Whodunit als ein faszinierendes Star-Vehikel, das seine größte Stärke ganz klar im Zentrum trägt: Jodie Foster.

OT: Vie privée (FR 2025)

Darum geht’s

Lilian Steiner (Jodie Foster) arbeitet seit vielen Jahren als Psychotherapeutin in der französischen Hauptstadt Paris. Sie führt ein ruhiges, strukturiertes Leben und ist bekannt für ihre professionelle Distanz gegenüber den Problemen ihrer Patientinnen und Patienten. Eines Tages wird sie mit einem schockierenden Ereignis konfrontiert: Eine ihrer Patientinnen stirbt unter mysteriösen Umständen. Dieses Ereignis erschüttert Lilian zutiefst und bringt sie dazu, die Grenzen zwischen ihrem beruflichen und privaten Leben zu hinterfragen. Getrieben von dem Wunsch, die Wahrheit herauszufinden, beginnt sie, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Im Laufe ihrer Ermittlungen stößt Lilian auf ein komplexes Geflecht aus Geheimnissen, Lügen und verborgenen Beziehungen. Dabei gerät sie zunehmend in gefährliche Situationen und muss erkennen, dass nicht nur ihre Patientin, sondern auch andere Menschen in ihrem Umfeld dunkle Geheimnisse verbergen…

Kritik

Es ist längst keine Seltenheit mehr, dass Schauspieler:innen die Komfortzone ihrer Muttersprache verlassen. Jodie Foster („Hotel Artemis“), die schon früh Teile ihrer Karriere in Frankreich verbrachte und fließend Französisch spricht, reiht sich mit ihrem Engagement in der französischen Produktion „Paris Murder Mystery“ in eine Riege von Darsteller:innen ein, die bewusst den Schritt in fremdsprachige Produktionen gewagt haben. Kristen Stewart etwa spielte für Olivier Assayas in „Personal Shopper“ ebenfalls auf Französisch, während Viggo Mortensen nicht nur in englischsprachigen, sondern auch in spanischen und dänischen Filmen zu Hause ist. Umgekehrt ist der internationale Blick für deutsche Schauspieler:innen ohnehin längst Alltag: Diane Kruger, die ihre Karriere zunächst in Frankreich begann, oder Christoph Waltz, der zwischen deutsch- und englischsprachigen Produktionen hin- und herwechselt, sind nur zwei prominente Beispiele. Im Anbetracht solcher Karriereentscheidungen ist es schön, zu sehen, dass Sprache hier keine Barriere, sondern ein zusätzliches Ausdrucksmittel wird, denn so eine Verpflichtung großer Stars in „fremdsprachigen“ Rollen kann auch als Qualitätsversprechen gelesen werden.

Lilian (Jodie Foster) mit ihrer Patientin Paula (Virginie Efira).

Auch Jodie Fosters Darbietung in „Paris Murder Mystery“ ist kein bloßes Gimmick, sondern sowohl im Film selbst (hier spielt sie eine Amerikanerin, die in Frankreich lebt – und herrlich schön auf Englisch flucht!) als auch auf einer Meta-Ebene so etwas wie die logische Konsequenz einer Karriere, die sich nie auf nationale Grenzen beschränken wollte. Doch so reizvoll die Vorstellung auch ist, eine zweifache Oscarpreisträgerin in einem europäischen Krimikontext zu erleben, stellt sich unweigerlich die Frage, ob der Film mehr zu bieten hat als die bloße Faszination seiner Besetzung. Denn ohne Zweifel ist es Jodie Foster, deren Performance in „Paris Murder Mystery“ alles überstrahlt. So ehrlich muss man sein: Hätte Regisseurin und Drehbuchautorin Rebecca Zlotowski („Grand Central“) einfach eine französische Landsfrau für die Hauptrolle verpflichtet, wäre der Film um den großen Pluspunkt ärmer. Denn auch wenn Fosters Performance längst nicht von den größten Gesten oder einem ausladenden Minenspiel lebt, ist es allein ihrer schauspielerischen Grandezza und ihrer enormen Gravitas zu verdanken, dass man an ihren Lippen hängt, völlig egal, welche Sprache die gerade sprechen. Jodie Foster ist in „Paris Murder Mystery“ gerade deshalb ein solches Ereignis, weil sie sich nicht aktiv in den Mittelpunkt drängen muss, um letztlich doch alle um sich herum an die Wand zu spielen. Das Label „Superstar-Vehikel“ hat der Film also schon mal ziemlich sichtbar auf der Stirn kleben.

„Lilians Suche nach Hinweisen, ihre Gespräche mit dem Umfeld der Toten und das sukzessive Zusammenpuzzlen der verschiedenen Indizien kommen dem Genrebegriff ‚Murder Mystery‘ noch relativ nah. Doch eigentlich geht es in ‚Paris Murder Mystery‘ vielmehr um die Hauptfigur selbst.“

Die Story um sie herum entpuppt sich im Anbetracht des Filmtitels derweil als von diversen Überraschungen durchzogen. Denn das der im Original „A Private Life“ betitelte Crime-Thriller hierzulande auf den Namen „Paris Murder Mystery“ hört, dürfte wohl vor allem darin begründet liegen, dass Whodunit-Filme und -Serien (also klassische Murder-Mystery-Stoffe) aktuell Hochkonjunktur haben. Doch Rebecca Zlotowski erzählt hier nicht von einem Mordfall, auf dessen Spur sich die Hauptfigur Lilian begibt. Stattdessen gilt es vielmehr, aufzuklären, ob überhaupt ein Verbrechen stattgefunden hat. Lilians Suche nach Hinweisen, ihre Gespräche mit dem Umfeld der Toten und das sukzessive Zusammenpuzzlen der verschiedenen Indizien kommen dem Genrebegriff „Murder Mystery“ noch relativ nah. Doch eigentlich geht es in „Paris Murder Mystery“ vielmehr um die Hauptfigur selbst. Das wird auch durch den Originaltitel „A Private Life“ nochmal besonders deutlich. Denn je länger der Film voranschreitet, umso stärker und intensiver wird Lilian mit der Frage konfrontiert, wie tief sie als Psychotherapeutin tatsächlich in das Leben ihrer Patient:innen vordringen kann. Wie sicher kann sie sein, dass sie von ihnen wirklich die Wahrheit erzählt bekommt? Ab dem Moment, in dem die Psychiaterin sich dieser Unsicherheit bewusst wird, legt der Film in Sachen Intensität nochmal eine Schippe drauf. Bis dato schreitet „Paris Murder Mystery“ eher gemächlich voran, was ihm jedoch nicht zum Nachteil gereicht werden soll…

Paulas Tochter Valérie (Luàna Bajrami) hat Lilian bereits erwartet.

… eher im Gegenteil. Die von dem Film ausgehende Entschleunigung, gepaart mit einer eleganten Inszenierung und dem über jeden Zweifel erhabenen Spiel der Hauptdarstellerin machen „Paris Murder Mystery“ zu einem kleinen Krimischmankerl. Gleichwohl muss man – insbesondere was die Charakterisierung der Protagonistin angeht – hin und wieder die Zähle zusammenbeißen, wenn sich die Plausibilität und Glaubwürdigkeit klar der Dramaturgie unterordnen. Dass die von Beginn an als äußerst rationale, nahezu kühle Lilian sehr plötzlich für so etwas wie Hypnose empfänglich ist (und dafür dann auch noch eine eher zwielichtige, oder zumindest kaum schulmedizinisch geführte Praxis aufsucht), ist schlicht und ergreifend nicht in character. Gleichzeitig ist der Besuch bei der Hypnosetherapeutin für den weiteren Filmverlauf gleich in doppelter Hinsicht wichtig. Zum einen, um den eigentlichen Fall aufzuklären, zum anderen, um Lilians Figurenentwicklung, insbesondere die ihrer familiären Beziehungen, voranzutreiben. Das wirkt unelegant, da in erster Linie zweckdienlich. Und es ist ganz allein Jodie Foster zu verdanken, dass „Paris Murder Mystery“ sich trotzdem nie vollends im spirituellen Humbug verliert. Die durch und durch tragische Auflösung der Geschichte versorgt den Film auf der Zielgeraden dann immerhin mit dem nötigen emotionalen Punch, der der „Erscheinung Jodie Foster“ hier vollkommen gerecht wird.

„Die von dem Film ausgehende Entschleunigung, gepaart mit einer eleganten Inszenierung und dem über jeden Zweifel erhabenen Spiel der Hauptdarstellerin machen ‚Paris Murder Mystery‘ zu einem kleinen Krimischmankerl.“

Fazit: „Paris Murder Mystery“ ist ein stilvoll inszenierter, entschleunigter Krimi, der vor allem von Jodie Fosters herausragender Präsenz getragen wird. Während der Film inhaltlich interessante Fragen aufwirft und atmosphärisch überzeugt, schwächelt er stellenweise durch konstruiert wirkende dramaturgische Entscheidungen. Am Ende bleibt ein solides, emotional wirkungsvolles Werk, das jedoch ohne seine Hauptdarstellerin deutlich an Strahlkraft verlieren würde.

„Paris Murder Mystery“ ist ab dem 16. April 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.
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