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Werk ohne Autor

Sein Langfilmdebüt „Das Leben der Anderen“ wurde weltweit gefeiert und brachte den Fremdsprachen-Oscar nach Deutschland, seine zweite Regiearbeit „The Tourist“ wurde in der Luft zerrissen. Was Florian Henckel von Donnersmarck mit WERK OHNE AUTOR in petto hat, verraten wir in unserer Kritik.

Der Plot

Eine Kunstausstellung zu Zeiten des Dritten Reichs: Der junge Kurt Barnert sieht sich mit neugierigen Augen die Exponate einer Ausstellung an. Während seine Tante Elisabeth (Saskia Rosendahl) ihn ermutigt, sich ebenfalls in dieser Form künstlerisch zu betätigen, rümpft der Ausstellungsführer (Lars Eidinger) mit der Nase. Entartete Kunst wie jene, die derzeit zur Schau gestellt wird, habe keinen Wert, sie sei bestenfalls das Produkt eines handwerklich ungeschulten Kindes und schlimmstenfalls der Ausdruck eines kranken Geistes. Später wird an anderer Stelle im Nazi-Reich eine unmenschliche Entscheidung über solche „kranken Geister“ gefällt: Ärzte wie Prof. Carl Seeband (Sebastian Koch) werden dazu angehalten, ihre Patientinnen und Patienten in Klassen zu unterteilen – jene, die sie für erhaltenswert erachten und jene, die fortan nur die „Blutlinie“ verunreinigen würden und daher sterilisiert oder gar getötet gehören. Auch Kurts Familie wird durch diese Politik persönlich getroffen.

Nach dem Krieg schlägt der die Welt weiterhin mit offenen Augen beobachtende Kurt (als Erwachsener gespielt von Tom Schilling) tatsächlich eine Laufbahn in der Kunst ein. Jedenfalls, so weit es ihm vergönnt ist. Als Bürger der DDR kann er nur aus begrenzten Optionen wählen, verdient sich sein Brot zunächst als Maler für Werbeschilder, wo er allerdings aufgrund seines übermäßigen Talents aneckt. Als Kurt für eine Kunstschule empfohlen wird, hofft er auf eine große Änderung. Die ersehnte künstlerische Freiheit erlangt er aber noch immer nicht; der Unterricht gestaltet sich dafür als zu politisch. Jedoch lernt Kurt die eifrige Schneiderin Ellie (Paula Beer) kennen. Die Beiden beflügeln sich gegenseitig – allerdings legt das Schicksal, eine bittere Muse oder schlicht die Welt dem Paar allerhand Steine in den Weg zur gänzlichen Erfüllung ihrer Lebenswünsche …

Kritik

„Ist das Kunst oder kann das weg?“ dürfte ein, oft scherzhaft gemeinter, Satz sein, den wir alle bereits Dutzende Male gehört oder sogar gesagt haben. Und selbst wenn er nie in exakt diesem Wortlaut in „Werk ohne Autor“ erklingt, hallt sein Sentiment nachdrücklich durch dieses explizit deutsche Künstlerepos. Etwa, wenn Kunststudent Kurt (Tom Schilling, „Die Frau in Gold“) in seinem Atelier Besuch von seinem Schwiegervater erhält, der sich in einer Tour über seinen Lebensstil mokiert sowie über seinen Blick für Kunst. Oder wenn ein Fernsehreporter naserümpfend über eine Ausstellung berichtet, die er besucht. Das am längsten nachklingende Echo weist jedoch die „Und sowas ist Kunst?“-Haltung gleich zu Filmbeginn auf. In einem verächtlichen Duktus stapft ein Museumsführer (Lars Eidinger in seinem schauspielerischen Gegenpol zu „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“) durch Reihen „entstellter Kunst“ und erläutert angewidert-belehrend, weshalb die ausgestellten Bilder und Skulpturen keine echte Kunst seien. Sondern bloß Belege, wie desorientiert, verstört und schlichtweg krank die Geister seien, die so etwas fabriziert haben.

Tante Elisabeth (Saskia Rosendahl) muss Abschied von der Familie nehmen.

Obwohl „Werk ohne Autor“ auch eine Reise durch mehrere Jahrzehnte deutscher Geschichte ist: Es ist diese erste Sequenz, die das grundlegende Thema dieses ebenso spannenden wie bewegenden Dramas einführt. Sie ist es, die unseren Blick für das Sujet Kunstsensibilität schärft. Denn in den zahlreichen, nachfolgenden Filmminuten wird ein offenes Herz für Kunst beständig mit Empathiefähigkeit assoziiert. Wie etwa bei Tante Elisabeth, die Kurt trotz der strafenden Worte des Museumsleiters auffordert, sich künstlerisch frei zu entfalten. Sie wird von Saskia Rosendahl mit strahlenden Augen und friedfertigem Lächeln zur immerwährenden Inspiration Kurts, zu einem nahezu unerreichbaren Ideal. Die Inszenierung Elisabeths durch von Donnersmarck droht gar wiederholt ins Krampfhafte zu kippen. Sei es, wenn er sie als liebende Tante sehr eng an Kurt rücken lässt oder dann, wenn sie wegen ihrer Nonkonformität ins Auge der Nazi-Schergen gerät, woraufhin der Regisseur schlagartig die mimische Sanftheit seiner Dialogszenen aufgibt, und Rosendahl in theatralische, bis ins Mark gehende Panik wechseln lässt.

Der kleine Kurt Barnert (Cai Cohrs) begegnet der Kunst.

Obwohl diese Bitternis und Verzweiflung ersichtliche Gründe haben (wo kämen wir hin, wäre von Donnersmarcks Schilderung der Nazi-Taten frei von Grauen?), zählen sie zu den wenigen ungelenken Augenblicken in „Werk ohne Autor“, da hier von Donnersmarcks zurückhaltend-ruhiger Stil durch sehr große, sehr laute Gesten gebrochen wird, die sich in ihrer Ausführung und Inszenierung dem Klischee nähern. Selbiges gilt für die Einführung des erwachsenen Kurt, der grübelnd im Baum sitzt und daraufhin munter durch ein Feld rennt, ehe er seinen Eltern von der Weltformel erzählt. Von der Filmparodie des beseelten Freigeists sind wir in dieser Szene nur um eine Haaresbreite entfernt. Doch worum es wirklich geht: Auch Kurt, der nach seiner arg überbetonten Einführung von Tom Schilling mit deutlich mehr Zurückhaltung gespielt wird und mit kleinen gestischen Regungen zu einer nuancierten Figur heranwächst, wird in „Werk ohne Autor“ als kunstaffin und frei von Vorverurteilungen gezeichnet. Ebenso wie sein Schwarm Ellie, die Paula Beer mit sanftem Witz anlegt und damit eine hohe dramaturgische Fallhöhe ermöglicht – denn jedes Mal, wenn sich Beers Blick trübt, schmerzt dies umso mehr. Doch ob in guten oder in tragischen Momenten, die Beer mimisch ebenso sehr meistert und daher den Wunsch weckt, Ellie hätte mehr selbstbestimmte Szenen als ihr letztlich vergönnt sind: Auch die einfallsreiche Schneiderin lässt sich von neuen Ideen begeistern, ist äußerst empathisch – und wird so thematisch von jenen getrennt, die eine wesentlich engere Betrachtungsweise (nicht nur von Kunst) mitbringen.

Denn im narrativ zugespitzten „Welt ohne Autor“-Konstrukt besteht ein Zusammenhang zwischen dem Unverständnis, oder gar der Verachtung, gegenüber „fremden“ Kunstformen, und genereller Ignoranz. Wo bestimmte Formen des Ausdrucks und des Schaffens kategorisch ausgeschlossen werden, so zieht es sich durch die im Film geschilderten Schicksale, werden auch ungewöhnliche Sichtweisen missachtet. Und somit befindet man sich bereits bedenklich nah an der Aussortierung von unbequemen Gedanken, ungewollten Philosophien oder unverstandenen Geistern. Bis zum Ausschluss, Aussortieren oder Ausschalten bestimmter Menschen ist es dann auch nicht mehr weit. Aber: Florian Henckel von Donnersmarck schwingt in seinem dritten Langfilm dankenswerterweise nicht die panische, allgemein verurteilende Keule. Er suggeriert nicht, ahnungslose Museumsgäste oder strenge Kunstbetrachter seien sogleich mit Nazis gleichzusetzen. Was sich in „Werk ohne Autor“ dennoch sukzessive herauskristallisiert: Eine höhere Achtung der Kunst sensibilisiert. Daher sind Museumsführungen wie die zu Beginn des Films oder Häufungen vollauf überzeugter „Wieso ist das denn Kunst?“-Fragen in von Donnersmarcks Erzählung ernstzunehmende Anzeichen für einen Mangel an Einfühlungsvermögen und Toleranz – individuell oder strukturell. Sei es, wenn im starren DDR-System nicht nur eine einzige politische Strömung, sondern auch nur eine Gemäldestilistik geachtet wird, oder in der Bundesrepublik der 1960er-Jahre Versuche, sich intellektuell freizukämpfen, und „Früher war nicht alles schlecht“-Mentalität koexistieren.

Die Anfänge von Kurt Barnert (Tom Schilling).

 Als Gegenentwurf zu etwaigen Sperren in den Köpfen, suggeriert Florian Henckel von Donnersmarck in „Werk ohne Autor“, dass das Künstlerherz an Wahrheiten gelangt, die der Verstand nicht begreifen kann. Nicht ohnehin heißt es „Das Leben imitiert die Kunst“, wann immer mahnende Kunstschaffende besorgniserregende Entwicklungen vorab beschrieben haben. Und auch im Kern dieser Erzählung verbergen sich Erkenntnisse, mit denen Kurt lange hadert. Die Ironie auf der Meta-Ebene von „Werk ohne Autor“ ist, dass dieser Film über Kunst, die das wahre Leben schneller begreift als die Realität selbst, aus realen Anekdoten zusammengesetzt wurde. Die meistprägende Inspiration sind das Leben und Wirken Gerhard Richters, wobei von Donnersmarck die wahren Vorbilder ausgiebig fiktionalisiert hat, um eben keinen filmischen Schlüsselroman zu erschaffen. Tonal liefert er eher Impressionen des Kunststrebens und deutscher Befindlichkeiten ab, auch bildästhetisch lässt sich eine gewisse Nähe zum Impressionismus nicht leugnen: Kameramann Caleb Deschanel („Regeln spielen keine Rolle“) fängt das Geschehen in sanften Lichtreigen ein, die  fast ausnahmslos von wenigen prägenden Farbtönen bestimmt werden. Das verleiht „Werk ohne Autor“ eine gedeckte Grundtonalität – passend zur Erzählhaltung, die Contenance bewahrt und das Publikum gemeinhin lieber sachte ins Geschehen zieht, statt es durch auffällige Stilistik zu überwältigen. Diese Betulichkeit mag befremdlich wirken, verneigt sich von Donnersmarck im letzten Drittel doch ausführlich vor den auffälligen, den hoch emotionalen, den querdenkenden Künstlern wie etwa Joseph Beuys.

Aber davon abgesehen, dass eine erzählerisch wie ästhetisch aufgekratzte Herangehensweise „Werk ohne Autor“ wiederum darin gehemmt hätte, die Figuren und Situationen in solch einer beklemmenden, sogartigen Ausführlichkeit zu erläutern: Sich auf eine einzelne Kunstepoche einzuschießen wäre letztlich gegen den Grundgedanken dieses Films, den von Donnersmarck wie einen alten, deutschen Bildungsroman strukturiert. In den mehr als drei Stunden Laufzeit dieses Dramas nimmt sich der Regisseur und Autor Zeit für filigrane Details, um nicht nur die Wendepunkte im Leben und Wirken seines Protagonisten zu zeichnen, sondern auch, um die ersten Andeutungen eines nahenden persönlichen wie gesellschaftlichen Scheidewegs greifbar zu machen – sowie Kurts Alltag vor einschneidenden Momenten.

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Das naturalistische Spiel des Ensembles verhindert, dass diese kleinschrittige Erzählweise zu Monotonie führt. Vor allem Tom Schillings Art, durch sanfte Sprache und vorsichtigen Gestus einerseits eine neugierige Grundnaivität auszudrücken, andererseits seiner Rolle durch ein intensives Spiel mit seinen Augen noch immer einen nachdenklichen, klaren Charakter mitzugeben, lässt das Publikum nah an Kurt heranrücken. Statt einer klassischen Dramenstruktur zieht „Werk ohne Autor“ Spannung daraus, wie sich drei (augenscheinlich) radikal unterschiedliche deutsch-deutsche Jahrzehnte auf Kurt auswirken, und wie er psychologisch sowie emotional auf sie reagiert.

Sebastian Koch mimt den kaltherzigen Professor Carl Seeband.

Als Quasi-Gegenstück entwirft von Donnersmarck Sebastian Kochs Figur, die sich mit der immer gleichen, kühl-bestimmten Art durch die Wandlungen der Geschichte (in jeglichem Wortsinne) mogelt und alle Gelegenheiten wahrnimmt, um dauerhaft der Empathie und Gerechtigkeit zu entkommen. Koch („Nebel im August“) spielt seine Rolle dennoch trocken und leise, statt sie als finsteren Schurken anzulegen, und bekommt sogar einige, sehr rare Gelegenheiten, Gutes zu tun (und sei es nur, um daraus eigenen Nutzen zu ziehen). Somit ist er nicht etwa das absolute Gegenteil unseres Protagonisten, sondern quasi der ihm entgegengesetzte Endpunkt auf derselben Linie. Über den Handlungsbogen von Kochs opportunistischer Figur Carl Seeband und das wiederholte Ausbleiben ausgleichender Gerechtigkeit, kanalisiert sich in „Werk ohne Autor“ auf langer Sicht auch jene Frustration über historisch angeeignete Schuld, die in von Donnersmarcks ruhigem Drama auf handwerklicher Ebene zumeist fortbleibt – „Werk ohne Autor“ legt im Guten wie im Schlechten nun einmal andere Schwerpunkte als Robert Schwentkes wütendes, schockiertes Drama „Der Hauptmann“. Nicht zuletzt aufgrund der aussagekräftigen Parallelen und Gegensätze zwischen Kurt und Seeband ist die Filmpassage, bevor Schilling als Hauptdarsteller auf die Leinwand gelangt, im Vergleich zum Rest des Films relativ spröde.

Erst Schillings magnetische Art hält von Donnersmarcks narratives Konzept, gesellschaftliches und politisches Elend aus der deutschen Geschichte mit der künstlerischen Selbstfindung eines Malers zu verschränken, und seine schwärmerische Visualität, inklusive Silke Buhrs ausdrucksstarkem Szenenbild, so richtig zusammen. Da „Werk ohne Autor“ die Zeit vom Nazi-Regime bis in die mittleren 1960er-Jahre umspannt, und von einem dem jeweils in der Mitte der Gesellschaft vorherrschenden Zeitgeist widersprechenden Maler handelt, bietet sich die Lesart an, von Donnersmarck würde nahelegen, dass echte Kunst nur aus Leid entstehen kann. Jedoch gibt diese Lesart den eingestreuten Momenten der Harmonie in Kurts Selbstwerdungsprozess ein unangebracht geringes Gewicht: Seien es kleine, durch die zurückhaltende Regieführung in ihrer Spritzigkeit gedrosselte, Augenblicke der Situationskomik oder die durch von Donnersmarck gleichermaßen geschmackvoll wie körperlich inszenierten Sexszenen: Kurts Weg zum Künstler führt nicht allein durch Elend, sondern durch alles, was ihn ausmacht – und somit auch durch Momente des Glücks. Untermauert wird dies zudem durch einen aufwühlenden Monolog, den Oliver Masucci („HERRliche Zeiten“) zum Besten gibt: In der Rolle des an Beuys angelehnten, enigmatischen Professor Antonius van Verten erklärt der Ausnahmeschauspieler gefühlvoll und völlig frei von einem belehrenden Beiklang, dass Kunst vor allem wahrhaftig sein muss. Was für den Kunstschaffenden wahrhaftig ist und wie er dies ausdrückt, variiere dagegen.

Kurt beim Malen im Studium.

Die Offenheit, die von Donnersmarck diversen Stilrichtungen gegenüber an den Tag legt, äußert sich zudem eindrucksvoll in der Musikuntermalung von „Werk ohne Autor“: Der gebürtige Kölner untermalt sein dramatisches Epos auf eindringliche Weise mit Klängen des Komponisten Max Richter. Der in der Rattenfängerstadt Hameln geborene, in England aufgewachsene und letztlich nach Berlin gezogene Musiker ist weltberühmt für seine sphärische Verschränkung aus elektronischen und symphonischen Elementen und prägte unter anderem Schlüsselszenen aus Denis Villeneuves „Arrival“. Richters Musikstücke in „Werk ohne Autor“ sind nicht weniger gänsehauterregend: Das bereits 2002 veröffentlichte, atemberaubend schöne Stück „November“ dient als Grundstein für die Musikuntermalung dieses Dramas, das bevorzugt auf kühl konnotierte Arrangements setzt. Violinen, die hohe Töne anstimmen, langsam anschwellende Celli und Kontrabässe, niedrig temperierte Pianoklänge … Doch in den Melodien klingt eine mitreißende, ehrliche Verletzlichkeit mit, und wie schon „November“ bauscht sich auch die Gesamtheit des „Werk ohne Autor“-Soundtracks aus einer anfänglichen Düsternis in eine spätromantische, behutsam-triumphale Stimmung auf. Wenn schon kein anhaltendes Gefühl der Befreiung gestattet ist, so wenigstens ein gräulich-verschleierter Moment des Loslassens, symbolisiert durch warme, vitale Melodien, die sich aus Richters zurückhaltender Instrumentierung herausarbeiten.

Auf die Gefahr hin, überzuinterpretieren: Einige der musikalisch prägnantesten Augenblicke in „Werk ohne Autor“ ereignen sich in Situationen, in denen von Donnersmarcks historisch-nüchterner Blick verklärt. Richters klangästhetischer Stilmix gerät stärker in den Vordergrund, wenn etwa Tante Elisabeth großes Übel vorausahnt (oder schlicht die Nerven verliert), ein Windstoß im exakt richtigen Augenblick Kurts Inspiration lenkt (was Zufall oder Fügung ist) oder wenn ein Hupkonzert die bittere Welt stocken lässt und kurzzeitig zu einem poetischen Ort formt. In solchen Augenblicken, so dürften sicherlich manche Kurzschlussreaktion auf „Werk ohne Autor“ lauten, verrät von Donnersmarck seine lebensnahe Anekdotenkonstruktion über drei Jahrzehnte, die bleibende Schneisen in der deutschen Seele hinterlassen haben, und driftet ins Metaphorische ab.

Ellie (Paula Beer) schenkt Kurt Barnert einen West-Bleistift.

Oder hat es Methode, ist es von Donnersmarcks Recht auf künstlerische Freiheit, solche Funken des Magischen Realismus in „Werk ohne Autor“ einzufangen? Zumal dieser nicht nur in Filmform und gedruckter Prosa existiert, sondern auch der Name einer Stilrichtung in der Malerei ist, die im alten Europa vor dem Aufstieg der Nationalsozialisten anfing, aufzublühen, und alsbald gleichgeschaltet wurde, woraufhin einige Vertreter dieser Form flohen und sie in anderen Teilen der Welt groß machten? Nun. Streichen wir den vorhin geäußerten Gedanken, wir könnten „überinterpretieren“. Denn aus dem Blickwinkel, von dem aus „Werk ohne Autor“ auf die Schnittstelle zwischen Kunst und Weltlichkeit, Vorahnung und Bewusstsein schaut, ist „überinterpretieren“ sicher bloß ein weiterer verdammenswerter Begriff, der die schlechteren Tendenzen des deutschen Gemüts fortwähren lässt.

Fazit: Florian Henckel von Donnersmarcks Mammutfilm „Werk ohne Autor“ ist ein ruhig erzähltes Drama großer Gefühle, das vor dem Hintergrund aufwühlender Geschichtsereignisse über das Werden eines Künstlers erzählt. Thematisch dicht und mit Gänsehaut-Musik untermalt, ist dieses mehr als drei Stunden lange Epos trotz kleinerer Momente, in denen die sonst stilsichere Hand von Donnersmarcks verkrampft, bewegend, geistreich und spannend zugleich.

„Werk ohne Autor“ ist ab dem 03. Oktober bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen!

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