Aus und vorbei – die Oscars sind in greifbarer Nähe und ich beende hiermit offiziell meine Prognose. Werft gern auch einen Blick auf Teil eins und zwei. Wir sprechen uns nach der Verleihung!
Beste Kamera
- The Grandmaster – Philippe Le Sourd
- Gravity – Emmanuel Lubezki
- Inside Llewyn Davis – Bruno Delbonnel
- Nebraska – Phedon Papamichael
- Prisoners – Roger Deakins
Ich bin unentschlossen. Bruno Delbonnel und Roger Deakins haben es in ihren beiden Filmen jeweils geschafft, die Ästhetik der Tristesse zu finden. Emmanuel Lubezki kreierte für „Gravity“ unglaublich schöne, das Publikum aufsaugende Bilder, die vor allem in der zu Beginn knapp 20-minütigen Plansequenz von nie dagewesener Perfektion sind. Philippe Le Sourd filmt außerordentlich kunstvoll und elegant, während Phedon Papamichael es schafft, moderne Schwarz-Weiß-Bilder frei von angestaubter Behäbigkeit zu kreieren. Ich halte „Gravity“ und „Inside Llewyn Davis“ für die Favoriten, lege mich aufgrund des Spiels mit Farbgestaltung und Originalität jedoch auf letzteren Kandidaten fest.
Bestes Kostümdesign
- 12 Years a Slave – Patricia Norris
- American Hustle – Michael Wilkinson
- The Grandmaster – William Chang Suk Ping
- Der große Gatsby – Catherine Martin
- The Invisible Woman – Michael O’Connor
„American Hustle“ und „Der große Gatsby“ zelebrieren mit ihren pompös-eleganten Kostümen jeweils ihr zugehöriges Jahrzehnt und scheinen damit zur direkten Konkurrenz zu werden. Trotz meiner Liebe zu „Gatsby“ räume ich dem von David O. Russell inszenierten „American Hustle“ eine etwas größere Chance ein, da sich die Authentizität des Films tatsächlich zu großen Teilen über die Kostüme definiert, wohingegen „Gatsby“ zwar ebenfalls äußerst prunkvoll daherkommt, für mich jedoch mehr Leben haben könnte.
Bester Dokumentarfilm
- 20 Feet from Stardom – Morgan Neville, Gil Friesen und Caitrin Rogers
- The Act of Killing – Joshua Oppenheimer und Signe Byrge Sørensen
- Cutie and the Boxer – Zachary Heinzerling und Lydia Dean Pilcher
- Dirty Wars: The World Is a Battlefield (Dirty Wars) – Richard Rowley und Jeremy Scahill
- Al Midan – Jehane Noujaim und Karim Amer
„The Act of Killing“ gilt als eine der verstörendsten, gleichzeitig aber auch besten Dokumentationen aller Zeiten. Zudem nennt sie bereits einige Preise ihr Eigen. Ohne sie gesehen zu haben tippe ich verhältnismäßig blind auf sie und verlasse mich an dieser Stelle ganz auf die Einschätzung der Allgemeinheit.
In „The Act of Killing“ lässt Dokumentarfilmer Joshua Oppenheimer indonesische Völkermörder ihre Taten nacherzählen und -spielen.
Bester Dokumentar-Kurzfilm
- CaveDigger – Jeffrey Karoff
- Facing Fear – Jason Cohen
- Karama Has No Walls – Sara Ishaq
- The Lady in Number 6 – Malcolm Clarke und Nicholas Reed
- Prison Terminal: The Last Days of Private Jack Hall – Edgar Barens
Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung – diese Auswahl ist geraten.
Bester Schnitt
- 12 Years a Slave – Joe Walker
- American Hustle – Jay Cassidy, Crispin Struthers und Alan Baumgarten
- Captain Phillips – Christopher Rouse
- Dallas Buyers Club – John Mac McMurphy und Martin Pensa
- Gravity – Alfonso Cuarón und Mark Sanger
Sowohl in „12 Years a Slave“ als auch in „Gravity“ liefern beide Regisseure großartig inszenierte Plansequenzen und setzen ihre übersichtlichen Schnitte sehr bewusst. Christopher Rouse verhilft „Captain Phillips“ durch seine dynamische Schnittweise zu ungeheurer Energie. Die übrigen zwei Kandidaten sind mir persönlich jetzt weniger durch eine außergewöhnliche Cutter-Leistung aufgefallen.
Bestes Make-up und beste Frisuren
- Dallas Buyers Club – Adruitha Lee und Robin Mathews
- Jackass: Bad Grandpa – Stephen Prouty
- Lone Ranger – Joel Harlow und Gloria Pasqua-Casny
Glaubwürdiges „Krank schminken“ gehört zu den anspruchsvollsten Disziplinen im Bereich des Stylings. Matthew McConaughey und Jared Leto legten mit ihrer Hungerkur für „Dallas Buyers Club“ zwar den Grundstein für die glaubwürdige Darstellung zweier AIDS-Kranker, doch schlussendlich machen erst die beiden Make-Up-Artists die Illusion perfekt. „Jackass: Bad Grandpa“ und „Lone Ranger“ setzen da mehr auf Effekt- und Alterungs-Make-Up – was die Academy in diesem Fall mehr honoriert, bleibt abzuwarten.
Beste Filmmusik
- Die Bücherdiebin – John Williams
- Gravity – Steven Price
- Her – William Butler und Owen Pallett
- Philomena – Alexandre Desplat
- Saving Mr. Banks – Thomas Newman
Mit seinem Instrumental-Score imitiert Steve Price in „Gravity“ die Geräusche im schallleeren Weltraum. Eine Meisterleistung. Dagegen wirken die Konkurrenten mit ihren fast schon durchschnittlich anmutenden Klängen nahezu chancenlos. Auch wenn Thomas Newman für „Saving Mr. Banks“ auf wunderbar verspielte Art bekannte Disney-Melodien imitiert, geht der Sieg mit hoher Wahrscheinlichkeit an „Gravity“.
Bester Filmsong
- „Happy“ aus Ich – Einfach Unverbesserlich 2 – Pharrell Williams
- „Let It Go“ aus Die Eiskönigin – Völlig unverfroren – Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez
- „The Moon Song“ aus Her – Karen O und Spike Jonze
- „Ordinary Love“ aus Mandela – Der lange Weg zur Freiheit – Paul Hewson, Dave Evans, Adam Clayton, Larry Mullen
Auch nachdem der fünfte Kandidat „Alone Yet not Alone“ aufgrund unlauteren Wettbewerbs aus dem Oscar-Rennen geschmissen wurde, hat sich an der Favoritenstellung von „Let it go“ nichts verändert. Gleichzeitig könnte dem Song „Ordinary Love“ unangenehm auf die Pelle rücken: Der Golden-Globe-Award kam nicht von ungefähr.
Bester Ton
- Captain Phillips – Chris Burdon, Mark Taylor, Mike Prestwood Smith und Chris Munro
- Gravity – Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead und Chris Munro
- Der Hobbit – Smaugs Einöde (The Hobbit: The Desolation of Smaug) – Christopher Boyes, Michael Hedges, Michael Semanick und Tony Johnson
- Inside Llewyn Davis – Skip Lievsay, Greg Orloff und Peter F. Kurland
- Lone Survivor – Andy Koyama, Beau Borders und David Brownlow
In „Gravity“ verschmelzen Musik, Dialoge und Stille zu einem großen, beeindruckenden Ganzen. In puncto Design und Gestaltung hat Alfonso Cuarón genau die richtigen Leute mit ins Boot – pardon – auf die Weltraumstation geholt.
Bester Tonschnitt
- All Is Lost – Steve Boeddeker und Richard Hymns
- Captain Phillips – Oliver Tarney
- Gravity – Glenn Freemantle
- Der Hobbit – Smaugs Einöde (The Hobbit: The Desolation of Smaug) – Brent Burge
- Lone Survivor – Wylie Stateman
Auch wenn viele bereits sämtliche Auszeichnungen für technische Kategorien an ausschließlich an „Gravity“ gehen sehen, gibt es da bei mir einen recht ungewöhnlichen Ausreißer. Das Kriegsdrama „Lone Survivor“ ist zwar alles in allem kein Meisterwerk, doch was sich die Verantwortlichen in puncto Sound und Make Up (Wo ist die Nominierung??) da geschaffen haben, ist wirklich verdammt ordentlich. Originalgetreuer Waffensound, das Knistern im Unterholz, der Einschlag von Kugeln in Körper und Umgebung: Das alles ist wahnsinnig authentisch und in jeder Hinsicht preisverdächtig. Einen Außenseitertipp darf ich mir wohl gönnen.
Beste visuelle Effekte
- Gravity – Tim Webber, Chris Lawrence, Dave Shirk und Neil Corbould
- Der Hobbit – Smaugs Einöde (The Hobbit: The Desolation of Smaug) – Joe Letteri, Eric Saindon, David Clayton und Eric Reynolds
- Iron Man 3 – Christopher Townsend, Guy Williams, Erik Nash und Daniel Sudick
- Lone Ranger (The Lone Ranger) – Tim Alexander, Gary Brozenich, Edson Williams und John Frazier
- Star Trek Into Darkness – Roger Guyett, Patrick Tubach, Ben Grossmann und Burt Dalton
In keiner Kategorie ist der Oscar-Gewinner 2014 wohl so sicher wie in dieser. Der pompöse Weltraumthriller „Gravity“ setzt optisch neue Maßstäbe, beeindruckt durch seine detailreiche, realistische Bildästhetik und triumphiert durch die sich perfekt in die Szenerie eingliedernden, unaufdringlichen CGI-Effekte. Nie gelang es einem Team, das Element der Schwerelosigkeit so naturgetreu umzusetzen wie im Falle dieses Films von Alfonso Cuarón.

