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Die Oscar-Verleihung 2014: Prognose Teil 3

Aus und vorbei – die Oscars sind in greifbarer Nähe und ich beende hiermit offiziell meine Prognose. Werft gern auch einen Blick auf Teil eins und zwei. Wir sprechen uns nach der Verleihung!

Beste Kamera

Ich bin unentschlossen. Bruno Delbonnel und Roger Deakins haben es in ihren beiden Filmen jeweils geschafft, die Ästhetik der Tristesse zu finden. Emmanuel Lubezki kreierte für „Gravity“ unglaublich schöne, das Publikum aufsaugende Bilder, die vor allem in der zu Beginn knapp 20-minütigen Plansequenz von nie dagewesener Perfektion sind. Philippe Le Sourd filmt außerordentlich kunstvoll und elegant, während Phedon Papamichael es schafft, moderne Schwarz-Weiß-Bilder frei von angestaubter Behäbigkeit zu kreieren. Ich halte „Gravity“ und „Inside Llewyn Davis“ für die Favoriten, lege mich aufgrund des Spiels mit Farbgestaltung und Originalität jedoch auf letzteren Kandidaten fest.

Bestes Kostümdesign

„American Hustle“ und „Der große Gatsby“ zelebrieren mit ihren pompös-eleganten Kostümen jeweils ihr zugehöriges Jahrzehnt und scheinen damit zur direkten Konkurrenz zu werden. Trotz meiner Liebe zu „Gatsby“ räume ich dem von David O. Russell inszenierten „American Hustle“ eine etwas größere Chance ein, da sich die Authentizität des Films tatsächlich zu großen Teilen über die Kostüme definiert, wohingegen „Gatsby“ zwar ebenfalls äußerst prunkvoll daherkommt, für mich jedoch mehr Leben haben könnte.

Bester Dokumentarfilm

„The Act of Killing“ gilt als eine der verstörendsten, gleichzeitig aber auch besten Dokumentationen aller Zeiten. Zudem nennt sie bereits einige Preise ihr Eigen. Ohne sie gesehen zu haben tippe ich verhältnismäßig blind auf sie und verlasse mich an dieser Stelle ganz auf die Einschätzung der Allgemeinheit.

In „The Act of Killing“ lässt Dokumentarfilmer Joshua Oppenheimer indonesische Völkermörder ihre Taten nacherzählen und -spielen.

Bester Dokumentar-Kurzfilm

Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung – diese Auswahl ist geraten.

Bester Schnitt

Sowohl in „12 Years a Slave“ als auch in „Gravity“ liefern beide Regisseure großartig inszenierte Plansequenzen und setzen ihre übersichtlichen Schnitte sehr bewusst. Christopher Rouse verhilft „Captain Phillips“ durch seine dynamische Schnittweise zu ungeheurer Energie. Die übrigen zwei Kandidaten sind mir persönlich jetzt weniger durch eine außergewöhnliche Cutter-Leistung aufgefallen. 

 Bestes Make-up und beste Frisuren

Glaubwürdiges „Krank schminken“ gehört zu den anspruchsvollsten Disziplinen im Bereich des Stylings. Matthew McConaughey und Jared Leto legten mit ihrer Hungerkur für „Dallas Buyers Club“ zwar den Grundstein für die glaubwürdige Darstellung zweier AIDS-Kranker, doch schlussendlich machen erst die beiden Make-Up-Artists die Illusion perfekt. „Jackass: Bad Grandpa“ und „Lone Ranger“ setzen da mehr auf Effekt- und Alterungs-Make-Up – was die Academy in diesem Fall mehr honoriert, bleibt abzuwarten.

Beste Filmmusik

Mit seinem Instrumental-Score imitiert Steve Price in „Gravity“ die Geräusche im schallleeren Weltraum. Eine Meisterleistung. Dagegen wirken die Konkurrenten mit ihren fast schon durchschnittlich anmutenden Klängen nahezu chancenlos. Auch wenn Thomas Newman für „Saving Mr. Banks“ auf wunderbar verspielte Art bekannte Disney-Melodien imitiert, geht der Sieg mit hoher Wahrscheinlichkeit an „Gravity“.

Bester Filmsong

Auch nachdem der fünfte Kandidat „Alone Yet not Alone“  aufgrund unlauteren Wettbewerbs aus dem Oscar-Rennen geschmissen wurde, hat sich an der Favoritenstellung von „Let it go“ nichts verändert. Gleichzeitig könnte dem Song „Ordinary Love“ unangenehm auf die Pelle rücken: Der Golden-Globe-Award kam nicht von ungefähr.

Bester Ton

In „Gravity“ verschmelzen Musik, Dialoge und Stille zu einem großen, beeindruckenden Ganzen. In puncto Design und Gestaltung hat Alfonso Cuarón genau die richtigen Leute mit ins Boot – pardon – auf die Weltraumstation geholt.

Bester Tonschnitt

Auch wenn viele bereits sämtliche Auszeichnungen für technische Kategorien an ausschließlich an „Gravity“ gehen sehen, gibt es da bei mir einen recht ungewöhnlichen Ausreißer. Das Kriegsdrama „Lone Survivor“ ist zwar alles in allem kein Meisterwerk, doch was sich die Verantwortlichen in puncto Sound und Make Up (Wo ist die Nominierung??) da geschaffen haben, ist wirklich verdammt ordentlich. Originalgetreuer Waffensound, das Knistern im Unterholz, der Einschlag von Kugeln in Körper und Umgebung: Das alles ist wahnsinnig authentisch und in jeder Hinsicht preisverdächtig. Einen Außenseitertipp darf ich mir wohl gönnen.

Beste visuelle Effekte

In keiner Kategorie ist der Oscar-Gewinner 2014 wohl so sicher wie in dieser. Der pompöse Weltraumthriller „Gravity“ setzt optisch neue Maßstäbe, beeindruckt durch seine detailreiche, realistische Bildästhetik und triumphiert durch die sich perfekt in die Szenerie eingliedernden, unaufdringlichen CGI-Effekte. Nie gelang es einem Team, das Element der Schwerelosigkeit so naturgetreu umzusetzen wie im Falle dieses Films von Alfonso Cuarón.

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