Viele Hoffnungen lagen auf dem von Joseph Kosinski inszenierten Sci-Fi-Actionfilm OBLIVION. Prominent besetzt – vor und hinter der Kamera – mit einer bewegten Entstehungsgeschichte und atemberaubenden Bildern im Trailer: So präsentierte sich der Streifen vorab und alle Welt war plötzlich ganz aus dem Häuschen. Umso ärgerlicher ist es, dass sich der Blockbuster eben doch nur als das entpuppt, für das kritische Betrachter ihn schon vorab hielten: für die nächste Tom Cruise-One Man Show.
Der Plot
2077: Die Erde ist nicht mehr das, was sie einmal war. Nach einem Krieg mit außerirdischen Lebensformen liegt der einst blaue Planet in Schutt und Asche. Obwohl die Menschheit den Kampf gewann, ist sie nahezu komplett ins Weltall geflohen, denn auf der Erde ist ein Leben nicht mehr möglich. Nur noch Jack (Tom Cruise) sowie seine Kollegin und Freundin Vica (Andrea Riseborough) fungieren als Art futuristische Putzkolonne und versuchen, soweit es geht, die Schäden zu beseitigen. Ihre Stationierung wird von „denen dort oben“ überwacht, an deren Spitze Sally (Melissa Leo) steht, zu denen Jack und Vica steten Kontakt haben. Eines Tages fällt ungeahnt eine Raumkapsel vom Himmel. In ihr die hübsche Julia (Olga Kurylenko), die einer Frau in Jacks Träumen erschreckend ähnlich sieht. Doch die Herkunft der Fremden ist nur das geringste Problem, denn plötzlich muss sich Jack mit Fragen auseinandersetzen, die seine Herkunft und Existenz in Frage stellen.
Kritik
Ist Tom Cruise („Knight and Day“) nicht aufgrund privater Turbulenzen gerade in der Klatschpresse anzutreffen, macht er Filme. Immer die gleichen, bloß mit anderem Titel möchte man auf den ersten Blick meinen, betrachtet man sein Beuteschema in Bezug auf Rollenfindung: rr als Held, der – mal mehr, mal weniger im übertragenen Sinn – die Welt rettet. So wundert es nicht, dass auch die Köpfe hinter dem Science-Fiction-Actioner „Oblivion“ bei der Vermarktung ganz auf Hollywoods muskelbepackten Strahlemann bauen. Cruise hat einfach ein Abo auf derartige Rollen. Und da diese trotz des Einheitstons nach wie vor Massen von Zuschauern in die Kinos locken, spricht auch nichts gegen derartige PR-Stategien, gleichwohl man hierbei doch wesentlich geschickter hätte vorgehen können. Denn während dem Film vor allem durch die Besetzung des Hauptdarstellers unendlich viele Möglichkeiten der Entfaltung geraubt werden, rückt sich mit jeder Filmminute etwas ganz anderes in den Fokus. Oder besser: jemand. Joseph Kosinski, Regisseur von „Tron: Legacy“ und Schöpfer der „Oblivion“ zugrunde liegenden Graphic Novel, drückt seinem neuesten Werk unverkennbar seinen Bombast-Stempel auf, der den Blockbuster erst sehenswert macht.
Erst als „Bond-Girl“ Olga Kurylenko („Ein Quantum Trost“) in die Szenerie Einzug erhält, kommt im wahrsten Sinne des Wortes Leben in die Handlung. Durch ihre Natürlichkeit spielt die ukrainische Darstellerin auf einfachste Art und Weise sämtliche Kollegen an die Wand. Dafür muss sie eigentlich überhaupt nichts tun, ist sie doch die Einzige, der man abnimmt, dass sie sich ihre Rolle mit Enthusiasmus angeeignet hat, während ihre Kollegen und Kolleginnen sich durch die Handlung mühen, als sei Schauspielerei eine Strafe. Auch Morgan Freeman („The Dark Knight Rises“), dessen Nebenrolle wesentlich kleiner ausfällt als es seine Erwähnung in Trailern und auf Plakaten erahnen lässt, bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Zu bemüht scheinen seine Versuche, auf Biegen und Brechen sämtliche Szenen, in denen seine Figur auftritt, an sich zu reißen. Zu sehr wirkt seine Rolle auf cool getrimmt.
Olga Kurylenko macht in „Oblivion“ eine gute Figur.
Was die Darsteller versemmeln, kann Regisseur Joseph Kosinski mithilfe inszenatorischer Rafinesse jedoch weitestgehend wiedergutmachen. So verhilft er „Oblivion“, sich darauf zu besinnen, kein intelligenter, sich auf sein anspruchsvolles Drehbuch besinnender Film zu sein, sondern stattdessen ein hypermoderner Sci-Fi-Reißer, zu dessen größten Stärken eben die Schauwerte zählen. Vor allem im Design der futuristischen Gebäude und Fahrzeuge zeigte sich der Regisseur einfallsreich, wenngleich die Bauten oftmals allzu sehr auf Hochglanz poliert und somit steril wirken. Das schafft jedoch einen Kontrast zur zerstörten Außenwelt, die zwar als unbewohnbar zu erkennen ist, allerdings keine Kriegszustand ähnlichen Ausmaße annimmt. Eine erfrischend andere Art, mit der Apokalypse umzugehen, die in ähnlich gelagerten Streifen meist mit der kompletten Zerstörung allem einhergeht. Verantwortlich für die überzeugenden Bilder zeichnet Kameramann Claudio Miranda, der bereits in „Tron: Legacy“ und erst kürzlich in „Life of Pi“ sein Händchen für aufs Höchste beeindruckende, dabei aber nicht effekthascherische Bilder bewies. Untermalt werden die Aufnahmen fast durchgehend vom Sound der Electro-Band M83, der sich auf Instrumentalkompositionen beschränkt und mal ruhig, mal beklemmend und mal vorantreibend die Szenerien kommentiert.
Fazit: Viel Lärm um nichts! „Oblivion“ ist nicht der wegweisende Science-Fiction-Meilenstein, den so viele von ihm erwarteten. Dafür sind das Drehbuch zu unausgegoren und die Darsteller mit zu wenig Herzblut bei der Sache. In Sachen Optik könnte der Streifen im Non-3D-Segment allerdings neue Maßstäbe setzen. Joseph Kosinski drückte „Oblivion“ mit seinem kühl-stylischen Design seinen Stempel auf und lässt hervorblitzen, dass Durchaus Liebe zum Detail in diesem Hochglanz-Blockbuster steckt.
„Oblivion“ ist ab dem 11. April in den deutschen Kinos zu sehen.

