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Die Golden Globes 2013 – Nachlese

Am Sonntag wurden im kalifornischen Beverly Hills die 70. Golden Globe Awards verliehen. Meine Vorab-Prognose entsprach zwar nicht zu 100 % dem schlussendlichen Ausgang, doch insgesamt gab sich die Jury Mühe, dass sich Überraschung und Erwartung die Waage hielten. Hier ein kurzer Rückblick auf den Filmbereich der diesjährigen Verleihung. Die Gewinner sind fett markiert. 

Bester Film – Drama

Argo (Ben Affleck)

Django Unchained (Quentin Tarantino)

Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger (Ang Lee)

Lincoln (Steven Spielberg)

Zero Dark Thirty (Kathryn Bigelow)

 

Beste Hauptdarstellerin – Drama

Jessica Chastain – Zero Dark Thirty

Marion Cottilard – Der Geschmack von Rost und Knochen

Helen Mirren – Hitchcock

Naomi Watts – The Impossible

Rachel Weisz – The Deep Blue Sea

 

Bester Hauptdarsteller – Drama

 Daniel Day-Lewis – Lincoln

Richard Gere – Arbitrage

John Hawkes – The Sessions

Joaquin Phoenix – The Master

Denzel Washington – Flight

 

Bester Film – Komödie/Musical

Best Exotic Marigold Hotel (John Madden)

Lachsfischen im Jemen (Lasse Hallström)

Les Misérables (Tom Hooper)

Moonrise Kingdom (Wes Anderson)

Silver Linings (David O. Russell)

 

Beste Hauptdarstellerin – Komödie/Musical

Emily Blunt – Lachsfischen im Jemen

Judi Dench – Best Exotic Marigold Hotel

Jennifer Lawrence – Silver Linings

Maggie Smith – Quartett

Meryl Streep – Wie beim ersten Mal

 

Bester Hauptdarsteller – Komödie/Musical

Jack Black – Bernie

Bradley Cooper – Silver Linings

Hugh Jackman – Les Misérables

Ewan McGregor – Lachsfischen im Jemen

Bill Murray – Hide Park am Hudson

 

Bester Animationsfilm

Frankenweenie (Tim Burton)

Hotel Transsilvanien (Genndy Tartakovsky)

Die Hüter des Lichts (Peter Ramsey)

Merida (Steve Purcell, Mark Andrews, Brenda Chapman)

Ralph reicht’s (Rich Moore)

 

Die weiteren Preisträger gibts auf der nächsten Seite…

 

Bester fremdsprachiger Film

Der Geschmack von Rost und Knochen (Jacques Audiard) FR

Die Königin und der Leibarzt (Nikolaj Arcel)  DK

Kon-Tiki (Joachim Renning, Espen Sandberg) NO/UK/DK

Liebe (Michael Haneke) AT

Ziemlich beste Freunde (Oliver Nakache, Eric Toledano) FR

 

Beste Nebendarstellerin

Amy Adams – The Master

Sally Field – Lincoln

Anne Hathaway – Les Misérables

Helen Hunt – The Sessions

Nicole Kidman – The Paperboy

 

Bester Nebendarsteller

Alan Arkin – Argo

Leonardo DiCaprio – Django Unchained

Philip Seymour Hoffman – The Master

Tommy Lee Jones – Lincoln

Christoph Waltz – Django Unchained

 

Beste Regie

 Ben Affleck – Argo

Kathryn Bigelow – Zero Dark Thirty

Ang Lee – Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger

Steven Spielberg – Lincoln

Quentin Tarantino – Django Unchained

 

Bestes Drehbuch

Mark Boal – Zero Dark Thirty

Tony Kushner – Lincoln

David O. Russell – Silver Linings

Quentin Tarantino – Django Unchained

Chris Terrio – Argo

 

Beste Filmmusik

Mychael Danna – Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger

Alexandre Desplat – Argo

Dario Marianelli – Anna Karenina

Tom Tykwer, Johnny Klimek, Reinhold Heil – Cloud Atlas

John Williams – Lincoln

 

Bester Filmsong

„For You“ (Act of Valor) – Monty Powell und Keith Urban

„Not Running Anymore“ (Stand Up Guys) – Jon Bon Jovi

„Safe & Sound“ (Die Tribute von Panem) – T. Swift, J.P. White

„Skyfall“ (Skyfall) – Adele

„Suddenly“ (Les Misérables) – Claude-Michel Schönberg

 

Mein Fazit gibt’s auf der nächsten Seite…

Insgesamt bin ich recht zufrieden mit den diesjährigen Entscheidungen der Golden Globe-Jury. Mehr noch: In einigen Kategorien hat sie nicht nur mich, sondern sämtliche Beobachter der Award-Saison beeindruckt. Beginnen wir mit ARGO, dem ganz klaren Gewinner des Abends. Eigentlich ist es bei dieser Produktion schade, dass sie im Vergleich zu den heißeren Globe-Anwärtern in die Kategorie „Überraschungsgewinner“ fällt, doch wer hätte – erst recht nach der Ignoranz, die die Academy dem Ben Affleck-Meisterstück entgegenbrachte – noch gedacht, dass sich die verhältnismäßig (!) kleine Produktion gegen den Spielberg’schen Koloss LINCOLN durchsetzen würde. Noch dazu ausgerechnet in den beiden wichtigsten Kategorien Bester Film (Drama) und Beste Regie. Mir soll es absolut Recht sein, war ARGO doch in der Bester Film-Kategorie eindeutig mein Favorit, wenngleich ich davon ausging, dass LINCOLN, vielleicht sogar noch ZERO DARK THIRTY sich gegen ihn durchsetzen würden. So habe zumindest ich meinen Willen bekommen und bin umso überraschter, dass ich ARGO ausgerechnet in der Regie-Kategorie so gar nicht auf dem Schirm hatte. Ich rechnete mit einem Award für Steven Spielberg, wünschte ihn mir allerdings für Ang Lee und seine Arbeit an LIFE OF PI. So kann man sich täuschen.

Auf die Kategorie Komödie/Musical blicke ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite war ich mit meiner Prognose, das musikalische Drama von „The King’s Speech“-Regisseur Tom Hooper, LES MISÈRABLES,  würde zu den großen Gewinnern gehören, Recht. Leider zum Nachteil eines meiner Lieblingsbeiträge der Konkurrenz. LACHSFISCHEN IM JEMEN bekam bei drei Nominierungen keinen einzigen Award, was ich mir zwar ziemlich sicher schon gedacht habe. Aber über die Überraschung hätte ich mich fast noch mehr gefreut, als über ARGOs Siegeszug.

A propros Überraschung: Einer der Mitfavoriten für die Oscar-Verleihung, SILVER LININGS, konnte bei den Globe (noch) keinen Vorgeschmack auf einen eventuellen Award-Überschuss 2013 geben. Zwar konnte Jennifer Lawrence den Award als Beste Hauptdarstellerin einheimsen, aber in sämtlichen anderen Kategorien (Bester Film [Komödie/Musical]), Bester Hauptdarsteller und Bestes Drehbuch, ging der seicht-melancholische Streifen leer aus. Für mich einerseits überraschend, andererseits auch nicht wirklich tragisch. Noch wollte der „Ich bin mit Recht ein Oscar-Favorit“-Funken noch nicht auf mich überspringen.

Zu den Enttäuschungen, und davon gab es neben der vielen positiven Überraschungen doch eine ganze Menge: Mit immerhin einem Sieg in der Kategorie Beste Musik hätte CLOUD ATLAS beweisen können, dass er in diesem Jahr immerhin ein bisschen in der Award-Saison mitspielen darf. Stattdessen gewann der Score für LIFE OF PI. Dafür, dass sich die Jury für ihn entschied, kann ich mich leider verdammt wenig an ihn erinnern. Auch für DER GESCHMACK VON ROST UND KNOCHEN wurde es – mir völlig unverständlich – ein preisloser Abend. Zwar hatte der offenbar zum Publikumsliebling auserkorene Michael Haneke-Streifen LIEBE seine Auszeichnung schon so gut wie sicher, ein bisschen traurig ist es trotzdem, denn so wird dieses bittersüße Meisterwerk von Jacques Audiard nie das große Publikum finden, das es verdient hat. Und in der Animationskategorie hat mal wieder der Einfluss von Pixar dafür gesorgt, dass sich nicht Qualität sondern Name durchsetzte. MERIDA übertrumpfte kleine Kunstwerke wie DIE HÜTER DES LICHTS und einfach nur verdammt gute, süße und einfallsreiche Animationsunterhaltung wie RALPH REICHTS.

Zu den weniger ärgerlichen, dafür aber nicht minder verwundernden Überraschungen des Abends gehört neben dem Siegeszug von ARGO ohne Zweifel die Ignoranz der Jury gegenüber LINCOLN, sowie ZERO DARK THIRTY. Während ich mit ersterem nie gerechnet hätte (der größte Oscar-Favorit erhält „nur“ einen Globe? What?), hatte ich letzteres schon irgendwie im Gefühl. Mal schauen, ob sich das Blatt am 24. Februar noch wenden wird. Bis dahin verbleibe ich mit meinem Prognose-Ergebnis das da lautet:

8 von 14.

Da war ja noch was…

Was soll ich sagen: Die Jury hat sich entgegen meines Rates wohlweislich gegen Benedict „Sexiest Man Alive“ Cumberbatch entschieden und in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller in einer Miniserie oder Fernsehfilm“ Kevin Costner für seine Rolle in HATFIELDS & McCOYS ausgezeichnet. Und da ich für meine ausgeprägte Konsequenz bekannt bin, werde ich mich nun wohl langsam aber sicher aus dem Journalismus zurückziehen müssen. Nur über den Zeitpunkt bin ich mir noch nicht ganz schlüssig…

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