Am Sonntag wurden im kalifornischen Beverly Hills die 70. Golden Globe Awards verliehen. Meine Vorab-Prognose entsprach zwar nicht zu 100 % dem schlussendlichen Ausgang, doch insgesamt gab sich die Jury Mühe, dass sich Überraschung und Erwartung die Waage hielten. Hier ein kurzer Rückblick auf den Filmbereich der diesjährigen Verleihung. Die Gewinner sind fett markiert.
Bester Film – Drama
Argo (Ben Affleck)
Django Unchained (Quentin Tarantino)
Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger (Ang Lee)
Lincoln (Steven Spielberg)
Zero Dark Thirty (Kathryn Bigelow)
Beste Hauptdarstellerin – Drama
Jessica Chastain – Zero Dark Thirty
Marion Cottilard – Der Geschmack von Rost und Knochen
Helen Mirren – Hitchcock
Naomi Watts – The Impossible
Rachel Weisz – The Deep Blue Sea
Bester Hauptdarsteller – Drama
Daniel Day-Lewis – Lincoln
Richard Gere – Arbitrage
John Hawkes – The Sessions
Joaquin Phoenix – The Master
Denzel Washington – Flight
Bester Film – Komödie/Musical
Best Exotic Marigold Hotel (John Madden)
Lachsfischen im Jemen (Lasse Hallström)
Les Misérables (Tom Hooper)
Moonrise Kingdom (Wes Anderson)
Silver Linings (David O. Russell)
Beste Hauptdarstellerin – Komödie/Musical
Emily Blunt – Lachsfischen im Jemen
Judi Dench – Best Exotic Marigold Hotel
Jennifer Lawrence – Silver Linings
Maggie Smith – Quartett
Meryl Streep – Wie beim ersten Mal
Bester Hauptdarsteller – Komödie/Musical
Jack Black – Bernie
Bradley Cooper – Silver Linings
Hugh Jackman – Les Misérables
Ewan McGregor – Lachsfischen im Jemen
Bill Murray – Hide Park am Hudson
Bester Animationsfilm
Frankenweenie (Tim Burton)
Hotel Transsilvanien (Genndy Tartakovsky)
Die Hüter des Lichts (Peter Ramsey)
Merida (Steve Purcell, Mark Andrews, Brenda Chapman)
Ralph reicht’s (Rich Moore)
Die weiteren Preisträger gibts auf der nächsten Seite…
Bester fremdsprachiger Film
Der Geschmack von Rost und Knochen (Jacques Audiard) FR
Die Königin und der Leibarzt (Nikolaj Arcel) DK
Kon-Tiki (Joachim Renning, Espen Sandberg) NO/UK/DK
Liebe (Michael Haneke) AT
Ziemlich beste Freunde (Oliver Nakache, Eric Toledano) FR
Beste Nebendarstellerin
Amy Adams – The Master
Sally Field – Lincoln
Anne Hathaway – Les Misérables
Helen Hunt – The Sessions
Nicole Kidman – The Paperboy
Bester Nebendarsteller
Alan Arkin – Argo
Leonardo DiCaprio – Django Unchained
Philip Seymour Hoffman – The Master
Tommy Lee Jones – Lincoln
Christoph Waltz – Django Unchained
Beste Regie
Ben Affleck – Argo
Kathryn Bigelow – Zero Dark Thirty
Ang Lee – Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger
Steven Spielberg – Lincoln
Quentin Tarantino – Django Unchained
Bestes Drehbuch
Mark Boal – Zero Dark Thirty
Tony Kushner – Lincoln
David O. Russell – Silver Linings
Quentin Tarantino – Django Unchained
Chris Terrio – Argo
Beste Filmmusik
Mychael Danna – Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger
Alexandre Desplat – Argo
Dario Marianelli – Anna Karenina
Tom Tykwer, Johnny Klimek, Reinhold Heil – Cloud Atlas
John Williams – Lincoln
Bester Filmsong
„For You“ (Act of Valor) – Monty Powell und Keith Urban
„Not Running Anymore“ (Stand Up Guys) – Jon Bon Jovi
„Safe & Sound“ (Die Tribute von Panem) – T. Swift, J.P. White
„Skyfall“ (Skyfall) – Adele
„Suddenly“ (Les Misérables) – Claude-Michel Schönberg
Mein Fazit gibt’s auf der nächsten Seite…
Insgesamt bin ich recht zufrieden mit den diesjährigen Entscheidungen der Golden Globe-Jury. Mehr noch: In einigen Kategorien hat sie nicht nur mich, sondern sämtliche Beobachter der Award-Saison beeindruckt. Beginnen wir mit ARGO, dem ganz klaren Gewinner des Abends. Eigentlich ist es bei dieser Produktion schade, dass sie im Vergleich zu den heißeren Globe-Anwärtern in die Kategorie „Überraschungsgewinner“ fällt, doch wer hätte – erst recht nach der Ignoranz, die die Academy dem Ben Affleck-Meisterstück entgegenbrachte – noch gedacht, dass sich die verhältnismäßig (!) kleine Produktion gegen den Spielberg’schen Koloss LINCOLN durchsetzen würde. Noch dazu ausgerechnet in den beiden wichtigsten Kategorien Bester Film (Drama) und Beste Regie. Mir soll es absolut Recht sein, war ARGO doch in der Bester Film-Kategorie eindeutig mein Favorit, wenngleich ich davon ausging, dass LINCOLN, vielleicht sogar noch ZERO DARK THIRTY sich gegen ihn durchsetzen würden. So habe zumindest ich meinen Willen bekommen und bin umso überraschter, dass ich ARGO ausgerechnet in der Regie-Kategorie so gar nicht auf dem Schirm hatte. Ich rechnete mit einem Award für Steven Spielberg, wünschte ihn mir allerdings für Ang Lee und seine Arbeit an LIFE OF PI. So kann man sich täuschen.
A propros Überraschung: Einer der Mitfavoriten für die Oscar-Verleihung, SILVER LININGS, konnte bei den Globe (noch) keinen Vorgeschmack auf einen eventuellen Award-Überschuss 2013 geben. Zwar konnte Jennifer Lawrence den Award als Beste Hauptdarstellerin einheimsen, aber in sämtlichen anderen Kategorien (Bester Film [Komödie/Musical]), Bester Hauptdarsteller und Bestes Drehbuch, ging der seicht-melancholische Streifen leer aus. Für mich einerseits überraschend, andererseits auch nicht wirklich tragisch. Noch wollte der „Ich bin mit Recht ein Oscar-Favorit“-Funken noch nicht auf mich überspringen.
Zu den weniger ärgerlichen, dafür aber nicht minder verwundernden Überraschungen des Abends gehört neben dem Siegeszug von ARGO ohne Zweifel die Ignoranz der Jury gegenüber LINCOLN, sowie ZERO DARK THIRTY. Während ich mit ersterem nie gerechnet hätte (der größte Oscar-Favorit erhält „nur“ einen Globe? What?), hatte ich letzteres schon irgendwie im Gefühl. Mal schauen, ob sich das Blatt am 24. Februar noch wenden wird. Bis dahin verbleibe ich mit meinem Prognose-Ergebnis das da lautet:
8 von 14.
Da war ja noch was…
Was soll ich sagen: Die Jury hat sich entgegen meines Rates wohlweislich gegen Benedict „Sexiest Man Alive“ Cumberbatch entschieden und in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller in einer Miniserie oder Fernsehfilm“ Kevin Costner für seine Rolle in HATFIELDS & McCOYS ausgezeichnet. Und da ich für meine ausgeprägte Konsequenz bekannt bin, werde ich mich nun wohl langsam aber sicher aus dem Journalismus zurückziehen müssen. Nur über den Zeitpunkt bin ich mir noch nicht ganz schlüssig…

