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The Furious

An diesem Film wird sich das moderne Actionkino in den nächsten Jahren messen lassen müssen: Mit THE FURIOUS lässt Regisseur Kenji Tanigaki eine Gewaltsymphonie auf sein Publikum los, die selbst mit Genrebrettern wie „The Raid“ den Boden aufwischt.

OT: Huo zhe yan (HK/CN 2025)

Darum geht’s

Der stumme Handwerker Wang Wei (Miao Xie) führt ein unscheinbares Leben, bis seine Tochter Rainy (Enyou Yang) am helllichten Tag entführt wird. Weil die korrupte Polizei keinerlei Interesse daran zeigt, den Fall aufzuklären, nimmt der besorgte Vater die Suche selbst in die Hand und stößt dabei auf ein weit verzweigtes Netzwerk aus Kriminellen und Menschenhändlern. Unterstützung erhält er ausgerechnet von dem Journalisten Navin (Joe Taslim), der seit dem mysteriösen Verschwinden seiner Frau ebenfalls gegen die Organisation ermittelt. Gemeinsam kämpfen sich die beiden Männer immer tiefer in die Unterwelt vor und müssen dabei auf Fähigkeiten zurückgreifen, die sie eigentlich längst hinter sich gelassen hatten…

Kritik

Jede Dekade bringt ihre wegweisenden Actionfilme hervor. Werke, die nicht bloß erfolgreich sind (und es vielleicht auch gar nicht sein müssen), sondern das Genre nachhaltig prägen und zahlreiche Nachahmer nach sich ziehen. Ende der Neunziger revolutionierte „Matrix“ mit seiner Bullet-Time-Ästhetik das moderne Actionkino, ehe Filme wie „The Raid“ die rohe, kompromisslose Martial-Arts-Action wieder in den Fokus rückten. Nur wenige Jahre später setzte die „John Wick“-Reihe mit seinem präzise choreographierten Gun-Fu-Stil erneut neue Maßstäbe und beeinflusst das Genre bis heute. Die Messlatte für moderne Actionfilme liegt seitdem höher denn je. Umso bemerkenswerter ist es, wenn selbst im Jahr 2026, in dem man vermeintlich alles schon gesehen hat, ein Film auftaucht, der tatsächlich das Zeug dazu besitzt, sich in diese illustre Reihe einzufügen. Mit „The Furious“ könnte Kenji Tanigaki („Enter the Fat Dragon“) genau ein solcher Wurf gelungen sein. Der langjährige Actionchoreograf zahlreicher Martial-Arts- und Hongkong-Produktionen beweist darin nicht nur sein außergewöhnliches Gespür für physische Action, sondern präsentiert obendrein zahlreiche Sequenzen, die selbst erfahrene Genrefans wieder staunen lassen dürften.

Für seine Tochter nimmt es Wang (Miao Xi) wirklich mit jedem Gegner auf.

Um ebenjenes ungläubige Staunen hervorzurufen, setzt „The Furious“ nicht auf einen einzelnen Kampfstil, sondern auf eine vielseitige Mischung unterschiedlichster Martial-Arts-Disziplinen. Mal erinnern die schnellen Schlag- und Trittkombinationen an die kompromisslose Härte der indonesischen Prügelorgien aus „The Raid“, dann wieder schimmern die flüssigen Bewegungsabläufe und das minutiös durchgeplante Timing klassischer Hongkong-Actionfilme durch. Hinzu kommen immer wieder spektakuläre Würfe, Hebel und Bodenkampfelemente, die den Auseinandersetzungen eine zusätzliche Dynamik verleihen. Entscheidend ist dabei jedoch nicht allein, was gezeigt wird, sondern wie. Die beste Choreographie verpufft, wenn hektische Schnittfolgen, verwackelte Kamerabilder oder ungünstige Perspektiven verhindern, dass das Publikum die Bewegungsabläufe überhaupt nachvollziehen kann. „The Furious“ macht genau das Gegenteil. Tanigaki und sein Team geben ihren allesamt ungeheuer kampferprobten Darstellern Raum, ihre Fähigkeiten zu präsentieren. Lange Einstellungen und punktgenau gewählte Kameraperspektiven (Meteor Cheung, „In Broad Daylight“) machen jede kleinste Bewegung erfassbar. Dadurch entwickelt jede einzelne Kampfsequenz einen fast schon hypnotischen Rhythmus. Das Ergebnis ist eine beeindruckende, hochmoderne Demonstration moderner Martial-Arts-Inszenierung.

„Tanigaki und sein Team geben ihren allesamt ungeheuer kampferprobten Darstellern Raum, ihre Fähigkeiten zu präsentieren. Lange Einstellungen und punktgenau gewählte Kameraperspektiven machen jede kleinste Bewegung erfassbar.“

Und wie beeindruckend das ausfällt, zeigt sich insbesondere dann, wenn Tanigaki die Kämpfe zunehmend komplexer ausgestaltet. Statt sich auf bloße Schlagabtausche zu beschränken, verwandeln sich die Auseinandersetzungen regelmäßig in kreative Kraftakte, bei denen nahezu jedes Objekt der Umgebung – von Hämmern über Leitern bis hin zu Fahrrädern (!) – in die Choreographie miteingebunden wird. Auch die vielfältigen Setpieces tragen maßgeblich zur Kurzweil von „The Furious“ bei. Vor allem die Szenen, die in engen Korridoren oder Treppenhäusern spielen, führen perfekt vor Augen, wie viel Präzision in jeder einzelnen Bewegung stecken muss, damit das Ergebnis so reinknallt, wie hier. Besonders bemerkenswert ist dabei auch, wie fließend die Übergänge zwischen den einzelnen Aktionen ausfallen. Wo viele moderne Actionfilme ihre Kämpfe in dutzende Einstellungen zerlegen, lässt „The Furious“ seine Darsteller ganze Bewegungsabläufe am Stück absolvieren. Dadurch entsteht das Gefühl, einer echten körperlichen Höchstleistung beizuwohnen. Die Treffer wirken (auch ohne zusätzliche überhöhte Gewaltmomente) schmerzhaft, die Würfe brachial und die Stunts teilweise derart halsbrecherisch, dass man sich unweigerlich fragt, wie oft die Beteiligten diese Szenen wohl proben mussten. In seinen besten Momenten erinnert „The Furious“ deshalb an jene seltenen Genrevertreter, bei denen man nicht nur die Figuren auf der Leinwand bewundert, sondern gleichzeitig auch den Planungs- und Drehaufwand dahinter.

Aber auch Tochter Rainy (Yang Enyou) weiß sich zu helfen…

Bei aller Begeisterung bleiben lediglich ein paar kleinere Kritikpunkte, die im Angesicht der großen Stärken jedoch kaum ins Gewicht fallen. So benötigt „The Furious“ durchaus eine gewisse Anlaufzeit, um sein volles Potenzial zu entfalten. Zwar eröffnet Kenji Tanigaki seinen Film direkt mit einer Actionszene, doch die Brillanz und Kreativität der späteren Auseinandersetzungen blitzen zunächst nur vereinzelt auf. Die erste knappe halbe Stunde bietet vor allem schlicht gute Action – stark inszeniert, aber noch nicht auf jenem Niveau, das den Film später so außergewöhnlich macht. Auch das Drehbuch (Frank Hui) gewinnt gewiss keine Originalitätspreise. Dass sich die Handlung in exakt einem Satz zusammenfassen lässt, spricht diesbezüglich Bände: Ein Vater kämpft sich durch eine Armee von Kriminellen, um seine entführte Tochter zu retten. Mehr benötigt „The Furious“ allerdings auch gar nicht, denn die Geschichte erfüllt ihren Zweck und sorgt dank Miao Xies („Blade of Fury“) engagierter Darstellung des leidenschaftlich um seine Tochter kämpfenden Wang Wei trotzdem für eine starke emotionale Bindung. Die zahlreichen Gegenspieler bleiben dagegen eher funktional und verschmelzen über weite Strecken zu einer großen Gegnermasse. Wirklich schwer wiegen will jedoch keiner dieser Punkte.

„Zwar eröffnet Kenji Tanigaki seinen Film direkt mit einer Actionszene, doch die Brillanz und Kreativität der späteren Auseinandersetzungen blitzen zunächst nur vereinzelt auf. Die erste knappe halbe Stunde bietet vor allem schlicht gute Action – stark inszeniert, aber noch nicht auf jenem Niveau, das den Film später so außergewöhnlich macht.“

Fazit: Mit „The Furious“ liefert Kenji Tanigaki eine beeindruckende Demonstration dessen ab, wie modernes Martial-Arts-Kino aussehen kann, wenn handwerkliches Können, starke Choreographien und eine klare Inszenierung zusammentreffen. Kleinere Schwächen bei Story und Figurenzeichnung fallen angesichts der spektakulären Action kaum ins Gewicht und geraten spätestens mit zunehmender Laufzeit ohnehin in den Hintergrund. Sollte sich der Film das Publikum sichern, das er verdient, könnte er sich langfristig als einer jener Actionfilme etablieren, an denen sich das Genre künftig messen lassen muss.

„The Furious“ ist ab dem 18. Juni 2026 in den deutschen Kinos zu sehen.

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