Der sperrige Titel verrät es bereits. Hinter der Anspielung auf die Julia Roberts-Komödie „Die Hochzeit meines besten Freundes“ steckt das neuste Gagfeuerwerk das versucht, auf den Zug der vielen „Hangover“-Nachzügler aufzuspringen. „Eine billige BRAUTALARM-Kopie“ tönen die einen, „Innovatives Kino, dass sich der Einfachheit halber an einem aktuellen Thema bedient!“ sage ich. Warum genau, das lest ihr in meiner neusten Kritik.
Der Plot
Perfektionistin Regan (Kirsten Dunst) kann es kaum glauben: ausgerechnet die unscheinbare Becky (Rebel Wilson) wird vor ihr und ihren gutaussehenden Freundinnen heiraten. Zwar waren die vier in der Schule unzertrennlich und auch heute erzählen sich die grundverschiedenen Frauen regelmäßig von Kummer und Sorgen, doch dass ausgerechnet die dickliche „Pigface“ – wie Becky in der Schule genannt wurde – als erstes den Mann ihres Lebens gefunden hat, stößt Regan, Gena (Lizzy Caplan) und Katie (Isla Fisher) ein wenig auf. Dennoch greift Beckys Freude bald um sich und gemeinsam planen die vier den Junggesellinnenabschied. Der jedoch steht unter keinem guten Stern. Nach ein paar Gläsern Alkohol und Unmengen an Kokain, kann sich Katie kaum noch auf den Beinen halten, die Überraschungsstripshow gerät in einem kurzen Moment der Unachtsamkeit zum Desaster und nachdem Becky kurzzeitig ihre eigene Feier verlässt, zerstören Regan und Katie aus Versehen ihr Hochzeitskleid. Also begeben sich die drei in eine im wahrsten Sinne des Wortes rauschende Nacht um zu retten, was zu retten ist und ganz nebenbei ihre eigenen Beziehungsprobleme zu lösen.
Kritik
Der Überraschungserfolg „Hangover“ offenbarte im Jahr 2009, wie viel Comedy-Potential in Junggesellenabschieden steckt. Demnach war es nur eine Frage der Zeit, bis weitere ähnlich konzipierte Komödien aus dem Boden schießen würden. So erschien nicht nur zwei Jahre später eine Fortsetzung über das Wolfsrudel, auch das weibliche Publikum sollte mit „Brautalarm“ bedient werden. Bevor im nächsten Jahr der dritte und voraussichtlich letzte Teil des hangover‘schen Koma-Saufens in die Kinos kommen wird, legt Leslye Headland mit ihrer vorab als „Brautalarm“-Kopie verschrienen Komödie „Die Hochzeit unserer dicksten Freundin“ noch einmal nach – und überrascht auf ganzer Linie.
Und tatsächlich: bereits die Auswahl der Darsteller ist sowohl Augenweide, als auch eine komödiantische Offenbarung. Rebel Wilson spielt die zunächst als Außenseiterin angelegte Rolle der Unscheinbaren, die mit ihrem Glück fast überfordert scheint, ebenso charmant wie brillant. Umso bedauerlicher ist es, dass sie die meiste Zeit über nicht zu sehen ist. Die direkten Hauptrollen übernehmen ihre Kolleginnen Dunst, Fisher und Caplan („Cloverfield“). Alle drei Darstellerinnen gehen in ihren völlig unterschiedlich angelegten Rollen in Gänze auf. Während Kirsten Dunst die Zugeknöpfte darstellt, die die Kapriolen ihrer Freundinnen aus einer gewissen Distanz beäugt (und mit einer Mischung aus schwarzem Humor und Verzweiflung kommentiert), gibt Caplan die Ruppige, die all dem Hochzeitskitsch nichts abgewinnen kann, sich jedoch notgedrungen einer Charakterwandlung unterzieht, ohne es zuzugeben. Isla Fisher schließlich explodiert fast in ihrer Rolle des nimmermüden Plappermäulchens und erinnert in ihrer tollpatschigen Darstellung an ihre Darbietung in „Shopaholic – Die Schnäppchenjägerin“ von 2009. Zudem stehlen die vier den Herren der Schöpfung nicht die Show. Selbstverständlich fokussiert sich die Handlung komplett auf den ausschweifenden Nachttrip der Grazien, doch die Momente, in denen sie auf die Männertruppe treffen, die mit dem Bräutigam (Hayes MacArthur) dessen Junggesellendasein verabschiedet, sind herrlich anarchisch und ziehen ihre Komik dabei aus der Interaktion unter den verschiedenen Geschlechtern.
Diese Tatsache beweisen auch die Bilder. Gegen die verschwommene Optik in „Die Hochzeit unserer dicksten Freundin“ wirken die „Hangover“-Filme wie auf Hochglanz poliert und „Brautalarm“ wie von einem anderen Stern. Somit ist es auch selbstredend, dass für stereotype Hochzeitsballaden kein Platz in Headlands Werk ist. Und wenn sich doch einmal eine hervortraut, wird die auf charmante aber konsequente Art in Grund und Boden gesungen. Der Film ist strikt, kompromisslos jedoch in seiner derben Erscheinung weitaus tiefgründiger als sämtliche Durchschnittskomödien. Dafür präsentiert er sich bisweilen äußerst überzogen und schafft es so, auch einige gelungene Slapstick-Einlagen zu präsentieren. Das macht Spaß und lässt beim Zuschauer ein Gefühl des Unkonventionellen aufkommen. In der heutigen Kinolandschaft eine Seltenheit im Reboot- und Se-/Prequel-Wahn.
Regie-Debütantin Headland ist mit „Die Hochzeit unserer dicksten Freundin“ somit eine äußerst gelungene Komödie gelungen. Der Hohn vieler, die den Film vorab als billige „Brautalarm“-Kopie abstempeln wollten, ist nicht nur bei näherer Betrachtung schlicht falsch. Die Anarchokomödie zeigt sich eigenständig als vollkommen neue Handlung mit leicht überzogenem Humor, überraschend tiefgründiger Charakterzeichnung und toller Darstellerinteraktion.
„Die Hochzeit unserer dicksten Freundin ist ab dem 25. Oktober in den deutschen Kinos zu sehen!“

