All diejenigen, die die leider landläufige Meinung vertreten, Animationsfilme seien „nur etwas für Kinder“, dürften beim gemeinsamen Familienausflug ins Kino eine große Überraschung erleben. Mit PARANORMAN bietet sich ein etwas anderer Blick in eine Knetmassenstadt. Tolle Animationen und und eine herzerwärmende Filmstory machen aus diesem unkonventionellen Filmspaß etwas ganz Besonderes.
Der Plot
Der titelgebende Held Norman aus der Kleinstadt Blithe Hollow hat eine ganz besondere Gabe: er kann tote Menschen sehen und mit ihnen kommunizieren. Durch diese Eigenschaft ist er an seiner Schule ein Außenseiter und seine Klassenkameraden meiden ihn. Zuhause sieht es auch nicht harmonischer aus. Seine oberflächliche große Schwester Courtney hält ihn für verrückt und wenn Norman allabendlich mit seiner verstorbenen Großmutter spricht, können es sich auch seine Eltern nicht verkneifen, ihren kleinen Sprössling ebenfalls „ein wenig merkwürdig“ zu nennen. Es ist eben schwierig, seine Umgebung von etwas zu überzeugen, was sie mit eigenen Augen nicht sehen kann.
Kritik
Die mit Horrorelementen durchtränkte Knetmassenparty rund um den Titelhelden Norman, ist eine faszinierende Hommage an das Splatter- und Horrorkino der Siebziger und Achtziger Jahre. Auf ungeheuer charmante Art und Weise reiht sich ein augenzwinkernder Verweis an den nächsten. Unter anderem auf Klassiker wie „Halloween“, „Nightmare on Elm Street“ und „Der Tod steht ihr gut“. Zwischen die vielen ironischen Anspielungen schlängelt sich eine niedliche Handlung, die auf der einen Seite kindgerecht aufgezogen ist, auf der anderen Seite aber gerade den erwachsenen Zuschauern jede Menge Spaß bietet. Vor allem die kantigen Hauptfiguren schließt der Zuschauer schnell in sein Herz. Wirklich hübsch anzusehen sind sie alle nicht, umso deutlicher sticht dafür der Charakter hervor. Damit zeigt „ParaNorman“ früh auf, dass der Film sich ungern darauf beschränken lassen möchte, ein konventioneller „Kinderfilm“ zu sein. Denn auch, wenn sämtliche Werbung und Trailer sich vor allem an ein junges Publikum richten, so zeigt sich deutlich, dass vor allem viele der Lacher den Erwachsenen vorbehalten bleiben werden. Für diejenigen, denen sich die parodistischen Elemente nicht erschließen, bietet sich neben derer allerhand Klamauk. Dabei verzichtet man bis auf nahezu eine einzige Szene gänzlich auf Slapstick, zeigt aber in dieser, dass „ParaNorman“ noch viel komischer hätte werden können, wenn man es nicht bei ihr belassen hätte. Hauptsächlich zieht der Animationsfilm seinen Humor jedoch aus ironischen Dialogen und den übermäßig stereotypen Figuren.
Doch leider ist es fraglich, ob dieser ganz besondere Streifen das Zeug dazu hat, in Deutschland zum Publikumsmagneten zu werden. Denn all die vielen kleinen Details, die rasante Action, die spritzigen Dialoge und der überraschende Enttwist können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film keine eindeutige Zielgruppe hat. Sich an Geheimtipps-orientierende Horrorfans dürften durchaus den Weg ins Kino finden. Für den klassischen Kino-Familienausflug ist „ParaNorman“, wie bereits lang und breit beschrieben, allerdings nicht geeignet. Ein eventueller Kultstatus könnte dem kleinen Zauberwerk jedoch trotzdem bevorstehen. Denn wie schon einige seiner ähnlich gestrickten Vorgänger wie unter Anderem „Nightmare before Christmas“ oder „Corpse Bride“, die allesamt eine ähnliche Publikumsorientierung besaßen, könnte auch „Paranorman“ zu einem Kassenschlager des Heimkinos werden.
Bis es soweit ist, ist die charmante Gruselmär ab dem 23. August erst mal im Kino zu bewundern. Vielleicht als einer der Geheimtipps des Kinojahres 2012.

