Mit BEAUTIFUL CREATURES – EINE UNSTERBLICHE LIEBE liefert Regisseur Richard LaGravanese die nächste Verfilmung eines Jugendroman-Bestsellers ab. Wieder ist es die Lovestory zwischen einem übernatürlichen Wesen und einem ganz normalen Menschen und wieder geht es dabei vor allem um eines: Die Sehnsüchte all der Teenie-Herzen erfüllen, die man zwischen 12 und 16 Jahren so hat. Ob das Ganze wenigstens halbwegs vergnüglich ist oder ob sich der Jugendmysteryhype mittlerweile totgelaufen hat, lest Ihr in meiner neuen Kritik.
Der Plot
Außenseiter Ethan (Alden Ehrenreich) wird Nacht für Nacht von finsteren Albträumen heimgesucht. In diesen trachtet eine unheimliche Macht einer geheimnisvollen Schönheit nach dem Leben, doch jedes Mal, wenn Ethan ihr zu Hilfe eilt, ist es zu spät. Umso erstaunter ist er, als sich die Schöne als seine neue Mitschülerin entpuppt: Lena Duchannes (Alice Englert), Nichte des gefürchteten und von den Dorfbewohnern gemiedenen Macon Ravenwood (Jeremy Irons), einem Gutsbesitzer mit zweifelhafter Herkunft. In der Schule hat es Lena nicht leicht und wird von ihren Mitschülern gleichsam gemieden wie verspottet, doch Ethan steht ihr bei – hat er sich doch längst in die Frau seiner Träume verliebt. Dass die Außenseiterin jedoch ein Geheimnis birgt, bleibt auch ihm nicht verborgen und so offenbart Lena ihm schon bald, dass auf ihrer Familie ein uralter, finsterer Fluch lastet. Lena selbst ist ein Caster – eine Hexe. Kurz vor ihrem 16. Geburtstag steht sie vor einem entscheidenden Ereignis: An diesem Tag wird sich offenbaren, ob Lena ihr Leben im Reich der Finsternis fristet, oder als „gute Hexe“ weiterleben darf. Während Lena selbst und Teile ihrer Familie bestrebt sind, die Fünfzehnjährige auf der guten Seite zu halten, werden die dunklen Mächte von Tag zu Tag spürbar stärker – dagegen scheint auch die Liebe zu Ethan nichts ausrichten zu können…
Kritik
Nach Lovestorys über menschenliebende Vampire und zombieliebende Menschen reiht sich mit „Beautiful Creatures“ die nächste übernatürliche Liebesgeschichte in die Historie des Teenie-Schmonzettenkinos ein. Während „Warm Bodies“ die Story um einen Untoten, der sich in eine Frau verliebt, ohne zu viel Kitsch, auf durchweg sympathische Weise erzählte und es die „Twilight“-Saga immerhin im finalen Akt schaffte, ein paar Fehler aus den vorherigen Teilen auszumerzen, nimmt es die Regiearbeit von Richard LaGravanese („PS: Ich liebe dich“) kaum mehr genau mit ausgeklügelten Storylines und vielschichtigen Figuren. Kurzum: Die Fantasygeschichte, die, wie auch ihre Genrekollegen, auf einem Bestseller basiert, weiß auf kaum einer Ebene zu überzeugen und gibt sich in mehrerlei Hinsicht mit dem Einfachsten zufrieden.
Unter den „alten Hasen“ Hollywoods überzeugt vor allem „Borgias“-Gesicht Jeremy Irons als Macon Ravenwood, der gerade in der ersten Dreiviertelstunde keinen Hehl daraus macht, wie sehr er sich in seiner Rolle genießt. Mit spitzer Zunge und einer akzentuierten Spielweise, die stets mit den Sympathien und Antipathien des Publikums spielt, gibt er die ansehnlichste Leistung im gesamten Ensemble ab und übertrumpft damit vor allem Kollegin Emma Thompson (Professor Sybil Trelawney in „Harry Potter“). Ihre Rolle der durchgeknallten Mrs. Lincoln ist zwar von vornherein als ein Extrem angelegt, das mit Übertreibungen spielt und kaum ernstgenommen werden möchte, doch in der hier dargebrachten Form wirkt die Figur durch das fiese Overacting seitens Thompson noch viel kurioser als vermutlich gewollt. Das gilt, nebenbei bemerkt, auch für viele kleinere Nebenrollen. Erwähnenswert ist neben Irons lediglich noch Viola Davis („The Help“), die wie schon so oft zuvor dank ihrer Liebenswürdigkeit und Wärme gefällt, die sich auch in ihrer Rolle in „Beautiful Creatures“ wiederspiegelt.
Fazit: „Beautiful Creatures“ ist die äußerst schwache Umsetzung des Fantasyromans „16 Moons – Eine unsterbliche Liebe“, die in dieselbe Kerbe haut wie die Romane der „Twilight“-Saga, dabei jedoch jede Art der Daseinsberechtigung vermissen lässt. Die Figuren sind blass und werden – mit Ausnahme einiger Altstars – ebenso blass verkörpert. Die Story nimmt ihren Lauf, wie man es von derartiger Genrekost erwartet, spart dabei aber jede Art von Überraschung aus und scheint bloß nichts riskieren zu wollen. Lediglich die Optik und ordentlich eingesetzte Effekte machen „Beautiful Creatures“ immerhin ansehnlich – ein Grund, für diesen Streifen ein Kinoticket zu lösen, ist das aber noch lange nicht.
„Beautiful Creatures“ ist ab dem 4. April in den deutschen Lichtspielhäusern zu sehen.

