DER HORRORFILM: WARUM EIGENTLICH?
Die Frage nach der Faszination von Horrorfilmen, also Bewegtbildern, die beim Zuschauer explizit Schrecken, Unbehagen, Ekel oder Angst hervorrufen sollen, existiert, seit der erste horrende Streifen um etwa 1910 („Mary Shelleys Frankenstein“) über die Leinwände flimmerte. Auch wenn die Story um das verstörende, von dem wahnsinnigen Dr. Frankenstein geschaffene Monster zu damaliger Zeit nur als Stummfilm realisiert werden konnte, offenbarte sich schon damals, dass das Publikum auf eine derartige Form der Kultur nicht ausschließlich mit Abneigung reagiert. Im Laufe verschiedener Dekaden – bis heute – übte das Gruselfilmgenre eine immer größere Anziehungskraft auf das zahlende Publikum aus. Dabei orientierte sich vor allem Filmstoff aus den USA nicht ausschließlich an fiktiven Ideen um des Schreckens Willen, sondern die großen Genre-Filmer wie George A. Romero, John Carpenter oder Wes Craven verarbeiteten darin reale Ängste von den Schrecken des Vietnamkriegs („Night of the Living Dead“), über die allgegenwärtige atomare Bedrohung („Hügel der blutigen Augen“), die Übermacht der Kirche („Der Exorzist“) bis hin zum falsch verstandenen Patriotismus („Hostel“).
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WARUM DAS GENRE SEINEN BILLIGEN RUF NICHT VERDIENT
Bis heute zählt das Horrorgenre zu denen, die nicht nur mit den symbolträchtigsten Mitteln arbeiten, sondern auch gleichzeitig am deutlichsten Statements setzen, um der Bevölkerung die Misstände der Gesellschaft vor Augen zu führen. Interpretationen von Filmen, die auf den ersten Blick nach billigsten Grundsätzen funktionieren und den Schock über substanziellen Mehrwert stellen, enden nicht selten in neu gewonnenen Erkenntnissen über die eigene Person, die Gesellschaft in der man lebt oder allem zusammen. Dies macht diese Filmsparte gleichzeitig aber vor allem zur spannendsten und abwechslungsreichsten, die trotz ihrer diversen, ernsten Untertöne auch – im wahrsten Sinne des Wortes – schrecklich unterhalten kann. Ganz gleich, ob man sich nebenher mit der Message der Produktionen auseinandersetzt oder nicht, begibt man sich jedes Mal erneut in die Hände des Schaurigen und Unvorhersehbaren, um sich für wenige Stunden einer kontrollierten Angst auszusetzen; vergleichbar in etwa mit einer Achterbahnfahrt.
Um meinen Lesern ein paar Anregungen zu geben, mit welchen gelungenen Horrorfilmen sich der nächste DVD-Abend am besten bestücken lässt, präsentiere ich an dieser Stelle die Filme, die bei mir nach wie vor den wohligsten Grusel auslösen und daher ganz klar zu meinen Lieblingen in diesem Genre gehören. Wem der eine oder andere Klassiker fehlen sollte, dem sei gesagt, dass ich hier nicht die besten Filme ausgewählt habe, sondern diejenigen, die mich in meiner langen Zeit als Horrorfilmliebhaberin am meisten begeisterten. Der Übersicht halber kommen diese selbstverständlich im altbewährten Countdownmodus und mit Ausnahme der ersten Platzierungen, können die hinteren Plätze, je nach Lust und Laune, variieren. Viel Spaß!
15 / DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY
UK 2009 | Regie: Oliver Parker | Darsteller: Ben Barnes, Collin Firth, John Hollingworth, Cato Sandford, Ben Chaplin, Pip Torrens, Fiona Shaw | Trailer
Vor allem bei der Darstellerwahl gelang mit dem damals noch weitestgehend unbeschriebenen Blatt Ben Barnes („Der Dieb der Worte“) ein Glücksgriff. Seine blasse, jugendliche Erscheinung, die sich immer weiter den Sünden der feinen Gesellschaft hingibt und schließlich seine Seele für die Schönheit verkauft, könnte kaum besser besetzt sein. Im Zusammenspiel mit den Nebenfiguren, allen voran Collin Firth („The King’s Speech“), behält Barnes stets seine geheimnisvolle Anmut bei, sodass sich der Grusel vor allem aus der Undurchsichtigkeit der Hauptfigur entwickelt. Erst im Finale zeigt sich der Horror schließlich auch noch von seiner drastischeren Seite. Da man hier jedoch nicht in eine ganz andere Gangart fiel, harmoniert das Schlussbild mit dem Rest des Films. Eine ausführliche Besprechung findet ihr zudem hier: *klick*
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14 / WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN
UK/IT 1973 | Regie: Nicolas Roeg | Darsteller: Julie Christie, Donald Sutherland, Hilary Mason, Clelia Matania, Massimo Serato, Renato Scarpa, Giorgio Trestini | Trailer
Wie schon auf Platz Nummer 15 fällt auch die Einordnung von „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ – im Original übrigens simpel „Don’t Look Now“ – in das Horrorgenre als ausschließliches schwer. Der Film von 1973 beginnt als ruhiges Drama, das harten Tobak präsentiert. Das Paar Laura und John Baxter, das mit einer Mischung aus Leidenschaft und Melancholie herausragend von Julie Christie („Doktor Schiwago“) und Donald Sutherland („M.A.S.H.“) verkörpert wird, verliert durch einen dramatischen Unfall seine Tochter. Das Mädchen ertrank, gekleidet in einen knallroten Regenmantel, im See und konnte nicht mehr rechtzeitig von seinen Eltern gerettet werden. Ab diesem Zeitpunkt dominieren sowohl die Farbe rot, als auch das Element Wasser die Szenerie. Kein Wunder also, dass das vom Schicksal gezeichnete Paar ausgerechnet in Venedig versucht, mit der Trauer umzugehen. Hier trifft Laura auf zwei alte Damen, die behaupten, mit ihrer Tochter in Kontakt zu stehen. Immer mehr lässt sich die trauernde Mutter auf die Erzählungen der beiden Frauen ein, bis plötzlich Unfälle passieren, John an Wahnvorstellungen leidet und es scheint, als würden beide vom Geist ihrer toten Tochter verfolgt…
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13 / ORPHAN – DAS WAISENKIND
USA/CA/D/FR 2009 | Regie: Jaume Collet-Serra | Darsteller: Vera Farmiga, Peter Sarsgaard, Isabelle Fuhrman, CCH Pounder, Jimmy Bennett, Margo Martindale, Karel Roden | Trailer
Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz im Horrorgenre. Dieses besagt: Wann immer ein Kind auftaucht, hat der Erwachsene im Film ein Problem. Und die in „Orphan – Das Waisenkind“ haben ein sehr großes. Die Story erzählt von Kate (Vera Farmiga) und John (Peter Sarsgaard), die nach einer erlittenen Fehlgeburt planen, ein Kind zu adoptieren. In einem Waisenhaus treffen sie auf Esther (Isabelle Fuhrman), die auf Anhieb einen Draht zu John entwickelt. Das Paar nimmt das extrem reife und intelligente Mädchen bei sich auf und alles scheint idyllisch, bis Esther anfängt, Kate und John gegeneinander auszuspielen und ihre Adoptivgeschwister zu bedrohen. Viel zu spät begreift die Familie, welche Gefahr von ihrem neusten Mitglied ausgeht.
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